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Pseudocheilinus hexataenia


Allgemeines zu Pseudocheilinus hexataenia:

Die Gattung Pseudocheilinus beherbergt mehrere Arten von kleinen, meist versteckt schwimmenden und substratgebundenden Lippfischen, die ihre Nahrung vom Grund oder der Koralle aufnehmen. Sie leben in lockeren Gruppen meist am Fuße von grösseren Acroporakolonieen. Jungfische haben einen weissen Strich auf der Schnauze und oft habe ich recht fleckige Exemplare gesehen, wobei ich der Meinung bin, dass dies Stimmungsfärbungen sind da die Schleimhaut dabei unverändert war. Der Sechsstreifenlippfisch kommt sowohl im Indo-Pazifik als auch vom Roten Meer bis zu den Tuamotu-Inseln und von Japan bis zur Lrod-Howe-Insel vor. Er wird ca. 7,5 cm gross, und ist damit recht klein bleibend.


Der Pseudocheilinus hexataenia zeigt zwei Farbvarianten die vom Verbreitungsgebiet abhängig sind. Leider vermute ich, das diese Arten viel mit Cyanid gefangen werden, da es sonst kaum möglich ist diese behende Art zu fangen. Dies erklärt auch die Empfindlichkeit beim Einsetzen.

Interessant zur "Turbellarienprophylaxe" sind auch der extrem seltene Pseudocheilinus ocelatus oder der P. evanidus. Aber von der Grösse her (4,5 cm) und dem beschriebenen Verhalten scheint der Pseudocheilinops ataenia ein sehr geeigneter Korallenschutz zu sein.

Pseudocheilinus hexataenia galt bislang als Raufbold und Einzelgänger, und dennoch war er für mich immer einer der schönsten Fische im Meerwasseraquarium. Ich habe ihn gerne gepflegt, aber nie gewagt einen zweiten zuzusetzen, sah ich doch seine Agressivität gegenüber anderen Fischarten beim Einsetzen.




Die Idee der Gruppenhaltung:

Durch Disskussionen im www.Meerwasserforum.com angeregt und der Beobachtung eines Bekannten, dass diese Lippfische in grosser Stückzahl die Acroporastöcke besiedeln, habe ich mich (gleichzeitig mit Peter Schmiedel/Belgien) dazu entschlossen mehrere Artgenossen in mein 1000 l Aquarium einzusetzen. Diese Entscheidung wurde durch mein Problem mit Tubellarien an Acroporas bekräftigt und so versuchte ich eine möglichst grosse Zahl an Pseudocheilinus hexataenia zu kaufen.

Ich konnte 3 Stück erwerben und gewöhnte sie ein. Später kamen nochmal 2 und dann nochmal 3 Lippfische dazu. Die ersten drei waren sehr klein und haben die nächsten beiden Grösseren kaum beachtet. Die letzten drei wurden aber nach längerem suchen eingesetzt.

Das Sozialverhalten in der Gruppe:

Bei den bis dahin 3 gepflegten Pseudocheilinus hexataenia konnte ich ein deutliches Sozialverhalten erkennen. Wenn sich zwei begegnen, legte sich einer auf die Seite quer zum dominanten Tier und signalisiert so seine untergeordnete Stellung. Bei diesen Verhaltensweisen kam es nie zum Kampf. Oft genug zogen sie zu zweit durch das Aquarium, um bestimmte Ecken von zwei Seiten zu bejagen. Weisse Stellen an den Acroporastöcken wurden immer wieder aufgesucht und intensiv beäugt um dann etwas abzupicken. Bald konnte ich feststellen das die Eigelege der Turbellarien nach dem Entfernen nicht wieder neu gelegt wurden und der fortschreitende Gewebsverlust zu stehen kam und sich die weissen Stellen zum Teil sogar regenerierten.

Dann setzte ich den Ersten der drei neuen Tiere ein. Ich weiss nicht wie der alteingesessene Bock ihn aus ca. 1,80 m erkannt hat, jedenfalls schoss er auf ihn zu und es wurde heftig gedroht und zurück imponiert. Der neue wurde dann hartnäckig gejagt, so erging es auch den anderen beiden. Ich dachte schon ich hätte mit den zuletzt gekauften einen Fehler gemacht aber am nächsten Tag wurde nicht mehr gebissen und gejagt sondern durch die obenbeschriebene Verhaltensweise konnten weitere Beissereien vermieden werden.


Das Verhalten gegenüber Vier und Achstreifenlippfischen:

Der Paracheilinus ist eine frei schwimmende Lippfischgattung die ihre Nahrung nur aus dem feien Wasser aufnimmt. Sie schwimmt oft mit Anthias in einer Gruppe und zeigt ein gänzlich anderes Verhalten als die Pseudocheilinus arten.

