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Aspekte zur Pflege von Fischen im Riffaquarium


Aspekte zur Pflege von Fischen im Riffaquarium

Einleitung


Korallenriffe! Eine faszinierende Welt unter Wasser, die in ihrer Vielfalt an Organismen durch nichts zu überbieten ist. Man spricht hier auch leidenschaftlich von dem „Regenwald unter Wasser“. Betrachtet sich der Aquarianer die Lebensvielfalt eines Korallenriffs, fallen zwei Tiergruppen besonders auf:

Korallen und Fische.

Während der Taucher diese einzigartige Welt vor Ort besucht, hat sich der Meerwasseraquarianer zum Ziel gesetzt, sich diese Vielfalt marinen Lebens ins heimische Wohnzimmer zu holen – zumindest einen kleinen Teil davon. Dabei liegt das Augenmerk nicht mehr nur auf einer Tiergruppe. Vielmehr ist es das Ziel, einen naturähnlichen Lebensraum zu schaffen, der Invertebraten und Fischen gleichermaßen einen lebensfreundlichen Bereich zur Verfügung stellt. Das dies nicht grundsätzlich einfach ist, zeigen diverse Publikationen in den unterschiedlichen Fachzeitschriften
6,7,9,10,11,15,17,21,24,25,27,28,29.


In weiterer Folge werde ich mich mit der Tiergruppe der Fische befassen. Ich möchte allerdings keine Artbeschreibungen vornehmen, sondern beispielhaft die Thematik der richtigen und artgerechten Pflege erörtern.


Warum überhaupt Fische für das Riffaquarium?

Eine durchaus gerechtfertigte Frage, wenn sich der Aquarianer vornehmlich der Pflege von Invertebraten widmet. Trotzdem denke ich, dass Fische in einem Riff- oder Steinkorallenaquarium von großer Bedeutung sind. Dies nicht nur wegen des Aspekts, dass Fische auch im natürlichen Riff vertreten sind; es gibt andere, wesentlich gewichtigere Argumente:


Tabelle A

Die Notwendigkeit Fische mit Invertebraten zu pflegen (aus meiner Sicht):
* Lieferung von Nährstoffen für die Korallen selbst oder deren Zooxanthellen
* Schutz vor Parasiten
* Durch Zupfen hervorgerufene Wachstumsbeschleunigung und -steigerung
* Fraß von nekrotischem Gewebe
* Entfernung oder Verhinderung des Wachstums von Raumkonkurrenten in Form von Bakterien und Algen
* „Reinigungsarbeiten“ zum Wohle der Invertebraten



Damit die Fische ihre Dienste auch zuverlässig und zufrieden stellend ausführen können, sind seitens des Aquarianers Voraussetzungen zu schaffen, die da sind:


Tabelle B

• Artgerechte Pflege (Stichwort: nicht zu kleine Aquarien)
• Optimale Versorgung mit Nahrung, Vitaminen und Mineralien
• Sozialverträgliche Pflege
• Erkennung und Behandlung von Krankheiten



1.) Artgerechte Pflege
Die unzählige Vielfalt der Fischwelt ist immer wieder verlockend und führt dazu, dass Fische erworben werden, die so gar nicht in ein Aquarium gehören. Vor allem die zu erreichende Körpergröße ist ein Kriterium, welches als Maß angelegt werden muss. Folglich ist es selbstverständlich, die Fische nach dem zur Verfügung stehenden Aquarium zu kaufen und nicht ausschließlich nach dem Aspekt ihrer Attraktivität.
Während die Größe als ein Kriterium der Pflege der einzelnen Fischarten maßgeblichen Einfluss auf den Kauf nimmt, ist es als praktisch anzusehen, wenn sich mit den Fischen „ökologische“ Arbeiten verrichten lassen:
• Die Pflege des Bodengrunds mit Arten aus der Gattung Amblygobius oder Valenciennea1,6,9.
• Die Eindämmung von Algen durch Algen fressende Blenniiden wie Salarias oder Atrosalarias25,27.
• Die Eindämmung von Strudelwürmern (Planarien) durch Synchiropus oder diverse Lippfische aus der Gattung Halichoeres10,30.
• Gesunderhaltung der Borstenwurmpopulationen durch Lippfische (der unterschiedlichsten Gattungen) oder Mirakelbarsche aus der Gattung Calloplesiops1,5,13.
• Fadenalgeneindämmung durch Grundeln aus der Gattung Amblygobius oder Doktorfische aus der Gattung Zebrasoma2,3,4,6,9,23,26.
• Schmieralgenreduktion durch Arten aus der Gattung Ctenochaetus 9,23

