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Pathogene Bakterien im Meerwasseraquarium Teil 2

Salvelinus: Vibrionenkontamination von Frostfutter:

Vibrionen gehören zur natürlichen Bakterienflora der Meere. Sie kommen im freien Wasser, in Sedimenten oder auf und in Seefischen, Plankton und Krebsartigen vor. Sie kontaminieren häufig Erzeugnisse aus Seefisch oder Meeresfrüchte. Besonders gefürchtet ist Vibrio parahaemolyticus, der schwerste Erkrankungen beim Menschen auslösen kann. Bei Nationen, die sich traditionell überwiegend von Meeresprodukten ernähren wie z.B. Japan, werden über 50% aller Magen-Darmerkrankungen durch Vibrionen ausgelöst. Nicht genügend erhitzte Krabben und besonders Muscheln, die als Filtrierer die Vibrionen in ihrem Organismus anreichern, sind hier besonders gefährlich.

In Deutschland sind derartige Infektionen bis jetzt selten. Vibrio metschnikovii wurde aber bereits in Tiefkühlfisch nachgewiesen. Vibrio metschnikovii wird zudem häufig in Umweltproben und Abwasser und an Krebsen und Garnelen gefunden.
Vibrio fluvialis wurde auf Thunfischfilets gefunden. Er verursacht so wie der berühmteste Vertreter der Vibrionen, Vibrio cholerae, ebenfalls schwere blutige Durchfälle und in der Folge Dehydration.

Ich teile die Meinung der Autoren, dass bei Wildfängen, die bisher in sehr gering belasteten Meeren gelebt haben, eine derartig massive Exposition mit fischpathogenen Bakterien zu einer extremen Belastung des Immunsystems bis zum Zusammenbruch des infizierten Organismus führen kann. Kurzfristig bleibt nur das sorgfältige Spülen und damit eine weitgehende Abreicherung der Bakterienmenge.

An die Verarbeiter und Lieferanten von Tiefkühlfutter muss man wohl in Zukunft ähnlich hohe Anforderungen stellen, wie an lebensmittelverarbeitende Betriebe für Tiefkühlfisch. Eine „Suppe“ aus adulten Artemien mit teilweise lysierten Zellen und Zellplasma ergibt einen idealen Nährboden bis zum Durchfrieren der Platten. Daher sind Keimzahlen mit 10 hoch 6 KBE keine Überraschung. Wenn man dann als Aquarianer das Frostfutter noch einige Zeit auftaut und warm stehen lässt ergießt sich beim Füttern der Super-Gau in Becken.

Es bleibt abzuwarten, was die Lieferanten des Frostfutters unternehmen können, um hier die Keimzahlen zu reduzieren. Man kann das Futter schlecht thermisch oder chemisch behandeln, ohne die Akzeptanz beim Kunden zu gefährden. Also bleibt nur strenge Hygiene und lückenlose Einhaltung der Kühlkette.

Pünktchenbefall. Wenn neue Fische krank werden...

Salvelinus: Gegenüber dem Süßwasseraquarianer, dem das Auftreten von "Ichtyo"-Pünktchen den Angstschweiß auf die Stirn treibt, hört man in MW-Kreisen immer wieder die Meinung: Alles nicht so schlimm, das ist völlig normal und kommt auch immer wieder vor. Nun, der MW-Aquarianer hat sicher den entscheidenden Vorteil, dass im MW-Auarium neben Putzerfischen und Putzergarnelen die Parasiten mittels Ozonisierung und UV-Anlage und unterstützender Mittelchen häufig soweit zurück gedrängt werden können, dass sie irgendwann nicht mehr sichtbar sind, obwohl sie latent im MW-Aquarium weiter vorhanden sind.

Aber machen wir uns nichts vor: Wir sitzen hier auf einer Zeitbombe ! Sehen wir uns mal die Verhältnisse zwischen Parasit und Wirt(Fisch) an. Im natürlichen Lebensraum befallen die meisten Fischparasiten ihre Fischwirte und ohne, dass es zu nennenswerten Schäden oder Problemen kommt. Vermehrungsformen der Parasiten werden im Riff oder Meer weit verstreut und finden nur vereinzelt wieder einen Neuwirt. Die meisten werden wohl zusammen mit dem Zooplankton in irgendeinen Magen landen oder nicht rechtzeitig ihren bevorzugten Wirt finden und zugrunde gehen. Soweit so gut !

