Photonenhaushalt: Eine technische Analyse der GRAVITY-Serie für die Meerwasseraquaristik

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5. Fünf Baugrößen, eine Spektralform

GRAVITY ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Baukasten. Alle fünf Baugrößen teilen sich dieselbe Kanalarchitektur, dieselbe Doppel-Optik und dasselbe Spektrum – es ändert sich nur die Anzahl der Cluster und damit Fläche und Gesamtintensität. Im Einzelnen (Quelle siehe Tabelle unten):

GRAVITY 21 – 2 Cluster, 30 W. Zwei Cluster, dreißig Watt, und ein Lichtbild, das selbst anspruchsvolle SPS-Korallen überzeugt. Die GRAVITY 21 ist die kompakteste Einheit der Serie – ideal für Nano-Riffe, Ablegerbecken und präzise Akzentbeleuchtung, ohne Kompromiss beim Spektrum.


GRAVITY 21, zwei LED-Cluster, 30 W Systemleistung – die kompakteste Einheit der Serie. Quelle: b-spx.com.


GRAVITY 22 – 4 Cluster, 60 W. Vier Cluster in quadratischer Abstrahlgeometrie. Die GRAVITY 22 deckt Mixed-Reef-Becken genauso souverän ab wie SPS-dominierte Setups und setzt mit vollem 5-Kanal-Spektrum Maßstäbe im mittleren Segment.


GRAVITY 22, vier LED-Cluster in quadratischer Anordnung, 60 W Systemleistung. Quelle: b-spx.com.


GRAVITY 32 – 6 Cluster, 90 W. Sechs Cluster im asymmetrischen 3×2-Format, abgestimmt auf rechteckige Riffbecken – mit voller Systemleistung, auch wenn einzelne Kanäle heruntergedimmt sind.


GRAVITY 32, sechs LED-Cluster im 3×2-Format, 90 W Systemleistung. Quelle: b-spx.com.


GRAVITY 42 – 8 Cluster, 120 W. Acht Cluster auf 40 Zentimetern Länge, gebaut für große Rifflandschaften – für Tridacna direkt unter der Oberfläche ebenso wie für SPS-Kolonien, die spürbar mehr Licht brauchen. Kein Kühlgebläse, kein Geräusch.


GRAVITY 42, acht LED-Cluster auf 40 cm Länge, 120 W Systemleistung. Quelle: b-spx.com.


GRAVITY 43 – 12 Cluster, 180 W. Zwölf Cluster, 180 Watt, die stärkste Einheit der Serie – mit PAR-Werten, die auch anspruchsvolle Profi-Systeme und Schaubecken überzeugen, bei weiterhin nur 10 mm Gehäusehöhe.


GRAVITY 43, zwölf LED-Cluster, 180 W Systemleistung, 10 mm Gehäusehöhe. Sichtbar: die Doppel-Optik pro Cluster (breite Streulinse plus zentrale Fokussierlinse). Quelle: b-spx.com.



Modul Cluster System- leistung Abmessungen Licht- strom PPF (400–700 nm) PAR @ 20 cm Richt- preis
GRAVITY 21 2 30 W 200 × 100 × 10 mm ~938 lm ~46,3 µmol/s ~900 269 €
GRAVITY 22 4 60 W 200 × 200 × 10 mm ~1.876 lm ~92,6 µmol/s ~1.450 319 €
GRAVITY 32 6 90 W 300 × 200 × 10 mm ~2.814 lm ~139,0 µmol/s ~1.950 429 €
GRAVITY 42 8 120 W 400 × 200 × 10 mm ~3.752 lm ~185,3 µmol/s ~2.400 499 €
GRAVITY 43 12 180 W 400 × 300 × 10 mm ~5.628 lm ~277,9 µmol/s ~3.200 649 €

Quelle: GRAVITY-Technikdatenblätter33, Stand August 2026. Richtpreise UVP, Stand Erhebung.


Alle Module teilen sich Netzteilspannung (24 V DC), Steuerungsprotokoll (b.CON, WLAN/Access-Point und Cloud) und Montagesystem, sodass sich mehrere Einheiten zu größeren Flächen kombinieren lassen, ohne die Spektralcharakteristik zu verändern. Für den Aufbau selbst gibt es ein modulares Halterungssystem aus eloxiertem Aluminium (L- und U-Halter, Verbindungsprofile in 300/500/1000/1500 mm), das werkzeugfrei höhenverstellbar und mit Kabelführung ausgestattet ist.

Genau darin liegt der eigentliche Wert des Baukastens: Es gibt bei GRAVITY keine falsche Wahl, weil sich die Module rechnerisch wie physisch addieren. Zwei GRAVITY 32 (je 90 W, 6 Cluster) ergeben in Summe exakt dieselbe Leistung und Clusterzahl wie eine einzelne GRAVITY 43 (180 W, 12 Cluster) – nur eben mit einem entscheidenden Unterschied: Die zwei kleineren Module lassen sich wahlweise unmittelbar nebeneinander montieren und wie eine einzige große Leuchte betreiben, oder mit Abstand zueinander positionieren und einzeln ausrichten, um zwei unterschiedliche Bereiche des Riffaufbaus gezielt zu versorgen. Eine feste 180-W-Einzelleuchte kann nur Ersteres. Wer heute mit einer GRAVITY 21 oder 22 startet, kann später jederzeit ein weiteres Modul ergänzen, ohne die vorhandene Investition zu entwerten – das modulare Konzept macht die Anfangsgröße zur Nebensache. Wie sich das in der Praxis anordnen lässt, zeigt der spätere Abschnitt zum Light Scaping.


