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Über Joerg Kokott

Die letzten Beiträge von Joerg Kokott

Erfahrungen mit der Riffsystem Keramik aus Bayern

Joerg Kokott: Hallo Harald

wieso behauptest Du, ich würde schreiben, dass die Keramik nur mit dem sangokai System funktioniert?

Ich würde Dich bitten, das hier durchaus an Zitaten oder Absätzen zu kommentieren, weil ich mir sehr viel Mühe gegeben habe, auf absolut sachliche und fachliche Art und Weise das Funktionsprinzip meines sangokai Systems in Abhängigkeit von einem Dekorationsmaterial zu erläutern. Hätte ich hiermit Werbeslogans gearbeitet, würde ich Deinen Kommentar diesbezgl. akzeptieren. Meine Auffassung dahingehend ist aber eine andere, daher die Bitte, dass Du mir erklärtst, wo ich mich zu einer Aussage habe hinreißen lassen, die zu Deiner Schlußfolgerung führt.

Mit dem energetischen Aspekt hast Du sicherlich recht, das man hier anhand von Fakten zeigen müsste, wo mehr Ressourcen und Energie umgesetzt wird. Wobei die Herstellung des Materials eben nicht ohne Nutzen ist, sondern wir dadurch ein sehr gutes Material (ich meine die Riffsystem Keramik) erzeugen können.

Zum old-tank Syndrome: den Begriff habe ich nicht benutzt!
Ich versuche den jedenfalls nicht aktiv zu gebrauchen, weil er für mich ehrlich gesagt gar nicht existiert. Das old-tank Syndrome scheint mir mehr einer Abfindung gleichzukommen, weil ein Problem das aufgrund einer Fülle möglicher Begleichtzustände nicht mehr auf eine Ursache beschränkt erörtert werden kann. Ein Syndrom eben.

Wobei sukzessive Ablagerungen von Detritus oder chemischen Niederschlägen welcher Natur auch immer in Abhängigkeit von der Strömungsversteilung und auch der Dekoration zu langfristigen Problemen führen können. Wenn Du das old-tank syndrome also als das Resultat einer "mangelhaften Sorgfalt" beschreibst, dann soll mir das recht sein. Dieser Begriff zeugt von Willkür und fasst vermutlich ganz unterschiedliche praktische Probleme unter einem Dach zusammen, dass man ihn auch gleich wieder aus dem Vokabular streichen kann.

@Peter: nachträglich, klar, Daten sind letztlich immmer gut, wenn sie denn vergleichbar sind, und vielleicht ist es ein Ansatz. Allerdings befürchte ich, dass solche Daten bzw. die Schlußfolgerungen aus den Daten wieder mißbraucht werden, um von den eigentlichen Aufgaben des Aquarianers und auch des beratenden Händlers abzulenken. Das macht es dem Händler letztlich wieder einfacher, dem Kunden ohne viel Zeit und Anstrengung irgend etwas zu verkaufen. Und solche Richtwerte und Faustregeln haben wir schon genug. Aus rein akademischer Sicht gebe ich Dir aber Recht, es ist ein Ansatz, den man verfolgen kann und sollte.

Liebe Grüße
Jörg

Erfahrungen mit der Riffsystem Keramik aus Bayern

Joerg Kokott: Hallo,

danke für all die Beiträge, ich freue mich darüber, dass hier so viel geschrieben wird und darüber viele Punkte auf den Tisch gebracht werden, die man hervorragend diskutieren kann. Ich gehe hier mal punktuell vor:

1) Ehrlich gesagt arbeite ich persönlich nicht zu 100% mit keramischen Materialien, sondern kombiniere die Grundgestaltung z.B. mit der Riffsystem Keramik mit lebenden Steinen. Dazu verwende ich frische Lebendgesteinplatten, und auch möglichst kleine, weil man diese sehr gut auf den horizontalen Auflageflächen platzieren kann. Darüber habe ich dann auch die Artenvielfalt, die man mit dem sangokai System fördern kann.

