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Das Aquarium des Monats: Dezember 2008


Seid mir gegrüßt, Salzwasserfreunde,

und meinen ergebensten Dank zur recht eindeutigen Wahl des ADM für den Dezember 2008. Mein Name ist Torsten Schneyer, ich bin vierunddreißig und lebe und arbeite als Grafiker, Illustrator und Künstler im Rhein-Maingebiet. Seit über zehn Jahren betreibe ich Süßwasseraquaristik und Terraristik. Bereits früh wurde mir klar, dass mich an der Aquaristik weniger das Halten und Züchten seltener Fische in sterilen Zweckbecken begeistert, sondern die Nachbildung kompletter Lebensräume und ihrer vielfältigen Gemeinschaften. Folglich steckte ich viel Energie in die Gestaltung meiner Becken, legte Wert auf üppige Bepflanzungen und schreckte dabei auch vor unkonventionellen Lösungen nicht zurück. Beeinflusst von Olaf Deters, einem findigen Dipl.-Ing. und Aquarianer, der sich dem Thema über seine Website auf erfrischend nüchterne Art nähert, fuhr ich dann viele Jahre lang ein Aquarium mit einem Hambuger Mattenfilter, mit mit viel Laub und Bodenmulm nach der Altwassermethode ohne jeden Wasserwechsel (!), bei allerbesten Wasserwerten.

Wie immer, wenn etwas lange Zeit sehr glatt läuft, hatte ich irgendwann das Gefühl, dass mich mein Süßwasserbecken nicht mehr befriedigt. Neidisch schielte ich auf die bunten Tiere in den Meerwassergeschäften und lernte mit großem Staunen, wieviel vielfältiger das Artenspektrum und wieviel komplexer die Lebensgemeinschaften dort waren. Alles dort drüben auf der „anderen Seite“ schien irgendwie abwechslungsreicher, bunter, greller, aufregender, aber auch komplizierter, aufwendiger und viel, viel teurer zu sein.

Meerwasserquaristik erschien mir als die Fomel-1 der Tierhaltung... das wollte ich auch können.

Ein halbes Jahr lang verschlang ich Websites, Foren und Fachliteratur, plante und recherchierte. Wiederstand war zwecklos, ich war verfallen. Fische und Pflanzen wurden verschenkt, die grüne Pfütze wurde trockengelegt, der Platz gefegt. Ein Riff musste her, und zwar ein schönes.

Dumm nur, wenn man sich das als kleiner Kreativling eigentlich nicht leisten kann, weder den Platz noch den Boden dazu hat. Ein Nano kam jedoch nicht in Frage, das hatte zu sehr den Touch von Ersatzbefriedigung. Also beschloss ich (auch um meine Wohnung nicht umräumen zu müssen), an der Stelle des alten, süßen 240-Liter-Beckens das gleiche in salzig aufzustellen und dabei so gut es ging auf mein nicht vorhandenes Geld zu achten.

Das Becken, welches ihr nun gewählt habt, ist in vielerei Hinsicht der Beleg dafür, dass man, ausreichend Fachwissen und das richtige Händchen vorausgesetzt, auch mit „Low-Tek“ und ohne den sonst üblichen Aufwand ein schönes Riff betreiben kann.

 

Konzept und Aufbau

 

Grundsatz für mein mittelgroßes Becken sollte sein: Alles so sicher und einfach wie möglich, keine unnötige Automatisierung und keine komplizierten, aufwändigen Bohrungen, Verrohrungen und auch so wenig Automatisierung wie möglich. Nicht, dass mir das zu hoch gewesen wäre, aber es war mir zu teuer und ich bin ein Fan einfacher Lösungen.

