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Das Spektrum gliedert sich in fünf unabhängig dimmbare Kanäle:
| Kanal | Bezeichnung | Wellenlänge / Kennwert | Funktion |
|---|---|---|---|
| CH1 | Weiß + UV-A | 6.500 K + 390 nm, CRI 97 | Vollspektrum-Tageslicht, Formfarbe, Fotografie/Inspektion |
| CH2 | Royal Blue | 435–475 nm (Peaks 440/460 nm), 99,3 % Reinheit | Fluoreszenzanregung, PUR-Hauptträger |
| CH3 | Actinic | 400–445 nm (Peaks 400/420 nm), 99,6 % Reinheit | Tiefblaue PUR-Dichte, gewebeschonend ausgelegt |
| CH4 | Pink | Cyanblau + Orange, Peaks ~450/620 nm | Pigment- und Farbtiefe, Rot-/Grünbetonung |
| CH5 | Cyan-Booster | 480 nm, 89,5 % Reinheit | Übergangsband Blau–Grün, Klarheit, kein Lückenfüller |
Quelle: ph-aquaristik.de8, b-spx.com/en/collections/gravity9
Das eigentlich interessante Detail ist, was fehlt: die sogenannte Cyan-Lücke. Viele Reef-LEDs mit betont blauem Spektrum zeigen zwischen 480 und 500 nm ein Absorptionstal, weil dort weder das Weißkanal-Spektrum noch die Blaukanäle nennenswert Leistung liefern – ausgerechnet der Bereich, in dem Peridinin am breitesten arbeitet. Bei GRAVITY ist der Weißkanal bereits durchgängig bis in diesen Bereich ausgelegt, und CH5 verstärkt ihn zusätzlich, statt ihn erst zu reparieren. Schematisch sieht die Kanalverteilung so aus:
Balken zeigen den vom Hersteller definierten Wellenlängenbereich je Kanal, weiße Striche markieren die publizierten Peaklagen. CH1 endet bei 390 nm (naher UV-A/Violett-Übergang) und reicht nicht in UV-B oder UV-C. CH4 (Pink) ist gemäß EVERFINE-PMS-2000-Einzelkanalmessung (GRAVITY 21, 100 % Leistung) korrekt als zwei getrennte Bereiche dargestellt: ein dominanter Cyanblau-Anteil (~450 nm) und ein sekundärer Orange-Anteil (~620 nm, ca. 20 % der Peak-Intensität) — nicht, wie zuvor unkorrigiert dargestellt, ein einzelner Orange-Block. Eigene Darstellung nach Herstellerangabe und Werksmessdaten, mit KI-Unterstützung erstellt und gegen Messwerte validiert.
Ergänzend zur schematischen Kanalverteilung zeigt die folgende Grafik die real gemessenen Spektralkurven je Kanal, bezogen auf eine gemeinsame Skala — sie machen sichtbar, dass CH4 (Pink) und CH5 (Cyan-Booster) bewusst als leistungsschwächere Akzentkanäle ausgelegt sind, während CH2 (Royal Blue) und CH3 (Actinic) die höchste Einzelleistung liefern:
Gemessene Spektren der 5 Einzelkanäle bei 100 % Leistung (GRAVITY 21, EVERFINE PMS-2000, C0-Achse/0°), gemeinsame Skala (stärkster Kanal CH3 Actinic = 1,0). CH2 Royal Blue erreicht ~76 %, CH1 Weiß+UV-A ~39 %, CH5 Cyan-Booster ~37 %, CH4 Pink nur ~7 % der Referenzleistung — reale Messkurven statt schematischer Balkendarstellung.
Über eine werkseigene Referenzmessung an einem einzelnen, optisch isolierten Cluster (15 W, bei betriebswarmem Gesamtsystem – die übrigen Cluster liefen elektrisch mit, wurden für die Messung aber lichtdicht abgedeckt) ergibt sich ein Gesamt-Photonenfluss von 46,59 µmol/s im Bereich 400–700 nm, wovon 37,95 µmol/s – rund 81 % – bereits im Bereich 400–500 nm liegen. Dieser Anteil bleibt, wie die eigene Auswertung der Tiefenmessdaten zeigt, über alle fünf Baugrößen und über die gesamte gemessene Tiefe hinweg nahezu konstant bei rund 81 %:
Der PUR-Anteil am Gesamt-PAR schwankt über Tiefe und Modulgröße nur innerhalb der Mess- und Rundungstoleranz um ±1 Prozentpunkt – ein Beleg dafür, dass die Spektralform beim Skalieren nicht verändert wird. Eigene Berechnung aus Werksmessdaten, mit KI-Unterstützung erstellt.