Diese Übersicht – die nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt – zeigt, wie wichtig Fische im Riffaquarium für das Gleichgewicht dieses Lebensraums sind.
Natürlich hat die Pflege von Fischen auch ihren Preis: Hier ist es vor allem der Nährstoffeintrag durch das Futter und die Ausscheidungen der Fische, die dann bedeutungsvoll werden, wenn Grenzwerte überschritten werden. Vor allem Phosphat ist hier zu nennen. Aber ein sinnvoller Besatz gepaart mit vernünftiger Fütterung trägt dazu bei, dass der Nährstoffeintrag sogar den empfindlichen Steinkorallen nützt. Das Aquarium von Bernd Mohr beispielsweise wurde mit einem Nitratgehalt von rund 20 mg/l betrieben. Dabei wurde der Phosphatgehalt auf unter 0,1 mg/l gehalten. Eine Kombination, die zu prächtigem Korallenwuchs führte 21.








2.) Optimale Versorgung mit Nahrung, Vitaminen und Mineralien
Wie angesprochen ist es unser Ziel, dass sich die gepflegten Fische wohl fühlen. Dieser Anspruch wird neben dem Platzbedürfnis, das es zu befriedigen gilt, vor allem durch die Nahrung erfüllt. Die Nahrung ist ein zwiespältiges Thema, da so mancher Aquarianer nicht über den Gebrauch von Flockenfutter hinaus geht. Weiterhin werden die Futtermengen oft so gering gehalten, dass die Fische langfristig so nicht am Leben erhalten werden können.
Der Grund dieser Vorgehensweisen findet sich in dem Ziel, das Wasser des Aquariums nährstoffarm zu halten. Es ist schon richtig, wenn behauptet wird: Bei der Pflege von Fischen ist die Technik das Maß aller Dinge. Sie entscheidet darüber, ob ein Aquarium die eingebrachten Nährstoffmengen verarbeiten und entfernen kann, oder ob eine Wasserverschlechterung auftritt.
Leider ist es vielfach so, dass die propagierte Meinung „Fische ernähren sich von dem, was im Aquarium vorhanden ist!“ nicht haltbar ist! Jeder Fisch muss abwechslungsreich und ausreichend gefüttert werden - unabhängig von einer möglichen Verschlechterung der Wasserqualität.
Vor allem Doktorfische haben unter der mangelhaften Fütterung sichtbar zu leiden2,3,4,6,7,9,23.
Was sind Mangelerscheinungen?
Es handelt sich um Erkrankungen, die aus einer qualitativen oder quantitativen ungenügenden Ernährung resultieren.
Durch eine unzureichende Ernährung (z.B. ausschließlich mit qualitativ minderwertigem - weil billigem - Trockenfutter) kann dieses bei Fischen zu Mangelerscheinungen führen.
Der Aquarianer muss zwischen sichtbaren und versteckten Störungen unterscheiden. Während die versteckten Mangelerscheinungen vom Aquarianer nicht zu erkennen sind (beispielsweise eine gestörte Darmflora), lassen sich sichtbare Mängel sehr wohl diagnostizieren.