Auch wohne ich im zweiten Stockwerk eines über hundert Jahre alten Gründerzeitaltbaus. Das bedeutet einen vergleichsweise schwachen Boden, so dass die geschätzten 300 Kg, die mein 240-Liter-Becken inklusive der Aufbauten und des Schrankes wiegt, die absolute Obergrenze darstellen. Dazu kommt eine leichte Neigung des Bodens nach links, so dass ich einen Unterschied des Wasserstandes von ganzen 6 mm habe. Da das beim alten Becken jahrelang gut ging und meiner Meinung nach auch viel zu viel Panik um das Thema gemacht wird, nahm ich diesen Umstand einfach hin. Leider bedeutete sowohl das Platz- als auch das Gewichtsproblem, dass ein Technikbecken von vornherein ausgeschlossen war. Bei näherer Betrachtung der Materie erschien mir ein solches aber auch nicht nötig, denn ich entschied mich für das „Berliner System“: Viel Lebendgestein, einen Abschäumer ...und das sollte es dann auch schon sein an Planscherei. Beim Glas kam ich an das einzige Thema, bei dem ich niemals an der Qualität gespart hätte, denn ein Glasbruch wäre für mich die Katastrophe schlechthin. Ich bestellte das Becken als Sonderanfertigung in 8 mm Glasdicke beim Seewasserparadies in Stockstadt und ließ einen gläsernen Technikschacht von 20x15 cm einbauen. Dieser zieht Wasser über einen Ablaufkamm, welches durch eine kleine, am Boden des Schachtes befindliche Oceanrunner durch ein U-Rohr wieder nach draußen gepustet wird. Damit der Schacht nicht aus Versehen trockenfallen kann, hat er an der Unterkante zum Beckenboden hin einen 1 cm breiten Spalt. In diesem Schacht schäumt ein gebraucht erworbener Aquamedic Midiflotor, ein einfacher Gegenstromabschäumer mit Lindenholzausströmer. Das ganze stellte ich auf den alten Aquarienunterschrank meines Süßwasserbeckens, pinselte die Rückseite mit Dispersionsfarbe blau an und lagerte die Luftpumpe des Abschäumers unten auf ein gefaltetes Handttuch. Sie läuft nahezu geräuschlos. Mit Licht und Strömung soll man bekanntermaßen niemals geizen, hier habe ich mich zwar ebenfalls finanziell nicht überhoben, aber zumindest auf Quantität geachtet. Über das Becken hängte ich eine ebenfalls gebraucht erworbene ATI Sunpower mit neuen 4x54 Watt T5-Röhren. Als Strömungspumpe wählte ich die damals von der Mehrheit der Aquarianergemeinde noch mistrauisch beäugte Resun Wavemaker, ein italienisches Billigprodukt, welches aber durch seine drei intervallgesteuerten Geschwindigkeiten ein sehr abwechslungsreiches Ströumungsbild erzeugt und damit ein unschlagbares Preis/Leistungsverhältnis bietet. Ihr gegenüber montierte ich eine kleine Tunze Nanostream, so dass bei den Probeläufen bereits ein Orkan im Wasserglas herrschte.



Um für den Riffaufbau eine Basis zu haben, ließ ich mir vom Seewasserparadies aus totem Riffgestein und Korallensand zwei kleine Riffsäulen mit Höhlen und eine Verkleidung für den Technikschacht anfertigen. Mit diesem vergleichsweise bescheidenen, aber sehr sicheren und leicht zu kontrollierendem Setup sollte mir der Start glücken.

 

