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Vermehrungsstrategien von Pilzkorallen - Fungia sp.


Vermehrungsstrategien von Pilzkorallen - Fungia sp.

Pilzkorallen der Familie Fungiidae gibt es in verschiedenen Farben, die wohl auffälligsten dürften orange - oder mehrfarbige Tiere sein. Je nach Spurenelemente und Wasserwerte lässt sich die Farbentwicklung der Tieres teilweise sicherlich beeinflussen aber die Grundfarbe wird immer bleiben.

Vermehrung durch Anthocaulibildung

Andreas Zöllner und Michael Mrutzek berichteten bereits in Publikationen vor vielen Jahren über die Vermehrung dieser Pilzkorallen. Diese Art der Vermehrung nennt man Anthocauli . Was bedeutet der Begriff Anthocauli ? Im griechischen übersetzt steht das Anthos für Blume oder Blüte und das kaulos für Stengel oder Stil. Zusammgesetzt bedeutet das Blumen/Blüten - Stil/Stengel. Also grob übersetzt Blumenstengel. Bei Anthocauli handelt es sich um stielartige Gebilde die aus dem Muttertier herauswachsen. Oft geht der Bildung dieser stielartigen Gebilde eine Schädigung voraus was das Muttertier zum absterben bringt. An diesen Gebilden, man könnte es auch als kleine Stile bezeichnen, bilden sich neue kleine Fungiakorallen die mit zunehmenden Wachstum vom Stil abbrechen und alleine weiterwachsen. Es dauert zwar seine Zeit, aber je grösser sie wird, desto schneller wachsen sie auch, bzw. nehmen wir das so wahr. Nachdem ein Tier abgebrochen ist, wächst am zurückgebliebenen Stil meist ein weitere kleine Pilzkoralle heran.





Diese Anthocaulibildung kann man nicht nur bei Fungia und Heliofungia beobachten, mit Herpolitha und Polyphyllia sind noch zwei Arten im Handel wo man diese Art der Vermehrung beobachten kann. Anzumerken ist das diese Beobachtungen aber weit seltener sind, was vermutlich auch mit der weit grösseren Verbreitung der Pilzkorallen zu tun hat. Nicht jeder teilt einfach so seine Tiere um herauszufinden ob sich Tiere vermehren, wie zum Beispiel damals Michael Mrutzek bei seinem Versuch an einer Pilzkoralle.

Das Wissen über die Anthocaulibildung ist auch wichtig für viele Aquarianer die Fungias und Co. im Aquarium halten. Denn viele wissen dies leider nicht und entsorgen ihre Tiere dann nachdem sie scheinbar kapputgegangen sind. Dabei entwickeln sich aber die kleinen Ableger erst nach Wochen, teils auch erst nach mehreren Monaten.

Michael Mrutzek berichtete damals sowohl von einer Teilung einer Fungia mittels eine Säge und auch von einer künstlichen Manipulation der kleinen Pilzkorallen um sie zur Vermehrung mittels einer "Legebatterie" zu bekommen.

[Literaturhinweis: www.meeresaquaristik.de - Artikel- Pilzkoralle]



Die Vermehrung geht auch anders:

Wir möchten mit unserer Beobachtung an die Berichte der beiden Autoren anknüpfen und eine weitere, nach unserem Wissen bisher unbekannte und nicht publizierte Möglichkeit der Vermehrung nennen die zumindest bei uns, wenn auch eher unabsichtlich, passiert ist.




Wir pflegen seit ca. 5 Jahren eine Pilzkoralle der Familie Fungiidae, und das lange Zeit in einem kleinen Aquarium mit T8 Röhrenlicht. Mit zunehmender Größe der Koralle folgte dann schliesslich ein Umzug in unser 1000 Liter Riffaquarium. Das Exemplar ist nicht sonderlich gut ausgefärbt in der Farbe beige-braun mit einem leichten Anflug von lila je nach Tagesform und vermutlich auch nach guten oder weniger guten Wasserwerten. Diese Koralle lag lange Zeit auf dem einem flachen Stein der wesentlich grösser war als das Tier selber. So wuchs unsere Fungiakoralle zu einem grossen Tier heran und hatte dabei immer ein weit expandiertes Gewebe was über das Skelett hinausragte und auf der Steinunterlage auflag.

