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Panzer auf sechs Beinen - Garnelen im Aquarium


Panzer auf sechs Beinen
Text und Fotos : Joachim Frische
Email: Joachim.Frische@online.de

Sie werden gerne als die „Insekten des marinen Lebensraumes“ bezeichnet. Debelius & Baensch (1997) erklären diesen Vergleich damit, weil sie praktisch alle Lebensräume der Ozeane besiedelt haben. So finden sie sich im Flachwasser ebenso wie in der Tiefsee. Ob warm, ob kalt - sie gehören, wie die Insekten auf dem Lande, zum festen Bestandteil der jeweiligen Fauna. Ich vergleiche sie gerne mit den Insekten, weil sie, wie diese, sechs Beine tragen und oftmals mächtige Beißwerkzeuge dem Maul vorgelagert sind. Mit diesen können sie sich eindrucksvoll verteidigen oder sie werden von ihnen geschickt als Greifwerkzeug einsetzt.


Damit sie wachsen können, müssen sie sich häuten, Facettenaugen erfassen ihre Umgebung und die Körpergestalt ist vielfältig. Wir finden unter ihnen Planktonjäger oder räuberische Zeitgenossen. Sie sind unter anderem Abfallbeseitiger, Korallengärtner und sie dienen einer Reihe von Walen als Grundnahrung.
Gemeint sind die Krebse und Garnelen von denen etwa zwei Drittel der Klasse Malacostraca (höhere Krebse) zugerechnet werden (Debelius 2000).
In der Süßwasseraquaristik – so möchte ich behaupten – gehören Garnelen und Krebse derzeit zu den beliebten Pfleglingen. In der Riffaquaristik zählen Garnelen und Krebse zu jenen Wirbellosen, die seit den Anfängen der Meeresaquaristik einen festen Platz im Tierbestand eines Aquariums haben.


Die Pflege im Meerwasseraquarium

Wer sich als Meerwasseraquarianer mit dem Gedanken trägt, Garnelen und Krebse zu pflegen, muss wissen, dass es Fische gibt, die hilflose Crustaceen zum Fressen gern haben. So erbeuten Korallenwächter der Familie Cirrhitidae schon mal eine Garnele aus der Gattung Lysmata (Frische 2000). Es sind aber nicht nur Korallenwächter, die den wehrlosen Malacostraca nachstellen, auch Mirakelbarsche der Gattung Calloplesiops oder einige größere Lippfische aus den Gattungen Thalassoma oder Coris jagen harmlose Crustaceen.


Nicht zu vergessen sind die Feuerfische aus der Gattung Pterois (Gohr 2002). Die Zebramuräne Gymnomuraena zebra hat sich auf den Konsum von Krebstieren spezialisiert.

Die Vorlieben im Nahrungsrepertoire bestimmter Fischarten sind beim Kauf ebenso zu berücksichtigen wie die Tatsache, dass Krebstiere langsam an das Aquarienwasser angepasst werden müssen.
Tröpfchen für Tröpfchen ist das Transportwasser mit dem Aquarienwasser zu verdünnen, bis dieses etwa zu 50% vermischt ist. Erst dann dürfen die Panzerträger behutsam in das Aquarium entlassen werden. Um den Crustaceen einen einfachen Start in ihrer neuen Heimat zu ermöglichen, entlasse man sie dort, wo die Dekoration viele Höhlen und Nischen bildet. Sobald die Krebsartigen in das Aquarium überführt sind, werden sie sich im Rückwärtsgang einen geeigneten Unterschlupf suchen.


Wer als ungeduldiger Meerwasseraquarianer allerdings der Meinung anheim fällt, dass Krebsartige nicht an das Aquarienwasser angepasst werden müssen, der wird bei deren Einsatz meist schnell feststellen, dass die Gepanzerten zu Boden sinken, bei den Garnelen sich die Fühler korkenzieherförmig drehen, und ein lebloser Körper liegen bleibt, der von den Fischen schnell als Nahrung identifiziert wird und in deren Mägen verschwindet.
Die Adaption an anderes Wasser ist deshalb so wichtig, weil der harte Panzer nur langsam eine osmotische Veränderung des Umgebungswassers mit den Körperflüssigkeiten ermöglicht.
Geschieht das Einsetzen eines Panzerträgers in anderes Wasser zu schnell, können die Körperzellen aufgrund der osmotischen Unterschiede platzen und das Krebstier stirbt (Frische 2003, Anker & Frische 2004).

Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass Garnelen oft empfindlicher reagieren als Krebse. Unterscheiden lassen sich beide Gruppen dadurch, dass Garnelen Fühler tragen, Krebse hingegen nicht (Frische 2003).
Die meisten Garnelen und Krebse sind in ihrer Nahrung nicht wählerisch. Sie fressen, was ihnen angeboten wird. Dies schließt Frostfutter ebenso ein wie Trockenfutter oder Aas. Vor allem ernähren sie sich auch von jenem Futter, welches die Fische übrig gelassen haben. Viele Garnelen und Krebse verdienen die Bezeichnung Gesundheitspolizist.
Andere wiederum betätigen sich als Filtrierer. Da in einem intakten und eingefahrenen Riffaquarium nach meiner Erfahrung immer Nahrung von geringster Größe durch das Wasser treibt, lassen sich auch solche Krustentiere pflegen. Hinzu kommt, dass Cyclops oder gezielt verabreichtes Staubfutter als weitere Nahrungsquelle dienen.

Nicht zuletzt verfügen solche Garnelen über ein hohes Maß an Anpassung, sodass sie lernen, auch andere Nahrung zu sich zu nehmen. Insgesamt bieten die etwa 30.000 Crustaceen-Arten ein breites Spektrum an Verhalten, Formen und Ernährungsstrategien. Einige interessante und in einem Riffaquarium ohne speziellen Aufwand zu pflegende Garnelen mit spannenden Verhaltensmustern möchte ich im Folgenden präsentieren. Bei der Auswahl habe ich vor allem darauf geachtet, dass diese Krebstiere im Fachhandel auch verfügbar sind.


Zweckgemeinschaften

Sicher eine der bekanntesten, weil faszinierendsten Zweckgemeinschaften sind, die Putzstationen. Die Zunft der putzenden Tiere in einem Korallenriff ist umfangreich. Bei den Crustaceen sind es vor allem die Arten aus den Gattungen Lysmata und Stenopus die zu diesem Dienst Erwähnung finden. Bei der Gattung Lysmata gehören jene Arten zu den Putzern, die weiße Antennen tragen (Anker & Frische 2004).


Die Zweckgemeinschaft des Putzens dient vor allem dazu, dass Fische von Parasiten, nekrotischem Gewebe oder abstehenden Schuppen befreit werden. Dies ist deshalb von so großer Bedeutung, weil damit das Risiko minimiert wird, dass potenzielle Entzündungsherde gar nicht erst entstehen, was dazu führt, dass Fische weniger oft erkranken (z. B. Nahke 1998). Für die putzende Zunft stellen die Reinigungsarbeiten eine zusätzliche Nahrungsquelle dar.
Während Lysmata amboinensis durchaus in kleinen Gruppen angetroffen wird, bevorzugt Lysmata debelius eher die paarweise Lebensform. Gänzlich monogam sind die Arten aus der Gattung Stenopus. Die oft im Fachhandel angebotene Stenopus hispidus kann nur paarweise gepflegt werden. Gleichgeschlechtliche Tiere greifen sich erbittert an. Unterschieden werden können die Geschlechter durch einen Blick auf den Kopf- und Brustpanzer. Bei den Weibchen schimmern die Gonaden grünlich hindurch. Außerdem sind weibliche Stenopus hispidus größer und wirken bulliger als ihre männlichen Artgenossen. Leider sind die beiden genannten Geschlechtsmerkmale erst bei geschlechtsreifen Tieren zweifelsfrei zu verifizieren.

