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"Niedere" Algen - Fadenalgen


Fragenkomplex:

Zu den immer wieder realen Problemen gehören die Algen, die binnen kurzer Zeit Dekoration und festsitzende Blumentiere überziehen. Gemeint sind hier die Fadenalgen oder jene Algen, die durch massenhaftes Auftreten zur Plage werden können. Meist handelt es sich um niedere Algen. Lösungen wie solche Algen in den Griff zu bekommen sind, können vielfältig sein, da auch die Algenarten sehr variabel sind.

Wesentlich ist es zu wissen, welche Ursache zum Fadenalgenwuchs führt. Nur wenn diese beseitigt wird, kann mit einem Verschwinden der Algen gerechnet werden. Dabei muß unterschieden werden, ob die Algen im Zeitraum der Einlaufphase auftreten, oder in einem stabilen Aquarienmilieu ihren Lebensraum finden und sich ausdehnen.

Antwortenkomplex:

1.) Thema: Fadenalgen:

MÖGLICHE URSACHEN

Die Ursache für Fadenalgenwuchs ist vielfältiger Natur. Hoher Nährstoffeintrag durch Überbesatz an Fischen oder zu ausgiebige Fütterung bei mangelhafter Technik können ebenso Algenwuchs induzieren, wie zu starker Kohlendioxid-Eintrag, ungünstige Lichtspektren oder gammeliges „Lebendgestein“. Meist ist die Kombination mehrere wachstumsbegünstigender Faktoren die Ursache.

Ein Beispiel:

Hohe Nährstoffkonzentration gepaart mit der Steigerung der Lichtquelle induziert Fadenalgenwuchs. Der Aquarianer führt das Wachstum der Fadenalgen zunächst auf den Wechsel der Beleuchtung zurück. Real aber sind die Nährstoffmengen dafür verantwortlich, dass die Algen plötzlich wachsen. Der Brennerwechsel brachte das ´“Faß lediglich zum Überlaufen“.


Neben der Beleuchtungsintensivierung kann auch die plötzliche Dosierung von Spurenelementen zu einer Fadenalgenplage führen. Natürlich wird das Wachstum der Algen auf die Spurenelemente geschoben. In Wirklichkeit aber waren diese nur der Auslöser.

Wie das?

Wenn in einem nährstoffbelasteten Wasser eine Unterversorgung von Mangan oder / und Eisen vorherrscht, ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Fadenalgen nicht wachsen. Wird nun das Defizit Mangan- und Eisenmangel durch die Zugabe von Spurenelementen beseitigt, ist das Ergebnis ein Wachstum von Fadenalgen. Ursache: NICHT die Spurenelemente, sondern der Nährstoffgehalt

Weiterhin können unzulängliche Filtersysteme für Fadenalgenwuchs in eingefahrenen Aquarien verantwortlich sein. Biologischen Filter können bei mangelhafter Funktion den Nährstoffeintrag fördern statt diesen (wie geplant) zu reduzieren. Auch ein mangelhaft gewarteter Eiweißabschäumer kann indirekt zu Fadenalgenwuchs führen. Es gibt noch weiter Ursachen, wie beispielsweise der Tod einer Seewalze und der darauf folgende Tod des gesamten Fischbestands. Bei solchen Unfällen werden durch die toten Tiere so viel Nährstoffe eingebracht, dass ein Fadenalgenwuchs fast unausweichlich ist.

WEGE ZUR BEKÄMPFUNG

Eine schwierige Bekämpfung zeigt sich bei den Algen aus der Gattung Bryopsis, da es nur wenige Meeresbewohner gibt, die diese Algen fressen. Die Alge gleicht einem kleinen Tannenbäumchen und wird von Siganus vulpinus (früher: Lo vulpinus) gefressen. Michael Mrutzek verweist auch darauf, dass höhere Algen aus der Gattung Caulerpa als Nahrungskonkurrent eingesetzt werden können. Als weiterer Nahrungs- bzw. Raumkonkurrent werden Kalkalgen angeführt. Nach Michaels Aussage ist darauf zu achten, dass ein wenig Phosphat im Wasser verbleibt, damit die Kalkalgen rasch wachsen.


Problem dabei kann natürlich sein, dass Acanthuriden die Caulerpabestände auffressen, noch bevor sie in Raumkonkurrenz zu den Niederen Algen treten. Hohe Phosphat- und Nitratgehalte fördern natürlich auch das Wachstum anderer Algen.


