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Über die Pflege von Tubastrea im Aquarium


Kelchkorallen, eine Leidenschaft von Stephan Philipp
Über die Pflege von Tubastrea im Aquarium

Vermehrt scheint heutzutage die Haltung von Tubastrea und Dendrophyllia zu gelingen. Das ist etwas was die meisten Meerwasseraquarianer vor Jahren nicht gedacht hätten. Fast alle Versuche diese Tiere zu halten gingen schief. Nun - heute sind wir weiter, wir haben besser technische Möglichkeiten um der Wasserqualität gerecht zu werden.

Auch heute ist die Haltung dieser Korallenart immer noch selten, aber immer mehr Aquarianer/innen kommen auf den "Geschmack" diese farblich sehr ansprechenden Korallen zu pflegen. Und je mehr Berichte dazu erscheinen desto mehr Aquarianer werden dazu sicherlich auch ermutigt. So zumindest unsere Meinung zu dem doch noch immer interessanten und teils brisanten Thema.





Der Pfleger sollte sich darüber im klaren sein, das diese Tiere ohne regelmässige Futtergaben auf Dauer nicht überleben werden. Es liegt also in der Pflicht des Pflegers und der Zeitaufwand der dazu nötig ist sollte immer gewährleistet sein. Dann steht dem Erwerb der farbenprächtigen Kelchkorallen nichts entgegen.

An dieser Stelle noch einige allgemeine Angaben zur Familie Dendrophyllidae: (Steinkorallen)

Tubastrea und Dendrophyllia, beide gehören zur Familie Dendropyhllidae. Unseres Wissens ist es sehr schwierig bis gar unmöglich diese Tiere genau zu zu ordnen. Dies wäre wohl nur über eine Untersuchung des Tieres selber möglich. (Untersuchung der Form und des Sitzes der Mesenterien) Beide Gattungen zusammen enthalten ca. 11 verschiedene Arten. Nach Fossa und Nilsen, sind bis auf Tubastrea micrantha alle Arten sehr ähnlich.




T. micrantha unterscheidet sich durch die kräftigere Verzweigung von den anderen Arten. T. diaphana hat im Gegensatz zur restlichen Familie sehr dunkle Polypen. Bei T. diaphana gibt es kaum Haltungsberichte, und meist gelingt nur die begrenze Haltung im Aquarium.

Alle Tiere aus der Familie Dendrophyllidae benötigen im Aquarium eine gute Strömung und eine ausreichende Fütterung, (Aufgrund des Fehlens der Zooxanthellen) die täglich erfolgen sollte. Denn diese wunderschönen Korallen leben nicht vom Licht. Wahrscheinlich haben sie deshalb so große Polypen: Diese dienen zum Fang von Plankton.

J.E.N VERON schrieb über diese Arten: (frei zusammengefasst von Stephan Philipp)

Zu der Familie Dendrophyllia gehören drei Arten. Diese sind: Dendrophyllia, Tubastrea und Balanophyllia. Sie werden häufig im Riff gefunden, diese Arten zählen eher nicht zu den riffbildenden Korallen. Sie besitzen kein Algen in ihrem Gewebe und ihre kräftigen Farben resultieren ausschließlich aus den Korallen eingenen Pigmenten. Einzelne Spezies (solche T. faulkeneri) könnte in allen Meeren verbreitet sein. Auch ökologisch sind sie von anderen eindeutig zu unterscheiden. Sie sind unabhängig vom Licht und können so die Dächer von Höhlen und andere dunklere Bereiche besiedeln. Ausschließlich T. micrantha kann direkt mit hermatypischen Korallen konkurieren und könnte so sehr erfolgreich sein in Gemeinschaften, die nicht von Acropora dominiert werden.

