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Amphiprion occelaris - Die Aufzucht von I. Krause


Auch wenn die Meerwasseraquaristik immer mehr an Popularität gewinnt, steckt die Nachzucht mariner Lebewesen noch in den Kinderschuhen ihrer Entwicklung. Nur einige wenige Aquarianer beschäftigen sich ernsthaft mit der Aufzucht mariner Larven, die Fischzucht gilt als äußerst kompliziert und für den Durchschnittsaquarianer als nahezu unmöglich. Für manche Fischarten dürfte dies durchaus zutreffen; Vertreter bestimmter Fischfamilien, z.B. die verschiedene Arten der Gattung Amphiprion können mit etwas Mühe und Zielstrebigkeit jedoch auch von Hobbyaquarianern nachgezogen werden. Da die Aufzucht von Anemonenfischen zumindest unter Profis schon seit vielen Jahren nicht unüblich ist, sind sowohl im Internet wie auch in der Fachliteratur und in Zeitschriften verschiedene Berichte und Anleitungen über die Aufzucht erschienen.

In diesem Artikel hingegen möchte ich Ihnen die Erfahrungen mit der Zucht von Anemonenfischen aus der Sicht einer Einsteigerin wiedergeben. Als ich im letzten Sommer begann, mich mit der Fischzucht zu beschäftigen, ging ich die Sache sicherlich mit einer gewissen Naivität an und machte zahlreiche Fehler. Schließlich verfügte ich allein altersbedingt über keine langjährigen aquaristischen Erfahrungen. Die Aufzucht gelang trotzdem!



Das richtige Aufzuchtfutter - Schlüssel zum Erfolg

Die wichtigste Grundlage für die Aufzucht von Fischlarven ist ein geeignetes Aufzuchtfutter. Bei Amphiprionarten sind Rädertierchen der Gattung Brachionus zweckmäßig. Bevor man die ersten Aufzuchtversuche wagt, sollte die Brachionuskultur geübt werden, um die Larven auch mit ausreichenden Futtermengen versorgen zu können. Die Kultur ist nicht besonders kompliziert. Für den Anfang ist ein Aquarium mit ca. 60l Inhalt durchaus ausreichend. Dieses wird am besten mit frisch angesetztem Salzwasser befüllt. Findet eingefahrenes Wasser Verwendung, muß man mit dem Einschleppen anderer Zooplanktonarten, z.B. Copepoden, rechnen. Für die Aufzucht von Anemonenfischen bringt dies allerdings keine Nachteile mit sich. Das Wasser wird grobperlig belüftet, eine schwache Beleuchtung reicht aus. Die Temperatur spielt für Brachionus eine eher untergeordnete Rolle, sie sollte im Idealfall zwischen 20-25°C liegen. Wichtiger ist allerdings die Ernährung der Brachionus. Die natürlichste Variante der Ernährung stellt die Fütterung mit Phytoplankton (z.B. N. salina) dar. Um den Aufwand möglichst gering zu halten, probierte ich zunächst eine recht primitive Methode der Ernährung aus, mit der ich bereits einen Fehler machte: Ich fütterte die Brachionus mit aufgelöster Bäckerhefe. Dieses Verfahren hat auf die Vermehrung des Planktons zwar keine negativen Auswirkungen, jedoch andere Nachteile: Auf diese Weise ernährte Brachionus haben einen sehr niedrigen Nährwert, was sich negativ auf die Entwicklung der Fischbrut auswirken kann. Ich vermute, daß diese Art der Mangelernährung u.a. der Grund für den nachzuchttypischen Fehler in der Färbung ist, den der schwächste meiner Nachzuchtfische ausbildete. (sogenannter „Bindenfehler“)
Eine bessere Alternative zur Ernährung von Zooplankton stellt „Culture Selco“, ein Fertigpräparat, das nur noch in Wasser gelöst und verfüttert werden muß, dar. Es erspart die Kultur von Phytoplankton und produziert gleichzeitig gesunde und nahrhafte Zooplankter. Ich nutze es mittlerweile nicht nur für die Brachionus, sondern auch für andere Arten von Zooplankton, z.B. Euplotes und kann es jedem angehenden Züchter empfehlen.



Das Aufzuchtaquarium

Das von mir verwendete Aufzuchtbecken war sehr einfach aufgebaut. Ich verwendete ein 45l Standardaquarium. Dessen geringes Volumen erleichterte das Herstellen einer hohen Futterdiche erheblich. Die technische Austattung bestand lediglich aus Heizung, leichter gobperliger Belüftung und schwacher T8 Beleuchtung. Erst nach ca. 4 Wochen, als die erste tote Nahrung gegeben wurde, kam auch ein kleiner Innenfilter zum Einsatz.



