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T5 Leuchtstofflampen Teil 1


T5 Leuchtstofflampen

Seit mehreren Jahren vertreibt ein großer Leuchtmittelhersteller eine neuartige Leuchtstofflampe, die vor einiger Zeit auch für die Meerwasseraquaristik entdeckt wurde. MATTHIAS KÄHLIG hat in KORALLE 7 bereits über diese Leuchtstofflampen und ihren Einsatz im Riffaquarium von HANS JOACHIM KÄMPER berichtet. Wir haben diese Leuchtmittel über unserem Riffaquarium eingesetzt und möchten über unsere Erfahrungen berichten, um interessierten Lesern eine Entscheidungshilfe zu geben.


Was sind T5-Leuchtstofflampen?

Die Osram-T5-Technologie ist keine neue Erfindung, sondern eine konsequente Weiterentwicklung der bisherigen Leuchtstofflampentechnologie. Es ist kaum zwei Jahrzehnte her, dass die Leuchtstofflampen 38 mm Durchmesser hatten und durch schlankere, stromsparende Lampen mit nur 26 mm Durchmesser ersetzt wurden, eine Generation, die als T8 bezeichnet wurde. Das wiederholt sich nun mit der nur 16 mm dünnen T5-Generation, und auch das ist sicher nicht der Endpunkt dieser Entwicklung. Schon seit einiger Zeit sind 7 mm dünne Röhren auf dem Markt, die aber unserer Ansicht nach zur Zeit für die Riffaquaristik nicht geeignet sind.


Woher kommen die Vorteile?

Die Vorteile der T5-Lampen liegen, grob vereinfacht, in der größeren Lichtleistung bei geringerem Stromverbrauch. Doch wie kommt dieser Vorteil zustande? Die elektronischen Vorschaltgeräte, mit denen diese Leuchtstofflampen betrieben werden, sind sicher zu einem großen Teil dafür verantwortlich, denn sie werden im Betrieb kaum handwarm und produzieren daher nur sehr wenig Abwärme. Eine herkömmliche Drosselspule an einer T8-Röhre hingegen wird so heiß, dass man einen nennenswerten Teil der elektrischen Energie in die Heizleistung investiert. Ein wesentlicher Umstand kommt jedoch hinzu: Die 16 mm dünnen Leuchtstofflampen – von Osram als FH- und FQ-Lampen bezeichnet – entwickeln ihr Lichtstrommaximum, also ihren besten Wirkungsgrad, bei einer Temperatur von 35 °C, die herkömmlichen T8-Rohren hingegen bei 25 °C. Da im Inneren der Röhre höhere Temperaturen herrschen als im umgebenden Raum, ist das von entscheidender Wichtigkeit, denn die alten T8-Röhren lagen mit ihrer Betriebstemperatur weit über dem Optimum und hatten dadurch einen eingeschränkten Wirkungsgrad. Dieses Defizit wurde mit der T5-Technologie beseitigt. Weitere leichte Vorteile ergeben sich durch die schlankere Bauweise, die eine geringere Menge des vom Lampenreflektor zurückgeworfenen Lichtes abschattet (O. PRITZEL, pers. Hinw.). Die Summe aller Vorteile, gepaart mit der Tatsache, dass diese neuen Leuchtstofflampen in höheren Maximalwattstärken (80 Watt) lieferbar sind, prädestinieren sie für das Meerwasseraquarium, zumal es sie inzwischen auch in Tageslichtfarbe und sogar in Blau gibt. Dazu kommen natürlich die Vorteile der elektronischen Drosselspulen wie flimmerfreies Licht, das bei entsprechender technischer Ausstattung sogar dimmbar ist. Mit dieser Lampe scheint eine echte Konkurrenz zu den Halogenmetalldampfstrahlern geschaffen zu sein.

Entscheidend sind jedoch nicht technische und theoretische Vorteile, sondern die praktische Eignung der Leuchtmittel für unsere lichtabhängigen Aquarientiere. Darum haben wir in einem Versuch, der über 6 Monate hinweg lief, mit diesem in der Riffaquaristik noch recht neuen System erste Erfahrungen gesammelt.


Vergleichstest




Drei Monate nach der Erwähnung in der KORALLE 7 „spukte“ im Mai dieses Jahres in diversen Foren und Newsgroups des Internets ein neuer Begriff herum: „ATI T5“. ATI ist der Name der Firma „Aquarium Technische Innovationen“, die gerade begonnen hatte, eine schon mehrere Jahre alte Osram-Leuchtstofflampe namens „T 5“ im Meerwasserbereich bekannt zu machen und als Alternative zum HQI-Licht zu etablieren. Alternative zum HQI-Licht? Ehrlich gesagt, zunächst erschien uns das schwer vorstellbar. Wegen der vielen Dialoge in diversen Foren unserer nichtkommerzielle Webseite „Korallenriff.de“ sowie zahlreicher Email-Anfragen beschlossen wir, einen Vergleichstest dieser Lampen mit HQI-Licht durchzuführen. Die Firma ATI stellte uns dafür drei Doppel-Leuchtbalken zur Verfügung.