Tabelle C
Phänotypien für Mangelerscheinungen:
*Untergewicht (ausgeprägt durch spitzen Rücken und eingefallenen Bauch)
* Schuppenverlust entlang des Seitenlinienorgans und / oder um die Augen
* Flossenzerfall
* eingefallene Bauchregion, durch die sich die Eingeweide abdrücken können
* Hornhautablösung der Augen mit einhergehender Erblindung
* abnormes Verhalten und Schwimmweise
* Nicht heilende Geschwüre
* Ausbleichen der Farbe bzw. Verlust der Farbintensität



Tabelle D
Ursachen für Mangel- und Krankheitserscheinungen
* Ektoparasitäre Erkrankungen der Schleimhaut
* Wassertemperatur
* Falscher pH-Wert, falsche Dichte, zu niedriger Sauerstoffgehalt
* schlechte Wasserqualität: hohe Nitrat- und Phosphatwerte, Ammoniak nachweisbar
* Antibiotika-Behandlungen
* psychische Belastung ausgelöst durch die Aggression einzelner Arten
* Überbesatz



Alle angeführten Ursachen führen zu einer Minderung des Vitalzustandes und der Abwehrkräfte der Fische. Wodurch können Mangelerscheinungen bei Korallenfischen verhindert werden, bzw. durch welchen Mangel wird welches Erscheinungsbild verursacht?





Vitaminmangel
Ursachen für Mangelerscheinungen resultieren aus einem Defizit. Dieses können Vitamine sein, aber auch Mineralien, Aminosäuren etc., die für den Stoffwechsel- und Ionenkreislauf der Fische wichtig sind. Wesentlich dabei ist es zu wissen, dass alle genannten Substanzen fast ausschließlich über das Futter und das Trinken (ausschließlich bei Meerwasserfischen) aufgenommen werden.



Tabelle E
Ein Vitaminmangel kann folgende Ursachen haben:
- Mangelnde Zufuhr
- Resorptionsstörungen des Magen- und Darmtraktes
- Veränderungen der Darmflora
- Organerkrankungen (z.B. Lebererkrankungen)
- Eiweißmangel
- Antivitamine (z.B. bestimmte Antibiotika)


Vitamine

Vitamine sind lebensnotwendige, organische Stoffe, die der Körper nicht oder nur in unzureichenden Mengen selbst herstellen kann. Die meisten Vitamine sind Produkte pflanzlicher Synthese oder werden von Mikroorganismen gebildet. Vitamine oder deren Vorstufen müssen dem tierischen oder menschlichen Organismus, im Regelfall durch die Nahrung, von außen zugeführt werden. Teilweise sind es Vorstufen, aus denen der Körper dann selbst das aktive Vitamin bildet. Solche Vorstufen werden Provitamine genannt.
Man unterteilt die Vitamine in fettlösliche (Vitamin A, D, E, K) und wasserlösliche Vitamine (B1; B2; B6; B12; C; H, Folsäure, Pantothensäure, Nikotinamid) ein.
Fettlösliche Vitamine findet man in proteinhaltiger Nahrung. Bei einer Überdosierung kann es zu schweren gesundheitlichen Schädigungen bei Tier und Mensch kommen. Wasserlösliche Vitamine sind zumeist in kohlehydratreichen Nahrungsmitteln enthalten. Diese Vitamine werden bei Überdosierung einfach mit dem Urin ausgeschieden. Der Vitamingehalt der einzelnen Futtersorten hängt von deren Produktion und Lagerung ab. Der Körper ist in der Lage, einige Vitamine zu speichern, sodass er Schwankungen im Nahrungsangebot oder das Fehlen einzelner Vitamine eine Zeit lang ausgleichen kann. Dies erklärt auch, weshalb viele Fische zunächst völlig gesund erscheinen.


