MONTIPORA-SCHNECKEN

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Montiporafressende Nacktschnecken – Phestilla subodiosus, von Martin Hendel

Erfahrungen im Umgang zur Verhinderung dieser häufigen Plage im Riffaquarium

Es gibt fast keinen Korallenriffaquarianer, der nicht mindestens einmal während seiner Laufbahn mit einer unkontrollierten Vermehrung dieser Schnecken im Heimaquarium beschäftigt war. Und wer sie noch nicht hatte, kann sie schneller bekommen, als man es dem Lebensstil einer Schnecke zutrauen würde.

Ob Anfänger oder Fortgeschrittener – Porenkorallen (Montipora) finden sich in vielen unserer Aquarien wieder. Montipora-Arten (z. B. Montipora digitata) sind oftmals die ersten Steinkorallen in vielen Riffaquarien und gelten daher weithin als „Einsteigerkorallen“. Aber auch der erfahrene Hobbyist weiß die oft bunt gefärbte Gattung zu schätzen und hält besonders langsam wachsende und extrem farbintensive Arten (z. B. Crazy T, Beach Bum).

Die Schnecken bleiben oft über längere Zeit unbemerkt, bis man eines Tages seine Korallen beobachtet und Fraßspuren wahrnimmt. Große Kolonien der plattenförmigen Montipora-Arten werden gerne befallen und von innen nach außen gefressen. Astförmige oder verkrustende Arten werden nach meiner Ansicht von unten nach oben angefressen.

Dabei weicht das gesunde Korallengewebe samt Polypen den offensichtlichen, großflächig weißen Fraßspuren. Sobald eine Montipora kein gutes Polypenbild zeigt, sollte neben der Kontrolle der Wasser-, Strömungs- und Lichtparameter unbedingt nach diesem Schädling Ausschau gehalten werden.

Ausgewachsene Tiere sind mit ihren ungefähr acht Millimetern Länge in der Regel gut zu erkennen und zu entfernen. Vor allem nachts können mithilfe einer Taschenlampe die Korallen abgesucht und einige dieser Tiere entdeckt werden. Generell leben diese Plagegeister gut versteckt, zum Beispiel an den Unterseiten der sogenannten „Monti-Platten“.

Wie kommen diese Nacktschnecken in unsere Aquarien?

Eine Hypothese wäre, dass die Schnecken – oder eher deren Eigelege – latent in vielen Zuchtanlagen und Heimaquarien vorhanden sind. Je nach Fischbesatz wird ein großer Ausbruch im Zaum gehalten und dadurch kein nennenswerter Schaden verursacht.

Laut Literaturangaben legen die Nacktschnecken bis zu 100 Eier, welche nach 36 bis 96 Stunden schlüpfen. Die Geschlechtsreife tritt bereits mit Vollendung der ersten Lebenswoche ein. Die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit lässt erahnen, dass, wenn die Tiere einmal im System sind, das Problem bereits entstanden ist. Es ist daher ratsam, alle neuen Korallen gewissenhaft zu kontrollieren, um ein Einschleppen der Tiere bestmöglich zu verhindern.

Hier sollte man wie gewöhnlich ein Parasitenbad mit im Handel erhältlichen Produkten durchführen. Auch hilft es sehr, die Koralle vom Ablegerstein zu trennen, da an diesem oft die Eier sitzen. Ist dies nicht erwünscht, bietet es sich an, die Steine oder die Unterseite von Plattenarten mit einer kleinen Bürste leicht zu reinigen.

Wer die Möglichkeit zu einer Quarantäne hat, sollte neue Korallen separat halten, über einen längeren Zeitraum beobachten und gegebenenfalls wiederholt baden bzw. behandeln.

Wenn die Plage ausbricht

Sollte die Plage dennoch im Aquarium ausbrechen, empfiehlt sich die allabendliche Suche nach ausgewachsenen Schnecken rund um das kahlgefressene Korallengewebe. Diese kann man mit einer Pipette oder Pinzette absammeln oder außerhalb des Beckens während eines Parasitenbades vorsichtig abbürsten.

Der Versuch, eine eigene Badelösung mithilfe von Wasserstoffperoxid herzustellen, ist bei mir kläglich gescheitert, wenngleich dies eine durchaus verbreitete Methode darstellt. Die gebadeten Korallen haben die dreiprozentige Wasserstoffperoxid-Lösung, eins zu eins mit Beckenwasser verdünnt, nicht überstanden.

Ein Abpusten der auf den Korallen sitzenden Schnecken mit einer Pipette ist kritisch zu bewerten, da die Tiere so schneller auf andere Montiporen übersiedeln können. Bei einem guten Lippfischbesatz ist dies aber eventuell eine Notfalloption, da die Fische gezielt nach den Schnecken suchen können. Teilweise ist es auch möglich, die Schnecken mit einer Bratenspritze oder Pipette abzusaugen.