2) Wie hier auch schon im letzten Bsp. bezgl. der Glasrosen gesagt wurde, verlangen sehr viele Kunden nach einer sterilen keramischen Dekoration, um möglichen Plagen von Glasrosen angefangen über lästige Makroalgen wie z.B. Dictota vorzubeugen. Ich selbst arbeite wie gesagt immer mit lebenden Steinen, aber wer das eben nicht möchte, muss eben dafür Sorgen, dass man möglichst schnell Korallen einbringt. Das, was z.B. an Importkorallen an Biofilmen auf den Substratsteinen ist, reicht für eine Animpfung absolut aus, und ich persönlich sehe darin auch ein ähnlich großes Potential wie bei lebenden Steinen, nur, dass ich hier in der Regel nich so massive Makroalgen vorfinde, die sich schnell ausbreiten.

3) Das tote Riffgestein wurde schon angesprochen, hier bekommt man beim Kauf wenig Informationen darüber, wo diese Steine herkommen und was sie an partikulären Nährstoffen gespeichert haben. Seitens der Hersteller wird der sofortige Phosphatadsorbereinatz empfohlen, um sich rücklösende Phosphatmengen gleich abzuziehen. Ich selbst bin da zwar eher dagegen und empfehle auch hier einen möglichst schnellen Korallenbesatz, damit der Stein durch die platzierten Korallen abgeschattet wird und eine Nährstoffkonkurrenz entsteht. Ich stelle also die Frage, warum totes Riffgestein besser geeignet sein soll, als eine Keramik, die nicht signifikante Mengen an Nährstoffen enthält und zudem auch noch eine Form besitzt, die vorteilhafter ist als ein ggf. klobiger Riffstein mit vielen naturgemäß abgerunden Kanten, die einen stabilen Aufbau nicht unbedingt ermöglichen?

3) Wir sollten bei dieser Diskussion auch nicht die Naturentnahmen von lebenden Steinen und auch von totem Riffgestein vergessen. Die Aussage, dasstotes Riffgestein billiger ist, dann frage ich auch hier, wie es billiger und v.a. ökologisch sinnvoller sein kann, Steine quer über den Globus zu fliegen. Das ein in Deutschland in Handarbeit gefertigtes Keramikmaterial teurer ist als totes Riffgestein, das in Indonesien u.a. mit einer absolut nicht vergleichbaren Lohnstruktur abgebaut wird, bedeutet nicht, dass das Material dadurch wirklich billiger ist. Nur der Handelspreis ist billiger, aber bezogen auf die Arbeit und v.a. die ökologischen Auswirkungen ist es teurer. Das sollten wir an dieser Stelle nicht vergessen.

4) Nur mit lebenden Steinen zu arbeiten erachte ich aus eben genannten Gründen für falsch. Ich platziere lebende Steine immer nur exponiert im Licht und in der Strömung. Dadurch kann ich die Steine auch lange in einer entsprechenden Qualität erhalten. Einen kostbaren lebenden Stein im Unterbau zu verwenden, wo er durch Licht- und Strömungsmangel abstirbt, ist nicht nur Verschwendung, sondern birgt auch den Nachteil, dass hier gleich durch die absterbende Biomasse in und auf den Steinen Nährstoffdepots entstehen, die das System langfristig belasten. Lebendegestein muss sinnvoll eingesetzt werden!