Dieser Praxistest sollte wie folgt aussehen: Unser hauptsächlich mit kleinpolypigen Steinkorallen (SPS) besetztes Riffaquarium (190 x 80 x 65 cm), das bisher mit zwei 400-Watt-HQI-Lampen beleuchtet worden war, sollte auf der rechten Hälfte die neuen Osram T5-Lampen (3 x Tageslicht und 3 x blau) erhalten, auf der linken Seite hingegen unverändert mit 400 W HQI (10.000 K) beleuchtet werden. Zum Einsatz kamen je drei Röhren „ATI Blue“ und „Osram FQ 860“ (ähnlich Lumilux 11), alle Röhren 120 cm lang mit je 54 Watt Leistung. Zwei Wochen nach Testbeginn waren die „ATI SUN“-Röhren mit Vollspektrum lieferbar, die wir gegen die drei Osram Röhren (FQ 860) austauschten.


Der Test soll folgende Fragen beantworten:
1. Wie ist das Wachstum der Steinkorallen unter den neuen Röhren?
2. Wie erfolgreich ist die Pflege kleinpolypiger Steinkorallen in größeren Beckentiefen?
3. Wie entwickelt sich die Farbpigmentierung kleinpolypiger Steinkorallen?
4. Welche Vorteile bringt die T5 Technik gegenüber HQI Beleuchtung?
5. Welche Nachteile hat die T5 Technik?


Messungen mit dem Luxmeter

Vor Testbeginn führten wir unter beiden Lichtquellen Messungen mit einem Luxmeter durch, die ganz Erstaunliches zu Tage beförderten, denn die Leuchtstofflampen überraschten uns mit ihrer Leistungsfähigkeit. Der neu installierte 400-W-HQI-Brenner erreichte (an der Wasseroberfläche gemessen) mittig des Reflektors den hohen Wert von 52.000 Lux. Bereits unter dem Rand des Reflektors ging dieser Wert aber auf knapp 22.000 Lux zurück. Außerhalb des Reflektorbereiches waren nur noch Werte unter 10.000 Lux zu messen. Im Gegensatz dazu erreichte die T5-Röhre, ebenfalls an der Wasseroberfläche gemessen,
einen Wert von 10.000 Lux. Dieser erhöhte sich nach Anbringen der Reflektoren auf ca. 32.000 Lux (was verdeutlicht, wie wichtig ein guter Reflektor ist).

Das Aquarium vermittelte uns einen ähnlichen Eindruck – die Leistung der T5-Röhren war erstaunlich, denn die Helligkeit in beiden Aquarienhälften war ähnlich stark, unter den Röhren jedoch gleichmäßiger als unter HQI. Selbst der Bodengrund war unter den Leuchtstofflampen nicht dunkler als unter dem HQI-Brenner. Sehr gut gefiel uns die Ausleuchtung bis an die Stirnseiten des Beckens, denn bei der Beleuchtung durch zwei 400-Watt-HQI-Brenner waren in unserem 190 cm-Aquarium links und rechts immer Schattenbereiche geblieben. Nach einer Testlaufzeit von sechs Monaten möchten wir im Folgenden unsere Erfahrungen mit der T5 Technik schildern.


Wie ist das Wachstum unter den neuen Röhren?

Das Wachstum unserer Korallen unter T5 unterschied sich nicht erkennbar von jenem unter HQI. Ausnahmen wie ein anfangs verstärktes Wachstum von A. echinata sind Einzelbeobachtungen, die wir nicht verallgemeinern möchten.

Wie erfolgreich ist die Pflege kleinpolypiger Steinkorallen in größeren Beckentiefen?

Hier zeigten sich die ersten Unterschiede, denn unsere Korallen in Bodengrundnähe wuchsen unter T5 Röhren deutlich besser als unter HQI.

Wie entwickelt sich die Farbpigmentierung kleinpolypiger Steinkorallen?

Die Farbentwicklung unter der T 5 war erstaunlich. Viele Korallen, die bezüglich der Pigmentierung als eher schwierigere Pfleglinge gelten, zeigten einen enormen Farbzuwachs gegenüber HQI. Allerdings gab es auch Ausnahmen, denn unsere A. horrida gefällt uns besser unter HQI Licht, denn nur hier zeigt sie ihre ganze Pracht.


Welche Vorteile bringt die T5-Technik gegenüber der HQI-Beleuchtung?