Bei meinem letzten Ausbruch ging es so weit, dass ich nachts die gesamte Sichtscheibe voller Schnecken hatte. Das zeigt, wie rasant sich diese Tiere ausbreiten und in sämtliche Ecken unseres Biotops eindringen können.

Das größte Problem bei der Bekämpfung sind die Eigelege. Es ist oft unmöglich, diese überhaupt zu identifizieren. Daher zieht sich die Kur über viele Wochen bis Monate – Geduld und Nerven sind gefragt.

Behandlungsmöglichkeiten

Je nach Beckenvolumen stehen diverse weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Am sichersten ist es, sämtliche Montiporen aus dem Riff zu entnehmen, Schadstellen zu entfernen und das Problem in einem separaten Becken zu behandeln. Ich würde zweimal pro Woche ein Parasitenbad und eine Kontrolle mit der Lupe empfehlen. Nach etwa sechs Wochen ohne Befund können die Korallen zurück ins Schaubecken. Das ist ein aufwendiges und ernüchterndes Unterfangen, insbesondere große Kolonien zu zerteilen.

Wir hatten ebenfalls versucht, die Korallen für eine Stunde am Tag in ein separates Becken mit der Tanzgarnele Rhynchocinetes durbanensis zu setzen. Dieser wird nachgesagt, die Nacktschnecke zu fressen. Im Hauptbecken wird vom Einsetzen der Tanzgarnele abgeraten, da sie Appetit auf Korallengewebe entwickeln kann. In unserem Fall haben fünf Garnelen keine Hilfestellung geleistet. Eine dauerhafte Zusammenführung kann effizient sein, jedoch ist es schwer, die Garnelen so zu füttern, dass sie die Schnecken fressen, aber nicht die Korallen.

Weiterhin ist der Sechstreifenlippfisch (Pseudocheilinus hexataenia) ein beliebter Parasitenfresser. Auch dieser half bei unserer Schneckenplage nicht weiter – trotz separatem Becken ohne Zusatzfütterung. Der Grund hierfür ist vermutlich die schlechte Zugänglichkeit der Schnecken am Tag und das Schlafverhalten des Fisches in der Nacht.

Sechsstreifen-Lippfisch Pseudocheilinus hexataenia

Lippfische der Gattung Halichoeres sind schon lange bekannt als ausgezeichnete Wahl gegen diese Plage. Da diese Fische jedoch sehr schwimmfreudig sind und eine ordentliche Größe erreichen, sind sie für Becken unter 150 cm Kantenlänge meist ungeeignet. In meinem Fall hatte ich bereits seit Jahren einen Indischen Kanarienlippfisch (Halichoeres leucoxanthus) und einen Regenbogenlippfisch (Halichoeres melanurus) im Becken. Die ausgewachsenen Tiere zeigten jedoch keinerlei Interesse an den Schnecken. Ein Ansatz ist, dass gut genährte, ältere Lippfische ihre natürlichen Futtergewohnheiten ablegen.

Indischer Kanarien Lippfisch Halichoeres leucoxanthus

Daher entschloss ich mich, neben dem täglichen Absammeln, neue Halichoeres-Lippfische einzusetzen. Ich habe vor allem nach jungen Tieren Ausschau gehalten und bin mit einem Halichoeres timorensis (Timors Lippfisch), einem Schmuckjunker (Coris cometa) und einem weiteren Halichoeres leucoxanthus fündig geworden. Viele Experten schwören jedoch auf den Kanarienlippfisch (Halichoeres chrysus). Je nach Beckengröße muss man gegebenenfalls Altbesatz abgeben, um das Gleichgewicht zu halten.

Ein kleiner Hinweis: Bei der Haltung von Muscheln kann es mit diesen Fischen Probleme geben. In meinem Fall haben die neuen Bewohner Phestilla subodiosus erfolgreich dezimiert, und die Montiporen stehen nach vielen Monaten noch immer ohne Befall sehr gut da. Das geschädigte Gewebe hat sich regeneriert und neues Wachstum ist eingetreten.

Leider ist über den genauen Lebenszyklus dieser Art noch wenig bekannt. Viele Punkte bleiben Vermutungen und basieren auf persönlichen Erfahrungen. Es bleibt zu hoffen, dass eines Tages durch Forschung und Entwicklung eine endgültige Lösung für dieses Problem vorliegen wird.

Zum Thema gibt es auch ein sehr informatives Video von Martin Hendel.


und von uns gibt es auch noch eines:





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robertbaur

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