5) Lebendgestein ist zudem auch nicht immer gleich. Das Lebendgestein grundsätzlich hochporös ist, wie es hier beschrieben wird, ist nicht gan richtig. Je evolutiv älter ein lebender Stein ist, desto stärker ist er verdichtet, und erfüllt alles andere als die Gegebenheiten, wie Ben sie beschreibt. Das merkt man auch dann an der Masse bezogen auf das Volumen eines Steins. Es gibt hochverdichtete Platten, die kaum mehr porös sind. Demgegenüber sind z.B. Lebende Steinen aus Heliopora Massiven zu porös, d.h. die Porengröße erlaubt im Inneren kein konstantes Sauerstoffgefälle, das an einer bestimmten Stelle dann eine saubere Denitrifikation ermöglicht. Durch die großen Poren neigen diese Steine schnell zur Entwicklung von Nitrit, als Zwischenprodukt in der Denitrifikation, dadurch, dass sich Schwankungen im Sauerstoffgehalt ergeben. Solche Steine sind empfindlich gegenüber der Entstehung von Bryopsis. Aus diesem Grund verwende ich Lebendgestein aus Heliopora nie. Die schön mit Makroalgen bewachsenen Riffplatten aus Indonesien sind zwar leicht und formschön, und auch ideal porös. Aber sie sind eben echte Makroalgen Schleudern, und hier hat man schnell das Problem, dass sich diese Makroalgen stark vermehren. Für die Stabilität im Riffaquarium ist das zunächst gut, allerdings verschiebt sich dabei die Dominanz hin zu den Algen. Was ich schon ansprach, war die Bedeutung des schnellen Korallenbesatzes als Initiator dafür, dass eine korallenfreundliche Umgebung entsteht. Bei solchen makroalgenlastigen Steinen entsteht aber schnell eine Umgebung, die stark von den Algen geprägt ist, und insbesondere empfindliche Steinkorallen ín ihrem Wachstum bzw. in ihrer Etablierung im Aquariensystem hemmt.

Wie jedes Material hat auch Lebendgestein Vor- und Nachteile, die man kritisch diskutieren muss. In diesem Fall ist die Porösität wie Ben Sie beschreibt keine absolute Größe, sondern in Lebendgestein extrem variabel. Demgegenüber kann sie im keramischen Material mehr oder weniger gut bestimmt und festgelegt werden (wobei ich hier als Nicht-Hersteller keine Fakten und Daten dazu kenne). Die von mir genannten optimale Annäherung der Riffsystem Keramik an die Struktur von lebenden Steinen bezieht sich auf ein Lebendgestein, dass ich persönlich als "Mustergestein" ansehe. Nicht jeder lebende Stein ist gut geeignet, wie ich es schon beschrieben habe, und ich arbeite nicht mit jedem x-beliebigen Riffgestein (bsp. Helioporasteine).

6) Abschliessend möchte ich noch einmal betonen, dass dieser Artikel eine sehr gut geeignete Keramik vorstellt und anhand dieser wichtige gestaltungsrelevante Parameter erörtert. Der Leser sollte auch beachten, dass ich an keiner Stelle in irgend einer Weise vorgebe, wie jemand sein Aquarium zu gestalten hat. In keiner Weise schließe ich die Verwendung von lebenden Steinen aus, im Gegenteil, die Kombination mit lebenden Steinen wird auch im Artikel erwähnt.

7) Was die Dosierangaben angeht: ein Hersteller muss grundsätzlich eine Dosierangabe machen, und natürlich kennt er beim Verkauf des Produktes nicht den Endkunden oder sein Becken. Aber, und darauf lege ich viel Wert, stelle ich mich als Hersteller zur Verfügung, um z.B. mit Hilfe meines Anamnesebogens ein Kundenbecken auszuwerten und zu optimieren. Bei Pflanzendüngern steht auch eine Dosierangabe, und der Anwender muss erkennen, ab wann er seine Pflanze ggf. auch überdüngt hat. Das ist in der Aquaristik nicht anders. Als Hersteller stehe ich als Ansprechpartner grundsätzlich zur Verfügung, und das kann die Lücke zwischen fixer Dosierangabe und dem individuellen Bedarfsfall schliessen.

