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Island gefährdet Tourismus durch Waljagd


Islands Fischereiminister, Einar K. Gudfinnsson, erteilte gestern die Erlaubnis zum Abschlachten von 40 Nördlichen Zwergwalen für kommerzielle Zwecke. Die isländische Walfanglobby gab daraufhin bekannt, sofort mit der Jagd zu beginnen. Diese Entscheidung steht im deutlichen Widerspruch zu der letztjährigen Ankündigung Gudfinnssons, aus wirtschaftlichen Gründen keine weiteren Genehmigungen für kommerzielle Fangquoten zu erteilen.

Der Entscheidung waren heftige Diskussionen innerhalb Islands zwischen Befürwortern der "old" und "new" Economy vorausgegangen. Während die alteingesessenen Walfangbefürworter die Meeressäuger als Bedrohung der kommerziellen Fischbestände sehen, treten Tourismusvertreter vehement für einen umfassenden Walschutz ein, da die Walbeobachtung längst zu einer zentralen Stütze des isländischen Tourismus geworden ist. Unerwartet kam dann auch die klare Distanzierung von dem Beschluss durch Islands Außenministerin Ingibjorg Solrun Gisladottir, die gegenüber der Presse davor warnte, langfristige Interessen einem kurzfristigen Profitstreben zu opfern.

"Die isländische Regierung riskiert durch die Fortsetzung des sinnlosen und subventionierten kommerziellen Walfangs andere Wirtschaftszweige. Denn schon neun Touristen, die nach Island zum Whale Watching reisen, erbringen den Verkaufserlös eines getöteten Zwergwales", sagt Nicolas Entrup, Sprecher der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS in Deutschland.


Während die WDCS die Kritik der isländischen Außenministerin als ein erstes starkes Signal für Veränderungen innerhalb des Landes wertet, fordert Entrup aber auch eine Reaktion der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union: "Wie ernst es die EU mit dem Walschutz meint, wird sich jetzt auch in Island und auf der in einem Monat stattfindenden Walfangkonferenz (IWC) zeigen", sagte Entrup in München. Die IWC findet von 23. bis 37. Juni 2008 in Santiago, Chile, statt.

Zwischen 2003 und 2007 wurden in Island insgesamt 200 Zwergwale unter dem Deckmantel der "wissenschaftlichen Forschung" getötet. 2006 tötete Island trotz bestehendem kommerziellen Walfangverbotes sieben Zwerg- und sieben stark gefährdete Finnwale.



Kontakt:
Nicolas Entrup, WDCS, Tel. + 49 (0) 89 6100 2395, E-Mail
nicolas.entrup@wdcs.org, www.walfang.org

 

 

Ergänzung vom 21. Mai 2008

Island gibt wieder grünes Licht für Walfang
Umweltgruppe warnt vor wirtschaftlichen Nachteilen für die Insel

(20.05.2008) - Islands kommerzieller Walfang hat diese Woche erneut begonnen. Nach heftigen Debatten zwischen Fischern und der Regierung wurde die Quote nun auf eine unbegrenzte Zahl von Finn- und 40 Minkewalen festgesetzt. Fischer hatten zuvor die Erlaubnis zum Abschuss von 100 Minkewalen gefordert. Die Entscheidung kommt nach wochenlangen Streitigkeiten auf der Insel im Nordatlantik. Umweltgruppen warnen indessen davor, dass der Walfang die Wirtschaftskrise im nordeuropäischen Land noch verschärfen werde.

Seit dem Ende des Walfang-Moratoriums ist die diesjährige Walfang-Saison die dritte in Folge. Zwar liege die Quote der in Island gefangenen Wale deutlich unter jener Norwegens und Japans, dennoch werfen Kritiker der Regierung des Landes vor, dass sie sich nach außen als natürliches, ökologisch einwandfreies und grünes Land präsentieren. "Wir raten der isländischen Regierung dringend dazu, die Entscheidung über den Walfang nochmals zu überdenken", äußerte etwa Robbie Marsland vom International Fund for Animal Welfare IFAW http://www.ifaw.org . Die Rückkehr zum Walfang könnte dem Land und damit auch der ohnehin fragilen Wirtschaft der 103.000 Quadratkilometer großen Insel enormen Schaden zufügen. Darunter würde auch der Ruf des Landes weltweit leiden.

Islands Wirtschaft ist ohnehin ziemlich schwach auf den Beinen: Die Inflationsrate liegt bei elf Prozent jährlich, die Zinsen betragen bis zu 15 Prozent. Der Fremdenverkehr als wachsender Wirtschaftszweig setzt bei der Vermarktung des Landes auf dessen ungestörte und unberührte Natur. Whale-Watching hat sich als stark wachsender Zweig etabliert. Die nunmehrigen Bestrebungen Wale zu jagen, stehe diesem Vorhaben nun entgegen. Marsland betont, dass das Whale-Watching als Industriezweig mehr wiege, als der Walfang. Immer lauter werden auf der Insel auch Gerüchte, wonach einige der Politiker eher die Interessen der IFAW vertrete als jene der Fischer. Dies sei auch der Grund gewesen, dass man wochenlang über die Quoten verhandelt habe. Die Entscheidung oblag schließlich dem Fischerei-Ministerium, das mit dem Argument vorpreschte, der Bestand von insgesamt 174.000 Minkewalen im Nordatlantik sei durch die Jagd auf 40 kaum gefährdet.

Ein Hauptargument der isländischen Fischer war dahingehend, dass die Isländer so gerne Walfleisch verzehren. Eine von der IFAW durchgeführte Untersuchung des Gallup-Instituts ergab allerdings, dass nur 1,1 Prozent der Befragten ein- oder mehrmals pro Woche Walfleisch essen, hingegen 82,4 Prozent der 16 bis 24-jährigen Isländer dieses nicht anrühren.

Redakteur: Wolfgang Weitlaner

 

 

 

 


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20.05.2008



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