Leider gibt es weltweit immer noch etliche skrupellose Tierfänger sowie Groß- und Einzelhändler die verschiedenste Arten Falterfische fangen bzw. sie in den Handel bringen, obgleich es hinlänglich bekannt ist, dass exakt diese Arten längerfristig so gut wie keine Überlebenschance in einem „normalen“ Meerwasseraquarium haben. Anfängern unseres wunderschönen Hobbys gegenüber ist das nicht nur unfair, sondern wie schon geschrieben, skrupellos zu nennen. Anfänger wissen es schlicht nicht besser und kaufen oft für viel Geld einen Fisch, für den auch bei bester Pflege, leider nur eine sehr begrenzte Lebenserwartung in einem Aquarium beschieden ist. Erfahrene Aquarianer sollten solche Tiere schlicht nicht kaufen und dadurch längerfristig dafür sorgen, dass diese Tiere nicht mehr Importiert bzw. überhaupt in den Handel gelangen. Ganz bewusst habe ich diesen Aspekt zu Anfang meines Artikels platziert um Anfänger zu warnen, da es ansonsten eine recht „teure“ Erfahrung werden kann. Dies betrifft selbstverständlich nicht NUR Falterfische, auch viele weitere Arten teilen das gleiche Schicksal.
Eine von vielen Fragen (sinngemäß) die in Foren rund um den Globus oftmals zu lesen sind: „ Ich besitze ein XXX L Riff-Aquarium und möchte mir einen oder mehrere Falterfische anschaffen. Welche Arten sind einfach zu halten und welche Arten würden Sie einem Anfänger empfehlen?“
Die passende Antwort: „Zunächst finde ich es sehr lobenswert das Sie sich VOR der Anschaffung eines solchen Tieres darüber erkundigen welches Tier für einen Anfänger geeignet ist und eine gute bis sehr gute Überlebenschance in Ihrem Aquarium hätte. Es gibt derzeit etwa 120 Arten, unterteilt in ca. 12 Gattungen der Familie „Chaetodontidae“, in meinen Augen sind aber lediglich eine „Handvoll“ darunter, die ich als eingeschränkt geeignet für einen Anfänger bezeichnen würde.“
Verschaffen wir uns zunächst einen groben Überblick über die verschiedenen Gattungen und schauen welche Arten für eine Haltung in Gefangenschaft, denn nichts anderes ist eine Aquarienhaltung, geeignet erscheinen. Auf Grund der verschiedenen Ernährungsgewohnheiten lassen sich Falterfische relativ gut in fünf verschiedene Gruppen aufteilen. So gibt es die sogenannten „obligatorischen Korallenfresser“, diese Arten leben so gut wie ausschließlich von Korallenpolypen. Dann gibt es da die „fakultativen Korallenfresser“, sie ernähren sich hauptsächlich von Plankton, verschmähen aber Korallenpolypen durchaus nicht, nippen also immer wieder einmal daran und schädigen diese dadurch längerfristig. Dann hätten wir da noch die Gruppe Falterfische die sich hauptsächlich von Invertebraten, den sogenannten „Wirbellosen“ ernähren. Einige wenige weitere Arten ernähren sich hauptsächlich von Algen und Plankton. Nur die letztgenannte Gruppe kann als tatsächlich „reef save“ bezeichnet werden da man sie meist problemlos mit „herkömmlicher“ Aquariumnahrung (Flakes, Pellets, Frostfutter wie Artemia, Krill usw.) ausreichend gut ernähren kann. Alle anderen Gruppen werden über kurz oder lang, mehr oder weniger „Schaden“ an Korallen und sonstigen Mitbewohnern im Riff-Aquarium anrichten, kurz gesagt, sie werden sie „auffressen“ weil das ihrem natürlichem Verhalten entspricht. Alle anderen Gruppen, insbesondere die erstgenannte Gruppe, sind meist nur schwer bis überhaupt nicht an „Ersatznahrung“ zu gewöhnen. Auch ich habe in dieser Hinsicht im laufe der letzten nahezu 30 Jahre mein „Lehrgeld“ gezahlt, kann also aus eigener Erfahrung berichten.
