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08 - Wasserbewegung und Filterung


Wasserbewegung und Filterung:

1. Wasserbewegung:

Das selbe was für das Licht gilt, gilt im gleichen Masse für die Wasserbewegung im Riffaquarium...... Sie ist ebenso wichtig wie das Licht, über das die meisten Korallen leben.

Anders als im Süsswasseraquarium benötigen festsitzende Korallen einen guten und dauernd hohen Austausch an Wasser. Korallenriff.de berichtete in seinem Erstwerk "Einstiegstips für Meerwasseraquarianer" im Jahre 1999 auch von einer Strömungsstärke von dem 5 - 10 fachen des Beckenvolumens. Diese Zahlen möchten wir heute nicht mehr genauso weitergeben. Man ist durch die Erfahrungen der letzten Jahre doch um einiges schlauer geworden. Im Laufe des Artikels nehmen wir hierzu noch Stellung.

Wie Eingangs schon beschrieben brauchen Korallen und andere festsitzenden Wirbellose einen grossen Wasseraustausch. Der Grund liegt auf der Hand, sie sind festsitzend und können sich nicht bewegen. Der Wasseraustausch dient sowohl dem Austausch an Abfallstoffen die weggeschwemmt werden, wie auch der Aufnahme von Nahrung und Sauerstoff im neu zugeführten Wasser. Da in einem Meerwasseraquarium auch viele Schwebstoffe herumschwirren, ist es weiterhin wichtig zu verhindern das sich diese Stoffe in den Tieren absetzen und diese dadurch gestört werden. Im einzelnen meinen wir hier Detritusablagerungen auf, und in den Tieren. Durch eine gute, am besten wechselnde Wasserströmung kann man dieses verhindern.

Der Handel hält Strömungspumpen in vielen unterschiedlichen Stärken bereit. Meist handelt es sich hierbei um Tauchpumpen, also Pumpen die völlig untergetaucht sind. Die sog. Tauchkreiselpumpen sind fast völlig aus der Mode gekommen, hierbei handelte es sich um Pumpen wo das Gehäuse ausserhalb des Wassers betrieben wird.

Kommen wir nun zur Stärke der Wasserbewegung:
Wie eingangs schon erwähnt lauteten die gemachten Empfehlungen, das man das 5 - 10 fache des Beckenvolumens nehmen soll. Das ist schon richtig, aber wirklich nur für die Anfangs- und Einrichtungsphase. Wer relativ schnell mit hermatypischen Steinkorallen sein Becken bestückt merkt vermutlich meist sehr schnell das mit dem zunehmenden Wachstum der Tiere die Wasserstömung im Aquarum immer weniger wird. So leiden mit der Zeit die Tiere die nicht optimal sitzen und andere Tiere die vor ihnen stehen viel an Strömung wegnimmt. Wir tendieren heute dazu das man anfangs eine 5 - 10 fache Strömung braucht, in einem mittelmäßig besetzten Becken es aber schon mind. das 10 - 15 fache von nöten sein kann. Klar geworden ist uns dieses nach dem einführen stärkerer Stömungspumpen (12.000 Liter zum Teil) und der schnellen Adaption der Korallen an die stärkere Strömung. Sie sehen heute viel gesünder aus als bei einer geringeren Strömung. Die Autoren sind heute bei dem ca. 20 fachen an Umwälzung angelangt. So ergibt sich als letzter Punkt die Angabe für volle Becken von dem 15- 20 fachen des Beckenvolumens.

Wer nun meint das eine starke Strömung das nun das Non Plus Ultra ist, irrt auch. Es gibt viele Tiere die keine so starke Strömung benötigen und sich hier unwohl fühlen. Man muss hierzu seine Tiere gut beobachten und die Strömung oder den Standort dementsprechend anpassen!

Um eine möglichst gute Strömungsverteilung zu verwirklichen hat man die Möglichkeit anstatt einer grossen Pumpe mehrere kleine einzusetzen, so erreicht man oft eine bessere Strömung. Als besonders gut hat sich auch eine wechselnde Strömung erwiesen. Hierzu kann man vor allem Ablagerungen am Boden erreichen wenn sich auf einmal die Strömung ändert. Ein Beispiel: Hierzu installiert man vier Pumpen von denen nur zur zwei laufen, sagen wir mal 6 Stunden. Dann schalten sich die beiden ersten Pumpen aus und die anderen beiden Pumpen fangen an zu laufen. Man kann diese ruhig auch mal gleichzeitig laufen lassen, ganz wie die Tiere darauf reagieren. Der Handel hält geeignete Gerätschaften zur Steuerung bereit.