Das ist relevanter, als es zunächst klingt: Es bedeutet, dass ein Aquarianer mit der kleinsten Baugröße (GRAVITY 21) photobiologisch dasselbe Lichtprofil bekommt wie mit der größten (GRAVITY 43) – nur eben in anderer absoluter Intensität. Wer skaliert, verändert nicht das Spektrum, sondern nur die Menge.
Ergänzt wird das durch Dynamic Power Control (DPC): Die Hauptkanäle 1 bis 3 laufen im Vollbetrieb bei rund 66 % ihrer Kapazität. Wird ein Kanal heruntergedimmt, wird die frei werdende Leistung auf die verbleibenden Hauptkanäle umverteilt – ein einzelner aktiver Kanal kann so bis auf 100 % seiner Standardleistung ansteigen, ohne dass die Gesamtsystemleistung überschritten wird. Praktisch entstehen daraus sehr unterschiedliche Lichtstimmungen aus derselben Hardware: von actinic-dominierten Abendszenen bis zu hellen, weißlastigen Kontrollmodi für die Inspektion, oder Shootings mit Coral Pop – ohne zusätzliche installierte Leistung.
Kaum ein Thema wird in Reef-Foren hitziger diskutiert als UV: Etliche Hersteller bewerben dedizierte „UV“-Kanäle mit Peaks bei 380 bis 395 nm, mit dem Versprechen leuchtenderer Farben. Ein Blick auf die tatsächlichen Zahlen relativiert das deutlich – und zeigt vor allem, dass „UV-A“ kein einheitlicher Wert ist, sondern selbst noch einmal in zwei sehr unterschiedliche Hälften zerfällt.
Vom gesamten Sonnenlicht, das die Erdoberfläche erreicht, entfällt im Mittel nur rund 7 % auf den ultravioletten Bereich – der weit größere Rest verteilt sich auf sichtbares Licht (rund 43 %) und Infrarot (rund 49 %)10. Von diesem kleinen UV-Anteil wiederum sind über 95 % UV-A (315–400 nm); UV-B macht nur den kleinen Rest aus, UV-C erreicht den Boden praktisch nicht, weil die Ozonschicht es vollständig herausfiltert11. Keine handelsübliche Meerwasserleuchte – auch keine der Wettbewerber – strahlt nennenswertes UV-B oder UV-C ab; das technische Spektrum der marketingtauglichen „UV“-Kanäle liegt praktisch immer im UV-A-Bereich.
Viele im Handel befindliche Meerwasserleuchten überschreiten aber genau hier den natürlichen Rahmen deutlich: Ihre „UV“-Kanäle liegen nicht nur über dem natürlichen UV-Anteil des Sonnenlichts, sondern schieben ihre Emission zusätzlich in den kurzwelligeren Teil von UV-A ab etwa 350 nm oder darunter – genau den Bereich, der photobiologisch am wenigsten verzeiht. GRAVITY hält den UV-A-Anteil im Weißkanal bei rund 5 % (werkseigen gemessen) – bewusst unter dem natürlichen Sonnenverhältnis – und platziert ihn ausschließlich am äußersten langwelligen Rand bei 390 nm. Das ist kein Zufallswert, sondern ein Sicherheitswert.
Auch innerhalb von UV-A ist die Eindringtiefe alles andere als einheitlich – Nach wellenlängenaufgelösten Messreihen am Roten Meer sinkt die Intensität bei 305 nm (UV-B) bereits nach rund 9,8 m auf 10 % des Oberflächenwerts, bei 320 nm nach 13,9 m – aber bei 380 nm erst nach 43,3 m und bei 395 nm erst nach 52,4 m, also fast im selben Bereich wie PAR an Korallenriffen (27 bis 43 m)12 13. „UV-A“ ist damit kein Block mit einem einzigen Dämpfungswert, sondern ein Verlauf: Der kurzwellige Rand verschwindet fast so schnell wie UV-B, der langwellige Rand hält fast so lange durch wie sichtbares Licht.