Wie sieht es aber im MW-Aquarium aus ? Hier kommen die Fische nach div. Transporten und Zwischenhälterungen in einem mehr oder weniger schlechten Zustand an. Eines ist aber sicher: Die Tiere sind erhöhten Stress ausgesetzt und div. Umweltfaktoren, die sich in div. Hälterungs- und Fütterungsproblemen darstellen. Dazu kommt eine häufig zu enge Haltung mit Konkurrenten und unbekannten Fischarten und Schadstoffen im Wasser beim Händler. Das schwächt den Fisch und hier schlägt die Stunde der bisher "ungefährlichen" Fischparasiten. Unter diesen Bedingungen können sie sich gut etablieren und vermehren. In der Enge des MW-Aquariums finden trotz Ozon und UV fast alle Nachkommen der Fischparasiten einen neuen Wirtsfisch - oder besser den Wirtsfisch ihrer Eltern, die dort ebenfalls noch sitzen. Die Population an Parasiten nimmt zu und der Teufelskreis beginnt. Ich unterhalte mehrere großvolumige Süßwasserbecken und ein MW-Becken. Für mich gehört es zum Standard, jeden Fisch ausnahmslos erst einmal in Quarantäne zu setzen. Ich weiß, dass das die Freude an der Neuerwerbung schmälert und die nachfolgenden Wochen sehr viel Geduld erfordern. Aber es lohnt sich ! Ich kann und will nicht ein vollbesetztes Aquarium, sei es im Süß- oder im Meerwasser mit giftigen Farbstoffen oder anderen Chemikalien vergiften und hinterher Pflanzen bzw. Korallenverluste beklagen und mir zusätzliche Probleme schaffen.

Beim seriösen Großhandel werden alle Fische einer Quarantäne unterzogen und mit div. Mitteln gegen Ektoparasiten behandelt. Dort sitzen die Fische teilweise extrem dicht in Kreislaufsystemen und ohne diese Medikamentengabe würde kaum ein Fisch wieder lebend zum Aquarianer kommen.
Aber leider gibt es auch schwarze Schafe und es wird direkt aus der Box (Direktimport) verkauft. Und seien wir ehrlich. Wenn jemand seinen Traumfisch beim Händler sieht und der Wunsch ihn zu besitzen übermachtig geworden ist, wer läßt sich von ein bischen Scheuern an Steinen oder fraglichen Verhalten vom Kauf abhalten ? Neulich sah ich beim MW-Händler einen Clownfisch mit einem stark ausgebildeten Oodinium. Darauf angesprochen kommt die Antwort: "Das geht von alleine weg und wenn nicht, dann taugt der Fisch nichts !" Behandeln kann ich ihn in der Anlage nicht - das wäre zu teuer !" Kein Kommentar !

Ich weiß, jeder hat eine andere Meinungen und andere Erfahrungen. Ich plädiere für eine Quarantäne von 4 Wochen und gebe über 2 Wochen ein Mittel gegen Ektoparasiten und Kiemenwürmer. Ich habe mehrere Jahre in einem Süß- / MW-Großhandel als Laborleiter gearbeitet und täglich Fische mikroskopisch untersucht. Es gehört im Großhandel zur Routine, alle ankommenden Fischsendungen genauestens zu untersuchen und prophylaktisch gegen Parasiten zu behandeln. Am meisten stört mich der Satz:"Weiße Pünktchen kommen immer vor und man kann eigentlich nichts dagegen machen !"

Cryptocarion und Co. sollten in keinem gepflegten MW-Aquarium vorkommen. Es ist eine unnatürliche Umwelt, die wir den Fischen anbieten, die trotz aller Technik und Erkenntnisvorschritts immer nur eine suboptimale Haltung darstellt.

Es mag viele Monate und Jahre gut gehen, aber da wir nie alle Umweltparameter ständig im Griif behalten, bricht irgendwann der "Schwächeparasit" aus.

Das erwähnte Futter der Fa. TETRA mit Malachitgrünoxalat ist verboten wurden, da dieser Farbstoff sehr giftig ist und als krebserregend eingestuft wurde. Wer möchte, trotz der unbestrittenen Wirkung gegen Ektoparasiten, seine Fische chronisch vergiften ? Noch schlimmer ist, dass der Farbstoff im Ausland an Speisefische (z.B. Pangasius) verfüttert wurde und wird. Sogar in Forellen wurde er bereits gefunden. Es stand zwar auf der Packung, ..."darf nur an Tier verfüttert werden, die nicht der Lebensmittelgeinnung dienen"..., aber will das kontrollieren ?

Torsten Sause