8) Thomas schreibt, dass er aus meinem Bespiel bzgl. des Spurenelementbedarfs in Anlehnung an die Nitrifikation schließt, dass bei einem bestehenden Nitratabbau kein Defizit an Eisen und Molybdän besteht. Zum einen ist die Nitrifikation nicht die Denitrifikation, also kein Nitratabbau. Mein Beispiel bezieht sich auf die Oxidation von Ammonium zu Nitrit und Nitrat. Das nur zur Klarstellung. Zum anderen ist der allgemeine Nährstoffhaushalt um Weiten komplexer als hier angenommen wird. Ich habe nur an einem einzigen Beispiel, nämlich der Nitrifikation, erörtert, dass dieser Stoffwechselweg Spurenelement-abhängig ist. Es gibt unzählige andere Stoffwechselprozesse, wie die Denitrifikation, Ammonifikation, Polyphosphatakkumulierung, Schwefelreduktion, etc. Wir können also nicht sagen, dass ein Ökosystem ausreichend mit Spurnelementen versorgt ist, nur weil wir Nitrat im Wasser haben und wiederum daraus schliessen, dass die Nitrifikation funktioniert. Im sangokai System geht es nicht um Nitrat und Phosphat, sonden um möglichst alle Stoffwechselwege und Nährstoffkreisläufe, die potentiell im Aquarium ablaufen können.

Ich hoffe, dass ich alle Punkte soweit diskutiert habe und freue mich auf viele weitere Beiträge!

Beste Grüße
Jörg

Erfahrungen mit der Riffsystem Keramik aus Bayern

Joerg Kokott: Hallo Gerd,

der Artikel ist fachlich gehalten, weil solche Hintergründe leider in keinen Büchern stehen. Wie man Steine aneinanderklebt, oder zu allgemeinen Themen bezgl. praktischer Methoden zur Aquariengestaltung, steht vieles in der Literatur oder in Internetforen. Darum soll es hier nicht gehen. Sondern nur darum, welche Kriterien eine Aquariengestaltung berücksichtigen muss und welche Auswirkungen die Gestaltung auf die Aquarienbiologie haben kann. Die Riffsystem Keramik ist für mich eben eine, die diese Kriterien sehr gut erfüllt.

Das Material ist wie jede andere Keramik auch tot und nicht vorgehältert. Wobei man solche Dinge ja auch mit einem Händler vor Ort vereinbaren kann, der vor dem Kauf das Material eine Woche in seine Anlage einbaut, sofern hierzu Kapazitäten vorhanden sind.

Bakterien und v.a. viele andere Mikroben kommen mit lebenden Steinen, Bakterienpräparaten, und vor allem mit den Korallen in das Becken. Das Material muss nicht eine komplett intakte Bakterienflora aufweisen, damit man in das Becken Korallen einstellen kann. Es ist sogar eher so, dass in meinem Riffaquarienkonzept der frühe Korallenbesatz diese Animfpung übernimmt. Einer Koralle ist es egal, ob im Aquarium die Nitrifikation funktioniert, v.a. weil sie selbst durch die Aufnahme von Ammonium in den Stickstoffhaushalt selbst einwirkt. Daher stellt sich hier gar kein Zusammenhang, wie Du ihn vermutlich annimmmst. Es gibt auch nicht die "eine" Bakteriengemeinschaft im Riffaquarium, schon gar nicht können wir Einfluß darauf nehmen, wo welches Bakterium wächst. Wir können nur durch eine sinnvolle und v.a. offene/lockere Gestaltung dafür sorgen, dass wir keine Flächen oder Orte im Aquarium erzeugen, in denen die Bakterien irgend etwas machen, was wir nicht wollen. Stichwort unspezifische Dekorationsoberfläche: hier haben wir je nach Gestaltung nicht die Möglichkeit der Besiedlung mit Korallen etc, sondern diese Flächen werden v.a. von bakteriellen Biofilmen dominiert und wir erzeugen z.B. eine hohe Nitrifikationstätigkeit. Wenn wir diese nicht wünschen, dann können wir nur durch eine entsprechend optimalere Gestaltung darauf Einfluß nehmen.