Bei einer Umräumaktion im Juli 2002 in unserem Aquarium ergab es sich, das diese Pilkoralle mit versetzt wurde. Sie wurde auf gleicher Höhe versetzt auf einen doch wesentlich kleineren Stein, der aber für das Skelett der Koralle von der Größe her ausreichend erschien. Nun passierte folgendes. Das ansonsten immer weit expandierte Gewebe zog sich nicht zurück, sonder hing eine Weile über den Steinrand hinaus. Auffallend war das gerade zu dieser Zeit die Koralle selbst überhaupt kein expandiertes Gewebe zeigte. Sie fing langsam an ca. fünf bis sechs Stellen zu "tropfen" an. Das Gewebe zog sich nicht zurück sondern hing wie auf dem Bild zu sehen über. Daraus bildeten sich dann diese größeren Tropfen, die sich mit der Zeit selbst abschnürten.




Leider konnten wir nicht viele davon retten, auch weil sie sich über einen längeren Zeitraum versetzt abgeschnürt hatten. Am Ende der Tropfen bildete sich dann ein hartes weißes Stück Substrat, vermutlich das heutige Skelett des Tieres. Die Dauer des Vorganges von der Bildung der Tropfen bis zum ersten Korallenstück lag bei ca. 3 Monaten, so das wir im Oktober 2002 die erste kleine Funigakoralle hatten. Vermutlich durch Einsieder, Schnecken und anderes Getier, die nachts ihr "unwesen" treiben, verloren wir die meisten im damals noch groben Bodengrund. Manche Tiere neigen leider dazu in der Nacht ohne Rücksicht auf andere durchs Aquarium zu laufen... Wer konnte nicht schon mal Ableger aufsammeln die nachts runtergeworfen wurden? Wir wollten aber die wirklich sehr kleinen Korallenstücke nicht festkleben.

Die Größe eines abgeschnürrten Teils betrug lediglich ca. 5 bis 6 mm, also verschwindend gering für ein grosses Aquarium mit 1000 Litern Wasserinhalt. Einen aber haben wir retten können und diesen, um nicht noch einen Verlust zu verzeichnen, nach der Abschnürrung auf einem Ablegerstein leicht angeheftet. So stellen wir den kleinen Ableger zuerst auf dem Boden und etwas später als die Fungia sich vom Kleber löste in den Riffaufbau.

Dort wuchs er in der Zeit von Oktober 2002 bis Frühjahr 2004 zu einer schönen Fungia heran. Mit der Grösse von ca. 10 cm im Durchmesser ergab es sich das wir mal zwei Wochen nicht zu Hause waren um die sonst nötigen Dinge im Aquarium zu erledigten. In dieser Zeit wurde die Fungia so von unseren Phalaenagrundeln mit feinen Sand zugeschüttet so daß sie bei unserer Ankunft, wenigstens teilweise schon, am absterben war. Wir erinnerten uns sofort an die Beschreibung über die Anthocauli von Andreas Zöllner und Michael Mrutzek und waren sehr gespannt ob es bei unserer Nachzuchtkoralle auch passieren würde. Und siehe da, nicht mal 4 Wochen nach den ersten Auflösungserscheinungen bildetete sich der erste Anthocauli, es wurden dann nachfolgend immer mehr.

Interessant ist vielleicht auch das die eine Hälfte der Fungia Pilzkoralle ganz normal weiterlebt und auch Gewebe zeigt, die andere Hälfte aber zieren ca. 8 bis 10 kleine Anthocaulis. So kommt es das wir heute schon die ersten drei kleinen Fungias haben - weitere sind schon am Muttertier nachgewachsen. So können wir derzeit ungefähr 13 - 15 neue Fungia Pilzkorallen verzeichnen. Das ist sicherlich noch nicht das Ende der Fahnenstange, so das wir mit weit mehr Fungias rechnen können. Rückblickend war für uns das mit den Anthocauli nicht neu, aber die Nachzucht an der unbeschädigten Koralle in Form der Tropfenbildung schon.