Tabelle F
Vitamine und ihre Funktion
Vitamin A
Retinol
Funktion: Schützt und regeneriert epitheliale Gewebe; Aufbau des Sehpurpurs; Wachstumsfaktor
Krankheitsbild: Blindheit, Epithelschädigungen von Augen und Schleimhaut
Provitamin Betacarotin
Vitamin B1
Thiamin (Aneurin)
Funktion: Regulation des Kohlenhydratstoffwechsels
Krankheitsbild: Beriberi; Störungen der Funktion des Zentralen Nervensystems und des Herzmuskels
Vitamin B2
Riboflavin
Funktion: Regulation von Atmungsvorgängen; Wasserstoffübertragung, für das wachsende Tier ein Wachstumsfaktor
Krankheitsbild: Haut- und Schleimhauterkrankungen
Folsäure
Funktion: Übertragung von Einkohlenstoffresten (C1) im Stoffwechsel
Krankheitsbild: Blutarmut
Pantothensäure
Funktion: Übertragung von Säureresten im Stoffwechsel
Krankheitsbild: bestimmte Stoffwechselstörungen der Haut
Nikotinsäure, Nikotinsäureamid (Niacin PP-Faktor)
Funktion: Regulation von Atmungsvorgängen; Wasserstoffübertragung; Baustein der Coenzyme NAD und NADP
Krankheitsbild: Pellagra: entzündliche Hauterscheinungen, Nervenentzündungen und psychische Störungen
Biotin
Funktion: Coenzym von an Carboxylierungsreaktionen beteiligten Enzymen;
Krankheitsbild: Hauterkrankungen
Biotin wird durch Darmbakterien synthetisiert
Vitamin B6
Funktion: Übertragung von Aminogruppen im Aminosäurestoffwechsel;
Vitamin B12
Funktion: Reifungsfaktor der roten Blutkörperchen
Krankheitsbild: Hautveränderungen, Appetitlosigkeit, Nervosität; Haarausfall
Vitamin C:
Ascorbinsäure
Funktion: Redoxsubstanz des Zellstoffwechsels; Radikalfänger
Krankheitsbild: Skorbut, Moeller-Barlow-Krankheit
Nachgewiesen in: Zitrusfrüchte, Johannisbeeren, Paprika
Vitamin D:
Calciferole
Funktion: Regulation des Calcium- und Phosphatstoffwechsels
Krankheitsbild: Rachitis, Knochenerweichung
Nachgewiesen in: Lebertran, v. a. von Heilbutt, Dorsch, Eidotter, Milch, Butter
Vitamin E:
Tokopherole
Funktion: antioxidativer Effekt (u. a. in Keimdrüsenepithel, Skelett und Herzmuskel), Radikalfänger
Krankheitsbild: bislang nicht ausreichend bekannt
Vitamin K:
Funktion: Bildung von Blutgerinnungsfaktoren v. a. von Prothrombin
Krankheitsbild: Blutungen, Blutgerinnungsstörungen
Nachgewiesen in: Grüne Pflanzen (u.a. Spinat, der von Fischen sehr gern genommen wird)


Alle hier genannten Vitamine sind in den angebotenen Frostfuttersorten enthalten. So ist es wichtig, folgende Futtersorten regelmäßig zu verabreichen. Dabei muss nicht jede Sorte täglich gefüttert werden. Abwechslung ist angesagt!
* Mysis
* Artemien
* weiße und schwarze Mückenlarven
* gehacktes Muschel- und Fischfleisch
* Tintenfischfleisch
* Krill
* Cyclops
* Fisch- und Hummerrogen
* Granulatfutter
* Spirulinaflocken
* Kopfsalat
* Eisbergsalat
* Spinat
* Löwenzahn


Es sei darauf hingewiesen, dass es zweckmäßig ist, den Salat vor dem Verabreichen zu blanchieren, damit die Fische das Grünfutter effektiv verwerten können. Hierdurch verlieren die Zellen ihre Festigkeit und können von den Magensäften der Fische effektiver verdaut werden.




Mineralien
Aber nicht nur Vitamine sind für die Gesundheit der Korallenfische notwendig - auch Mineralien, deren Wichtigste nachfolgend kurz beschrieben werden.


Tabelle G
Wichtige Mineralien:
Calcium:
Funktion: Knochen- und Zahnbildung, Funktionsfähigkeit von Muskeln und Nerven, Blutgerinnung
Eisen:
Funktion: zur Bildung roter Blutkörperchen, Freisetzung von Nahrungsenergie,
Jod:
Funktion: Für die Schilddrüsenfunktion wichtig
Magnesium
Funktion: Trägt zur normalen Funktionsfähigkeit von Nervensystem und Muskeln bei, Aufbau von Körper-Eiweiß
Selen:
Funktion: Fängt zusammen mit Vitamin E „Freie Radikale“
Zink:
Funktion: Wachstum, Eiweißaufbau, Verdauung und Kohlenhydratstoffwechsel, Erhaltung von Appetit und Geschmacksausprägung, Transport von Vitamin A
Phosphor:
Funktion: Ergänzt sich mit Calcium bei Knochen- und Zahnbildung, Verwertung von Jod, für Nierenfunktion, Nerven
Kupfer:
Funktion: Bildung roter Blutkörperchen, notwendig für den Traubenzuckerstoffwechsel, Nervensystem


