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Korallenfische füttern Teil 1


Korallenfische füttern Teil 1

Betrachtet man sich die vielen verschiedenen Artikel in Fachzeitschriften einmal genauer, wird man feststellen, dass die Fütterung der Korallenfische meistens nur am Rande beschrieben wird. Daraus könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass es mit der Fütterung keine Probleme gibt und so ziemlich alles erforscht ist. Leider ist dem aber keineswegs so! Korallenfische ernähren sich in der Natur völlig unterschiedlich und gerade für die beliebtesten Arten steht dem Aquarianer kein einziges optimiertes Futter zur Verfügung. Im Zoofachhandel bekommt man meistens Artemia, Mysis, einen  mysteriösen Futtermix und vielleicht noch ein Granulatfutter für seine Meerwasserfische. Ich bin manchmal erschüttert, wie wenig sich Aquarianer mit der Fütterung ihrer Fische und befassen. Wäre es nicht so, wie Jeff Goldblum in dem Hollywood-Klassiker Jurassic Park sagt: “Das Leben  findet immer einen Weg“!, wir könnten viele beliebte Arten gar nicht im Aquarium pflegen. Bevor man sich mit der Fütterung befasst, sollte man sich einmal ansehen wie ernähren sich Korallenfische in der Natur?

Doch zuvor gestatten Sie mir eine Frage: Worin unterscheiden sich Meerwasserfische ganz wesentlich von Süßwasserfischen? Die Antwort finden sie im Verlauf der Artikelreihe.

   

Was fressen Fische im Meer?

Das ist alles andere als einfach und kaum einmal ist bekannt was sie in der Natur wirklich fressen!

Innerhalb kürzester Zeit lernen selbst Aufwuchsfresser, dass das Futter im Aquarium von oben eingebracht wird! In der Natur kommt für diese Arten von oben vielfach nur tödliche Gefahr! Während der JBL-Workshops am Roten Meer und auf den Phillippinen habe ich stundenlang den Fischen beim Fressen und der Nahrungssuche zugesehen. Dadurch konnte ich für mich wichtige Erkenntnisse bestätigen, verwerfen oder überhaupt erst erkennen. Um wirklich beurteilen zu können woraus die Nahrung besteht, müsste man zu verschiedenen Jahreszeiten Sammlungen durchführen und den Mageninhalt der Fische bestimmen. Neben jahreszeitlichen Unterschieden gibt es aber mit Sicherheit regionale. So sind z.B. manche Populationen von Pygoplites hartnäckige Futterverweigerer (z.B. von Ostafrika), während andere problemlos selbst Granulat verwerten (z.B. Malediven).

Es nur sehr wenige fundierte Informationen über die natürliche Nahrung von Korallenfischen. In den älteren Büchern über Falter- Kaiserfische hat Allen in Tabellen Angaben zur Nahrung gemacht, doch sind die vielfach nicht stichhaltig und scheinen ebenfalls nicht auf Magenuntersuchungen zu beruhen.
Korallenfische ernähren sich nach Lehrbuchmeinung entweder überwiegend von Algen (herbivore) oder von tierischen Organismen (carnivore), nur wenige ernähren sich ganz gezielt sowohl von Algen, wie auch von tierischer Nahrung (omnivore).

-Im Aquarium können diese in der Natur typischen Einteilungen durchaus verschieden sein, in der Natur sind jahreszeitliche, individuelle und regionale Unterschiede möglich!-

Schon bei meinen eigenen Beobachten hat sich diese starre Einteilung für viele Fische allerdings nicht bestätigen lassen. So haben verschiedene Doktorfische mehrfach kleinere fast  tentakellose Quallen  gefressen. Wie fast jeder Aquarianer schon einmal beobachtet hat, fressen selbst sogenannte Algenfresser im Aquarium die Kadaver toter Fische an. Solange es körperliche Merkmale (vor allem wie das Maul ausgebildet ist) nicht unmöglich machen, werden Fische alles was irgendwie genießbar ist in der Natur fressen. Es gibt aber extreme Nahrungsspezialisten wie z.B. Anglerfische oder manche Falterfische, die nur noch ganz bestimmte Nahrung fressen können oder akzeptieren. Algenfressende Doktorfische fressen in der Natur eher ein Gemisch aus Algen, Mulmpartikel, Kalkablagerungen, Kleinstorganismen und Bakterien. Mit Algen, wie wir sie aus unseren Aquarien kennen hat das wohl eher wenig zu tun. Das was sie fressen erinnert mehr an Dreck als an frische grüne Algen.