Das Schlüpfen der Larven

Üblicherweise gewöhnen sich Anemonenfischpaare einen recht regelmäßigen Laichrhythmus an. Dies ermöglich eine gute Vorrausplanung für die Aufzuchtversuche. Die Entwicklungszeit der Eier bis zum Schlupf variiert in Abhängigkeit zur Wassertemperatur. Bei meinem Aufzuchtversuch herrschte im Aquarium der Elterntiere jahreszeitlich bedingt eine recht hohe Temperatur von 28°C. Dies führte dazu, daß die Larven bereits nach 7 Tagen (in der Nacht auf den 8. Tag) schlüpften.
Um die Larven in das Aufzuchtbecken zu überführen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Angeregt durch eine Publikation in einer Fachzeitschrift wählte ich die m. E. zumindest für einen Anfänger schlechteste! Ich entnahm am Abend vor dem vorraussichttlichen Schlupf das Gelege aus dem Schauaquarium und überführte es in das vorbereitete Aufzuchtbecken. Somit entzog ich die Eier auch der Pflege und Belüftung der Elterntiere, speziell des Männchens. Diese Pflege scheint für die Eier von elementarer Wichtigkeit zu sein. Zwar versuchte ich, mit Hilfe einer grobperligen indirekten Belüftung des Geleges, die Pflege des Vatertieres zu imitieren, dies schlug jedoch weitestgehend fehl! In der Nacht des geplanten Schlupfes verpilzte der größte Teil des ca. 400 Eier umfassenden Geleges. Es schlüpften nur ca. 10 Larven.
Ich setzte den Aufzuchtversuch trotzdem fort. Im Rückblick betrachtet war dieser Umstand sogar äußerst hilfreich. Ich hatte nur wenige Larven mit Futter zu versorgen und konnte besonders gründliche Beobachtungen anstellen. Auch die Pflege des Aufzuchtbeckens gestaltete sich so wesentlich leichter.
Die weitaus empfehlenswertere Variante wäre es sicher, die Larven erst nach dem Schlupf aus dem Aquarium der Elterntiere zu entfernen. Die Larven schlüpfen ca. 1h nach Auschalten der Beleuchtung. Da sich die frischgeschlüpften Larven positiv phototaktisch verhalten, sprich, auf Licht reagieren, kann man sie mit einem gebündelten Lichtstrahl, z.B. einer Taschenlampe, an die Wasseroberfläche locken und vorsichtig abschöpfen. Dabei bitte kein Netz verwenden und Luftkontakt unbedingt vermeiden! Unter dem Gesichtspunkt des geringeren Aufwands würde ich auch bei dieser Methode empfehlen, zunächst nur mit wenigen Larven die Aufzucht zu versuchen. Die Chancen, die Tiere korrekt versorgen zu können sind so einfach größer. Mir persönlich hat es sehr geholfen, die sehr geringe Anzahl von Jungfischen auf diesem Weg sehr sorgfältig in ihrer Entwicklung beobachten zu können. Bei einer gesamten Brut von evtl. weit über hundert Tieren ist man als Einsteiger bestimmt schnell überfordert.


Die Ersten Lebenstage

Von den ca. 10 geschlüpften Larven verstarb im Verlauf des ersten Tages die Hälfte. Es blieben fünf Larven übrig, die allerdings alle die weitere Aufzucht überlebten. Ca. 3-4 mal am Tag wurden dem Aufzuchtaquarium Brachionus zugeführt, immer so, daß im ganzen Becken eine hohe Futterdichte herrschte. Dies ist wichtig, da die Larven während der ersten Tage noch nicht aktiv jagen. Sie schnappen nur nach Futtertieren, die sich unmittelbar vor ihrem Maul befinden. Daher müssen die Larven „im Futter stehen“.

Um dies auch in meiner Abwesenheit zu realisieren, ließ ich kontinuierlich Plankton in das Aufzuchtaquarium tropfen. Bei der Verfütterung der Brachionus machte ich wiederum einen gravierenden Fehler: Ich gab das Plankton mitsamt dem stark belastetem Kulturwasser in das Aufzuchtbecken. Dadurch entstanden hohe Nitrat- zeitweise sogar hohe Nitritkonzentrationen, die nur durch einen täglichen 50%igen Wasserwechsel kontrolliert werden konnten. Selbstverständlich wurde hierfür ausschließlich eingefahrenes Wasser aus einem Riffbecken verwendet. Bei den Wasserwechseln ist außerdem auf das langsame (tropfenweise) Zuführen zu achten, um starke Salinitäts- oder Temperaturschwankungen zu vermeiden.


