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Korallenriffschutzprogramm mit Kindern


Was bisher geschehen ist?

Am 31. August 2005 bin ich nach Indonesien aufgebrochen, um in dem Marine National Park Bunaken in Nordsulawesi ein Korallenriffschutzprogramm mit Kindern durchzuführen. Für den ersten Monat war geplant alles vorzubereiten, um die ersten Klassen Anfang Oktober einladen zu können. Eine Woche lang verbrachte ich in Jakarta, um erste Kontakte zu anderen Organisationen, die sich auch um Riffschutz kümmern, aufnehmen und einen Erfahrungsaustausch in der Zukunft gewährleisten zu können.

Besuch bei TERANGI (Terumbu Karang Indonesia)
Unter anderem besuchte ich auch die Organisation TERANGI (Terumbu Karang Indonesia), die sich bereits seit einiger Zeit mit dem Thema Umwelterziehung auf den Inseln vor Jakarta beschäftigt.


Sie verfügen über eine kleine Bibliothek und sehr viele gute Unterrichtsmaterialien. Man schenkte mir einige Bücher und diverse Anregungen und Spiele.


Das Education-Center

Am 07.September ging es dann weiter nach Manado. Dort wurde ich bereits von den Hauptverantwortlichen des Forums des Marine Nationalparks Bunaken begrüßt. Bereits am ersten Abend gab es ein Treffen, um die wichtigsten Dinge schon in die Wege leiten zu können. Voller Freude konnte ich das neu entstandene Education-Center und den dazugehörigen Schlafsaal am Pantai Liang auf der Insel Bunaken bewundern.

Die darauffolgenden Tage brachte ich damit zu das Education-Centre einzurichten und aufzuräumen. Außerdem fuhr ich vermehrt nach Manad, um dem Marine National Park, dem Forum des Marine National Parks und der Organisation „Bintang Laut“ das Projekt vorzustellen.


Ein Treffen mit Nordsulawesis Vizegouverneur und dem Kultusministerium

Um keine Probleme mit den örtlichen Schulbehörden zu bekommen wurde Ende September ebenso ein Treffen mit dem Vizegouverneur Nordsulawesis und dem Kultusministerium einberufen.

Sowohl von dem Vizegouverneur, als auch von den anderen 40 Mitgliedern wurde das Projekt als gut und wichtig erachtet. Im Moment ist noch ein offizielles Schreiben in Arbeit, das mich dann dazu berechtigt die Kinder aus den Schulen einzuladen.Außerdem wurden das Education-Center und die Schlafräume für den Besuch der Kinder vorbereitet, es wurden Unterrichtsmaterialien gekauft, die Zimmer eingerichtet, ein Fragebogen erstellt, u.v.m.


Der Fastenmonat Ramadhan und die ersten Gruppen

Anfang Oktober hatten die Kinder eine Woche Schulferien, weil der Fastenmonat Ramadhan angefangen hat. Indonesien ist das größte muslimische Land der Welt und somit ist der Ramadhan ein wichtiger Monat für die Menschen dort. Wenn das Korallenriffschutzprogramm in einem anderen Teil Indonesiens durchgeführt werden würde, so könnte es während des Fastenmonats keine Aktivitäten im Education-Center geben, weil jeden Abend das Fasten gemeinsam mit der Familie gebrochen werden muss und die Kinder somit nicht von zu Hause weg sein können.


Glücklicherweise ist Nordsulawesis Bevölkerung hauptsächlich christlich. Im Marine National Park Bunaken ist nur die Insel Nain hauptsächlich muslimisch geprägt.


In der ersten Woche (vom 03. Oktober bis zum 5. Oktober) wurde dann die erste Gruppe von der kleinen Insel Siladen eingeladen. Insgesamt kamen 15 Kinder aus den Klassen 4, 5 und 6 in Begleitung von einer Lehrerin und einer Mutter. Das kleinste Mädchen war 6 Jahre alt, der älteste Junge 11 Jahre.

Dennoch hatte keines der Kinder während der drei Tage Angst oder Heimweh. Ganz im Gegenteil. Alle hatten sehr viel Spass an dem Projekt und mussten beim Abschied weinen und wollten nicht wieder zurück auf ihre Insel.

Wie sahen die drei Tage aus?