Da sind die Arten aus der Gattung Lysmata schon einfacher in ihrer Vergesellschaftung. Sie praktizieren einen Geschlechtswechsel vom Männlichen ins Weibliche. Einige Arten, zu denen Lysmata amboinensis zählt, sind sogar protogyne Simultanhermaphroditen. Dies bedeutet, dass Jungtiere zunächst männlichen Geschlechts sind und in weiterer Entwicklung hin zum erwachsenen Tier zu Weibchen werden. Gleichzeitig bleiben jedoch die männlichen Fortpflanzungsorgane funktionell, was dazu führt, dass sich zwei Garnelen gegenseitig ihre produzierten Eier befruchten können (Anker & Frische 2004).

Eine andere Zweckgemeinschaft zeigt das Zusammenleben von Knallkrebsen aus der Familie Alpheidae und Grundeln. Hier hat die Wissenschaft in den letzten Jahren interessante Details enträtseln können. Aus der Vielzahl der Knallkrebse sind nur wenige eine Zweckgemeinschaft mit Fischarten aus der Familie Gobiidae eingegangen.

Der Nutzen für die Grundel liegt darin, dass ihr Höhlensystem von den Knallkrebsen unaufhörlich repariert, gereinigt und vergrößert wird. Außerdem wird durch den fortwährenden Schlag der Schwimmbeine der Gobiiden-Bau mit Frischwasser und Sauerstoff versorgt. Als Gegenleistung erhält der sehschwache Knallkrebs einen Wächter, der dafür Sorge trägt, dass er während des Freigangs vor dem Höhlensystem rechtzeitig vor potenziellen Fressfeinden gewarnt wird. Damit das Frühwarnsystem funktioniert, hält Alpheus mit seinen Fühlern ständigen Kontakt mit dem Körper der Grundel (Dürbaum 2002, Frische 2003).


Kommensalismus oder Symbiose?

Tischgemeinschaften sind oft nur schwer von Zweckgemeinschaften oder Symbiosen zu unterscheiden. Zwei Beispiele mögen dies verdeutlichen.
1.) Korallenkrabben, beispielsweise aus der Gattung Trapezia, wurden von Meerwasseraquarianern oft als unliebsame Gäste lokalisiert, die es aus dem Geflecht stark verzweigter Steinkorallen zu eliminieren galt. Dies deshalb, so die Annahme, weil sich die Garnelen von dem Gewebe der Korallen ernähren. Fosså & Nilsen (1998) bezeichnen Korallenkrabben als Kommensalen. Eibert (1999) und Frische (2003) hingegen sehen Korallenkrabben als wichtig im Überleben der Steinkorallen an.


Sie befreien die Koralle von Sediment und fressen Bakterien und andere potenzielle Krankheitskeime auf. Außerdem werden abgestorbene Bereiche im Gewirr der Korallenäste algenfrei gehalten. Die Koralle hingegen bietet den Korallenkrabben Lebensraum und Unterschlupf. Demnach würde es sich bei der Lebensgemeinschaft zwischen Korallenkrabbe und Steinkoralle um eine Symbiose handeln.
2.) Anemonen- oder Porzellankrabben leben vor allem in kurz tentakeligen Aktinien aus der Gattung Stichodactyla (Hebbinghaus 2001). Sie finden hier zwischen den stark nesselnden Tentakeln der Anemone Schutz. Die Anemonenkrabbe hingegen scheint die Anemone gegen Fressfeinde zu verteidigen. Zumindest konnte ich dies im Aquarium beobachten, wenn es darum ging, Falterfische oder einen in der Nähe der Anemone Schutz suchenden Fisch zu vertreiben. Ob dieses Verhalten aquarienspezifisch ist oder auch in der Natur beobachtet werden kann entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Würde dieses Verhalten auch in der Natur üblich sein, dann wäre die Zuordnung in eine Symbiose – ähnlich der zwischen Anemonenfisch und Anemone – berechtigt.