Einfahrphase

Während des Aufbaus meines Beckens habe ich mit dem ein oder anderen heiligen Grahl der Seewasseraquaristik gebrochen. Das ging schon beim Ansetzen des Salzwassers los. Entgegen den Ratschlägen in dem von mir gekauften Anfängerbüchern verwendete ich bei der Erstbefüllung 70% Leitungswasser, welche ich mit 30% destilliertem Wasser aus dem Baumarkt „verdünnte“. Das Salz schauftelte ich bei laufenden Pumpen den ganzen Abend über dazu, bis die optimale Dichte erreicht war, ohne dass es zu irgendwelchen schädlichen Ausfällungen kam. Wenige Tage später folgten 16 Kg Livesand in einer Schütthöhe von 6 cm und nach einer weiteren Woche 15 kg Lebendgestein. In wilder Folge zeigten sich sodann, wie zu erwarten, allerlei bunte Algenbeläge, jedoch nicht in einem Maße, das ich im Vergleich zur Einfahrphase anderer Aquarianer als auffällig empfunden hätte. Hier erwies sich leider, dass in der Meerwasserszene immer noch sehr viel über das Hörensagen und über Spekulativwissen läuft. Rotbraune oder goldgelbe Flecken werden auch von fortgeschrittenen Aquarianern scheinbar völlig willkürlich mal als Cyanos, Goldalgen, Dinos, oder Kieselalgen bezeichnet, dann aber jedesmal mit 100%iger Sicherheit. Dabei haben mehrere Facharbeiten schon vor Jahren bewiesen, dass sich Algenteppiche fast immer aus sehr komplexen Gemeinschaften mehrere Algen zusammensetzen, deren jeweiliger Anteil von den aktuellen Umweltbedingungen abhängt und dass dadurch im Grunde jedes Becken seinen ganz individuellen Schmieralgenteppich erzeugt.
Das juckte mich freilich wenig, ich wartete einfach ab und maß einmal in der Woche gelassen die Wasserwerte. Wenige Tage nach dem Einsetzen des Lebendgesteins brachte ich eine größere Menge Caulerpa als Wasseraufbereiter ein, und bereits nach einem Monat waren alle Werte im grünen Bereich. Die Schmieralgen waren einer bunten Flora aus grünen Faden- und höheren Algen gewichen. Nun verstieß ich gegen weitere eherne Gesetze, indem ich nach etwa einen Monat Laufzeit nicht nur Schnecken und Einsiedler einbrachte, sondern sogleich auch eine gewisse Anzahl an robusten Weichkorallen: Sarcophyton, Capnella und Sinularia sorgten durch ihren Stoffwechel und durch ihre Wuchsfreudigkeit dafür, dass den Algen langsam die Nährstoffe ausgingen, und auch mein erster Fisch, ein Salarias fasciatus, war bereits fleissig am Algen fressen. Für das frühe Einsetzen von Korallen habe ich damals die ein oder andere spitze Bemerkung bekommen, aber ich denke, der Erfolg gibt mir recht. Die Erfahrungen vieler Profiaquarianer bei Umzügen, Messen etc. hatten ja bereits vorher mehrfach bewiesen, dass gerade ein frühes, mutiges Besetzen eines Beckens mit unproblematischen Korallen die Einfahrphase eher verkürzt als verlängert, sofern man weiss was man tut. Ich habe bis heute kein einziges Tier aus dieser Phase verloren. Bereits 50 Tage nach der Montage hatte ich ein weitgehend eingefahrendes, wenn auch etwas leer wirkendes Riffbecken, und nach zwei weiteren Monaten hatte ich die Anlage bis zum Vollbesatz hochgefahren.



Noch ein Wort zum Bodengrund: Immer wieder bekommt man eine Bodengrundhöhe von 1-2 cm (oder besser noch: gar keinen Bodengrund) empfohlen und gesagt, dass mehr cm an Füllhöhe kontraproduktiv seien, es sei denn, man wolle ein DSB-Becken, aber dies sei dann etwas anderes und dann müssten es schon 12-18 cm sein. Die Logik dieser Aussage hat sich mir nie erschlossen, denn meiner Meinung nach ist der Abbau von biologischen Abfallstoffen durch Kleinstlebewesen in Biofilmen und im Bodengrund immer gut, und je mehr solcher Biofilme man hat, umso besser. Natürlich hat ein niedriger Bodengrund nicht die filtrierende Wirkung eines DSBs oder von Lebendgestein, aber ihn deswegen so niedrig wie möglich zu halten, leuchtete mir nicht ein. Daher die anfänglichen 6 cm (Inzwischen hat sich der Bodengrund stark abgesetzt und ist nur noch ca 4 cm hoch), und ich habe keinerlei Probleme damit. Das Gleiche gilt für die mancherorts verbreitete Panik vor Detrius. Sobald irgendwo ein bisschen Faulschlam herum liegt, wir der Schlauch gezückt, und damit der Sand immer schon weiss leuchtet, werden allerhand „Zwecktiere“ versklavt, die den Sand zu reinigen haben. Baggergrundeln halte ich keine, bei mir dürfen die Kalrotalgen den Sand ruhig einfärben. Meiner Meinung nach erfüllt Detrius, ähnlich wie in der Süßwasseraquaristik, eine wertvolle Funktion als Mikrolebensraum und gehört mit all seinen mikroskopischen Einwohnern in vernünftigen Maßen zur gesunden Biologie des Kunstriffs dazu. Die chemischen Details, die mich zu dieser Annahme bringen, möchte ich dem Leser an dieser Stelle ersparen, darüber sollen sich Andere streiten. Fakt ist: Ich sauge nie etwas ab und das Becken läuft.