Ich persönlich bringe lieber einen Schwung Korallen ein und nutze ein paar wenige lebende Steine, die ich sinnvoll in die Dekoration integriere, als dass ich zu einer Falsche industriell gezogener Bakterien greife. Was man auch machen kann, aber dadurch wird letztlich keine ökologische Stabilität erlangt. Sondern die kommt erst dann, wenn die Korallen anfangen, durch ihre Stoffwechselaktivität und durch ihr einsetzendes Wachstum die Umgebung zu kontrollieren. Und das setzt eben den Aquarianer in die Pflicht, frühzeitig zu handeln. Das sangokai Grundnährstoffsystem ist genau darauf ausgerichtet und spezialisiert.

Grüße
Jörg

Erfahrungen mit der Riffsystem Keramik aus Bayern

Joerg Kokott: Hallo Peter,

danke für Deinen konstruktiven Beitrag. Ich kann zu den BET Daten nichts sagen, da ich ja nicht der Hersteller bin. Ich habe aber diesen Beitrag an Riffsystem weitergeleitet.

Dennoch gehe ich sehr gerne auf das Thema ein, und bin Dir dankbar, dass Du das ansprichst. Ich versuche, mit meiner Beratung und auch mit Artikeln wie dem hier vorliegenden zu erreichen, dass man von dem "Faustformel" Gedanken weggeht. Und das möchte ich gerne an dieser Stelle nochmals detailliert erkären:

Wie ich es im Artikel auch erörtert habe, spielt zwar die Gesamtdekorationsoberfläche im Rahmen der potentiellen filterbiologischen Aktivität des Materials eine Rolle. Insbesondere, wenn die oxische und damit potentiell aerob arbeitende Oberfläche sehr groß ist.

Aber, dieser Parameter steht bezüglich der Aquariengestaltung nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist hier die meinerseits definierte Expositionsoberfläche, v.a. die spezifische, denn genau hier wird man Korallen oder andere sessile Invertebraten oder Algen platzieren, und darauf kommt es an. Es sollte idealerweise genau das an Dekorationsmaterial eingesetzt werden, was für eine optimale Gestaltung benötigt wird, nicht mehr und nicht weniger. Und dabei soll die filterbiologische Aktivität gar nicht in erster Linie berücksichtigt werden. In den letzten Jahren hat sich doch insbesondere durch den Rückzug der Riesel- oder Sprühfilter gezeigt, das wir gar keinen Bedarf an zusätzlicher Siedlungsfläche für Bakterien benötigt, wie man es vielleicht in Süßwasserbecken hat.

Die BET Oberfläche sagt ja auch wiederum nichts darüber aus, welches Porengrößenspektrum bestehen und wie die Größen im Material verteilt sind. Das ist das gleiche wie bei Aktivkohle, nur weil bei einer entsprechenden Aktivkohle die BET Oberfläche sehr hoch ist, heißt dass nicht, dass das auch im praktischen Betrieb genutzt werden könnte. Alle stark mikroporigen Oberflächen setzen sich mehr oder weniger schnell zu, d.h. der für den Anwender vermeintliche filterbiologische Vorteil bei einem gegebenen Material kann in der Praxis wenig umgesetzt werden. Zumindst kann man hier nicht über die Zeit von konstanten Bedingungen ausgehen, die man für ein bestimmtes Filtermaterial annehmen kann, wenn man dieses in regelmäßigen Abständen erneuert.

Ich argumentiere nun einmal recht scharf und behaupte, dass der Anwender mit Faustformeln grundsätzlich dazu verleitet wird, sich nicht im individuellen Falle 100%ig mit den absoluten Anforderungen zu beschäftigen. Zur generellen Preiskalkulation mag das okay sein, aber insbesondere die Aquariengestaltung ist nicht anhand von Eckdaten wie z.B. dieser dubiosen 10% Regel zu planen. Vielmehr sollten Parameter wie in diesem Artikel besprochen berücksichtigt werden.

Liebe Grüße
Jörg

Einführung in die Nährstoffversorgung in Riffaquarien

Joerg Kokott: Hallo Frank,
danke für Deine Fragen.