Sehr unterschiedlich ist die Ausbildung der Verdauungsorgane. Vor allem die Form und Ausbildung des Magens und die Länge des Darmes kann sehr differieren. Bei manchen Fischen ist der Magen kaum ausgebildet und nur als kurzer Schlauch entwickelt, bei anderen als extrem dehnbarer Sack vorhanden. Dazwischen gibt es die verschiedensten Varianten. Ich selbst bin kein Freund anatomischer Untersuchungen und ich habe bisher auch kaum einmal Arbeiten darüber gefunden oder selbst durchgeführt. Über die Verdauungsorgane der Korallenfische ist mir bisher gar nichts aufgefallen. Ebenso wenig ist bekannt, wie sich die Darmflora bei Korallenfischen zusammen setzt und wie sehr diese z.B. durch die Hungerperioden auf den längeren Transporten leidet. Fast immer wird man bei Aquarienfischen aber eine leichte bis schwere Fettleber feststellen. Das hat mit den einfach nicht passenden Ersatzfuttermitteln (zu energiereich) zu tun. Ohne andere Ursachen wie Erkrankungen oder Unfälle werden alte Fische daran in den meisten Fällen sterben. Dazu kommt noch, dass sicher viele Fische von Darmparasiten wie Würmer oder Flagellaten befallen sind. Für aus der Natur entnommene Fische ist das nicht ungewöhnlich.

-Fische fressen also fast alles was im Meer lebt, aber nicht alle Fische fressen alles!

Einige Fische sind auf eine ganz spezifische Nahrung oder Beuteerwerb spezialisiert,

Die meisten Fische sind Opportunisten, die auch einmal artuntypische Nahrungsquellen annehmen. Entwickelte äußerliche und innerliche körperliche Merkmale verhindern oft die Möglichkeiten alternativer Nahrungsquellen-

 

Aufwuchsfresser

Es gibt verschiedenste Typen, z.B. Picker (Centropyge ssp.), Schaber (Doktorfische, Schleimfische),  Reißer (Großkaiserfische), Beißer (Drückerfische).


Zum Aufwuchs gehören z.B. Algen, Schwämme, Korallen und andere Blumentiere. Weitere benthisch lebende Wirbellose wie Seescheiden, Moostierchen, Hydroidpolypen etc., Bakterien (als Nahrungsanteil vielfach unterschätzt), Mikroorganismen, Würmer, Kleinkrebse. Die Beobachtung was Aufwuchsfresser wirklich fressen ist sehr schwierig. Manchmal aber auch erstaunlich, so habe ich einem Pomacanthus imperator dabei zugesehen, wie er die extrem nessselnden Hydroidpolypen, Aglaophena cuppresoides, Lytocarpus ssp., gefressen hat. Ob das nur eine Versehen, war, nur dieser eine Fisch macht, regional verschieden ist oder für P. imperator typisch, kann anhand von Beobachtungen keinesfalls beantwortet werden.

Genauso ist interessant, dass viele Falterfische im Meer anscheinend sehr wohl Korallenpolypen fressen, im Aquarium aber Ersatznahrung annehmen (z.B. Chaetodon paucifasciatus, C. kleinii), während andere Arten (z.B. C. lunulatus, C. ornatissimus) die im Meer Korallenpolypen fressen im Aquarium in der Regel lieber verhungern als Ersatznahrung zu akzeptieren.

Eventuell hat das mit einer weiter reichenden Spezialisierung auf bestimmte Korallen-Arten zu tun? Was immer extrem auffällt ist die enorme Leibesfülle aller Aufwuchs- und Algenfresser im Meer. Das hat allerdings keineswegs mit dem Ernährungszustand alleine zu tun. In der Regel ist bei ihnen der Darm vollständig gefüllt. Leider ist das im Aquarium mit den aktuell erhältlichen Futtermitteln nicht zu erreichen. Lässt man die frisch gefangenen Fische ihren Darm vollständig entleeren, was vor dem Export zwingend notwendig ist, sind sie in etwa so “dünn“ wie wir die frisch importierten Fische kennen. Füttert man diese Fische so sehr, dass sie auch im Aquarium so dick aussehen wie in der Natur, sind sie heillos verfettet. Aber zur Beachtung, Hungerhaken die an ein magersüchtiges Modell erinnern sind tödlich unterernährt oder krank! Wovon kommt diese Leibesfülle. Nun, die Aufwuchsfresser müssen im Meer oft mit recht wenig nahrhaftem Futter auskommen. Algenfresser ernähren sich ja bei weitem nicht von so schönen grünen Belägen wie im Aquarium. Im Meer fressen sie oft eine Mischung aus Algen, Bakterien, durchsetzt mit Kalkpartikeln, Mulm und organischen Reststoffen, schlichtweg etwas Algen, „Beimischungen“ und „Dreck“. Sie ernähren sich von einer Nahrung die viele unverdauliche Beistandteile enthält. Das trifft auf viele Aufwuchsfresser zu. Dadurch müssen sie größere Mengen fressen und beginnen schon morgens eifrig zu fressen. Im Aquarium verwöhnen wir sie dann mit nährstoffreichen, manchmal kohlenhydratreichen Schleckereien. Letztlich wird das zu Wohlstandserscheinungen wie bei uns Menschen führen, vor allem Fettleber und Diabetes. Leider gibt es kein Futter, das speziell für Aufwuchsfresser hergestellt wird. Am ehesten kann man das mit den später beschriebenen Futtersteinen selbst herstellen.