In der Gruppe der sogenannten „fakultativen“ oder auch „gelegentlichen Korallenfresser“ gibt es einige Arten die man durchaus als „Aquarium-tauglich“ und hart bezeichnen kann, andere Gruppenmitglieder wiederum sind so gut wie überhaupt nicht an ein Leben in Gefangenschaft zu gewöhnen. Da sich die erstgenannte Gruppe fast ausschließlich von Korallenpolypen ernährt, ist eine Haltung in einem Riffaquarium im herkömmlichen Sinn nicht möglich es sei den man ergänzt den Bestand an SPS Korallen ständig um ausreichend Nahrung zur Verfügung stellen zu können (ja, auch so etwas soll es geben). Einige wenige Tiere lassen sich so tatsächlich nach und nach auf Ersatznahrung umstellen, eine letzte Sicherheit dafür gibt es allerdings auch in diesem Fall nicht.
Falterfische die sich meiner Meinung nach überhaupt nicht für ein Leben in Gefangenschaft eignen sind folgende Arten:
Chaetodon aureofasciatus - (Goldstreifen-Falterfisch)Chaetodon austriacus - (Rotmeer Rippelstreifen Falterfisch)
Chaetodon baronessa - (Baroness-Falterfisch)
Chaetodon bennetti - (Bennetts Falterfisch)
Chaetodon larvatus - (Rotkopf-Falterfisch)Chaetodon melapterus - (Arabischer Rippen-Falterfisch)
Chaetodon meyeri - (Gebänderter Falterfisch)
Chaetodon octofasciatus - (Achtbinden-Falterfisch)
Chaetodon ornatissimus - (Orangestreifen-Falterfisch)
Chaetodon plebeius - (Blaupunkt-Falterfisch)
Chaetodon reticulatus - (Perlen-Falterfisch)
Chaetodon speculum - (Einfleckfalterfisch)
Chaetodon triangulum - (Indik-Baroness-Falterfisch)Chaetodon trifascialis - (Sparren-Falterfisch)
Chaetodon trifasciatus – (Rippelstreifen-Falterfisch)
Sind die Ernährungsgewohnheiten ein erster Faktor der über „Aquarium-tauglich“ oder eben "untauglich" entscheidet, kommen weitere Faktoren hinzu. So gibt es einige Arten die sehr empfindlich auf schlechte Wasserqualität reagieren, andere wiederum auf aggressive Mitbewohner und wieder andere sind mehr oder weniger anfällig für bestimmte Krankheiten. Auch gibt es innerhalb einiger Arten signifikante Unterschiede in der „Aquarium-härte“ der einzelnen Individuen. So pflegte ich über einen längeren Zeitraum eine Gruppe Sattelfleck-Falterfische ( Chaetodon ephippium). Einige gewöhnten sich sehr schnell ein, andere Tiere der Gruppe benötigten einen längeren Zeitraum und fraßen zu Anfang keinerlei Ersatznahrung und ein Tier verhungerte regelrecht ohne das ich auch nur das geringste dagegen hätte tun können. Auch gibt es unterschiedliche Verhaltensweisen und Ernährungsgewohnheiten innerhalb einzelner Arten, was wiederum von unterschiedlicher Provenienz herrühren kann. Große bzw. adulte Tiere gewöhnen sich meist wesentlich schlechter an Aquariumbedingungen als Jungtiere, hier ist eine „echte“ Quarantäne oftmals sehr hilfreich da man die Tiere OHNE vorhandene Futter- bzw. Reviergegner füttern und stressfrei eingewöhnen kann. Wie die Tiere gefangen wurden und wie letztlich die Transportbedingungen waren ist ein weiterer Aspekt der Berücksichtigung finden muss. Dies ist für uns als Käufer allerdings nur in den wenigsten Fällen nachvollziehbar.