1. Es geht gar nicht darum, welche Stoffwechselwege schon etabliert sind und welche nicht. Die Ausgangsbelastung ist in jedem Aquarium unterschiedlich, abhängig vom verwendeten Ausgangswasser, von der Art und Qualität der Steine, des Bodengrunds, etc. Was aber sehr schnell passiert, ist das Bakterien wachsen und Biomasse aufbauen, also Nährstoffe, die Du jetzt irgendwo schon in Denitrifikationsprozessen siehst, direkt verwerten. Das gleiche machen Korallen auch, die nehmen Ammonium und Nitrat auf. Also unabhängig von den jeweiligen Stoffkreisläufen setzen wir gleich zu Beginn Verbraucher ein, die direkt Einfluß auf den Nährstoffgehalt nehmen. Eine Koralle braucht anorganischen Stickstoff, als Ammonium oder als Nitrat, und dabei ist es der Koralle völlig egal, was im Aquarum mit der Denitrifikation los ist.

Viele Aquarianer haben z.B. vor einer Nitritbelastung Angst, und setzen deshalb keine Korallen ein. Das ist aber absolut unbegründet:
Zum einen, würden Sie zügig Korallen einsetzen, dann wäre die Nitritentstehung vermutlich gar nicht so groß, weil die Korallen gleich das Ammonium verwerten. Zum anderen, die Giftigkeit von Nitrit liegt darin, dass es als Oxidationsmittel eisenhaltige Enzyme in ihrer katalytischen Fähigkeiten einschänkt. Paradebeispiel ist das Hämoglobin, also der rote Blutfarbstoff, der bekanntlich Sauerstoff und CO2 transportiert. Durch die Oxidation des Eisenatoms im Hämoglobin wird die Sauerstoffbindung gestört. Für einen Fisch bedeutet das, dass er letztlich erstickt. Korallen besitzen kein Hämoglobin, und folglich werden sie diesbezüglich gar nicht durch Nitrit belastet. Natürlich gibt es einige andere eisenhaltige Enzyme in der Atmungskette, die ebenfalls vom Nitrit gestört werden können. Praktisch habe ich aber noch nie eine Nitritschädigung an Korallen feststellen können, vielleicht deshalb, weil Nitrit von den Zooxanthellen im Korallengewebe abgezogen wird, und sich die Koralle dadurch bei einer Nitritbelastung entgiften kann. Allerdings habe ich das bei azooxanthellaten Korallen auch noch nicht erlebt.
Wie auch immer, was die Frage mit den SPS angeht: es macht keinen Sinn, mit irgendwelchen anderen Korallen anzufangen, wenn man letztlich nur SPS pflegen möchte. Was die Pflegebedingungen von SPS angeht haben wir doch heute genauste Kenntnisse, wenn der Nährstoffgehalt nicht zu hoch ist und der Kalkhaushalt stabil ist, warum soll ich dann nach 5 Tagen nicht eine SPS einsetzen? Klar, wenn ich mit schlechten Steinen 0,3 mg/L Phosphat im Becken habe, dann würde ich das auch nicht machen. Aber ein solcher individueller Umstand rechtfertigt ja keine generelle Aussage darüber, dass man SPS erst nach 2, 3 oder 6 Wochen einsetzt. Wie gesagt, man muss die Rahmenbedingungen prüfen und entsprechend agieren.

2. Es wird immer viel geschrieben von Nitraten und Phosphaten, also im Plural. Es gibt aber nur ein Nitrat-ion und auch nur ein Phosphat-Ion. Welches Gegenion letztlich im Ionenpaar vorliegt spielt bei der Phosphatbindung durch eine adsorptive Oberfläche keine Rolle, weil das Ionenpaar ja im gelösten Zustand dissoziiert, also getrennt vorliegt. Wenn im Wasser anorganisches Phosphat also das sogenannte Orthophosphat gelöst vorliegt, dann kann es theoretisch gebunden werden. Es gibt natürlich auch einige organische Verbindungen, die Phosphor in sogenannten Phosphorgruppen beinhalten. Das ist dann aber auch kein Phosphat, sondern sogenannter organischer Phosphor, den wir erstens nicht leicht nachweisen können, und den wir wiederum auch nicht so gut binden können. Organische Phosphorverbindungen können wiederum möglicherweise gut abgschäumt werden, je nachdem, was das für ein Molekül ist.

