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Haarstern Haltung im Aquarium - Teil 2


Haarsternhaltung im Aquarium - Teil 2

Im letzten Jahr hatte ich recht viel Kontakt zu einem Aquarianer aus Bremen. Er heißt Ralph Bogusch und hat erstaunlich gute Erfolge mit seinen Haarsternen erzielen können. So kommt es auch, dass ich den Artikel zur Haltung von Haarsternen etwas erweitern möchte. Die Meerwasseraquaristik bleibt ja zum Glück nicht auf einem Stand stehen, sondern geht weiter. Denken wir nur mal an die ersten Erfolge mit neuerem Futter bei Dendronephteas.

Ralphs Bemühungen um Haarsterne und deren Haltung sind, in meinen Augen zumindest, sehr erfolgversprechend und ein guter Ansatz. Natürlich hat auch Ralph unterschiedliche Erfahrungen mit Haarsternen und deren Haltung gemacht. Auf diese möchte ich, mit Ergänzungen von Ralph Bogusch, nun näher eingehen.

Ralph pflegt vorwiegend LPS Korallen, Seenadeln, Schwämme, Gorgonien und Haarsterne. Ein Roter Haarstern den Ralph kurze Zeit pflegte, hat es nicht geschafft, ein Rot-Grüner hat nach ca. 14 Monaten, trotz Wachstum das Zeitliche gesegnet. Der Gelbe Haarstern (unten auf den Fotos zu sehen) ist nach 12 Monaten hingegen immer noch prächtig am wachsen. Der Durchmesser der Arme hatte sich nach der Eingewöhnung etwas verkürzt, was der Haarstern aber mittlerweile von selbst wieder voll kompensiert hat. Und eine solch sichtbareRegeneration geht nur wenn man genug Nahrung bekommt.

Die "Wachstumspitzen" waren erst weiß, mittlerweile sind die Arme braun und die Spitzen gelb. Wie auf den Fotos kann man immer noch den Teil sehen der nachgewachsen ist, da sich das bei Haarsternen gut unterscheidet.

persönliche Mitteilung von Ralph:
Außer dem filigranen Aussehen scheint auch die Tendenz sich zu verstecken ODER möglichst frei zu stehen, ein Anhaltspunkt für die Futterbedürfnisse / Empfindlichkeit zu sein. Die agileren Arten (z.B. der Rote) brauchen mehr Futterdurchsatz (feineres/spezielleres????), die zurückgezogeneren wie der grüne Haarstern oder auch der gelbe Haarstern, nehmen auch "was so runterfällt".

Zudem bewegen sich die filigraneren Arten viel mehr, da sie in freier Natur zum Futterfang aus Höhlen krabbeln (mitunter schwimmen) und sich auf exponierten Stellen niederlassen. Irgendwann kehren sie dann in die Höhle zurück. Das führt im Aquarium zu dem Problem, daß sie bei den Wanderungen überall hängenbleiben und vor allem viel Energie durch die vermehrte Bewegung verbrauchen. Da man niemals soviel füttern kann wie in freier Natur (das würde kein Becken nur einen Tag aushalten denke ich), sind solche Stoffwechsel-Aspekte lebenswichtig.

Der gelbe krabbelt zwar auch rum, sitzt dann aber wochenlang an einem Fleck. Das Sitzenbleiben kann man etwas begünstigen, wenn der neue Standort hinreichend Strömung aufweist und man dann in kürzerem Abstand besonders großzügig füttert.

Es folgen nun Aufnahmen des gelben Haarsterns, der sich nach ersten Schwierigkeiten, dann doch wieder regeneriert hat. Achten Sie beim nachfolgenden Foto auf die Stellen die rot markiert sind. Entdecken sie den Unterschied? Man kann dort gut das sehen was nachgewachsen ist. Inzwischen ist er mehr als ein Jahr alt und hat deutlich an Durchmesser und Armanzahl zugelegt.

 



Andererseits hatte der rot-grüne auch innerhalb von 10 Monaten deutlich sichtbar Arme regeneriert, ist dann aber aus unerfindlichen Gründen (ein Garnelenpärchen, das in ihm wohnte war allerdings verschwunden...) immer weiter degeneriert und vor kurzem gestorben. Die Regenerations-Bereiche sieht man auf folgendem Foto.


Dieser filigranere rote Haarstern hat trotz starker Fütterung nicht lange überlebt. Zudem blieb er (wie oben erwähnt) oft irgendwo hängen, was zum Ausreißen der Arme, oder von Teilbereichen der Arme führte. Dies gilt auch für den türkis-weißen, der nach 3 oder 4 Monaten einfach zu wenig restliche Arme zur Ernährung hatte. Die Haltungsversuche dieser feingliedrigen Arten habe ich aufgegeben."




Nachfolgend sehen Sie ein Video [500 kb] das die "Technik" des Futtertransports eines Haarsterns zeigt. Man sieht wie Hefe auf dem Laufband (linke Seite im Video) zum Mund transportiert wird. (c) by Ralph Bogusch


Die Futterfrage:
Natürlich interessiert nun den Leser vor allen Dingen wie Ralph Bogusch das mit dem Futter geschafft hat.
So fragte ich Ihn natürlich nach dem was er genau füttert.