3.) Vergesellschaftung 8,10,23,30
Ich möchte an das Kapitel Fütterung ein Thema anschließen, welches mit dem Oberbegriff „Aggressionen bei Korallenfischen" unweigerlich verbunden ist, denn hungrige Fische sind aggressiv. Zwangsläufig ist damit auch die Vergesellschaftung von Korallenfischen verknüpft.

Was definiert der Begriff Aggression?
Vorrangig möchte ich in diesem Zusammenhang die Frage behandeln, ob sich aggressives Verhalten im Riff auf das Aquarium übertragen lässt bzw. weshalb Aggressionen im Aquarium eine Vergesellschaftung mehrerer Individuen einer Art bzw. unterschiedlicher Arten nicht immer vorbehaltlos ermöglichen.

Zunächst ist es von großer Wichtigkeit den Begriff Aggression zu beschreiben, damit der Leser weiß, was ich darunter verstanden haben möchte.

Aggressionsverhalten tritt zwischen Angehörigen einer Art (intraspezifisch) und zwischenartlich (interspezifisch; dann meist im Rahmen eines Räuber-Beute-Verhaltens) auf. Im Allgemeinen ausgelöst durch bestimmte Schlüsselreize, richtet es sich bei starkem Stau reaktionsspezifischer Erregung auch gegen Ersatzobjekte. Das Aggressionsverhalten ist nach Art und Häufigkeit artspezifisch; auch bei der gleichen Art sind Intensitätsschwankungen die Regel (z.B. bei Fortpflanzungszyklen).




Riffbewohner sind nicht immer friedliebende Tiere. Aggressive Auseinandersetzungen gehören genauso zu ihrem täglichen Brot, wie sie nach Beute jagen, einen Artgenossen anbalzen oder sich vor Fressfeinden verbergen. Häufig sind die Erscheinungsformen aggressiven Verhaltens unter Rifftieren so verschieden, dass man kaum erkennt, dass sich hier gerade zwei Rivalen aggressiv gestimmt gegenüberstehen.

Aggression gehört zum Alltag, um Lebensprozesse zu lenken und zu leiten. Welche Auslöser verursachen bei Korallenfischen aggressives Handeln ?


* Aggressivität unter Konkurrenten
Der Auslöser hierbei ist der Anspruch auf ähnliche Lebensansprüche. Es gilt: Den Konkurrenten verdrängen. Der Auslöser zu aggressiven Handlungen liegt dabei nicht unbedingt in dem ähnlichen Lebensanspruch sondern vielmehr darin, dass dieser begrenzt ist.


* Aggressivität um Versteckplätze
Auch hier entfachen sich immer wieder Auseinandersetzungen, denn gute Verstecke sind begehrt. Man könnte fast sagen: Je enger der Lebensraum, desto aggressiver werden die Arten 15,20,30.


* Aggressivität in jahreszeitlicher Abhängigkeit
Territorien, die gegen einen Konkurrenten abgesichert werden, sind jahreszeitlichen Größenschwankungen unterworfen. Sie dehnen sich aus, wenn die Umwelteinflüsse schlechter werden und schrumpfen, wenn sie sich verbessern.


* Aggression in der Rangordnung 12,14
Ein einfacher Fall sozialer Differen¬zierung sind durch Aggressivität geregelte Rang- oder Hackordnungen.

