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Das Porträt eines Schlammfilteraquarium Teil 2


Das Porträt eines Schlammfilteraquarium Teil 2

Meine Liebe, die Anthias:
Den größten Teil meiner Kindheit verbrachte ich mit Tieren, die etwas mit Wasser zu tun hatten; Frösche, Molche oder Goldfische. Mit zwölf Jahren richtete ich mir dann mein erstes Aquarium mit den damals handelsüblichen Süßwasserfischen ein, und damit begann sich die ganze Faszination dieses wunderbaren Hobbys bei mir zu entwickeln. Es wurden immer seltenere und schwerer zu pflegende Fische gehalten, bis ich schließlich damit begann, mich mit Diskusfischen zu beschäftigen. Schließlich – das war mittlerweile im Jahr 2000 – stand der Umbau unseres Wohnhauses an, und damit sollte auch ein kleiner aquaristischer Traum wahr werden: ein 1000-Liter-Diskusbecken.




Ein Fachhändler war schnell gefunden. Doch beim ersten Besuch stellte sich schließlich heraus, dass dieser nur Meerwasseraquarien anbot! Eigentlich war ich ja wegen eines Diskusaquariums gekommen, aber schon Sekundenbruchteile nach dem ersten Blick auf das Riffaquarium dieses Händlers war mir völlig klar, dass in unser neues Wohnzimmer nur ein Meerwasserbecken einziehen würde.

Die groben Details waren schnell besprochen; es sollte ein handelsübliches Aquarium mit Abschäumer werden. Nun musste ich mich allerdings erst mit der Materie „Meerwasseraquaristik“ vertraut machen. Eiligst wurden Bücher gekauft oder ausgeliehen und durchgearbeitet. Dann stieß ich im Zeitschriftenhandel auf die KORALLE-Ausgabe 8 (April/Mai 2001), in dem das „Schlammfilteraquarien“ vorgestellt wurde, und von dieser Methode war ich sofort begeistert. Das war es, was ich wollte!

„Was willst denn mit dem Scheiss!“
Nach kurzem Überfliegen des Artikels sagte mein Aquarienhändler wortwörtlich: „Was willst denn mit dem Scheiss". Er war von dieser Methode überhaupt nicht begeistert (vielleicht weil ich ja bereits die gesamte Aquarientechnik bei ihm bestellt hatte). Doch ich ließ nicht locker und begann alles, was ich im Internet über die Schlammfiltermethode finden konnte, zu sammeln und zu übersetzen, weil ja alles in englischer Sprache war. Diese gesammelten Werke legte ich meinem Händler vor. Als er nun das ganze Material durchgelesen hatte, war er nicht mehr ganz so abgeneigt. Das einzige Problem bestand darin, das EcoSystem-Filtersubstrat von den USA nach Deutschland zu transportieren.




Als erstes musste der Kontakt zu der Herstellerfirma in Amerika gefunden werden. Durch die Hilfe eines Bekannten, der schon im Im- und Exportgeschäft tätig war, gelang es uns schließlich, das Material nach Deutschland zu schaffen. In der Zwischenzeit (es dauerte zwei Monate bis die Lieferung angekommen war) konnte ich mein Aquarium komplett planen, einschließlich mehrerer Leitungen im Fußboden, um die ganze Wasseraufbereitung in einem Nebenzimmer unterzubringen, weil ich beim Wasserwechsel ungern Wassereimer schleppe. Als dann alle benötigten Dinge vorhanden waren, wurde das Aquarium aufgebaut und schließlich im Juni 2001 in Betrieb genommen.

Faszination Fahnenbarsche
Wie an meinem Fischbesatz schon unschwer zu erkennen, gilt meine große Liebe den Fahnenbarschen. Um diese auch optimal und lange pflegen zu können, musste ich mir viele Tricks einfallen lassen, die meist gegen gängige Verfahrensweisen verstoßen, bei mir aber zum Erfolg geführt haben. Mit dieser recht einfachen Methode ist es mir gelungen, auch Fahnenbarsche ans Futter zu bringen, die als „unhaltbar“ gelten. Ganz besonders stolz bin ich auf meine Anthias ventralis, die eine wahrer Höhepunkt an Färbung und Verhalten im ganzen Aquarium sind. Ich möchte meine Vorgehensweise kurz erläutern.

