Einleitung:
Die Familie der Umberfische besteht aus 200 Arten in 28 Gattungen (Quelle Mergus Band 7) Sie kommen in vielen Korallenriffen vor, ausser im Indopazifik und im zentralen Pazifik. Da die erste Rückenflosse sehr lang ausgezogen ist, bei Jungfischen noch weitaus deutlicher zu sehen als bei Alttieren, und zudem diese einem Ritterhelm gleicht, haben sie auch den Namen Ritterfische erhalten. Aquaristisch sind sie weitestgehend unbekannt, bzw. stammen evtl. Erfahrungen aus einer sehr viel früheren Zeit und sind heute kaum bekannt. Es fehlen in der gängigen Aquarienliteratur Angaben zur Haltbarkeit und Pflege dieser doch augenscheinlich schönen und interessanten Tiere. Man kann sogar sagen das sie sich, durch ihre auffällige Gestalt, deutlich von anderen Fischen absetzen und damit ein echter Hingucker in jedem Aquarium sind.
Nicht unerwähnt bleiben sollte, das Ritterfische sehr selten in den Handel kommen was eigentlich schade ist. Frank Diehls Erfahrungsbericht lässt zumindest für uns den Schluss zu, das die erfolgreiche Pflege dieser Tiere durchaus gelingen kann. Es zeigt aber auch auf, das es noch viele Fischarten in der Aquarienliteratur einfach noch fehlen oder teils einfach nur falsch beschrieben worden sind. Es wäre zu wünschen das Aquarianer viel mehr über Ihre Erlebnisse mit ihren Fischen berichten, sei es im Internet, in Fachzeitschriften, bei Vereinstreffen, oder auf anderen Wegen.
Die Erfahrungen von Frank Diehl:
Bei meinem Streifzug durch die Läden fiel mein Augenmerk auf zwei seltsame Fische. Sie hatten eine gewiße Ähnlichkeit mit Skalaren aus der Süßwasseraquaristik.
Von da an begann das Ungewisse. Wie würden sie sich mit der Doktorengruppe verstehen? Was fressen diese Fische und wie verhalten sie sich?
Den einzigsten Hinweis erhielt ich durch den Mergus Atlas Band 7. Aus der Beschreibung unter den Besonderheiten konnte ich entnehmen, dass es sich um Equetus lanceolatus handelt. Also doch Sir Lancelot - der erste Ritter der Tafelrunde :-)
Um eines vorweg zu nehmen. Meiner Meinung nach handelt es sich bei den abgebildeten juvenilen Tier im Mergus nicht um Equetus lanceolatus sondern ebenfalls um Equetus punctatus. In der Jugendform ist der lanceolatus an dem senkrechten schwarzen Strich zwischen den Augen zu erkennen. E. punctatus hat hingegen eine unförmigen schwarzen Fleck auf der Schnauze
Damit war eins der größten Probleme gelöst. Am Anfang waren sie nur über der Sandfläche zu sehen wo sie, wie einige Lippfische, nur einige Millimeter - den Körper leicht zum Boden geneigt - über dem Sandboden ihre Bahnen schwammen. Nach und nach wurde das Jagdgebiet aber auch auf die Steinaufbauten erweitert. Sie lernten auch sehr schnell, dass im Aquarium alles Gute von oben kommt und fressen nun begierig sämtliches Trocken- und Frostfutter. Sie wachsen sehr schnell heran und es werden sicherlich recht große Fische.
Besonders auffällig sind natürlich die ausgezogenen Rücken- und Schwanzflossen. Und genau diese Rückenflosse hat mir mal ein gehörigen Schrecken eingejagd.
Bei einer Fütterung war die Oberfläche des Wassers stark gekräuselt. Ich schalte bei der Fütterung die Pumpen nicht ab. Auf einmal schoß neben meiner Hand eine Flosse aus dem Wasser und steuerte zielstrebig und sehr schnell auf meine Hand. Ich habe mich richtig erschreckt und zog ganz schnell die Hand aus dem Wasser. Es waren die Ritterfische, die sich auch das Futter von der Oberfläche holten. Dabei schiesst die Rückenflosse wie bei einem Hai aus dem Wasser. Nun, mittlerweile erfreue ich mich an diesem kleinen Schauspiel und bedauere es schon fast wenn sie ihre juvenile Form verlieren.
Es sind sehr lebhafte Fische. die ständig auf Futtersuche sind. Auch Nachts. Ich habe sie niemals beim Schlafen beobachten können. Sie schwimmen einfach immer und suchen Nahrung. Angst scheint ihnen vollständg unbekannt zu sein. Sie lassen sich weder durch die Doktoren, noch bei Wartungs- und Reinigungsarbeiten aus der Ruhe bringen. Nun glaube ich es auch fast: Adel verpflichtet.
Obwohl diesen Tieren die plakativen Farben fehlen, zählen diese zu den Highlights im Becken.
Frank Diehl, Krefeld, den 21.09.2003
19.08.2007