 

Besatz

Ziel meiner Anlage ist es, im Rahmen der bescheidenen Möglichkeiten dennoch einen Abwechslunsgreichen Eindruck zu vermitteleln und aus jeder relevanten Tiergruppe einige schöne Exemplare zu pflegen, ohne das das Ding in die Hose geht. Auch beim Besetzen meines Beckens ließ ich mich von meiner Grundmaxime der Einfachheit leiten, zugegeben mit der einen oder anderen Ausnahme. Mit einigen wenigen Ausrutschern (denen es aber sehr gut geht) pflege ich keine SPS, und auch mein LPS-Bestand hält sich in Grenzen. Die Weichkorallen hingegen, welche mir aufgrund des hübschen Hin- und Herwogens in der Strömung sowieso besser gefallen, pflege ich in üppiger Fülle und in großem Artenreichtum. Die wöchentlichen Gärtnerarbeiten, das Schneiden von Korallen und das Ziehen von Ablegern, nehmen den größten Teil der zur Pflege reservierten Zeit in Anspruch. Als künstlerisch veranlagter Mensch ist mir die Gesamtkomposition der sessilen Tiere auch in ästhetischer und farblicher Hinsicht sehr wichtig. Neben den Korallen ergänzt ein ganzer Anemonenzoo, zwei große Röhrenwürmer, einige grell bunte Schwämme und eine blaue Tridacna das sessile Bild.







An Fischen ist das Becken inzwischen in den Augen so mancher Kollegen sicher etwas überbesetzt, doch solange sich die Tiere vertragen, ihr natürliches Verhalten zeigen und vor allem die Wasserwerte nicht leiden, sehe ich in der aktuellen Besatzdichte kein Problem. Neben zwei wunderschönen Lippfischen (Macropharyngodon bipartitus und Pseudocheilinus hexataenia) sind ein harmonisierendes Pärchen Flammenzwergkaiser C. loriculus) die Kings im Becken. Mit ihren extremen Farben und ihrer Schwimmfreudigkeit, aber auch wegen ihrer unkomplizierten Art sind sie meine klaren Favoriten. Die Loris gehen übrigens nicht an meine Korallen. Ganz im Gegensatz zu einer kleinen Okinawagrundel (Anfangs hatte ich zwei davon), die mit Vorliebe komplette Becherkorallen fraß und deshalb in das Becken einer Freundin weichen musste. Die unvermeidlichen A. ocellaris sind natürlich ebenfalls mit von der Partie und leben in einer nur wenig wandernden H. crispa. Sie laichen regelmäßig ab. Mit den Symbioseanemonen hatte ich anfangs jedoch wenig Glück. Eine Kuperanemone wanderte nach wenigen Tagen in den Schredder, was sich aber glücklicherweise nicht in den Wasserwerten niederschlug. Nachdem mir Herr und Frau Nemo jedoch eine kleine Margaritenkoralle förmlich totgekuschelt hatten, entschloss ich mich für die Crispa, welche auch nach einer Woche einen festen Standplatz hatte und heute mit ihrer gebänderten Bewohnerschaft einen der Hauptblickfänge des Beckens bildet.

Das einzige echte Wagnis, auf das ich mich eingelassen habe, ist ein Pärchen Mandarin-Leierfische, die jeden Abend während der Blaulichtphase ihre Balztänze abhalten. Ein unglaublich schöner Anblick. Immer wieder heißt es, man könne diese Tiere nur in jahrelang eingefahrenen Becken halten, da nur dort die nötige Anzahl an Kleinkrebschen gewährleistet seien. Diesem Dogma möchte ich widersprechen, denn gerade sehr lange stehende Becken sind in dieser Hinsicht manchmal deutlich „steriler“ als frische Aquarien, bei denen sich die Mikrofauna in wilder Folge die Türklinke in die Hand gibt. Anfangs kultvierte ich dennoch extra für diese wunderschönen Fische „Schmuddelecken“ aus Caulerpa, in denen die Mikrofaune Zuflucht fand und von den Manadrins auch fleissig erjagd wurde. Allerdings gehen beide Tiere an Frostfutter, vorzugsweise Mysis und Artemia, so dass ich mir keine allzugroßen Gedanken machen muss. Natürlich möchte ich jetzt keinem Anfänger raten, Mandarinfische in frisch eingefahrene Becken zu schmeissen... ich möchte lediglich anmerken, dass es funktionieren KANN, wenn man weiss, was man tut.

