Strudelwürmer der Ordnung Acoela sind eine Gruppe der Plattwürmer (Plathelminthes) und befinden sich in der Klasse Turbellaria (Strudelwürmer). Der Ordnungsname Acoela bezieht sich auf das Fehlen einer Leibeshöhle („Coelom“), denn diese Würmer besitzen stattdessen nur eine Gewebsspalte („Syncytium“). Es handelt sich dabei um eine Gruppe sehr einfach konstruierter Tiere, denen sogar ein spezielles Atmungsorgan fehlt. Sie besitzen also keinerlei kiemenähnliche Körperstrukturen, die einen besonders effizienten Gasaustausch bewerkstelligen könnten, sondern atmen über die gesamte Körperoberfläche. Das beschränkt ihr Vorkommen auf besonders sauerstoffreiche Zonen.Der simple Körperbau dieser Tiere ist eine ideale Voraussetzung für die vegetative Vermehrung, denn je komplexer ein Organismus aufgebaut ist, um so schwieriger ist diese Fortpflanzungsweise durch Abtrennung eines Fragments, das schließlich die fehlenden Strukturen ersetzen muss. Bei der geschlechtlichen Vermehrung werden die Eizellen durch die Körperwand abgegeben; ein spezieller Ausführungsgang fehlt.
Klasse Turbellaria (Strudelwürmer, ca. 3.000 Arten)
Ordnung Acoela (17 Familien, 73 Gattungen, 202 Arten)
Familie Convolutidae (19 Gattungen, 69 Arten)
Gattung Convolutriloba
Convolutriloba retrogemma
Gattung Convoluta (18 Arten)
Viele Arten der Gattung Convoluta bilden sogar ihre Mundöffnung zurück, sobald sie mit den lebensnotwendigen Symbiosealgen infiziert worden sind, so dass sie dann keine Nahrung mehr aufnehmen. Dies unterstreicht die simple Organisation dieser Tiere.
Turbellarien der Ordnung Acoela leben nicht nur im Meerwasser, sondern auch im Süßwasser und in Feuchtgebieten auf dem Festland, z. B. in der Bodenschicht tropischer Laubwälder. In der Meerwasseraquaristik werden sie, einer Fehlzuordnung in der aquaristischen Literatur der 80er Jahre folgend, leider meist irreführend als „Planarien“ bezeichnet. Planarien gibt es tatsächlich, doch diese leben ausschließlich im Süßwasser und gehören zur Ordnung Tricladida – zwar Angehörige der gleichen Klasse, doch trotzdem etwas völlig Anderes.
Natürliche Bekämpfungsmöglichkeiten:
Das Erste und Wichtigste, was gegen Acoela-Turbellarien getan werden sollte, ist das Reduzieren der Population. Es gibt eine sehr einfache und hocheffektive Methode, mit der sich zwar die Plattwürmer niemals vollständig aus dem Aquarium entfernen lassen, doch ihre Zahl stark vermindern lässt, was die möglichen Folgen einer Giftfreisetzung drastisch vermindert. Wir möchten sie hier als „Lichtfalle“ bezeichnen. Diese Plattwürmer leben mit Symbiosealgen in einer Gemeinschaft, brauchen also Licht. Darum halten sie sich tagsüber immer in kräftig beleuchteten Zonen auf. Dunkelt man das Aquarium nun vollständig ab – aber dazu ist wirklich völlige Dunkelheit nötig – und beleuchtet mit einem konzentrierten, spotförmigen Lichtstrahl den Bodengrund, dann werden nahezu alle Plattwürmer sich eilig dort hin bewegen. Platziert man hier zuvor einen flachen Teller (z. B. Untertasse) und drückt diese so weit in den Bodengrund, dass der Tellerrand ohne Schwierigkeiten vom Bodengrund aus zu erreichen ist, dann versammeln sich die Plagegeister auf diesem Teller und können dann entweder mit einem Luftschlauch abgesaugt oder mitsamt dem Teller aus dem Aquarium entfernt werden (vor Herausnehmen Strömung abschalten). Auf diesem Wege gelingt es ohne den Einsatz von Medikamenten oder natürlichen Fressfeinden bereits, die Plage massiv zu begrenzen.