Die „Eigennützigen“

Neben den vorgestellten Beispielen des Miteinanders unterschiedlicher Tiergruppen und deren Verbindung zueinander, gibt es natürlich auch das Heer von Crustaceen, die ausschließlich für sich selbst sorgen. Viele unter ihnen betätigen sich als Gesundheitspolizisten in dem sie verwesende Nahrung verwerten. Solche Arten eignen sich gut für die Pflege im Aquarium. Manchmal ist es allerdings so, dass diese Panzertiere die eine oder andere Unart pflegen, wie das Fressen von Korallen. Während dieses beispielsweise bei denen sich zur Plage entwickelnden Glasrosen aus der Gattung Aiptasia gewünscht ist (hier verschafft Lysmata cf. wurdemanni Abhilfe) ist es wenig erfreulich, wenn die Tanzgarnele Rhynchocinetes durbanensis (früher: Rhynchocinetes uritai) sich über Scheibenanemonen her macht.


Mitunter steht zu lesen, dass Zwerghummer aus der Gattung Enoplometopus kleine Fische auf ihren nächtlichen Streifzügen erbeuten. Entscheidend für ein solches Verhalten scheint hier jedoch der Ernährungszustand des Zwerghummers und der Gesundheitszustand des erbeuteten Fisches zu sein. Oft hat sich herausgestellt, dass diese Punkte die Ursache des Übergriffes waren. In aller Regel ist es so, dass sich gut genährte Zwerghummer, die von gesunden Fischen auch kleiner Größe umgeben sind, sich ausschließlich von Ersatznahrung ernähren.

Einsiedlerkrebse der Gattung Dardanus zeigen ein interessantes Verhalten, in dem sie Anemonen auf ihre Behausung laden und diese als Schutz vor Fressfeinden nutzen. In einem Riffaquarium ist diese interessante Lebensgemeinschaft allerdings nicht zu praktizieren, da die Einsiedlerkrebse räuberischer Natur sind und alles erbeuten, was fressbar erscheint. Da eignen sich die klein bleibenden Einsiedlerkrebse beispielsweise aus der Gattung Calcinus schon viel besser. Handelt es sich bei ihnen doch um Algen- und Aasfresser.
Die immer wieder angebotenen Harlekingarnelen aus der Gattung Hymenocera sind auf Seesterne als Nahrung spezialisiert. Wer sie pflegen will, der muss vorher klären, wie der regelmäßige Nachschub an Seesternen, bevorzugt aus der Gattung Linckia, zu bewerkstelligen ist. Harlekingarnelen verweigern jegliche andere Nahrung!

Es gibt noch viele gepanzerte Meeresritter, die es Wert wären, hier vorgestellt zu werden, doch hätte dies den Rahmen des Beitrages erheblich gesprengt. Dennoch hoffe ich, dass es mir gelungen ist, einen kleinen Einblick in die faszinierende Welt der „Insekten des nassen Elements“ zu gewähren.


Joachim Frische hält auf seiner Homepage weitere interessante Informationen für Meerwasseraquarianer bereit. Wir empfehlen Ihnen unbedingt einen Besuch.

Literatur:
Anker, A. & Frische, J. (2004): Garnelen der Familie Hippolytidae Teil 1 bis Teil 4. Das Aquarium 38(4) bis 38(7).
Baensch, H. A. & Debelius, H. (1997): 3. Auflage Meerwasser-Atlas Band 1. Mergus Verlag, Melle. 1216 S.
Debelius, H. (2000). Krebsführer. Jahr Verlag, Hamburg. 322 S.
Dürbaum, J. (2002): Pistolenkrebs und Grundel Teil 1 & Teil 2. das Aquarium 36(6) & 36(7).
Eibert, H. (1999): Nicht Feind sondern Freund – Korallenkrabben im Aquarium. Der Meerwasseraquarianer 3(2), 4-7.
Fosså, S. A. & Nilsen, A. J. (1998): Korallenriff-Aquarium Band 6. Birgit Schmettkamp Verlag, Bornheim. 590 S.
Frische, J. (2003): Ihr Hobby: Garnelen und Krebse im Meerwasseraquarium. Bede Verlag, Ruhmannsfelden. 80 S.
Gohr, L. (2002). Feuer im Wasser (Schluss). DATZ, 55(4), 50-52.
Hebbinghaus, R. (2001): Anemonenkrabben. DATZ 54(8), 6-10.



Dieser Artikel ist am 19.08.2007 erschienen

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