Alle diese Korallen sind unersättliche Zooplanktonfresser. In der Nacht wenn sie ihre Tentakeln öffnen, können Taucher sehr einfach schnell schwimmende polychetische Würmer und anderes Plankton auf die Korallen aufbringen indem sie sie beleuchten. Die Korallen fangen das Plankton, und stopfen es prompt in ihre Mundöffnung. Soweit bekannt ist sind all diese Arten getrenntgeschlechtlich. Die Befruchtung findet im inneren statt und die Larven entwickeln sich. Diese können über 1 mm lang sein, sie kriechen über des Substrats oder schwimmen für eine kurze Zeit nach ihrer Freisetzung herrum. So bilden sich neue Kolonien, in der Umgebung. Ihr Verbreitungsgebiet ist der Indo-Pazifik der Atlantische Ozean und im Mittelmeer in einer Tiefe von 1-85 m. Normalerweise findet man sie in Höhlen, ausgenommen T. micrantha, welche reichlich vorhanden sein kann, in Tiefen unter 15 m dominiert sie in umströmten Bereichen.

Und Dr. Dieter Brockmann beschreibt im Buch: "Fische und Korallen im Meer und im Aquarium" (Birgit Schmettkmap Verlag 2000) das Ganze schon etwas genauer und aus der Sicht der heutigen Möglichkeiten: Eine Haltung dieser Tiere ist nur möglich wenn man sich den Futteransprüchen der Tiere anpasst. Am besten wäre eine Unterbringung in einem Spezialaquarium. Hieraus geht auch hervor das von Yaiullo bereits 1994 T. coccinea vermehrt wurde.


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Soweit nun die allgemeinen Angaben zu der Familie der Kelchkorallen. Im nachfolgenden berichtet Stephan Philipp wie er vorgeht um diese Tiere erfolgreich zu pflegen bzw. wie er es sogar schafft sie zu vermehren.


Stephan Philipp:
Im Dezember 2000 kaufte ich mir die erste Tubastrea, es handelt sich hierbei vermutlich um T. faulkneri oder T.coccinea.

Mit dem Kauf des ersten Tieres ging der Spaß erst richtig los. Nachdem ich mit diesem Tier, entgegen allen Aussagen die früher in Fachzeitschriften und Büchern getätigt wurden, wenig Probleme hatte (es gingen ein paar Polypen ein), legte ich mir nach und nach noch einige Kelchkorallen mehr zu.




Bei diesen Korallen kommt es darauf an das man sie nach dem Kauf beim Händler erst einmal ordentlich „mästet“ die ersten 1- 2 Wochen sollten man sie mit einer Spritze (ohne Nadel) mit einem Brei aus Artemien, Vitamin- und Plankton-Produkten füttern, und zwar jeden Polypen einzeln. Es kann aber je nach Zustand der Koralle durchaus erst mal mit „Fütterung“ bis zu 6 Wochen dauern, bis sich die Polypen überhaupt erst mal öffnen (sie können sich bei frischen Korallen aber durchaus sofort öffnen).

Das ist ja sehr aufwendig werden hier einige sagen, .......aber die Mühe lohnt sich! Nach dieser Zeit des Aufbaus der Koralle verfüttere ich nur noch Artemien an die Korallen. Meine Fische bekommen morgens eine Portion Frostfutter, mittags Trockenfutter und abends „Abfälle“ der Tubastrea-Fütterung. Zwischendurch bekommen sie dann immer mal wieder diese Aufbaumischung, diese variiert auch ab und zu, je nachdem, was der Kühlschrank so hergibt. Zum Öffnen der Polypen kommt es auch bei Trockenfuttergabe z.B. Spirulina oder auch mit O.S.I Flockenfutter (andere funktionieren auch). Den Korallen und den Fischen bekommt es scheinbar nicht schlecht. Alles ist fit und gesund !

Ich bin bei meiner letzten Neuanschaffung (06.02.2002) soweit, das ich die Tiere in der Tüte während der Umgewöhnung an die neuen Bedingungen, direkt schon füttere. Die Koralle nahm dort bereits die erste Nahrung auf, was sicherlich schon gutes verheissen lässt.