Um die Restpopulation in den Griff zu bekommen, empfehlen sich verschiedene biologische Bekämpfungsmethoden. Eine ist das Verringern einer Sauerstoffübersättigung (starkes Algenwachstum verhindern, „normale“ Fischpopulation anstreben). Darüber hinaus können einige Fische als Turbellarien-Fresser eingesetzt werden. Der Lippfisch Halichoeres marginatus wird immer wieder als sicherer Fressfeind genannt. Dem können wir uns nur anschließen, allerdings mit der Anmerkung, dass dies oft nur bei frisch importieren Tieren zu beobachten ist. Fische, die sich an die regelmäßige Fütterung im Aquarium gewöhnt haben, fressen leider oft keine Turbellarien mehr. Dies gilt aber wohl nicht nur für H. marginatus, sondern auch für viele andere Lippfische, etwa der Gattungen Haliocheres, Macropharyngodon und Coris. Letztere werden allerdings zu groß für ein normales Heimaquarium und können nur im Jugendstadium verwendet werden – beim Einsetzen der Adultfärbung werden beispielsweise C. formosa oder C. gaimard so kräftig, dass ihr fortwährendes Umdrehen von Steinen bei der Nahrungssuche lästig wird und man sie aus dem Aquarium entfernen muss.
Überhaupt scheinen uns Lippfische als Turbellarien-Prophylaxe sehr gut geeignet. Bei einem Befall von Acropora-Strudelwürmern hat sich der Sechstreifenlippfisch Pseudocheilinus hexataenia als besonders hilfreich erwiesen. Vor einigen Jahren wurde er oft als für Riffaquarien völlig ungeeignet bezeichnet, doch es hat sich gezeigt, dass bei seiner Gegenwart Acropora-Korallen so gut wie nie von parasitierenden Strudelwürmern befallen wurden. Darum erwarten wir auch bezüglich der Convolutriloba-retrogemma-Vorkommen einen nützlichen Effekt.Zwergkaiser sowie Doktorfische aus der Gattung Centochaetus sind ganz sicher Nahrungskonkurenten der Turbellarien. Prinzipiell sind auch alle substratpickenden Fische als Prophylaxe zu sehen, da sie die Turbellarien permanent stören und diese sich dann kaum mehr sehen lassen, wodurch ihnen das Licht für die Photosynthese ihrer Symbiosealgen fehlt.
Die Gattung Synchiropus bzw. Pterosynchiropus ist eine weitere Gruppe, die in vielen Berichten von Aquarianern als Turbellarien-Fressfeind erwähnt wird. Hier sind besonders Synchiropus stellatus, Synchiropus maromoratus und Synchiropus ocellatus zu nennen, denn sie fressen die Turbellarien oftmals deutlich sichtbar. Aber auch sie sind eher als Prophylaxe zu sehen, den bei einem starken Befall werden die genannten Leierfische der Plage kaum Herr.
Ähnlich wie substratpickende Fische können auch Garnelen, insbesondere die gebänderte Scherengarnele ( Stenopus hispidus), als Turbellarien-Störenfried genannt werden, denn bei ihrem ständigen Nahrungssuchen auf Gestein und Bodengrund ziehen sich die Plattwürmer bald zurück.
Es reicht selbst in großen Aquarien eine einzige Schnecke aus, um eine Plage zu beenden. Bevor dieses Tier dann aber verhungert, sollte es an einen anderen von Turbellarien geplagten Aquarianer weitergegeben werden.