Welche Katastrophe ist im letztgenannten Fall unser Aquarium, in dem - zumindest zeitweilig - ständig Lebewesen neu zugesetzt werden. Dies muss sich nicht nur in neu gekauften Fischen äußern, auch der Neuzusatz von Korallen verändert ja bereits ein Revier und kann dadurch bei den Fischen eine neue Rang- und Hackordnung auslösen, wem denn nun dieser neue Siedlungsraum zusteht. Dabei ist die Rang- und Hackordnung nicht auf innerartliche Auseinandersetzungen begrenzt, sondern umfasst in letzter Konsequenz alle Aquarienbewohner.

Die Rang- und Hackordnung wird innerhalb einer innerartlichen Gruppe durch Aggressivität festgelegt.

So beispielsweise eine geradlinige Rangordnung, in die mehrere Männchen und Weibchen der Größe nach gestaffelt eingeordnet sind.
Zuerst regulieren die Tiere durch Aggressivität feste Dominanzverhältnisse, sodass jeder genau seinen Platz innerhalb der Hierarchie kennt. Auch die räumliche Verteilung im Revier wird bestimmt. Erst dann setzt die Feineinstellung der Reviergrenzen ein. Das Omega-Tier (das schwächste) spielt dabei den Sündenbock für die gerichteten Aggressivitäten der hochrangigen. Aggressive Spannungen werden dem zur Folge über das Omega-Tier ausgetragen.


Eine wichtige Feststellung dabei ist: NUR GESUNDE TIERE KÖNNEN EINEN PLATZ IN DER RANGORDNUNG BEHAUPTEN!

Dies heißt gleichzeitig: Nur gut genährte Fische können ihren Platz innehalten und die Attacken des stärkeren verkraften. Ich denke, dass hier eines jener Geheimnisse verborgen liegt, weshalb in so manchem Riffaquarium so viele Fische so schnell durch alteingesessene Artgenossen getötet werden!

Rangordnungen bilden sich meist bei ortstreuen Rifftieren. Sie haben „freiwillig“ ihren Bewegungsspielraum eingegrenzt und treffen automatisch häufiger aufeinander. Sie haben Gelegenheit ihren Nachbarn kennen zu lernen, sodass sich die Mitglieder von Rangordnungsgruppen individuell unterscheiden können.
Viele ortstreue Fische, etwa Planktonfresser unter den Korallenbarschen, treten jedoch in solchen Massen auf, dass das Einzeltier unmöglich alle seine Nachbarn behalten und erkennen kann. In diesen Gruppen bestehen deshalb keine Rangordnungen. Jedes Individuum bleibt anonym.
Im Aquarium heißt dies nichts anderes, als dass Fische, die gewaltige Fressgemeinschaften bilden, wie beispielsweise Arten der Gattung Pseudanthias, aggressionslos gegenüber anderen Fischarten sind.

Bisher diente Aggression zwei wichtigen Funktionen: der Hemmung oder Abweisung von Konkurrenten im Kampf um ökologische Mittel, aber auch dem Aufbau sozialer Strukturen. Eine dritte wichtige Funktion spielt sie bei der Verteidigung gegen artfremde Feinde.


* Aggression als Mittel der Verteidigung gegen artfremde Feinde

Bei der Auseinandersetzung mit dem Feind wird unter Einsatz aller Waffen auf Leben oder Tod gekämpft. Aggressionsforscher klammern diesen Aspekt aggressiven Verhaltens meist aus, da sie der Ansicht sind, dass diese Form zwischenartlicher Aggression einen anderen Ursprung als die innerartliche Aggression hat.
Im Aquarium lässt sich ein solches Verhalten nicht auslöschen. Auch hier kommt es zwangsläufig zur Konfrontation, wenn zwischenartliche Aggressionen von den gepflegten Fischen ausgelebt werden. Anders als in der Natur kann im Aquarium kein Ausweichen erfolgen. Zwangsläufig eskaliert die Situation und es kann zum Tode des schwächeren führen.


* ritualisiertes Kämpfen und beschädigende Aggression

Unter ungestörten Bedingungen finden im Riff selten tötende oder beschädigende Aggressionen statt. Ethologen wissen seit langem, dass bei fast allen aggressiven Tieren, einschließlich des Menschen, Hemmmechanismen bestehen und dass aggressives Verhalten ritualisiert und so abgestimmt ist, dass der Angegriffene nicht verletzt wird (es sei denn, er dient als Nahrung).