Am Montag, den 03. Oktober um acht Uhr habe ich die Kinder abgeholt. Schon die Überfahrt zu der Insel Bunaken genossen die Kinder sehr, weil die meisten Kinder nur sehr selten von ihrer kleinen Insel wegkommen.Nach einer kleinen Vorstellungsrunde durften die Kinder gemeinsam einen „Willkommens-Fragebogen“ ausfüllen, anhand dessen ich mehr Informationen über die Kinder bekommen möchte, z.B. ob die Kinder schon mal etwas über Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe in der Schule gelernt haben, ob sie die Funktionen der unterschiedlichen Lebensräume schon kennen, ob Korallenriffe Steine, Pflanzen oder Lebewesen sind, welchen Beruf der Vater ausübt, was sie selber einmal werden möchten und ob sie traurig wären, wenn sie keinen Fisch mehr essen könnten, etc. Mit diesem Fragebogen möchte ich herausfinden, was die Kinder schon über das Meer wissen, um dann flexibel darauf reagieren zu können. Nach dem Ausfüllen schauten wir uns dann die Schlafräume an, wo sich jedes Kind begeistert ein Bett aussuchte. Danach machten wir gemeinsam einen Rundgang um die Gegend besser kennenzulernen.


Der Rundgang endete in dem kleinen, neu entstandenen Museum, in dem es große Plastikplanen gibt, auf denen viele wissenswerte Informationen über den Marine National Park Bunaken aufgedruckt sind. Es gibt viele bunte Bilder, aber auch viele Informationen. Anhand der Abbildungen und Karten habe ich den Kindern erklärt, dass sie in einem geschützten Gebiet leben. Viele der Kinder wußten nicht, dass sie in einem Marine National Park leben. Auch wussten sie nicht, was so besonders an dieser Gegend ist. Nach einem Rundgang durch das Museum kehrten wir zurück in das Education-Center um eine kleine Pause vor dem Mittagessen einzulegen.

Nach dem Mittagessen, habe ich dann die kleinen Schreibhefte verteilt und den Kindern erklärt, dass sie in den nächsten drei Tagen mehr über das Ökosystem Meer lernen werden und dass es drei wichtige Lebensräume gibt: Mangroven, Seegraswiesen und Korallenriffe. Am Nachmittag des ersten Tages lernten wir gemeinsam die unterschiedlichen Arten der Mangroven kennen, die Fortpflanzungsweise, die Funktion der Mangrovenwälder und welche Lebewesen in den außergewöhnlichen Bäumen leben.


Ebenso lernten die Kinder unter welchen Bedingungen Mangroven leben können. Sie lernten die unterschiedlichen Wurzeltypen kennen.

Nachdem die Kinder viel Theoretisches gelernt hatten und erste Informationen in ihr Heftchen notiert hatten, gingen wir an den Strand um das Spiel „Build an Island“ zu spielen. Mit viel Hingabe bauten vier Gruppen die unterschiedlichsten Inseln. Anhand dieses Spieles wird den Kindern klar, was geschieht, wenn sie die Mangrovenwälder zerstören. Ihre Insel schwimmt förmlich davon.


Dann neigte sich der Tag auch schon dem Ende zu und wir gingen gemeinsam baden. Nach dem Abendessen sahen sich die Kinder dann noch einen Teil des Films „Findet Nemo“ an. Die meisten Kinder waren aber so müde, dass sie noch vor dem Ende ins Bett gingen. Am nächsten Tag ging es bereits um 6 Uhr weiter. Wir wiederholten das am Tag zuvor Gelernte. Nach dem Frühstück um 7 Uhr haben wir dann mit den Seegraswiesen begonnen. Welche Arten gibt es? Was ist das Besondere? Welche Funktion hat Seegras? Wer lebt in oder vom Seegras? Exkurs über Seekühe und Schildkröten. Welche Gefahren drohen diesen beiden Tiergruppen?

„Wir Schützen Schildkröten“

Um diese theoretischen Einheiten wieder ein bisschen aufzulockern spielten wir ein Spiel, das den Kindern verdeutlichen sollte, was passiert, wenn Menschen Schildkröteneier und Schildkrötenfleisch essen. Da die Kinder von der Insel Siladen alle schon einmal Schildkröteneier gegessen hatten, sah ich die Notwendigkeit dieses Thema zu vertiefen und ging mit den Kindern an den Strand, wo sie die verschiedesten Schildkrötenarten aus Sand nachbauten.