Was aber auch Deine Frage angeht: es macht wenig Sinn, phosphatbelastes Wasser zu benutzen und dann mühselig das Phosphat im Aquarium wieder zu binden. Eine UO-Anlage zieht Phosphat mit ich glaube ca. 97% Rückhalteleistung raus, wobei das auch von anderen Faktoren beeinflußt wird, wie Qualität der Membran, Druck, Wasserhärte, etc. Es ist also sicherlich sinnvoll, Phosphat im Rahmen einer Wasseraufbereitung zu entfernen. Das sollte dann aber in dieser Vereinszeitung soweit auch erläutert werden.

Ich hoffe, Deine Fragen sind ausreichend beantwortet. Beste Grüße, Jörg

Einführung in die Nährstoffversorgung in Riffaquarien

Joerg Kokott: Hallo Patrick,

danke für Deine Fragen. Die Thematik wird uns dann nochmal etwas näher in Teil 2 beschäftigen, aber hier schon mal eine konkrete Antwort, mit einem etwas vereinfachten Modell:

wenn Ammonium und Nitrat im freien Wasser Richtung Null geht, dann nimmt aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit an Nährstoffen die Zooxanthellendichte im Korallengewebe ab. Das siehst Du daran, dass die Korallen heller werden. Mit abnehmender Zooxanthellendichte sinkt aber natürlich auch die Translokationsleistung, d.h., das was normalerweise von den Zooxanthellen assimiliert wird, kann die Koralle auch nicht erhalten.
Die Koralle kann dieses Defizit sicherlich dann zu einem gewissen Teil über den externen Nahrungserwerb ausgleichen. ABER, das hängt natürlich davon ab, wie hochwertig die Nahrung ist. Denn: die Koralle erhält wie ich das schon sagte Aminosäuren und auch Fettsäuren von den Zooxanthellen, die sie selbst gar nicht herstellen kann, weil sie dazu genetisch gar nicht kompetent ist. Heterotrophe haben je nach Organismus teilweise sehr stark eingeschränkte Synthesefähigkeiten, was Aminosäuren oder Fettsäuren angeht. Diese Aminosäuren und Fettsäuren müssen dann natürlich in der durch uns angebotenen Nahrung enthalten sein. Sind sie aber dummerweise nicht immer, oder nicht in entsprechend ausreichender Menge.
Und dann kann es eben dazu kommen, dass Du selbst bei einem massiven Futterangebot (und wir mal davon ausgehen, dass diese Fütterei den Nitrat und Phosphatgehalt nicht verändert) absterbende Korallen hast, weil die Korallen eben die besonders wichtigen Assimilate ihrer Zooxanthellen nicht mehr bekommen.
Die Zufütterung ist nicht so einfach, weil wir mit den uns zur Verfügung stehenden Produkten ggf. Qualitätslücken nicht ausfüllen können. Mit dem Nahrungsspektrum im natürlichen Korallenriff können wir das nicht vergleichen.
Daher kann es sein, was nun Deine Frage beantwortet, dass die aktive Zufütterung von Ammonium oder Nitrat unabhängig von einer Korallenfütterung notwendig ist. Das ist aber von Becken zu Becken unterschiedlich.
In einer gravierenden Stickstoffmangelsituation wird aber auch die gesamte Mikrobiologie so nachhaltig gestört, dass die Becken schnell (wie sagt man so schön) umkippen.

Beckenbesatz: ich besetzt meine Becken zwischen dem 3 und 5 Tag (spätestens), sofern nichts anderes dagegen spricht.

ich hoffe, ich konnte die Fragen beantworten.

Grüße,
Jörg