Es scheint sich bei unserer Beobachtung aber nicht um einen Einzelfall zu handeln, wie nachfolgende Fotos vermuten lassen.

Im den nachfolgenden Bildern zeigen wir Ihnen noch einige aktuelle Aufnahmen aus dem Aquarium von Michael Mrutzek [Bremen] der änliches an einer Hirnkoralle [Favites/Favia Art] beobachten konnte. Auch sie fing an zu tropfen und das nimmt beachtliche Ausmaße an.




Wir werden Sie natürlich über die weiteren Geschehnisse auf dem laufenden halten.

Das Tier von oben gesehen aufgenommen




Michael teilte uns noch einige Details mit, die wir nicht vorenthalten wollen. Er pflegt das Tier seit ca. 12 Monaten an der selben Stelle. Da die Koralle mit der Zeit ins dunkle gewachsen ist, vermutet Michael das der Platz dem Tier zu hell war.

Zuerst hat es sich flächig ausgebreitet und seit ca. 4 Monaten bildet das Tier am Überhang diese Blasen aus. Am Anfang ist es nur eine kleine Blase, die dann immer länger wird und sich nach und nach abschnürt. Es tropft dann auf einen Stein und bildet dort dann eine neue kleine Koralle.

Markus Köchle hat auch einen Beitrag zum Thema geleistet. Hierbei geht es ebenfalls um eine Fungia, die sich eher unabsichtlich vermehrt hat.

Vermehrung durch (ungewollten) Bruch


Vor gut 1 1/2 Jahren habe ich einen kleinen Fungia Ableger erhalten. Der war gut 1 cm groß. Damit hatte ich dann etwas Pech - insofern, als das sehr dünne/flache Skelett entzweibrach, allerdings blieb das Gewebe intakt und die Koralle entwickelte sich eigentlich normal und wuchs. Durch ihre Platzierung am Boden kam es allerdings zwangsweise dazu, dass sie auch immer mal bewegt wurde. Vor ein paar Monaten begann sich dann in der Mitte ein Loch aufzutun, das immer größer wurde und irgendwann hatte die Koralle keine Mundöffnung(!) mehr, sondern war irgendwie nur noch ein Ring. Aber das Gewebe war immer noch ok.




Eigentlich gab ich der Koralle nicht mehr viel und dachte dass sich dieser Prozess des "weniger werdens" (denn so sah es aus) fortsetzen würde. Irgendwann waren es dann zwei Fungiteilstücke und dann sogar drei (jeweils ein Viertel - und die verbleibende Hälfte sieht auch schon schwer nach zwei Teilstücken aus). Immer noch war das Gewebe unbeschädigt. Nach ein paar Tagen haben sich bei den Teilstücken neue Mundöffnungen entwickelt.



Ein kleiner abschliessender Rat noch an andere Fungiabesitzer: Entsorgen Sie ihr Tier nicht voreilig, wenn es absterben sollte! Warten sie in jedem Fall einige Wochen bis Monate ab ob sich nicht aus dem beschädigten Tier die beschriebenen Anthocauli entwickeln. Meist geschicht das aber nur wenn noch ein Reststück Gewebe zu sehen ist. Allerdings muss man anfügen das diese nur bei guten Wasserbedingungen wachsen werden. Sind die Bedinungen schlecht kann es gut und gerne passieren das sich nichts bildet.


Manuela Kruppas, Robert Baur-Kruppas und Markus Köchle im Oktober/November 2004,
(c) Text und Bilder by Michael Mrutzek, Markus Köchle und www.korallenriff.de


Dieser Artikel ist am 25.08.2007 erschienen

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