Den starken Wasserbelastungen kann man jedoch sehr einfach durch das Aussieben mit feinem Siebgewebe vorbeugen. Mindestens einmal täglich saugte ich mit einem Schlauch abgestorbenes Plankton sowie am ersten Tag verstorbene Larven ab. Um die Larven nicht zu lange hungern lassen zu müssen, verkürzte ich die nächtliche Beleuchtungspause auf nur 6h.



Erste Futterumstellung und Metamorphose

Ab dem 7. Lebenstag begann ich mit der Verfütterung von frischgeschlüpften Artemianauplien. Um Umstellungsprobleme zu vermeiden, fütterte ich noch bis Ende der 2. Woche Brachionus, ließ die Menge jedoch immer geringer werden. Die Artemien reicherte ich vor dem Verfüttern mit handelsüblichen Vitaminpräperaten an. Alle 5 Fische bewältigten die Umstellung ohne Probleme. Ab dem 10. Lebenstag waren auch erste Anzeichen der Metamorphose zu erkennen. Dies ist wirklich einer der schönsten Momente der Aufzucht, wenn man beobachten kann, wie sich die Larven langsam aber sicher in kleine Fische verwandeln!


Wie bereits oben erwähnt, bildete sich leider auch bei einem meiner Tiere ein nachzuchttypischer Bindenfehler aus. Nur der erste weiße Streifen war vollständig, die beiden hinteren nur teilweise vorhanden. Dies führe ich auf eine Mangelernährung, evtl. aber auch auf zu hohe Nährstoffkonzentrationen im Wasser zurück. Über die wirkliche Ursache ist man sich auch in Fachkreisen nicht vollkommen einig, es gibt also noch einiges an Forschungsarbeit zu leisten.

Ab dem 14. Lebenstag waren bereits alle 5 Tiere deutlich als kleine Fische zu erkennen. Leider entwickelte sich ab diesem Zeitpunkt auch eine gewisse Aggression zwischen den Jungfischen. Der kleinste und schwächste wurde von den größeren heftig attackiert und erlitt teilweise starke Schürfwunden. Aber auch dies machte dem kleinen Amphiprion nichts aus, er entwickelte sich weiterhin prächtig. Da dieses aggressive Verhalten bei Anemonenfischjungtieren eigentlich eher ungewöhnlich ist, denke ich, daß es auf die geringe Anzahl der Jungtiere zurückzuführen ist. In einer kleinen Gruppe kann sich logischerweise schneller eine strenge Hierarchie bilden, als bei über hundert Exemplaren.
Um ernsthafte Verletzungen zu verhindern, sind hier einfach die Ideen des Züchters gefragt, das sonst eher monotone und sterile Aufzuchtbecken strukturreich zu gestalten. Schon durch etwas Caulerpa, Terracottablumentöpfe, alte Tassen usw. kann man den Jungfischen gute Versteckmöglichkeiten bieten, die gerne angenommen werden, und Konflikte vermeiden.


Das erste „tote“ Futter

Das erste nicht lebende Futter reichte ich ab dem Alter von ca. einem Monat. Zunächst mischte ich unter die lebenden Artemien feines Frostfutter wie Cyclops und Bosmiden, welches auch auf Anhieb angenommen wurde. Nach ca. einer Woche, in der weiterhin lebende Artemia gefüttert wurden, stellte ich die Fütterung vollkommen auf totes Futter um. Die Fische zeigten sich hier wenig wählerisch, fraßen neben kleinen Frostfutersorten auch gerne fein zerriebenes Flockenfutter und Granulatfutter geeigneter Größe.


Zur Futterumstellung eignen sich Frostfuttersorten aus dem Süßwasserbereich wie die genannten Cyclops oder Bosmiden besonders, da sie aufgrund ihrer geringen Dichte lange im Wasser schweben und daher die Jungfischen beim Fressen mehr Zeit zur Verfügung haben. Bei der Fütterung mit totem Futter ist bei den noch sehr kleinen Jungtieren zu beachten, daß das Futter ausreichend oft gereicht wird. Ein winziges Fischchen von beispielsweise 1,5 cm verträgt selbstverständlich keine längere Zeit ohne Futter. Ich habe den Eindruck gehabt, daß eine Fütterung alle zwei Stunden den Tieren sehr gut bekommt. Dies ist, wenn man über Tag nicht selbst füttern kann, recht einfach mit einem Futterautomaten zu realisieren.