Es ist leider manchmal so das diese Kelchkorallen schon Schädigungen im Geschäft aufweisen. Solche Tiere würde ich keinem empfehlen der sich nicht schon ein bisschen mit den Tubastrea auskennt. Die zurück gebildeten Polypen zur Aufnahme von Futter zubewegen ist äußerst schwierig. Meiner Erfahrung nach werden wohl 2 - 3 Polypen eingehen. (Bild 10)

Mit der notwendigen Geduld aber kann man auch diese Tiere retten. :-) Manche Kelchkorallen sind zum Beispiel sehr empfindlich.T. micrantha zeigt mir das derzeit. Diese Tubastrea hat eine so empfindliche Oberfläche (Gewebe) das man sie nicht anfassen sollte, da das Gewebe sofort zerstört ist.




Mittlerweile gelingt es mir nicht nur diese Korallen zu halten, nein sie fangen jetzt an, wenn auch noch wenig, sich zu vermehren. Hier und da ein kleiner Punkt wo neue Polypen entstehen. Selbst bei T. diaphana gelingt dies mittlerweile. Bisher hält sich die Wasserbelastung noch in Grenzen. Das heisst das derzeit die Werte allesamt okay sind und keinen Grund zur Sorge geben.

Mit diesen Tieren ist es auch noch möglich sorglos in Urlaub zugehen. Wir waren im letzten Jahr 2 Wochen nicht zuhause, nur die Fische wurden gefüttert, die Korallen haben es nahezu unbeschadet überstanden. Man muß sie zuvor nur etwas „mästen“. Ist der Urlaub beendet füttere ich etwas intensiver als normal.


Tubastrea soweit das Auge reicht.....
Impressionen aus dem Aquarium von Stephan Philipp finden Sie in der Galerie zu diesem Artikel.

Viel Spaß :-)

Die Daten zu meinem Aquarium:

Mein 1. Becken ist ein Percula120 von AquaMedic dieses fast im Standard 450 Liter. Das Becken steht seit April 2000. Nach meinen Modifikationen hat es jetzt rund 480 L. Der Rieselfilter wurde entfernt, der Standardabschäumer getauscht, Kalkreaktor, UV-Lampe, größere Umwälzpumpe und zusätzliche Strömungspumpen eingesetzt.

Beleuchtung [alt], bis 09.02.2002:
1. Leuchtbalken 2 x 150 Watt 10.000k von AquaMedic
2. Leuchtbalken 2 x 26 Watt TL Röhren von AquaMedic

Beleuchtung [neu], ab 09.02.2002:
5 x 54 Watt T5 wie folgt:
2 x doppel (Sun + Blue)
1 x Actinic Blue von ATI

Technik: Strömung 1 x Tunze 7210P (2400l/h), 1 x Powerhead 802 je 6 Stunden im Wechsel beide mit Schnellfilter zwei zusätzliche Pumpen für kurze Intervalle (je 1000l/h) Umwälzung 1x Ocean Runner 3000 (2800l/h) im Unterschrank, dahinter ist der UV-Entkeimer von DeBary (26 Watt) im Dauerbetrieb
Kalkreaktor und Aussenabschäumer mit Dispergatorradpumpe (2000l/h) von AquaMedic

Nachfüllanlage für Osmosewasser mittels Schlauchpumpe über eine Füllstandskontrolle (Eigenbau mein Dank an Frank Diehl). Die Steuerung der Pumpen übernimmt der IKS-Aquastar, mit folgenden Meßungen PH, Niveauregelung und Abschaltung der Strömung.

Spurenelemente werden zur Zeit morgens und abends von Hand zugegeben


Literaturnachweis:

Veron, J.E.N. (1986). Corals of Australia and the Indo-Pacific
Svein A. Fossa und Alf Jakob Nilsen - 1995 Band 4 Das Korallenriffaquarium Birgit Schmettkamp Verlag (BSV)
Dr. Dieter Brockmann - 2000 "Fische und Korallen im Meer und im Aquarium" (Birgit Schmettkamp Verlag BSV)


Dieser Artikel ist am 25.08.2007 erschienen

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