Der Paracheilinus octataenia darf nicht mit dem Pseudocheilinus octotaenia verwechselt werden.

Da ich auch ein Paar Paracheilinus octataenia pflegte galt natürlich auch die Sorge der Agressivität gegenüber anderen Fischen insbesondere anderen Lippfischen.

In der selben Zeit setzte ich nochmals zwei Paracheilinus Octataenia zu. Diese wurden bejagt, da sie nicht das Verhalten der Pseudocheilinus hexataenia hatten und flüchteten. Das waren natürlich ideale Opfer die Schwimmkünste auszuprobieren.

Aber nach ca. 4-5 Tagen wurde dies auch langweilig und so konnten die neuen P. octataenias ihre freischwimmende Lebensweise aufnehmen. Dies war anders als ich zwei Pseudocheilinus tetrataenia erwerben konnte. Diese beiden Arten stehen sich nicht nur vom Aussehen sondern auch vom Verhalten sehr nahe und ich hatte doch arge Bedenken ob der Pseudocheilinus hexataenia ihn nicht als artfremden Eindringling und Nahrungskokurrenten sieht und deshalb bejagt.

Ich setzte die Beiden ein und musste sie wenig später herausfangen und setzte sie in eine Fischfalle in der Hoffnung dass sie durch die "Schwimmschule" das Interesse aneinander verlieren. Der Pseudocheilinus hexataenia Bock und nur er, hing immer an der Plexiglaswand und drohte. Aber bald änderte sich das Verhalten der Vierstreifigen und sie drohten zurück oder legten sich auf die Seite. Nach ca einer Woche ließ ich die beiden frei und nach ein paar Plänkeleien durften sich die P. tetrataenia frei im Becken bewegen.

Ich musste feststellen, das die P. tetrataenia um einen Hauch schneller und gewandter durch die Steinkorallen schwimmt als sein Sechsstreifiger Artgenosse. Das Verhalten der beiden im Aquarium ist ansonsten absolut gleichzusetzen mit den Pseudocheilinus hexataenia.


Das Jahresresumee:

Nun pflege ich die Gruppe seit über einem Jahr und konnte die Verhaltensweisen und vor allem die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier beobachten. Ein dominantes Männchen kontrolliert durch frei schwimmende Präsenz seine Artgenossen.

Diese schwimmen immer suchend und nimmersatt zwischen den Korallenstöcken umher, leben aber insgesamt sehr viel versteckter als der Bock. Immer wieder treffen sie sich und zeigen auch dann ihr Sozialverhalten. An manchen Tagen ist aber auch Jagdzeit angesagt, wobei ich mir sicher bin das es keine Agressivität ist sondern Balzverhalten, da immer der Bock daran beteilligt ist. Dann jagen sich zwei Lippis in einem derart hohen Tempo durch die kleinsten Schlupflöcher dass ich die Reaktion der Fische bewundere.

Oftmals denke ich, nun kann der Bock den anderen Pseudocheilinus hexataenia nicht mehr finden aber sicher findet er die Spur auch ohne Sichtkontakt. Mit Sicherheit folgt er dem Geruch des Verfolgten.


Abends wird es dann in der Blaulichtphase richtig interessant. Inzwischen meint man die Weibchen platzen gleich und der Bock hat allerhand mit seinen weiblichen Artgenossen, meist 3 Stück zu gleichen Zeit, zu tun. Da wird blitzschnell verfolgt und durch ein platschen an der Wasseroberfäche wird der Vorgang beendet.

Am nächsten Tag sind die Weibchen wieder erheblich dünner, aber Eier konnte ich mit dem bloßen Auge noch nicht feststellen. Einen offensichtlichen Geschlechtsunterschied habe ich noch nicht gesehen wenngleich einige Anhaltspunkte für einen Unterschied sprechen und in der Summe ein Unterschied erahnen lässt.

Bei den Männlichen Sechstreifenlippfisch hat die Rückenflosse einen mehr gelblichen Saum .Weibliche Tiere sind immer etwas bauchig und die Streifen verlieren sich etwas an der vorgewölbten Stelle sodass es noch bauchiger aussieht. Diese Unterschiede sind jedoch erst am älteren Tier zu erkennen.


Das Fazit:

Für mich einer der schönsten und zugleich nützlichsten kleinen Fische die mir geholfen haben die Acroporatubellarien los zu werden. Und ich hatte eine starke Turbellarieninfektion mit massenhaften Verlusten an meinen Steinkorallen und nicht wenige Neuinfektionen (Turbellariengelege).

Mit salzigen Grüssen
Harald Mülder, Moringen im November 2003


Dieser Artikel ist am 19.08.2007 erschienen

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