Ralph schrieb mir:

Bei den Futtersorten ist nach wie vor die Trocken-Hefe der Spitzenreiter, UltraminF und Cyclop Eeze sind auch sehr zu empfehlen. (Cyclop Eeze allerdings nur bei dem grünen Haarstern) Spirulina füttere ich auch hin und wieder, da sie leicht verdaulich ist und einen sehr guten Nährwert hat. Allerdings kann ich hier wegen der geringen Partikelgröße keinen Freßvorgang beobachten. Meine anfänglichen Erfolge liegen wohl an UltraminF und Cyclop Eeze.
Das Wachstum der Arme würde ich intuitiv mit einer SEHR STARKEN Fütterung von Trockenhefe, UltraminF oder Cyclop Eeze in Verbindung bringen! Problematisch ist aber dieser hohe Futtereintrag, der ein Aquarium, das auf diese Belastung nicht ausgerichtet ist, binnen Tagen umkippen lassen dürfte...

Derzeit teste ich diverse neue Futtermischungen, weshalb ich den Eintrag von bisher bewährten Futtermitteln (Cyclop Eeze, UltraminF) eingestellt habe. Sonst kann man kaum Aussagen über die Akzeptanz neuer Futtermittel machen. Als sichere Basis-Ernährung gibts aber 1-2 mal täglich Trockenhefe, damit ich sozusagen eine Unterernährung aufgrund doch nicht tauglichen Futters ausschließen kann (die Hefe wird am besten sichtbar aufgenommen). Abgesehen davon befindet sich Hefe nach meinem Eindruck auch in der Mehrzahl der Korallen-Staubfuttermarken (zu unterschiedlichen Anteilen natürlich).


Wasserbelastung:
Durch den hohen Futtereintrag in Verbindung mit einer planktonschonenden Aquarientechnik (schwache bzw. indirekte Abschäumung, keine mechanische Filterung, etc.) ist mein Aquarienwasser (leicht) grünlich trübe (besser gesagt, es ist alles voll kleinster "Partikel") durch Kleinstlebewesen. Diesen Faktor, ständig zur Verfügung stehender Lebendnahrung, darf man nicht unterschätzen. Was passieren kann, wenn man zuviel füttert, schildert der folgende Fall.

Anfang Januar hat Ralph es mit der Fütterung 2 Wochen etwas übertrieben. Dadurch kam es zu einer Anhäufung der Stoffwechselprodukte mit folgendem pH-Sturz. Parallel gab es den üblichen NO2-Anstieg, mit den Auswirkungen, daß die Tiere sich äußerst unwohl fühlten. Die Folge war ein dahinscheiden der 6 Grundeln und (wahrscheinlich) der beiden Federsterne. Phototrophe und heterotrophe Gorgonien waren aber konstant bester Dinge. Die meisten LPS Korallen haben es, bis auf zwei kleinere Arten, gut verkraftet. Die Bakterienkultur ist stabil, kam mit dem Abbau aber nicht mehr hinterher.


Fazit:
Wie man sieht gibt es die ersten kleinen Erfolge in der Haltung von Haarsternen.

Diese Erfolge sind natürlich, anders kann man es nicht sehen, teuer erkauft worden. Aber ohne solche Versuche würden wir kein Stück weiterkommen. Wir wissen natürlich um das "Verheizen" von Haarsternen. Deshalb hoffen wir mit diesem Artikel einen kleinen Beitrag zu leisten, daß Ratsuchende wenigstens eine Chance haben es mit dem richtigen Futter zu versuchen. Auch erscheint uns die Erwähnung nach der Beckengrösse wichtig. Ralphs Aquarium hat zum Beispiel ca. 250 Liter. In einem sehr großen Becken mit unterschiedlichen Tieren, wird die Haltung weiter viele Schwierigkeiten mit sich bringen. So bieten sich LPS Korallen als "Beibesatz" geradezu an. Sie profitieren vom starken Futtereintrag, was bei anderen Tieren, wie zum Beispiel SPS Korallen, durch den hohen Nährstoffeintrag zu einem Problem führen könnte.

Wir raten dennoch dringend jedem Aquarianer vom Kauf ab! Zumindest dem, der diese Tiere nur wegen ihrem interessanten Aussehen erwerben möchte. Er wird sie, ohne die nötige Anstrengung an Futter und Wasserpflege, nicht lange halten können. Und das wäre zu schade finden Sie nicht auch?

Es freut uns sehr, dass wir Ihnen jetzt schon einen Artikel von Ralph Bogusch über die Haltung und Pflege von azooxanthellaten Gorgonien ankündigen dürfen. Dieser wird Ende des Jahres auf dieser Seite erscheinen. Freuen Sie sich jetzt schon auf wunderbares Bildmaterial :-)


Mit salzigen Grüßen

Robert Baur-Kruppas und Ralph Bogusch, Februar 2006


Dieser Artikel ist am 25.08.2007 erschienen

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