Mittlere Tiefen, bei denen noch 10 % der Oberflächenintensität je Wellenlänge vorhanden sind (Rotes Meer, 22 Messtage). Der Anstieg von 9,8 m bei 305 nm auf 52,4 m bei 395 nm zeigt, dass UV-A kein einheitliches Band ist. GRAVITYs 390-nm-Anteil sitzt am sicheren, langwelligen Ende. Eigene Darstellung nach Overmans & Agustí (2019), mit KI-Unterstützung erstellt.
Für die Koralle macht das einen entscheidenden Unterschied. Langwelliges UV nahe des sichtbaren Spektrums treibt einen echten Farbeffekt an: Es regt photokonvertierbare Fluoreszenzproteine an, die dabei irreversibel von Grün nach Rot/Orange umschlagen – ein Mechanismus, der Messungen zufolge noch bei einer Lichtintensität funktioniert, wie sie erst in rund 80 m Tiefe ankommt14. Kurzwelliges UV-A dagegen liefert dazu keinen Beitrag; es löst stattdessen vor allem Abwehrreaktionen aus, etwa die Bildung von Mycosporin-ähnlichen Aminosäuren (MAAs) als körpereigenem UV-Schutz mit Absorptionsmaxima zwischen 310 und 365 nm15. Ein plausibler Grund, warum manche Korallenarten ausschließlich in tieferen Zonen vorkommen: Dort ist der kurzwellige, nur stressende Anteil bereits weitgehend herausgefiltert, während der langwellige, farbfördernde Anteil noch ausreicht.
Genau dieses Verhältnis darf sich aber nicht künstlich verschieben – die Koralle ist dafür evolutionär nicht gerüstet, weil in der Natur nie unabhängig von der Gesamthelligkeit mehr oder weniger UV hinzukommt, sondern beides gemeinsam mit der Tiefe abnimmt. Deshalb hat GRAVITY den UV-nahen Anteil bewusst nicht als eigenen, unabhängig steuerbaren Kanal ausgelegt, sondern fest in den Weißkanal integriert: Wird der Weißkanal gedimmt – etwa um eine tiefere Zone oder einen bedeckten Tag zu simulieren – sinkt der UV-Anteil automatisch im selben Verhältnis mit. Die Gewichtung zwischen UV und sichtbarem Licht bleibt dadurch immer gleich, ganz gleich wie hell oder dunkel eingestellt wird – exakt das Muster, das die Koralle aus der Natur kennt, nur fest auf den sicheren, langwelligen Wert kalibriert.
| UV-Band | Wellenlänge | Anteil am UV-Gesamtanteil (≈ 7 % des Sonnenlichts) | Mittlere Tiefe bis 10 % Restintensität | Bedeutung für die Aquaristik |
|---|---|---|---|---|
| UV-C | 100–280 nm | ≈ 0 % | entfällt (Ozonschicht) | Keine natürliche Entsprechung, keine Meerwasserleuchte strahlt UV-C ab |
| UV-B | 280–315 nm | < 5 % | ca. 9,8–14 m | Keine handelsübliche Meerwasserleuchte hat einen UV-B-Kanal |
| UV-A kurzwellig | 315–350 nm | enthalten in > 95 % | ca. 14–22 m | Verschwindet fast so schnell wie UV-B – nur Stresspotenzial, kein Farbnutzen |
| UV-A langwellig | 350–400 nm | enthalten in > 95 % | ca. 43–52 m | Hält fast wie PAR durch – einziger UV-Bereich, den GRAVITY nutzt (~5 %, Sicherheitswert) |
| Violett/sichtbar | 400–420 nm | – | wie PAR (27–43 m) | Regt Fluoreszenzproteine an, Teil des CRI-relevanten Spektrums |
Quelle: NOAA16; WHO17; Overmans & Agustí (2019)18; Barron, Vivian, Yee & Santavy (2009)19; Bandgrenzen nach ISO 2134820.
Für GRAVITY bedeutet das in Summe eine bewusste Entscheidung: kein dediziertes UV-A-„Blaster“-Feature mit einer Zahl, die beeindrucken soll, sondern ein kleiner, langwelliger, fest mit dem Weißkanal verknüpfter Anteil von rund 5 % – näher am sichtbaren Violett als an dem, was in einem nur wenige Zentimeter tiefen Becken ohnehin keine natürliche Entsprechung hätte.