Es war sehr anrührend zu sehen, wie die Kinder alleine anfingen Löcher auszuheben und sie mit Sand-Schildkröteneier zu füllen. Als alle Kinder fertig waren schrieben sie mit Blättern darunter „Wir schützen Schildkröten“. Das gute war, dass an diesem Tag viele indonesische Tagestouristen die Arbeit der Kinder beobachteten und nachfragten, was diese machen würden und somit aufmerksam auf das Projekt wurden.

Am nächsten Tag, als eine Gruppe von Müttern die Kinder besuchen kam, erklärten die Kinder beim Mittagessen ihren Müttern mutig, dass sie keine Schildkröteneier mehr essen würden wollen. Die Mütter schauten erst einmal sehr verduzt drein, aber die Kinder erklärten ihren Müttern ebenso mutig den Grund dafür.


Man sieht also, dass die Kinder doch eine gewisse Macht ausüben können. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Kinder noch lange an das Gelernte erinnern können.

Aber wie ging es weiter?

Nach dem Mittagessen machten die Kinder eine kleine Mittagspause. Nachmittags wiederholten wir kurz das am Vormittag Gelernte und machten uns mit Clipboards ausgerüstet auf den Weg zu den Mangoven und Seegraswiesen. Ich erklärte den Kindern vorher, dass sie nur etwas sehen würden, wenn sie sich ruhig verhalten würden. Gemeinsam schlichen wir uns als “Forschergruppe“ dann in die Mangroven, wo wir Lebewesen, Wurzeln und Früchte skizzierten. Im Education-Center besprachen wir die Ergebnisse und klebten die Arbeitsbögen ins Heftchen.Dann war es auch schon wieder Abendessenzeit. Nach dem Abendessen schauten die Kinder dann noch einen Dokumentarfilm über Korallenriffe in Indonesien.

„Wir schützen Schildkröten!“ Am nächsten Morgen um 6 Uhr standen die Kinder dann schon wieder vor der Tür des Education-Centers, wo sie den Vormittag mehr über Korallenriffe lernten. Was sind Korallen. Wie pflanzen sie sich fort? Was ist der Unterschied zwischen Hart- und Weichkorallen? Wer lebt in den Korallenriffen? Warum sind Korallenriffe so wichtig?

Wieder durften die Kinder während dieser theoretischen Einheit viele Fotokopien in ihr Heftchen einkleben und ausmalen.

Wunderwelt Korallenriffe

Vor dem Mittagessen fuhr ich dann mit den älteren Kindern zu einem geeigneten Schnorchelplatz, um ihnen die wunderschöne Unterwasserwelt zu zeigen. Keiner von ihnen war je zuvor schnorcheln gewesen und so musste zuerst eine gewisse Grundangst überwunden werden, bevor die Kinder dann das Korallenriff in seiner vollen Schönheit bewundern konnten.Die Kinder waren begeistert!


Nach dem Mittagessen versammelten wir uns ein letztes Mal in dem Education-Center um nocheinmal alle Bestandteile des Ökosystems zu betrachten und zu verstehen, dass Mangrovenwälder, Seegraswiesen und Korallenriffe eng miteinander verbunden sind und wenn sie einen Teil zerstören würden, so hätte das Folgen auf einen anderen Teil. Um dies zu verdeutlichen, spielten wir ein weiteres Spiel. Nachdem sich die Kinder dann in das Gästebuch eingetragen hatten, kehrten sie zurück auf ihre kleine Insel Siladen. Im Gepäck ein buntes, selbstgestaltetes Heftchen, ein kleines Büchlein vom WWF über Schildkröten und einen bunten Aufkleber.


Insgesamt kamen im Monat Oktober vier Gruppen von den Inseln Manado Tua, Siladen und Mantehage für drei Tage in das Education-Center. Das Programm sah für alle Gruppen sehr ähnlich aus. Bisher läuft alles erstaunlich gut. Es bleibt zu hoffen, dass es weiterhin so gut vorwärts geht.

Sarah Noack :)

Bitte beachten Sie die Fotos in der Galerie!

26. Oktober 2005 ® Sarah Noack


Dieser Artikel ist am 29.07.2007 erschienen

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