Zu den Falterfische die ich für „erfahrene“ Riff-Aquarianer als durchaus gut bis sehr gut haltbar bezeichnen möchte sind die folgenden Arten zu zählen:
Chelmon rostratus - (Orangebinden-Pinzettfisch oder Kupferbinden-Pinzettfisch)
Forcipiger longirostris - (Langmaul-Pinzettfisch)
Chaetodon adiergastos - (Panda Falterfisch)
Chaetodon fasciatus - (Tabak-Falterfisch)
Chaetodon flavirostris - (Schwarzer Falterfisch)
Chaetodon fremblii - (Heller Blaustreifen-Falterfisch)
Chaetodon pelewensis - (Diagonalstreifen-Falterfisch)
Chaetodon mertensii - (Winkel-Orangenfalterfisch)
Chaetodon rafflesi - (Großschuppen-Falterfisch)
Chaetodon semeion - (Blaustirn-Falterfisch)
Chaetodon semilarvatus - (Maskarill -Masken- Falterfisch)Chaetodon xanthurus - (Gitter Orangenfalterfisch)
Chaetodon auriga - (Fähnchen - Falterfisch)
Chaetodon decussatus - (Rauch-Falterfisch oder Schwarzflossen-Vagabund)
Chaetodon kleinii – (Klein's Falterfisch)
Chaetodon lunula - (Mondsichel-Falterfisch)
Chaetodon melannotus - (Streifen-Falterfisch)
Chaetodon miliaris - (Zitronen-Falterfisch)
Chaetodon ulietensis - (Pazifischer Doppelsattel-Falterfisch)
Chaetodon vagabundus - (Vagabund-Falterfisch)
Forcipiger flavissimus - (Gelber Langnasen Pinzettfisch)
Hemitaurichthys polylepis - (Gelber Pyramiden-Falterfisch)
Es würde mich freuen wenn ich ein wenig dazu beitragen konnte „die richtige Wahl“ für Ihr Aquarium zu treffen. Über Feedback, ob nun als eMail (heinz.mahler@meerwasser-lexikon.de) oder auch ein Eintrag in das Gästebuch meiner Homepage (http://reefdreams.de), würde ich mich ebenfalls sehr freuen.
Heinz Mahler © November 2009
08.11.2009
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Hi, großes Kompliment an den Verfasser das ist ein super Artikel und sollte zum Nachdenken anregen. Meine Erfahrung mit dem Chelmon ist die das meiner nun seit 2 Monaten im Becken ist. Er war 5cm groß als ich ihn gekauft habe und mein Becken war 1,5 Jahre in Betrieb. Ich glaube der Fisch hat jedemenge Futter im Gestein und er hat auch sofort angefangen zu picken. Schon im Laden habe ich mir zeigen lassen das er frisst. Erfrass Artemia und Müsis. Bei mir zu Hause hat das 1 Tag gedauert da hat er die erste Artemia Gefressen. Mitlerweile frisst er gierig wenn ich Frostfutter anbiete (alle 2 Tage). Die restliche Zeit pickt er im Gestein rum. Ich glaube das ich entweder ein super Tier erwischt habe oder mein Becken bereit für den Fisch war. Vieleicht liegt es auch an der Größe des Beckens (1200l) aber ich glaube bei mir gets dem gut. Was er allerdings nicht macht ist Glasrosen fressen. Das war aber auch nicht der primäre Grund des Kaufs. CU Ralph |
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| Beitrag vom 03.02.2010 - 11:58 | |||||||||||
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Super interessant und wissenswert und sachlich. bin wirklich begeistert, |
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| Beitrag vom 10.12.2009 - 04:44 | |||||||||||
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Ein sehr guter und vor allem aus Erfahrung sprechender Artikel. Was ich noch erwähnen will ist, das mein rostratus das DSB als wertvolle Nahrungsquelle nutzt. Viele Aquarianer gehen in Läden, sehen diese wunderschöne Gattung und kaufen spontan nach aussehen. Und das nicht immer weil sie nicht vom Händler korrekt aufgeklärt wurden. Es wird immer Aquarianer geben denen es völlig egal ist ob das Tier nach drei Monaten verhungert oder vielleicht doch gerade so überlebt. Was übrig bleibt, ist meist sind tote Falter (oder andere spezielle). |
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| Beitrag vom 14.11.2009 - 14:45 | |||||||||||
