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RedDragon II vs. Tunze Stream


Sechs Aquarianer, ein Grillabend, ein kühles Blondes, ein Pool und eine RedDragon II die auf ihre Taufe wartet, so in etwa lässt sich die Ausgangssituation für diesen Bericht beschreiben.

Bisher war die Entscheidung bei der Strömung im Aquarium recht einfach. Es gab Strömungspumpen im Becken betrieben werden und Förderpumpen, die außerhalb des Beckens laufen. Bei den internen Strömungspumpen hat Tunze vor einigen Jahren mit der Einführung der Turbelle Stream wieder einmal den Standard gesetzt. Die Turbelle Stream hat in Punkto Liter / Watt eine neue Bestmarke gesetzt und ist faktisch zum Inbegriff für Strömungspumpen geworden.

Bei den externen Förderpumpen - zumindest in höheren Leistungsklassen - ist die Firma RoyalExclusiv mit ihren RedDragon Pumpen einer der führenden Hersteller. Die enorme Laufruhe bei gleichzeitig hoher Leistung der RedDragon Pumpen ist fast schon legendär.

Ein wichtiger Unterschied zwischen externen und internen Pumpen war bisher die elektronische Steuerung. Für die Stream Pumpen bietet die Firma Tunze z.B. die bekannten Single- und Multicontroller an mit der verschiedenste Strömungsprogramme simuliert werden können. Auch andere Hersteller, wie z.B. Marea und IKS bieten interne Strömungspumpen an, die sich elektronisch steuern lassen.

Bei den externen Pumpen ist die Situation bisher anders. Es gibt zwar einzelne Modelle, die einen Pulsbetrieb ermöglichen (Deltec Intervallpumpen beispielsweise), jedoch ist mir bisher keine externe Pumpenlösung bekannt, die ähnlich flexible Steuerungsmöglichkeiten bietet, wie die Tunze Stream Pumpe. Die Firma Royal Exclusiv ist mit einem neuen Produkt, der RedDragon II (siehe Foto links) angetreten, um den Markt neu zu Mischen. Die zweite Generation ihrer RedDragon Pumpen basiert nach eigenen Angaben auf einem völlig neuen Antriebskonzept. Es kommt zum ersten Mal ein sogenannter Brushless DC Motor zum Einsatz. Dieser Motor wird ähnlich wie die Tunze Stream Pumpen von einem externen Treiber betrieben und lässt sich über diesen Treiber Stufenlos regeln. Der Hersteller wirbt damit, dass der elektrischeWirkungsgrad des neuen Motos ist ausgesprochen hoch sein soll. Es soll kaum noch Abwärme produziert und die Abwärme, die entsteht, wird über Kühlrippen an der Oberseite des Treibers abgeführt. Die Pumpe macht laut Hersteller 17.000liter/h bei einem Stromverbrauch von maximal 200W.

Auf dem Foto sieht man, dass der Treiber an der Unterseite neben dem roten Kabel, das zur Pumpe führt und dem schwarzen Kabel rechts für den Stromanschluss noch zwei Stecker bereithält. Diese dienen zum Anschluss einer Steuerelektronik, die demnächst auf den Markt kommt, mit der die Pumpe in unterschiedlichsten Strömungsprogrammen geschaltet werden kann.

Auf der Oberseite des Treibers sieht man den Drehknopf, mit dem die Leistung der Pumpe von 0 – 100% stufenlos geregelt werden kann.

Über die Pumpe ist im Vorfeld in den einschlägigen Foren, z.B. im Herstellerbereich des Marubis-Forums, viel diskutiert und erzählt worden. So waren wir natürlich alle sehr gespannt darauf die Pumpe endlich mal in Natura zu sehen. Ein Mitglied des Marubis-Forums, hat bereits ein Exemplar der RedDragon II Pumpe bei sich zu Hause und hat zur „Einweihung“ der Pumpe zum Grillen eingeladen. Angeregt durch die Diskussion um Literleistung und Schub einer Pumpe und die Auswirkung auf die Strömung im Becken und mit Spekulationen über die Leistung der neuen RedDragon Pumpe haben wir überlegt, wie man die Leistung der RedDragon Pumpe mit anderen Pumpen vergleiche kann. Wir hatten eine 12.000er Stream als Vergleichsmodell zur Verfügung. Die Wahl viel hier auf die Stream, da sie zum einen gerade Verfügbar war und da sie zum anderen einfach die Referenz im Bereich Strömungspumpen ist.