Es beginnt schon beim Kauf, denn man sollte sich nicht gleich am Anfang für eine Art entscheiden, die als schwer haltbar gilt, sondern mit einer einfacheren beginnen, z. B. Pseudanthias squamipinnis. Ich kaufe aber nicht einen kompletten Schwarm, sondern nur zwei oder drei Tiere, und versuche dann, diese ans Futter zu bringen. Hat das funktioniert, dann vervollständige ich den Schwarm mit weiteren vier oder fünf Tieren. Die neu eingesetzten Fische sehen den bereits ans Futter gewöhnten Fischen bei der nächsten Fütterung nur wenige Sekunden zu und gehen dann sehr schnell ans Futter, weil sie es bei ihren Artgenossen sehen. In der Eingewöhnungsphase füttere ich meine Fische bis zu zehn Mal täglich, mit großen Mengen meiner Futtermischung, die ich unten beschreibe. Auch wenn die Tiere eingewöhnt sind und gut ans Futter gehen, werden sie täglich bis zu sechs Mal gefüttert.

Die Mischung macht’s
Einer der wichtigsten Gründe für die erfolgreiche Pflege schwer haltbarer Arten wie Mirolabriychthys tuka oder Anthias ventralis ist aber sicherlich die Mischung. Sie besteht aus 13 bis 15 Einzelfuttersorten (je nach Verfügbarkeit der Komponenten). Im Regelfall verwende ich Artemia, Krill fein, Mysis, Cyclops, Bosmiden, Lobstereier, Fischeier, Plankton rot, Plankton grün, Miesmuscheln, Tintenfisch, Niedere-Tiere-Futter, Sandgarnelen, Cyclop Eeze. Manches davon ist sicher nicht für Feenbarsche geeignet, da ich aber auch andere Fische im Becken habe, macht dies trotzdem Sinn. Um nun aber nicht täglich mit vielen verschiedenen Bestandteilen hantieren zu müssen, habe ich mir folgende Methode ausgedacht:




Die groben Frostfutterbestandteile gebe ich in ein wiederverwendbares Teesieb (anstelle eines Artemiasiebes), lasse diese auftauen und spüle sie aus. Das sehr feine Frostfutter gebe ich in eine flache Dose ohne es zu spülen und lasse es ebenfalls auftauen. Wohlgemerkt nur auftauen, nicht den ganzen Tag bei Raumtemperatur umher stehen lassen. Dann mische ich alles zusammen, gebe noch Cyclop Eeeze dazu und verschließe die Dose, gebe sie ins Gefrierfach und warte, bis meine Mischung nun komplett gefroren ist. Jetzt breche ich die flache Platte in kleine, den Fütterungen angepasste Stücke und brauche so pro Fütterung nur ein Stück ins Becken zu geben, versorge aber trotzdem die Fische mit vielen verschiedenen Futtersorten, so dass sich jeder Fisch das, was er fressen will, aus der Futterwolke herauspicken kann.

Jeden Morgen entnehme ich dem Gefrierschrank die Gesamtfuttermenge des Tages, gebe diese in einen Becher und stelle ihn in den Kühlschrank. Dieser täglichen Futtermenge gebe ich noch einige Tropfen einer Multivitaminlösung und eines Knoblauchpräparates hinzu. Bis dann Mittags die Beleuchtung über dem Aquarium einschaltet, ist die Futtermenge schon komplett aufgetaut, und auch die Vitamine sind bereits aufgenommen, so dass man sofort mit der Fütterung beginnen kann.

Mit salzigen Grüssen
Markus Resch, Langquaid


Dieser Artikel ist am 15.09.2007 erschienen

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