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Macropharyngodon bipartitus


Als ich vor drei Jahren bei einem Meerwasserimporteur diesen interessanten Lippfisch Macropharyngodon bipartitus zum erstenmal sah, war ich von der Schönheit dieser Tiere absolut überwältigt. Ich habe mich beim Händler erkundigt und er versicherte mir, dass die diese Art unproblematisch sei fürs Riffbecken. Ich musste nicht lange überlegen und entschloss mich, so einen Macropharyngodon bipartitus zu kaufen. Der Händler aber weigerte sich, nur ein einzelnes Exemplar abzugeben, da sich diese Tiere geradezu ideal eignen für die paar/gruppenweise Haltung.


Ich entschloss mich also zwei Tiere anzuschaffen, was mir aus heutiger Sicht in jeder Beziehung das vernünftigste scheint. Die Arttypischen Verhaltensweisen kommen nur dann voll zum Ausdruck wenn die Tiere nicht einzeln gehalten werden. In der Fachliteratur findet man leider nur sehr wenig Angaben über diesen Fisch. Die einzige Quelle reicht bereits einige Jahre zurück, und es währe sicher eine gründliche Ueberarbeitung des Typus nötig. Beschrieben wurde er z.B in FRANK DE GRAAF 1976, damals als Macropharyngodon varialvus, Smith 1957.

Es gibt bei den Lippfischen, wie bei allen Fischen, Männchen und Weibchen. Allerdings sind diese Tiere protogyne Zwitter.
Einige schlüpfen als primäre Männchen. Wird jedoch einem Harem das Männchen weggefangen oder gefressen, entwickelt das ranghöchste Weibchen innerhalb von Stunden ein "männliches" Äußeres. Nach einigen Tagen ist dieses Weibchen dann ganz zum Männchen geworden und auch fortpflanzungsfähig. Die primären Männchen weisen allerdings meist eine kräftigere Färbung auf als die diese sekundären, d. h. aus Weibchen "entstandenen" Männchen. Diese Besonderheit findet man auch bei der Familie der Anemonenfische. (gem. Prof. Dr. E.Thaler)

Ich hatte damals die Tiere in einem 300lt. Becken untergebracht, was mir aus heutiger Sicht, für diesen Fisch zu klein scheint, da sie sehr schwimmfreudig sind. Es vergingen über drei Jahre, und weder das eine noch das andere Tier hat auch nur den leisesten Anschein gemacht sich in ein anderes Geschlecht zu verwandeln. Das lies mir keine Ruhe und so fragte ich diverse Aquarianer, was wohl der Grund dafür sei? Mehr oder weniger alle meinten, dass es vermutlich am zuwenig oder falschen Futter liege. Aber ich fütterte bereits seit Jahren sehr abwechslungsreich, quasi quer durch den“Gemüsegarten“, daran konnte es offensichtlich nicht liegen.


Als ich dann aber vor ein paar Monaten eine grüne Teppichanemone -Stichodactyla haddoni- einsetzte nahm das Ganze eine interessante Wende. Die ganzen Storys, angefangen, von „fischverschlingender Bestie“ bis zu „Mörderanemone“, da hörte man so ziehmlich alles-teilweise sicher auch berechtigt. Jedenfalls konnte ich bei dem Gedanken, das meine Diamantlippfische von dieser „Monsteranemone“verschlungen werden, nicht so recht schlafen. Ich entschloss mich deshalb, die Tiere in ein 800lt. Becken überzusiedeln. Nach zwei Wochen bemerkte ich das die Tiere anfingen Salat zu fressen, genau so wie die Doktorfische, was für diese Art eher untypisch ist.

Nach weiteren zwei Wochen fing der grössere von beiden an sich vom Kopf her nach hinten umzufärben. Das ganze vollzog sich in nur zwei Wochen. In diesem Zeitrahmen und auch zwei Wochen anschliessend war dieses Tier extrem sensibel und schreckhaft. Ich musste es zwei - dreimal aus der Klarwasserkammer im Filter befreien, in die es aus Schreckhaftigkeit dauernd gesprungen ist - glücklicherweise ohne sich zu verletzen. Weshalb das Tier nun doch noch, nach drei Jahren umfärbte bleibt reine spekulation. Meiner Meinung nach war dafür das grössere Aquariumvolumen massgebend.

Das Paarungsritual richtet sich offensichtlich nach dem Mondzyklus und ist vermutlich in der Natur von den Gezeiten abhängig.. Ich habe beobachtet das die Tiere hauptsächlich bei Voll und Leermond balzen und dies immer abends ca. 1-2 Std. bevor die Aquariumbeleuchtung abschaltet.
Interessant dabei ist vor allem,das die initiative immer zuerst vom Weibchen ergriffen wird, sie trägt in dieser Zeit ein knallig farbenes Kleid , und provoziert das Männchen dauern mit ruckartigen Schwimmbewegungen, sobald er auf das Weibchen reagiert, in dem er die Verfolgung aufnimmt, schwimmt sie ganz nach oben ca.10cm. unter die Wasseroberfläche,z u einem markanten, senkrecht stehenden Stein, es scheint wie wenn sie dem Männchen den ausgesuchten Laichplatz zeigen wolle. In dieser Phase ist das Männchen wunderschön und steht für kurze Momente flossenspreizend, zitternd senkrecht im Wasser.

Jedenfalls geht das Schauspiel manchmal stundenlang und ist wunderschön mitanzusehen. Leider ist es noch nicht soweit gekommen das die Tiere abgelaicht hätten. Leider ist dieser fantastische Fisch nur selten in Aquarien anzutreffen, es bleib nur zu hoffen das sich andere Aquarianer, auch mal für den Diamantlippfisch begeistern werden.

Der Text unterliegt dem Copyright von Heinz Engelbrecht
Das Foto unterliegt dem Copyright von Klaus Schatz und Stefan Ebert
im Oktober 2001

 


Dieser Artikel ist am 19.08.2007 erschienen

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