6. Warum ein Datenblatt nie das ganze Bild zeigt

Jede der obigen Tabellen bezieht sich auf eine einzelne Leuchte unter Referenzbedingungen: eine Montagehöhe, eine Achse, Volllast. Das ist die Grundlage für einen fairen technischen Vergleich – aber es ist nicht das Setup, in dem ein Riffbecken tatsächlich lebt. Ein Datenblatt beschreibt eine Leuchte im leeren Raum. Ein Becken enthält mehrere kombinierte Module, unterschiedliche Montagehöhen und Kippwinkel je Cluster, eine variable Wassertiefe, eine dreidimensionale Aufbaustruktur mit Selbstbeschattung, und Korallen, die nicht alle auf derselben Ebene sitzen.

Variable Im Datenblatt Im realen Becken
Montagehöhe Fixiert (hier: 20 cm) Frei wählbar, oft mehrere Höhen im selben Setup
Clusterausrichtung Alle Cluster senkrecht Individuell geneigt (±20°, 360°), teils seitlich
Anzahl Module Ein einzelnes Modul Kombination mehrerer Module über die Beckenlänge
Beckentiefe / -form Nicht abgebildet Variiert je Aufbau, oft nicht rechteckig
Position der Kolonie Nicht abgebildet Verteilt über Riffstruktur, teils im Schatten anderer Aufbauten
Wasserqualität / Trübung Nicht abgebildet Beeinflusst Transmission zusätzlich


Aus diesem Grund lässt sich die Eignung einer Leuchte grundsätzlich nicht an einer Leuchte allein beurteilen, sondern nur am fertigen Setup – der Kombination aus Modulwahl, Montage und Beckengeometrie. Für genau diese Aufgabe habe ich mit LiST (Light Scaping Tool) die nach meiner Kenntnis erste wirklich professionelle Planungssoftware für Meerwasserbeleuchtung entwickelt: eine browserbasierte, kostenlose Anwendung, die nicht mit geschätzten Faustregeln arbeitet, sondern mit den tatsächlichen, spektroradiometrisch gemessenen Werten der jeweiligen Module rechnet34. Den Begriff „Light Scaping“ – die gezielte, an der individuellen Riffstruktur ausgerichtete Kombination mehrerer kleinerer Lichtquellen anstelle einer einzelnen Großleuchte – habe ich für dieses Prinzip geprägt. Ausgehend von einem Foto des eigenen Beckens lassen sich Korallen im Aufbau markieren; das Tool berechnet daraus Modulanzahl, Montagehöhe und Ausrichtung und liefert eine räumliche PAR-Verteilung für die konkrete Beckengeometrie statt für ein abstraktes Referenzszenario35.

Der Unterschied ist kein kosmetischer: Zwei baugleiche Becken mit identischer Leuchte können, je nach Montagehöhe, Kippwinkel und Aufbau, an derselben Position um mehrere hundert µmol/m²/s auseinanderliegen. Eine Kaufentscheidung allein auf Basis eines Datenblatt-Höchstwerts ist damit bestenfalls eine Näherung – eine Systemsimulation auf Basis echter Messwerte ist eine Berechnung.


7. Verarbeitung: was passiert, wenn die Physik nicht mitspielt

Ein Teil der Belastbarkeit von GRAVITY liegt nicht im Spektrum, sondern in der Bauweise. Die Leuchtkörper sind bei 10 mm Gehäusehöhe komplett passiv gekühlt – kein Lüfter, keine beweglichen Teile, keine Geräuschentwicklung, dafür eine Lebensdauererwartung von über 50.000 Stunden36. Die Leuchte ist mit IP69 klassifiziert und sogar hochdruckreinigerfest; die LED-Ebene ist im Vakuum vollflächig optisch verglast laminiert, was Sauerstoffzutritt zum Phosphor der LEDs über die Lebensdauer verhindert und damit Farbverschiebungen durch Alterung reduziert37.

Für den Praxisalltag gehört dazu ein aufsteckbarer Blendschutz, der ohne Werkzeug auf- und abgenommen werden kann. Er ist ausschließlich dazu gedacht, bei tiefer Betrachterposition oder hohem Anstellwinkel des Blicks das Blenden in den Augen des Betrachters zu verringern – er hat keinen optischen Effekt auf das Lichtbild im Wasser und verändert damit auch nichts an Spektrum, Winkel oder Intensität, die bei der Koralle ankommen:


Snap-on-Blendschutz für vier GRAVITY-Cluster, werkzeugfrei montierbar – reduziert nur den Blendeindruck im Auge des Betrachters, kein optisches Bauteil im eigentlichen Sinn. Quelle: b-spx.com.


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robertbaur

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