Natürlich lässt sich kein wissenschaftlicher und objektiver Vergleich zwischen den beiden Pumpen durchführen, erst recht nicht von Laien wie uns. Zudem haben beide Pumpen vollkommen verschiedene Antriebsmodelle. Die Stream hat einen außenliegenden Propeller (hinter einem Schutzgitter) während die RedDragon einen Impeller im geschlossenen Gehäuse hat. Es soll hier also nicht darum gehen die beiden Pumpen zu vergleichen, dazu sind sie einfach zu unterschiedlich. Vielmehr ist die Streampumpe als Referenz zu sehen, welche die meisten Aquarianer bereits gesehen haben bzw. sogar selber besitzen und von der Leistung daher Einschätzen können.

Wir hatten vor zum einen den Druck zu dokumentieren, der durch die Pumpen erzeugt wird und zum anderen die Strömungsleistung. Hierzu haben wir zwei „Versuche“ gemacht:

1.) Die Pumpen wurden in einem Gartenpool auf den Boden gelegt mit dem Auslass nach oben und dann bei voller Leistung angestellt. Dies haben wir in Bilder und im Video festgehalten.

2.) Die Pumpen wurden an möglichst gleicher Stelle in ein Aquarium gehalten. Alle anderen Pumpen ausgestellt und dann (nacheinander) ebenfalls bei voller Leistung gestartet. Dies haben wir ebenfalls mit Videos dokumentiert.

Soweit zur Theorie, in der Praxis ließen sich diese Tests nicht ganz so gut ausführen, wie wir erhofft hatten. In Abbildung 2 sieht man die Tunze Stream im Pool, wie sie nach oben Strömt. Anschaulicher ist dies in Video 1 zu sehen, in dem man besser sieht wie sich das Wasser bewegt. Das gleiche Video haben wir auch mit der RedDragon II Pumpe gemacht (Video 2). Hier sieht man einen wesentlich höheren Berg, das Wasser schießt ein ganzes Stück, sicherlich 60cm – in einem wilden Schwall über die Oberfläche hinaus. Der Wasserschwall nimmt auch eine recht große Fläche ein.

Um den Unterschied in der Kraft der Strömung noch deutlicher zu machen haben wird an den Auslass der Pumpen ein ca. 50cm langes Stück 50er PVC-Rohr befestigt bzw. gehalten. Dies ist auf der Abbildung 2 in der Mitte für die RedDragon zu sehen. Hier schießt das Wasser durch das Rohr über einen Meter in die Höhe. In Abbildung 2 rechts sieht man die Tunze Stream, wie sie durch das Rohr fördert. Das Wasser kommt in einem sehr weichen gleichmäßigen Strahl nach oben, der sich rund um den Auslass verteilt.

Auch wenn es sehr lustig war die Pumpen im Pool auf diese Weise zu vergleichen, so ist die Aussagekraft für Aquarienverhältnisse eher gering. Daher haben wir die Pumpen anschließend im Becken getestet. In Abbildung 3 sieht man die Gesamtansicht des Beckens. Wir haben sämtliche anderen Pumpen ausgestellt und nur die Stream bzw. die RedDragon auf der linken Seite getestet.

Hierbei sind wir jedoch schnell an die Grenzen des machbaren gestoßen. Wir konnten nicht – wie ursprünglich geplant – die Pumpen jeweils in ihrer vollen Leistung laufen lassen (12.000 l/h für die Stream und 17.000 l/h) für die RedDragon. Es war kein Problem die Stream mit 12.000 l/h laufen zu lassen. Dies ist in Video 3 zu sehen, zunächst steht die Pumpe, dann läuft sie an und die Strömung verteilt sich. Sehr deutlich sieht man wie die Stream auf die Sacrophyton unten rechts in der Mitte pustet.