Photonen sind nicht gleich Photonen, und Korallen sind nicht gleich anspruchsvoll. Die folgende Einordnung fasst publizierte Praxis- und Photobiologie-Werte für eine Auswahl gängiger Aquaristik-Gattungen zusammen:
| Gattung / Gruppe | PAR-Zielbereich (µmol · m⁻² · s⁻¹) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Trachyphyllia (Sandkoralle) | 50–150 | Sandbodenbewohner, verträgt Werte über 150 schlecht, bleicht bei zu viel Licht statt bei zu wenig 21 22 |
| Xenia (Pulskoralle) | 50–200, Optimum ~100–150 | Pulsverhalten unabhängig von hoher Intensität, wächst bei moderatem Licht oft schneller 23 |
| Euphyllia (Hammer-/Fackel-/Zackenkoralle) | 80–200, Optimum ~100–150 | Wenig lichtempfindlich in der Breite, reagiert aber empfindlich auf schnelle Änderungen 24 |
| Sarcophyton (Lederkoralle) | 100–250, Bleichrisiko ab ~450–500 | Spektralqualität beeinflusst Wachstumsrate stärker als reine Intensität 25 |
| Montipora | 150–300, einzelne Formen bis 400–450 | Plattenformen toleranter für mittlere Tanklagen 26 |
| SPS allgemein | 200–400 | Gattungsübergreifender Richtwert, starke Artvarianz 27 |
| Acropora | 200–450, Extremformen bis 700–750 | Anspruchsvollste Gruppe der Aquaristik, hohe PUR-Abhängigkeit für Wuchsform und Farbe 28 |
| Tridacna derasa / squamosa | 150–450 (bis 600) | Photosynthetisch aktive Riesenmuschel, eigene Zooxanthellen-Population im Mantelgewebe 29 |
| Tridacna maxima / crocea | 250–450 (bis 700) | Höherer Bedarf als die größeren Tridacna-Arten, typischerweise flacher im natürlichen Habitat 30 |
Die Symbiodinium-Klade selbst ist dabei kein Nebendetail: Untersuchungen an Montastraea zeigen, dass verschiedene Kladen (A, B, C, teils weitere Typen) sich systematisch nach Lichthabitat und Tiefe verteilen, wobei lichttolerantere Kladen in flacheren, helleren Zonen dominieren31. Zwei Kolonien derselben Art können also, abhängig von ihrer Symbiontenbesetzung, unterschiedlich auf dasselbe PAR-Niveau reagieren – ein Grund, warum Zielwerte in der Tabelle Bereiche und keine Fixpunkte sind.
PAR-Zielbereiche ausgewählter Korallengattungen im Vergleich, aggregiert aus Aquaristik-Praxisdaten und Photobiologie-Literatur. Werte sind Orientierungsbereiche, keine Absolutgrenzen, und variieren je nach Herkunft, Photoacclimatisierung und Symbiodinium-Klade der Kolonie. Eigene Darstellung, mit KI-Unterstützung erstellt.
Setzt man diese Zielbereiche gegen die tatsächlich gemessenen Tiefenprofile der GRAVITY-Serie (siehe Grafik unten), ergibt sich ein nutzbares Planungsraster: Ein Trachyphyllia-Ziel von 100 PAR liegt bei der GRAVITY 43 erst bei rund 74 cm Tiefe an, bei der kompakteren GRAVITY 21 bereits bei rund 45 cm. Acropora im mittleren Zielbereich von 300 PAR liegt bei der GRAVITY 43 bei knapp 50 cm Tiefe, bei der GRAVITY 21 schon bei rund 24 cm (nach denselben Werksmessdaten wie oben). Welche Baugröße dabei die richtige ist, lässt sich nicht falsch beantworten, solange man das modulare Prinzip mitdenkt: Zwei GRAVITY 32 ergeben in Summe exakt dieselbe Leistung und Clusterzahl wie eine einzelne GRAVITY 43 (dazu im folgenden Abschnitt zu den fünf Baugrößen mehr). Die folgende Grafik zeigt die gemessenen Rohwerte:
Gemessener PAR-Verlauf über die Tiefe für alle fünf GRAVITY-Baugrößen, logarithmische Darstellung, EVERFINE PMS-2000, Montagehöhe 20 cm, Volllast. Eigene Darstellung nach Werksmessdaten, mit KI-Unterstützung erstellt.
Gemessener PAR-Verlauf über die Tiefe für alle fünf GRAVITY-Baugrößen, logarithmische Darstellung, EVERFINE PMS-2000, Montagehöhe 20 cm, Volllast. Eigene Darstellung nach Werksmessdaten, mit KI-Unterstützung erstellt.32
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