Viele Umsteiger aus dem Süsswasserbereich wollen mit Sicherheit wissen ob Sie ihre Filter weiterverwenden wollen. An sich geht dieses schon, unter gewissen Voraussetzungen. Ganz wichtig erscheint und die Anmerkung das man keinen Filter benutzt in dem die Heizung integriert ist. Wie sich so ein Filter einsetzen lässt und was man im Bezug auf die Filtermaterialien beachten sollte, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.


2. Filterung:

1. Mechanische Filterung:

Mit mechanische Filterung ist eine Art Filter gemeint der schnell und häufig gewechselt werden kann, zum Beispiel ein Filterkorb der an einer Strömungspumpe hängt. Dieser ist häufig bestückt mit Filterwatte, oder einen Schaumstoff oder auch Lagenvlies. Vereinfacht ausgedrückt könnte man hierzu auch sagen, der Dreck muss raus! Wer ein Meerwasseraquarium betreibt ist sich schnell im klaren das sich viele Schwebstoffe im Aquarium befinden. Diese aber sollten nach Ansicht der Autoren entfernt werden, da sie sonst zu sehr das Becken belasten können. Ganz wichtig ist hier das so ein Filter nach 2 bis 3 Tagen gereinigt werden muss, entweder das Material auswaschen (bei Schaumstoff) oder das Material austauschen (bei Lagenvlies oder Watte). Reinigt man nicht regelmässig hat man keine mechanische Filterung mehr sondern eine biologische. Es kommt zu einer Zersetzung der festgehaltenen Stoffe die dann nachfolgend eine Belastung für das Aquariensystem darstellen.



Wir können nur explizit darauf hinweisen das eine regelmässige Reinigung der mechanischen Filter äussert wichtig ist! Und um uns nochmals zu wiederholen, der Dreck muss raus!



2. biologische Filterung:

Die früher oft verwendeten Rieselfilter verursachten mit der Zeit, eben genau aus den genannten Gründen Nitrat, da dieses sich dort nicht abbaut sondern langsam immer mehr aufbaut. Schauen wir uns einfach mal die Bakteriengeschichte genauer an, was passiert denn eigentlich genau.



Ammoniak - Nitrit - Nitrat Nitrifikation und Denitrifikation:

Die Lebensgrundlage der Bakterien die für diesen Prozess verantwortlich sind Ammoniak und Ammonium. Nach dem Besetzen mit lebenden Steinen belastet man zwar zuerst mal das System, bringt aber gleichzeitig auch erst die notwendigen Bakterien ein. Diese ernähren sich wie angeführt von Ammoniak und Ammonium. Dieses Bakterium nennt man Nitrosomas. Dieses entsteht durch den Zerfall von Eiweissprodukten (Fischfutter, Fischausscheidungen, Zerfall von Gewebe etc.). Je mehr ein System belastet wird, desto mehr Bakterien bilden sich um sich den Anforderungen anzupassen. Geht die Belastung hingegen wieder zurück gehen auch die Bakterien wieder zurück.

Die Bakterien beginnen nun den Ammoniakgehalt zu senken, während der Nitritgehalt steigt. Hier kommt das zweite Bakterium zum tragen, Nitrobacter. Wie man schon erraten wird, Nitrobacter kümmert sich nun um das enstehende Nitrit und wandelt dieses um in Nitrat. Anzumerken ist das Ammoniak und Nitrit für alle Wirbellose und Fische hochgiftig sein kann, Nitrat aber ist relativ ungiftig, vor allem in kleinen Konzentrationen. Und schon sind wir bei der letzten Stufe angelangt, bei der Denitrifikation. Diese wieder herum findet im Gegensatz zum aeroben (Sauerstoffreichen) Milieu im aneroben (Sauerstoffrei) Milieu statt, also nur in porösem Kalkgestein (lebende Steine). Im inneren der Steine sitzen Bakterien die unter sauerstofflosen Bedingungen Nitrat verarbeiten.

Da gerade bei einem Filter mit viel Oberflächenmaterial (wie bei einem Rieselfilter) viel Nitrat überbleibt schaffen es viele Systeme nicht das entstandene Nitrat abzubauen, das heisst das der Nitratwert langsam immer weiter ansteigen kann. Die vorhandenen Bakterien schaffen es nicht mit dem anfallenden Nitrat fertig zu werden. Es gibt zwar Nitratfilter, wie auch andere Möglichkeiten die man hier einsetzen kann, aber für ein gesundes System ist es immer besser wenn sich die Werte im Rahmen halten und man nicht zuviel korrigieren muss. Hier hängt letztlich viel an Ihrem Fischbesatz, Fütterung und anaeroben Zonen. Je mehr lebende Steine desto höher ist der Umsatz der Bakterien und desto geringer wird der Nitratwert sein.