Im Riff wird nach Möglichkeit nicht lange gekämpft. Langes Kämpfen bedeutet immer, sich den Fressfeinden auszusetzen. Kurze, heftige Drohduelle entscheiden schnell, wer der stärkere ist, im Aquarium lassen sich dagegen bei Korallenfischen sehr intensive und lang anhaltende Kämpfe leicht auslösen; Kämpfe, die sich die Tiere im Riff nie leisten könnten.
Die beengten Verhältnisse eines Aquariums und die daraus resultierende mangelnde Möglichkeit der Flucht führt dazu, dass sich artgleiche und artungleiche Fische im Aquarium töten. Was führt dazu, die natürliche Hemmschwelle des Tötens praktisch in einen Blutrausch umschwenken zu lassen? Angestaute Aggression durch beengte Verhältnisse? Hunger?
Gibt es Möglichkeiten zur Senkung aggressiven Verhaltens?


* Entschärfung aggressiven Verhaltens

In sozialen Verbänden ist es notwendig, dass rangtiefe Tiere nicht bei jeder Begegnung mit Ranghohen vor ihnen fliehen. Die Aggressivität der „Despoten“ musste von vornherein entschärft werden. Dazu entwickelte die auf Anpassung gerichtete Auslese spezielle aggressionshemmende und zugleich friedenstiftende Signale. Dazu zählt beispielsweise, dass kleine Männchen durch vorgetäuschte weibliche Ablaichbewegungen die Aggression des tyrannischen Haremshalters entschärften. Pseudoweibliches Verhalten ermöglicht es jungen Männchen, unentdeckt im Harem existieren zu können.

Dies sind nicht nur scheinlaichende Verhaltensmuster, die dazu dienen, dass der Haremshalter ein deaggressives Verhalten gegenüber dem Unterlegenen zeigt, dies kann sich in verschiedenen Färbungen:

juvenil - adult (wie bei Pomacanthus oder Holacanthus) 18
Männchen - Weibchen (Labridae)
junge Männchen --> Weibchen --> Männchen (Labridae)
äußern oder bestimmte Verhaltensabläufe
- schräg legen des Schwächeren
- Zusammenziehen von weichstrahliger Rücken-, Schwanz - und Analflosse

beinhalten.

Aggressives Verhalten nimmt einen zentralen Platz im ökologischen Wirkungsgefüge des Riffs ein. Wird der Lebensraum zu eng oder treten unnatürliche, der Anpassung eines Tieres nicht entsprechende Umweltbedingungen auf, zeigt sich Aggression von ihrer schlechten, zerstörerischen Seite, wie dies bei Überbesatz oder mangelhafter Fütterung in Aquarien beobachtet werden kann.

4.) Erkennung und Behandlung von Krankheiten 9,23
Die Krankheitserkennung läuft im Riffaquarium nicht anders ab, als in einem Fischaquarium. Trübe Augen, weiß Punkte auf der Haut, Glotzaugen und schnelle Atmung sind sichere Anzeichen einer parasitären Infektion. Flossenschäden und Blessuren der Haut sind Zeugen eines Kampfes der stattgefunden hat. Wichtig hier, dass keine Infektionen folgen.
Da die meisten Invertebraten keine Medikamente vertragen, deren Wirkstoffe erfolgreich gegen Parasiten eingesetzt werden könnten, bleibt nur die Möglichkeit, den Vitalzustand des erkrankten Fisches zu optimieren.

Vitaminisierung des Futters ist ebenso wichtig, wie artgerechte Pflege und optimale Wasserqualität.
Weiterhin sollte eine UV-Lampe ausreichender Stärke zum Einsatz kommen. Die UV-Strahlung, die ihr Optimum bei rund 253 nm hat, schädigt Erreger und Bakterien gleichermaßen und sorgt für Keim armes Wasser.


Auch Ozon wird im Zusammenhang mit Krankheitsbekämpfung immer wieder empfohlen.