Weitere Algenfresser sind kurzstachlige Seeigel aus der Gattung Mespilia, Schnecken aus der Gattung Turbo und Astraea, diverse Einsiedlerkrebse. Die meisten hier genannten Invertebraten weiden die Algen aber nur bis zu einer bestimmten Höhe ab. Arten aus der Gattung Amblygobius ziehen Fadenalgen aus den Steinen und zwischen den Wirbellosen raus. Ich (J.F.) konnte solche Beobachtungen bei Amblygobius phalaena, Amblygobius rainfordi und Amblygobius bynoensis machen. Beobachtungen, die von M.M. bestätigt wurden.

Wer biologisch den Algen nicht zu Laibe rücken will, weil Fuchsgesichter das Wasser zu stark belasten, Seeigel auch Kalkalgen abweiden, Schnecken und Einsiedlerkrebse Ableger verschieben können und die Grundeln durch ihre Grabaktivitäten im Bodengrund die Sedimentation unterstützen können, dem bleibt der chemische Weg.


Aufkalken heißt die Devise. Aufkalken mit Calciumhydroxid nach Wilkens - soviel der pH-Wert verträgt. Einige Aquarianer geben sogar etwas von dem Bodensatz ins Wasser. Hier ist Geduld alles. Fadenalgen vertragen im allgemeinen die hohen Anteile an Kalk nicht. Die feinen Poren auf den „Blättern“ setzen sich zu. Der Assimilationsaustausch wird minimiert - sogar unterbrochen, die Alge stirbt. Ausdauer ist hier die Tugend, die der Aquarianer mitzubringen hat. Weiterhin ist eine mechanische Entfernung immer gut. Mit Hilfe eines Mikadostäbchens die Algen aufrollen und abzupfen. Eine mühevolle Arbeit dies sich langfristig lohnt. Mit einem Luftschlauch, dessen Ende in einen Eimer mündet findet sich ein weiteres „Patent“ zur Algenentfernung. Hier wird gleich der Wasserwechsel mit vollzogen.


Eine weitere chemische Anwendung findet sich in einer Lösung die den Namen „Algen ex“ trägt und von Michael Mrutzek veräußert wird. Die bisherigen Erfahrungen zu diesem Mittel sind gut - die Anwender empfehlen es weiter. Zu berücksichtigen ist dabei, dass alle Algen „attackiert“ werden.

Wo wir gerade bei „Mittelchen“ sind.

PHOSPHATREDUKTION

In dem Zusammenhang mit Fadenalgen wurde im Forum auch immer wieder die Reduktion von Phosphat diskutiert. Vor allem der Eintrag von Carbonaten (Kalkreaktor, BioCalcium, Kalkwasser) wirkt sich reduzierend auf den Phosphatgehalt aus. Daneben aber auch „Flüssigbinder“ wie beispielsweise Phosphat minus der Firma Korallin, das von den Teilnehmern des Forums herausgehoben wurde. Anton Gabriel verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es wichtig ist, diese Produkte nicht überzudosieren, da ein zu viel des gebundenen Phosphats nicht aus dem Wasser geschäumt wird sondern absedimentiert und wieder in Lösung geht. Lieber öfters zugeben, als einmal zuviel!

2.) Rote Büschelalge Wrangelia argus ( Mergus Meerwasser-Atlas, Band 1, Seite 233)

Auch der übermäßige Wuchs anderer Algen kann zu Problemen führen. Dies zeigte die hier angeführte Thematik. Michael M. konnte hier die Lösung mit Hilfe eines Siganus virgatus vermitteln. Wahrscheinlich dürften Kaninchenfische in vielen Bereichen der Algenbekämpfung die „letzte Rettung“ sein.


Abb.1 : Naso brevirostris und Siganus vulpinus. Zwei Algenfresser, wobei dem Fuchsgesicht eindeutig der Vorzug gebührt. Nicht nur wegen der Endgrösse - auch wegen des Fleißes in puncto Vernichtung Fadenalgen


    

Abb.2: Amblygobius bynoensis und Abb.3: Amblygobius phalaena; zwei Grundeln die Fadenalgen zwischen Dekoration und Wirbellosen herausreißen und fressen


Abb.4: Auch Invertebraten können gegen Fadenalgen eingesetzt werden, wie Mespilia globulus. Fressen aber auch Kalkalgen.


Abb.5: Eine weitere Möglichkeit ist die Kultivierung höherer Algen - wie Caulerpa sertularoides - die in Nahrungskonkurrenz zu den Fadenalgen treten.


Abb.6: Siganus virgatus ist ein Kaninchenfisch für besonders ausgefallene und hartnaeckige Algen.

 

 


Dieser Artikel ist am 17.07.2007 erschienen

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