Chemische Keule im Aquarium
Seit vielen Jahren ist die Turbellarien-Bekämpfung mit dem Wirkstoff Levamisol bekannt. Meist wird das Mittel „Concurat L“ verwendet, in dem dieser Wirkstoff enthalten ist. „Concurat L“ ist ein verschreibungspflichtiges Wurmmittel aus der Tiermedizin, ein Anthelminthikum, das vorzugsweise gegen parasitische Rundwürmer gerichtet ist. Es ist zugelassen für Geflügel, Wiederkäuer und Schweine. Neuerdings werden in der Riffaquaristik allerdings auch andere Produkte eingesetzt, die den gleichen Wirkstoff enthalten. Es handelt sich hierbei um Injektions-Präparate oder Mittel für die äußerliche Anwendung, z. B. „Niratil“, „Citarin“ oder Levamisol von anderen Herstellern. Der Farbstoff im äußerlich anzuwendenden „Niratil“ ist zur Kennzeichnung von behandelten Rindern, um diese in einer größeren Gruppe wieder zu erkennen. Der Farbstoff selbst (E 131) ist im Riffaquarium allerdings unbedenklich.
Die Behandlung mit „Concurat L 10%“ wird seit Jahren angegeben mit 7,5 g/1000 l Aquarienwasser. Das „Niratil Pour On“ (Levamisol 20%) wird jedoch in der Aquaristik mit 1 ml/100 l Aquarienwasser verwendet. Die dabei beobachtete, gegenüber „Concurat L 10%“ stärkere Wirkung führen wir auf die dreifach höhere Konzentration des Wirkstoffes zurück. Bei „Niratil“-Anwendung tritt der Effekt auf die auf die Turbellarien im Aquarium erheblich schneller ein als bei „Concurat L“. Das ist dadurch erklärbar, dass hier die Wirksubstanz bereits gelöst ist, im Gegensatz zum pulverförmigen „Concurat L“, das als Futterbeigabe konzipiert ist. Die hohe Konzentration des Wirkstoffes im Aquarium birgt aber auch erhebliche Gefahren, da auf diese Weise auch höhere Anreicherungen in Bodengrund und porösen Steinen erreicht werden. Hier kommt es zu einem nennenswerten Absterben der Kleintierfauna, die wiederum sehr wichtig für die biologischen Verhältnisse des Aquariums ist. Gerade in gereiften Aquarien kann dies zum völligen Absturz und Kippen des ganzen Systems führen, denn die entstehende tote Biomasse wird zersetzt und verbraucht Sauerstoff, und ein Freiwerden von Giftstoffen wie Schwefelwasserstoff, Ammoniak und Nitrit sind nicht auszuschließen.
Wer dennoch zur chemischen Keule greifen will, der sollte einiges beachten. Vor der Zugabe von Levamisol, gleich mit welchem Präparat, müssen möglichst viele Plattwürmer mit der oben erwähnten „Lichtfalle“ abgesaugt werden, denn sie setzen beim Absterben Toxine frei, die Fische töten können. Selbst, wer alle sichtbaren Plattwürmer abgesaugt hat, ist nicht auf der „sicheren Seite“, denn viele leben versteckt zwischen den Steinen, wo man sie nicht sieht. Unabdingbar ist eine Filterung mit guter Aktivkohle eine Stunde nach der Zugabe des Medikaments, um den Wirkstoff und die freigewordenen Toxine aus dem System zu entfernen. Aufgrund unserer persönlichen Erfahrung mit der Anwendung von chemischen Mitteln im Meerwasseraquarium raten wir wegen der drohenden Probleme dringend von dem Einsatz dieser Medikamente ab. Es gibt durchaus wirksame biologische Alternativen.
Literatur:
DONOVAL, S. (2004): Plattwürmer. KORALLE 5 (6): 83. – NTV, Münster
SPRUNG, J. & J. C. DELBEEK (1997): Das Riffaquarium, Band 2. – Dähne-Verlag, Ettlingen
Internet (Stand Dezember 2004):
http://student.claytonstate.net/~csu12804/turbellaria.htm
http://www.smcm.edu/nsm/chemistry/chem-students/Pettys.htm
http://rshimek.com/rogue's_gallery.htm
http://hooge.developmentalbiology.com/cv/
http://vivaldi.zool.gu.se/Ekologi/personal/Bertil/bertil_akesson.htm
http://www.invertebratebiology.org/ib1184.htm#A1.2
17.07.2007