An niederen vagilen Tieren sind, neben der üblichen Einsiedler- und Schneckenbande, wohl an erster Stelle die Garnelen zu nennen: Ich plege jeweils ein Paar Weissbandputzer- und Kardinalsgarnelen. Letztere sind sehr scheu und nur bei der Fütterung zu sehen, erstere sind derartig dreist, dass man sie sofort wild putzend an den Fingern hängen hat, muss man mal ins Becken langen. Auch ein bunter Pfaffenhutseeigel und zwei größere Schlangensterne, O. annulosa und O. incrassata leben im Riff. O. incrassata, der olivgrüne Schlangenstern, steht bekanntermaßen im Ruf, Fische und Kleintiere zu erbeuten. Bei mir benimmt er sich aber und bekommt ab und an eine Extrafütterung. Das gleiche gilt für eine schwarze, haarige Krabe, die sich irgendwann aus meinem Lebendgestein gequetscht hat. Hier hat sich lustigerweise ein „Meeresfrüchtemix“ aus Shrimps, Tintenfisch und Miesmuscheln aus dem Supermarkt bewährt. Normalerweise gehört das Zeug in den Salat, aber bei mir liegt immer eine Packung davon als Tierfutter im Tiefkühlfach. Garnelen und Schlangensterne wird hin und wieder mit der Futterzange einer dieser Happen gereicht, so dass sie sich nicht ständig mit den Fischen um das Kleinfutter prügeln müssen.





 

Der Alltag

 

Die täglichen Pflegemaßnahmen reduzieren sich auf die Fütterung und dem Nachfüllen des verdunsteten Wassers. Alle paar Tage reinige ich die Scheiben, füttere die Schlangensterne und leere den Abschäumertopf. Einmal in der Woche widme ich mich der Gesamtgestaltung und gärtnere ich ein wenig herum. Wasserwerte nehme ich wöchentlich, den Nitratgehalt reguliere ich nach Bedarf mit der Wodkamethode.

Den Billigwodka von Aldi dosiere ich sparsam von Hand und passe ihn, über die Zeit in der Dosis sanft an- und absteigend, dem Nitratwert an.

Wasserwechsel tätige ich, und auch hier breche ich ein Dogma, deutlich weniger als von der Fachliteratur empfohlen. Zwar fahre ich natürlich kein Altwasserbecken, wie anno dazumal in der Süßwasseraquaristik, doch ist die Beckenbiologie dermaßen munter und regenerativ, dass ich mit einem Teilwechsel alle paar Monate gut auskomme. Das Salz habe ich bisher nicht gewechselt.

Ein weiterer Grundsatz, den ich standhaft mißachte, ist der des „offenen Beckens“. Mein Riff ist mindestens zur Hälfe, im Winter sogar nahezu ganz mit Glasplatten abgedeckt. Erstens verhindert das zuverlässig die Todessprünge allzu motivierter Fische, zweitens reduziert es die Verdunstung drastisch. Den Einwand, dass die Abdeckscheiben wichtiges Licht zurückhalten würden, kann ich nicht nachvollziehen... zumal modernere Lampen ja selbst über einen Spritzschutz verfügen und da stört’s auch keine Koralle. Im Sommer läuft als Kühlung ein per Termostatfühler gesteuerter PC-Lüfter schräg zur Wasseroberfläche. KH, Calzium und Magnesium reguliere ich, genau wie Spurenelemente, mit fertigen „Balling Light“-Lösungen vom Händler meines Vertrauens. Im großen und ganzen läuft das Riff nahezu von selbst.

 

 

Fazit?

 

Nach einem knappen Jahr kann ich ein durchaus positives Resüme ziehen. Die Entscheidung für ein nicht zu großes Becken mit vergleichsweise einfacher Technik, der Verzicht auf ein Technikbecken und die Beschränkung auf Weichkorallen und „Anfängerfische“ habe ich nicht bereut. Ebensowenig einige eher unkonventionelle Entscheidungen sowie die unüblich kurze Einfahrphase oder der frühe Besatz. Das Berliner System, basieren auf Lebendgestein, Bodengrund und Abschäumer, habe ich als gutmütig und kontrollierbar kennengelernt. Ich denke, dass ich mit meinem Becken zeigen konnte, dass man auch als Anfänger mit vergleichsweise wenig Aufwand und Technik eine ordentlich laufende, nicht zu teure und vor allem wunderschöne Riffanlage gestalten kann.