Der Auslass der Stream ist etwas nach unten gerichtet, daher trifft sie ziemlich genau an dieser Stelle die Sacrophyton. Durch die Bewegung der Korallen in der direkten Umgebung kann man sich vorstellen, wie breit sich der Strahl verteilt. An der Wasseroberfläche und an den Korallen im Hintergrund sieht man, dass die Strömung der Stream sich sehr schnell verteilt und eine indirekte Strömung im hinteren Bereich so gut wie nicht existiert. Die Wasseroberfläche ist absolut ruhig. Eine 12.000er Stream ist für das Becken von 160x80x70cm (ca. 900l) als alleinige Strömungspumpe eher nicht ausreichend, obwohl sie das Beckenvolumen in etwa 13x pro Stunde umwälzt.



Bei der RedDragon hatten wir ein ganz anderes Problem Zunächst die Befestigung und der Ansaugschutz. Die RedDragon ist für eine externe Verrohung vorgesehen und hat daher beides nicht integriert. Wir haben deshalb notdürftig das Ansaugitter der Stream vor die Ansaugöffnung gehalten und die Pumpe mit der Hand in das Becken gehalten. Im Video ist die Pumpe zunächst aus und wird dann bis etwa 1/3 aufgedreht. Dies hört man am leisen Sirren der Elektronik auch, das mit steigender Leistung seine Frequenz ändert. Bei 1/3 mussten wir leider abbrechen, da durch den breiten kräftigen Pumpenstrahl bei dieser Leistung das Wasser an der Gegenüberliegenden Seite bereits über den oberen Beckenrand geschwappt ist. Hätte man die Pumpe tiefer positioniert, so hätte sie Sand angesaugt und wäre weiter unten gegen die Scheibe getroffen und hätte dadurch vermutlich sehr viel Sand aufgewirbelt. Somit konnten wir leider nicht direkt die 12.000 l/h der Stream mit den 17.000 l/h der RedDragon II im Aquarium vergleichen.



Man sieht aber schon Eindrucksvoll, dass die RedDragon einen Strahl produziert, der mindestens ebenso weit Streut wie der Strahl der Stream. Außerdem scheint die gesamte Strömung im Aquarium stärker zu sein und das obwohl die Pumpe nur maximal zu 1/3 aufgedreht war, also geschätzte 5500l/h fördert. Dies ist gut an der Wellenbewegung der Oberfläche zu erkennen. Bei einer externen Verrohrung der Pumpe im closed loop mit mehreren Auslassöffnungen dürfte eine RedDragon ausreichen um eine sehr ansehnliche Strömung in dem Becken zu erzeugen. Insbesondere wenn eine elektronische Steuerung eingesetzt wird, wie sie derzeit von der Firma Royal Exclusiv entwickelt wird.


Fazit:

Alles in allem war es ein sehr lustiger Abend, auch wenn die Versuche nicht ganz so gut geklappt haben, wie erhofft. Die RedDragon Pumpe wird den Markt der Strömungspumpen sicherlich bereichern und neue Impulse in der Diskussion „Schub vs. Liter / h“ liefern. Wir sind weiterhin auf der Suche nach einer Möglichkeit den Unterschied zwischen den beiden verschiedenen Pumpenarten deutlicher zu machen. Ideen hierfür werden im Thread zum Artikel im Board Beleuchtung und Technik des Marubis-Forums (Link) gerne entgegengenommen.

Jens Dreiser (Besitzer des Aquariums und der Pumpen)
Stefan Flöring (Bericht und Videos)
Alexander Grah (Fotos und Testdurchführung)


Video 1: Stream im Pool am Boden direkt nach oben Strömend. (8.8 MB)

Video 2: RedDragon II im Pool am Boden direkt nach oben Strömend.(9.2 MB)

Video 3: Stream im Aquarium (12.1 MB)

Video 4: RedDragon II im Aquarium (12.9 MB)

 


Dieser Artikel ist am 22.07.2007 erschienen

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