Die weitere Aufzucht

Nachdem die Tiere an Ersatzfutter gewöhnt waren, siedelte ich sie in ein 60 Liter Aquarium um, in dem nun wenigstens ein kleiner Innenfilter gröbere Futterreste aus dem Wasser entfernte. Die weitere Erhaltung der Wasserqualität erfolgte jedoch aus Kostengründen weiter nur über Wasserwechsel. Das Aquarium war nicht mehr ganz so steril und simpel eingerichtet wie das erste Aufzuchtbecken, ich ließ einige höhere Algen wachsen, die gleichzeitig den Vorteil haben, Nährstoffe aus den Wasser aufzunehmen. Auf Bodengrund verzichtete ich weiterhin bewußt, um das Reinigen des Aquariums zu erleichtern.
Leider wurden die Aggressionen unter den Jungfischen, die sich meist gegen den Kleinsten richteten, mit zunehmendem Alter immer stärker. Daher mußte ich das Becken zeitweise mit Plexiglasplatten unterteilen, um einzelne Fische separieren zu können. Eine wirklich verlässliche Methode, den Konflikten vorzubeugen ist nur eine wirklich extrem starke Fütterung. Als ich begann, die Fische probeweise im Stundentakt zu füttern, nahmen die agressiven Handlungen unter den Tieren deutlich ab.
Diese Art der Fütterungsphilosophie brachte selbstverständlich eine drastische Verschlechterung der Wasserqualität mit sich. Natürlich ist dies keinesfalls erstrebenswert, jedoch mußte ich mit Erstaunen feststellen, daß die Nachzuchttiere auch bei temporär erheblichen(!) Nitritbelastungen kein auffälliges Verhalten zeigten.
Die sonstige Aufzucht verlief vollkommen problemlos. Die Anemonenfische sind auch in geringem Alter äußerst pflegeleicht. Futterverweigerer gab es nicht und so wuchsen sie bis zum Alter von gut 3 Monaten in meinem Aufzuchtaquarium auf. Dann, bei einer Größe von ca. 3cm wurden vier der fünf Jungfische an einen Händler abgegeben, das schönste und kräftigste Exemplar behielt ich selbst zur Weiterzucht.


Fazit

Wie Sie sehen, die Aufzucht von Anemonenfischen ist mit den richtigen Vorrausetzungen nicht sonderlich schwer. Natürlich kann ein Einsteiger in der Fischzucht keine Wunder vollbringen und eine große Menge an Larven aufziehen. Jedoch stellt doch auch die gelungene Aufzucht weniger Tiere, wie in meinem Fall, einen gewissen Erfolg dar.

Wenn Sie Ihrem aquaristischen Hobby neue Impulse geben möchten, ihre Kompetenzen durch neue Erfahrungen erweitern wollen, kann ich Ihnen die Fischzucht nur empfehlen. Ich verrate Ihnen, es gibt nichts, was mehr Freude bereitet, als den eigenen Fischnachwuchs beim Heranwachsen zu beobachten! Gleichzeitig gibt es einem die Gelegenheit, die Zukunft der Meerwasseraquaristik unter Aspekten des Naturschutztes persönlich zu beeinflussen.


Daher möchte ich an Sie appellieren: Versuchen Sie es auch und gönnen Sie sich ein unvergessliches Erlebnis!


Anmerkung der Redaktion: Da viele Fragen zum Bezug zu Culture Selco hier ankamen möchten wir eine Mailadresse nachreichen: Ruedi Furter aus der Schweiz bietet auch kleinere Mengen davon an. Kontaktaufnahme zu Ruedi ?


Inken Krause, März 2005


Dieser Artikel ist am 18.08.2007 erschienen

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Kommentare

nilpferd
Dabei seit:15.10.2010
Kommentare 
Korallenriff:6
Lexikon:0

Da ich gerade selbt A.percula vermehren möchte, empfand ich diesen Beitrag als besonders wertvoll.
Warum? Weil er dem üblichen Gewusel an Halbwissen entwachsen ist.
Hier hat jemand berichtet, der es tatsächlich getan hat.
Danke dafür.
Gruß
Martin
Beitrag vom 21.12.2011 - 16:16 

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