Unerlässlich ist meiner Meinung nach aber immer die gute Planung und die Einarbeitung in die Fachliteratur.Ohne Wissen geht es nicht. Auch die Sache mit dem „nicht zu teuer“ muss natürlich in den entsprechenden Relationen gesehen werden. Seewasseraquaristik ist meiner Meinung nach immer noch ein eher versnobbtes Hobby. Meine Anlage hat, alles in allem und die Tiere mit eingerechnet, immer noch um die 2500.- gekostet. Das ist jedoch kein Vergleich zu den großen Becken, deren Besitzer die Fundamente für ihre tausen-Liter-Tanks selbst mauern und die Rohrsysteme bis runter in den Keller verlegen...

Mit etwas Kreativität und vor allem mit Zeit und viel Leserei kann man auch so schon eine Menge erreichen.

 

Torsten Schneyer, Dezember 2008

Hier noch einmal die Eckdaten zur Übersicht:

 

System:

Berliner System mit Abschäumung und Balling light, zusätzliche Nitratsenkung durch Wodkadosierung alle zwei Tage.

Becken:

240 Liter brutto, 120x40x50cm, 8mm Glasstärke, Sonderanfertigung von Seewasserparadies Stockstadt, 8mm Weissglas, mit abgeteiltem Technikschacht mit den Maßen 20cm x16cm.

Technikbecken:

Kein Technikbecken! Der Abschäumer hängt hinten links im versteckten Technikschacht. keine Aktivkohle, keine sonstige Filterung/Aufbereitung.

Licht:

ATI Power Modul 4 x 54 Watt.

Abschäumung:

Aquamedic Midiflotor.

Strömung:

Resun Wavemaker 15000, Tunze Nanosteam, Oceanrunner 1200 (im Technikschacht).

Kühlung und Verdunstung:

PC-Lüfter schräg zur Wasseroberfläche, geregelt durch ein Termostat mit Temperaturfühler. Becken ist teilweise durch Glasplatten abgedeckt.

Riffaufbau:

Zwei Säulen von und eine Schachtverkleidung aus totem Riffgestein, ebenfalls vom Seewasserparadies, dazu 15 Kilo Lebendgestein von den Fidschiinseln.

 


Wussten Sie schon...?
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Dieser Artikel ist am 25.12.2008 erschienen

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Kommentare

wertu
Dabei seit:19.06.2009
Kommentare 
Korallenriff:3
Lexikon:0

schönes aquarium aber ich hab ne frage zum wodka man kann doch nicht einfach schnaps ins wasser kippen(mein becken steht noch nicht)

mfg
Beitrag vom 02.07.2009 - 18:28 

siliboy33
Dabei seit:10.01.2009
Kommentare 
Korallenriff:1
Lexikon:0

...ein schöner und Informativer Beitrag.
Ich bin erst seit ein paar Monaten Meerwasser Pfleger und habe auch die Erfahrung gemacht, dass man lieber nicht auf diese vielfältigen Aquarianer Latiniums hören sollte, sondern lieber seine eigenen Erfahrungen sammeln sollte.
Ich habe ein seit zwei Jahren laufendes 500 Liter Becken übernommen und denke auch, das weniger oftmals mehr ist, was bedeuten soll, man sollte nicht zuviel rumhantieren, dieses oder jenes Mittelchen ausprobieren, nur weil der Nitratwert mal bei 50 steht oder Posphat bei 0,25 steht.
Abwarten und Gedult haben kann ich nur raten.
Ich wundere mich immer wieder, zu was ein Meerwasseraquarium fähig ist.
Glückwunsch zu diesem schönen Becken!!!
Silvano Sisti
Beitrag vom 10.01.2009 - 23:56 

george
Dabei seit:03.08.2008
Kommentare 
Korallenriff:3
Lexikon:0

...gefällt mir sehr gut, ich bin weit über 40 jahre Süßwasseraquarianer UND seit knapp einem Jahr aufs "Salz" gekommen.
Habe eine 800l Anlage übernommen - und bin relativ schnell ins Salzwasser geworfen worden!
Deshalb finde ich es toll, dass mal Einer mit allen "Vorschriften" bricht.
Ich habe neben der Informatin über alle diese "notwendigen" Dinge einen mächtigen Aufwand betrieben (habe am Anfang neben dem Aquarium geschlafen!!!)- heute bin ich sehr ruhig geworden im Umgang mit den Werten usw.
Das tolle an solch einem Biotop ist, dass man fast jeden Tag etwas Neues entdeckt.
Ich wünsche uns allen noch viel Spaß mit dem Hobby

George Fischer
Beitrag vom 26.12.2008 - 20:21 

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