Gerade in der Einfahrphase ist es daher wichtig nicht gleich dass Aquarium mit Fischen unnötig zu belasten, bevor nicht die Beckenbiologie zu sich gefunden hat. Bakterienstämme bauen sich in den ersten Wochen auf, man kann hier mit geeigneten Wassertests schön aufzeigen wie die Werte sich verändern. Zuerst wird ein hoher Ammoniakwert zu messen sein, dann ein erhöhter Nitritwert (bei sinkendem Ammoniakwert) und dann ein steigender Nitratwert und ein gleichzeitig sinkender Nitritwert.


3. Topf und Außenfilter:

Oft werden die Autoren gefragt was man mit seinem, oft in der Süsswasseraquaristik früher verwendenten alten Aussenfilter machen soll, und ob dieser im Meerwasseraquarium Verwendung finden darf.

Eine gute Frage.

Klar kann man einen Aussenfilter nutzen, vor allem zur gezielten Filterung mit zum Beispiel Kohle oder Phosphat Adsorbern. Eine dauerhafte Filterung ist an sich wie oben beschrieben kontrapoduktiv.

Besser geeignet ist ein leicht zugänglicher Filter um an die Materialien zu kommen


Aussenfilter werden zu selten gereinigt es bilden sich die genannten Fäulnissherde. Da man in einem Aussenfilter in den seltensten Fällen ein anaerobes Mileu hat, baut sich hier eher Nitrat auf - den ab. So raten wir dazu einen Aussenfilter nicht in Dauerverwendung zu benutzen, wenn dann ohne Filtermaterialien.

Lebende Steine in einem Aussenfilter unterzubringen bringt unserer Ansicht nach wenig da sich zuviel Detritus im Filter absetzt und die Steine nur belastet. Hier kann man kaum damit rechnen das sich viel Nitrat reduzieren lässt. Lieber lassen Sie diese Art Filter aus dem System heraus und nutzen einen dem System angemessenen Eiweissabschäumer . Die Funktionsweise eines Eiwessabschäumer erklären wir an späterer Stelle. Wichtig ist aber in ganzen Zusammenhang der Baktierenstufen das ein guter Eiweisabschäumer schon viel der Belastung im Vorfeld entfernt und die Bakterien nicht zu sehr belastet werden.

Wir hoffen auch mit diesem kleinen Artikel einigen "Ratsuchenden" weiter geholfen zu haben. Ausführlich berät Sie hierzu der Fachhandel der dann auch Möglichkeiten hat zu zeigen welche Stömungsmöglichkeiten es für welche Literzahlen gibt.

Frank Diehl, Robert Baur-Kruppas


Dieser Artikel ist am 26.08.2007 erschienen

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Kommentare

Benjamin
Dabei seit:21.10.2006
Kommentare 
Korallenriff:5
Lexikon:262

Zu Strömung und Wasserumwälzung im Meerwasseraquarium möchte ich die oben genannten Literzahlen als unterste Grenze bezeichnen . Ich arbeite in zwei Aquarien , mit gemeinsamen Filterbecken ( 540 , 300 , 200 Liter Brutto ) und ca. 750 Liter Nettovolumen mit zwei Förderpumpen a 6000 L/H. im Ebbe - Flutrythmus geschaltet und vier Strömungspumpen wechselseitig , mit bis zu 5000 L/H. Nun sind zwar durch die starke Stömung manche Steinkorallen die es etwas ruhiger brauchen , so gut wie nicht haltbar ( Euphylia sp. ) aber Strömung , ist in Meerwasseraquarien nur durch Strömung zu ersetzen , wenn überhaupt . Auch kann ich jeden nur raten von Anfang an auf namhafte Markenpumpen zu setzen denn die billig Pumpen halten der starken Beanspruchung im Seewasser oft nur für kurze Zeit Stand . Ich möchte hier keine Markennamen nennen aber gut ausgerüstete Händler werden Euch schon dahin gehend beraten . Eine Stömungssimulation ist auch Pflicht , denn erst die wechselne Strömungsrichtung , bringt einige Korallen erst richtig zur Geltung .
Beitrag vom 29.04.2008 - 00:03 

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