Dies ist bei der Behandlung von Krankheiten wichtig, da meist nicht der Ektoparasit selbst die Todesfolge einleitet, sondern vielmehr Sekundärinfekte, ausgelöst durch Bakterien und Pilze.

Joachim Frische hält auf seiner Homepage weitere interessante Informationen für Meerwasseraquarianer bereit.


Literatur:
1. Baensch, H. A. & Debelius., H. (1992): Meerwasser Atlas, Melle. 1207 S.
2. Chlupaty, P. (1990): Die Doktorfische (1) Interessante Fische für das Meerwasseraquarium. Tetra International Nr. 98, 28-32
3. Chlupaty, P. (1990): Die Doktorfische (2). Tetra International Nr. 101, 25-27
4. Chlupaty, P. (1991): Die Doktorfische (Schluß). Tetra International Nr. 103, 22-26
5. Chlupaty, P. (1985): Der Schnabellippfisch Gomphosus coeruleus; Tetra International Nr. 73, 24-25
6. Chlupaty, P. (1980): Meine Erfahrungen mit Korallenfischen im Aquarium. Hannover 272 S.
7. de Graaf, F. (1976): Tropische Zierfische im Meerwasseraquarium. Melsungen. 468 S.
8. Fricke, H. W. (1976): Bericht aus dem Riff. München. 96 S.
9. Frische, J. (2000): Ihr Hobby: Fische im Riffaquarium. Ruhmannsfelden. 79 S.
10. Frische, J. (1999): Erfolgreiche Nachzuchten im Meerwasseraquarium. Ruhmannsfelden. 136 S.
11. Frische, J. (1997): Noch einmal: Fischpolemik; DATZ 8(50), 519-521
12. Frische, J. (1996): Acanthurus olivaceus und Acanthurus tennenti: Aggressive Einzelgänger oder sanfte Gruppentiere? DATZ 9(49), 577-578
13. Frische, J. (1998): Beobachtungen an Calloplesiops altivelis, dem Mirakelbarsch; Aquaristik aktuell Nr.4 S. 28 - 30
14. Frische, J. (1994): Der Gelbschwanz – Segelseebader. DATZ 5(47), 298-299
15. Frische, J. (1996): Gut geeignet für das Riffaquarium: Pomacentrus alleni und Pomacentrus pavo. DATZ (49)8, 501-503
16. Frische, J. & Finck, H. (2005): Ihr Hobby: Das funktionierende Meerwasseraquarium 3. überarbeitete Auflage. Ruhmannsfelden, 79 S.
17. Frische, J. (1993): Nicht für die Meerwasseraquaristik geeignet die Lippfischgattung Labropsis. DATZ (46)1, 28-29
18. Frische, J. (1998): Ihr Hobby: Kaiser- und Falterfische. Ruhmannsfelden, 79 S.
19. Frische, J. (1992): Das Riff–Aquarium. Melle, 192 S.
20. Frische, J. & Lissner, C. (1988): Ein zänkischer Anfängerfisch ist der Rückenflecken-Preußenfisch Dascyllus reticulatus. Tetra International Nr. 86, 31–33
21. Rohleder, P.-G. (1988): Ein Fisch für das Riffaquarium Der Falkenbarsch Oxycirrhites typus. Tetra International Nr. 85, 26-27
22. Schadt, P. (1997): Genau beobachtet: Salarias fasciatus. Der Meerwasseraquarianer 1(1), 16-18
23. Thaler, E. (1996): Der Superfisch Zebrasoma gemmatum. DATZ 1(49), 27-31
24. Thaler, E. (1998): Ein Fisch für das Riff-Aquarium? Der Juwelen-Kammzähner Salarias fasciatus. DATZ 3(51), 178-181
25. Thaler, E. (1997): Fischpolemik. DATZ 3(50), 164-172
26. Thaler, E. (1997): Nochmals: Fischpolemik Zwei (notwendige?) Nachsätze. DATZ 12(50), 784-787
27. Thaler, E. (1995): Fische beobachten; Stuttgart, 191 S.


Dieser Artikel ist am 19.08.2007 erschienen

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