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Der Artikel ist gut und fundiert geschrieben und liefert eine wertvolle Entscheidungsgrundlage für Anfänger. Leider lesen viele "Anfänger" nicht viel, sonder kaufen erst Dieser Hinweis/Beitrag soll keine Aufforderung sein "Falter" zu halten! Es soll nur die, vermeintlich durch unser Hobby, als allzu dramatisch dargestellten "Schäden" etwas relativieren. Auch ich beschäftige mit seit über 20 Jahren mit diesem schönen Hobby. In der ganzen Zeit hatte ich einen Chelmon und einen C. Kleini (aus bekannten Gründen). Verhungert sind sie bei mir nicht, irgendwann hab´ ich sie dann weiter gegeben. Ich sehe das ganze allerdings etwas pragmatischer. In der Natur überleben 95% aller Jungfische nicht ein Jahr zum nächsten, weil sie gefressen werden. Jetzt könnte man weiter darüber diskutieren ob gefressen werden, oder verhungern angenehmer ist Zur Überfischung trägt das Aquaristikhobby sicher auch nicht bei, das ist Fakt. Die grösste Gefahr für Riffe und deren Bewohner sind Umwelteinflüsse und andere Faktoren, wie Dynamitfischen, Auffüllen von Lagunen zur Landgewinnung und andere Faktoren die den Lebensraum der Rifftiere beeinträchtigen und dem Ökosystem massiv schaden. |
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| Beitrag vom 13.11.2009 - 19:41 | |||||||||||
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Hallo F360mod na ja ich mach das jetzt seit ca. 20 Jahren (gut) und der Chelmon ist ganz sicher einer der am meisten verheizte (und gekaufte) Fisch aus der Gruppe der Falterfische. Von daher ist es meiner Meinung nach absolut gerechtfertigt und sogar wichtig dass man genau da drauf auch eingeht. Oft werden die gekauft und verhungern nach einigen Monaten, weil sie eben dann kein Ersatzfutter annehmen. Um so schöner wenn es bei Dir geklappt hat Gruß Robert |
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| Beitrag vom 10.11.2009 - 14:08 | |||||||||||
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Ich muß mich auch mal hier in die Diskussion einmischen bzw. zu dem Bericht meine Meinung abgeben. Ich betreibe nun dieses Hobby auch schon viele Jahre und sehe die Hauptproblematik nicht nur bei den Tierhaltern, sondern auch bei den Zoofachgeschäften. Die meisten Zoofachgeschäfte importieren alles was möglich ist. Und je ausgefallener um so besser. Dazu versuchen sie sich noch in den Preise zu unterbieten. Zum Beispiel werden nicht Nachzuchten von Kaudernis angeboten, da der Wildfang immer noch um mehr als die Hälfte günstiger ist. Auch wird dem Kunde jeder Fisch verkauft. Egal ob er nun leicht zu pflegen ist oder nicht. Es wird alles schön geredet. Ich mußte dies selber schon des öftern erfahren und hab deshalb mein Konsumverhalten im Bezug auf den Kauf von Tieren auch drastische geändert. Wenn dieses Verhalten von den Zoofachgeschäften, sowie vom Endverbraucher sich nicht bald ändert, tragen wir unseren Beitrag zur Überfischung der Meere auch bei (wenn wir das mittlerweile nicht schon tun!!!) Ich hoffe ich habe mit dieser nicht allzu ausfühlrichen Meinung vielleicht einen kleinen Denkanstoss gegeben. Mit salzigen Grüßen Jan |
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| Beitrag vom 09.11.2009 - 21:44 | |||||||||||
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Freut mich wenn Ihr Chelmon rostratus lebt und offensichtlich Putz munter ist. Sie haben/hatten entweder ein glückliches „Händchen“ oder haben schlicht alles richtige gemacht, dass möchte ich Ihnen gar nicht absprechen. Was aber sagt das über die Chancen der vielen Tausend die im Jahr importiert werden aus? NICHTS. Schätzungsweise mehrere zehntausend Deutsche begeistern sich für unser Hobby, es werden allerdings geschätzte sechs Millionen Meeresfische (Korallenfische) jedes Jahr importiert. Wo bleiben die alle? Kann ich Ihnen sagen. Die meisten überleben schon die ersten 4 Wochen nicht und der Rest stirbt innerhalb des ersten Jahres, die allermeisten davon wegen falscher Haltung oder Ernährung. Natürlich gibt es viele die Glück haben, die meisten allerdings leider nicht. Weder Sie noch Ich ändern etwas an dieser Tatsache, aber ich zumindest möchte es versuchen. | ||||||||||
| Beitrag vom 09.11.2009 - 18:32 | |||||||||||
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Lieber Heinz, ich weiß gar nicht wie ich es richtig und gut ausdrücken soll Hab ganz herzlichen Dank für den fundierten und äußerst wissenswerten Bericht zu den Faltern. Ich hoffe dass sich viele Neue vor der Anschaffung von Faltern diesen zu Gemüte führen. Und natürlich ebenfalls unseren herzlichen Dank für die Veröffentlichung dieses und anderer und bestimmt auch zukünftiger Fachberichte. Lieben Gruß Robert PS: Ich freue mich schon auf Deinen Vortrag in Sindelfingen. |
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| Beitrag vom 08.11.2009 - 11:14 | |||||||||||