Hier wäre als erstes die wirtschaftliche Seite zu nennen. Selbst wenn die Röhren anstatt der Herstellerangaben (5 Jahre) nur 2,5 Jahre verwendbar wären, sind die Folgekosten deutlich geringer als bei HQI Beleuchtung. Hinzu kommt der Stromverbrauch. Bei unserem Aquarium war der T5-Stromverbrauch um einiges geringer als der einer 400-Watt-HQI-Lampe. Ein weiterer Vorteil ist die gleichmäßigere Lichtverteilung. In unserem Aquarium bekamen nun auch Tiere im Randbereich volle Beleuchtungsstärke, was unter der HQI-Lampe nicht der Fall gewesen war. Früher galt die Faustregel, ab 50 cm Aquarienhöhe statt Leuchtstofflampen nur HQI-Strahler zu verwenden. Diese Empfehlung ist heute nicht mehr zutreffend, denn mit den T5-Röhren wurde unser 65 cm hohes Aquarium auch im unteren Bereich gut ausgeleuchtet. Wir trauen der Röhre sogar noch wesentlich mehr zu; selbst Höhen von 80 cm sollten kein Problem sein.

Ein sehr wichtiger Punkt ist folgender: Alle unsere Korallen gewöhnten sich sehr schnell an das T5-Röhrenlicht. Gerade für Neuzugänge im Aquarium war die Gewöhnung an dieses Licht überhaupt kein Problem. Auch Korallen wie Seriatopora hystrix, deren rosa Färbung unter HQI einem Braun gewichen war, wurde unter T5 innerhalb einiger Tage wieder rosafarben. Auch die schnelle Regeneration erkrankter Korallen (z. B. Vernesselungen untereinander) unter T5-Beleuchtung war sehr auffällig.


Welche Nachteile hat die T5-Technik?

Der für uns wichtigste Nachteil hat sich schnell gezeigt: Der so genannte Kringel- oder Flimmereffekt des HQI-Lichtes fehlt. Zwar wird ihn nicht jeder Aquarianer vermissen, aber wir legen Wert auf ihn. Das „Tanzen“ der Licht-Schatten-Effekte, das durch eine gleichmäßig ausgerichtete Lichtstrahlung in Verbindung mit Oberflächenbewegungen des Wassers ausgelöst wird, erzeugt den Eindruck natürlichen Sonnenlichtes auf dem Riffdach. Hier kann man sich lediglich durch das Anbringen von Halogenspots behelfen, die einen ähnlichen Effekt erzeugen sollen, wenn man sie auf turbulente Zonen der Wasseroberfläche richtet und den Bodengrund anstrahlt. Unseres Wissens planen mehrere Hersteller, eine T5-Hängelampe mit Halogenspots auf den Markt zu bringen. Den höheren Stromaufwand für diese Simulation nehmen wir gern in Kauf.

Ein weiterer Nachteil: Da wir die Röhren direkt auf dem Aquarium liegen haben, versalzen sie schnell. Hier ist einmal pro Woche eine gründliche Reinigung der Reflektoren nötig. Durch das Höherhängen der Lichtbalken verringert man die Versalzung, aber auch die Lichtleistung.


Beurteilung

Die T5-Röhre ist im Vergleich zur herkömmlichen T8-Leuchtstoffröhre ein großer Fortschritt und darf sogar als erstzunehmender Konkurrent zur HQI Lampe gesehen werden. Nachdem wir HQI-Beleuchtung und T5-Beleuchtung sechs Monate lang nebeneinander erlebt haben, scheint uns die beste Beleuchtung für unser Aquarium eine Mischung aus beiden Komponenten zu sein, entweder eine reine T5-Beleuchtung in Verbindung mit Halogenspots, um den „Kringeleffekt“ zu simulieren, oder aber eine HQI-Beleuchtung in Verbindung mit T5-Röhren. Wir sind sicher, dass die Anbieter von HQI-Aquarienlampen ihre Gehäuse anstelle von herkömmlichen Leuchtstoffröhren bald mit den viel effektiveren T5-Röhren ausstatten werden.


Was bringt die Zukunft?

Die T5-Leuchtstofflampen in Verbindung mit einem Halogenspot sind nur der Anfang der Weiterentwicklung. Ebenfalls gespannt sein darf man auf die in Kürze erhältliche T5-Röhre in „Actinic Blue“. Weitere technische Raffinessen wie zum Beispiel die Dimmung der Röhren sind durch die Verwendung der EVGs zu erwarten. Eine Firma in München plant beispielsweise, mit ihrem Aquarien-Steuercomputer die T5-Röhren automatisch zu steuern (E. SCHON, pers. Mitteilung). Damit kommen wir unserem Ziel näher, unseren Pfleglingen das zu geben, was sie brauchen: ein der Natur nachempfundenes Licht, das der Sonne so nah kommt wie möglich.

Text von Manuela Kruppas und Robert Baur, Erstveröffentlichung in der Koralle Nummer 12


Dieser Artikel ist am 08.09.2007 erschienen

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