 

Nahrungssuche im Sand

Krebse, Würmer, Mikroorganismen, Aas, Abfallstoffe.

Alle Fische die sich von kleineren Partikeln aus dem Sand ernähren sind sehr heikel in der Pflege, z,B. Meerbarben (manche sind auch Fischjäger), Signigobius biocellatusDactylopus dactylopus. Wie die Aufwuchsfresser müssen sie fast den ganzen Tag Nahrung suchen. Warum sie so empfindlich sind, kann ich nicht sagen, denn eigentlich sollten wir mit lebenden Würmern, Muscheln und Krebsen eine ausreichende Ersatznahrung zur Verfügung haben.

 

Planktonfresser

Die Zoologie teilt das Plankton in viele verschiedene Formen ein, z.B.: Phytoplankton, Zooplankton, Mikroplankton, Makroplankton, Nanoplankton etc..

Aquaristisch ist das für die Fischpflege erst einmal relativ egal, außer Sie wollen Mantas und Walhaie pflegen.

Nanoplankton, Mikroplankton, Makroplankton:

Kleinkrebse, Würmer, Larven, Eier von Meerestieren, kleine Quallen, sowie eine sehr große weitere Auswahl an Organismen, in den Korallenriffen aber vergleichsweise wenige planktonische Algen.

Entsprechend der „Kleinheit“ vieler Partikel, haben sich eine ganze Reihe von Fischen an kleine Nahrung angepasst. Manche Pseudanthias akzeptieren nur Nahrung in der Größe von Artemia-Nauplien. Planktonfresser sind es gewohnt, wie Aufwuchsfresser beinahe ständig zu fressen, eben kleinste Partikel. Das macht ihre Pflege und Fütterung mitunter so schwierig.

 

Raubfische,

Deren Nahrung sind Fische, Garnelen und Krebse, Weichtiere (Muscheln, Kopffüßer, Schnecken) und Stachelhäuter (meist nur Seeigel).

Fast alle Raubfische sind einfach zu ernähren. Vorsicht vor ständiger Überfütterung. Das kann schnell zu Verfettung und frühzeitigem Tot führen. Besonders wenn Raubfische einmal erwachsen sind, müssen unbedingt auch Hungerperioden über einige Tage eingelegt werden. Im heranwachsenden Alter sollte etwa jeden zweiten Tag gefüttert werden. Erwachsen maximal 2-3 in der Woche satt gefüttert werden.

Im Meer sehen die Räuber auch nur in Ausnahmen so rund aus wie Aufwuchsfresser. Im Aquarium ist das oft genau anders herum der Fall!

Ähnlich schwierig ist das auch bei den Fischen die ich als

Aufwuchsräuber

bezeichnen möchte. Kugel-, Koffer- und Drückerfische. Sie sind im Aquarium gar nicht so einfach zu pflegen wie man meint. Werden Kugelfische ständig überfüttert, stellen sie irgendwann verfrüht die Nahrungsaufnahme ein, legen sich hin und verhungern nach Monaten. Drückerfische, besonders der Leopardendrücker (Balistoides conspicillatum), frisst buchstäblich solange bis er platzt. Kofferfische sind aufgrund ihres harten Panzers überhaupt nicht darauf zu beurteilen, wann sie genug zu fressen bekommen. Das und ihre Krankheitsanfälligkeit macht ihre dauerhafte Pflege so schwierig. Drücker- und Kugelfische muss man genau beobachten, mit möglichst kleinem akzeptierten Futter ernähren, zwischendurch Hungern lassen und aber auch mal mit groben Futter wie Garnelen und Muscheln satt füttern. Leider betteln diese intelligenten Fische dann extrem um Nahrung, manche suchen sich Beschäftigungen zum Abreagieren (Heizer, Thermometer, Kabel, Niedere Tiere, andere Fische). In Aquarien mit relativ weichem Weissglas oder aus Plexiglas werden von den bettelnden Fischen heillos zerkratzt.

ein Artikel von Joachim Großkopf

mit salzigen Grüßen

Team Korallenriff.de

 

 

 

 


Dieser Artikel ist am 10.01.2018 erschienen

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Kommentare

robertbaur
Dabei seit:24.08.2004
Kommentare 
Korallenriff:900
Lexikon:106

Es freut mich dass der Artikel von Joachim Gefallen findet, es folgen noch 3 weitere Teile zu dem Thema.
Gruß Robert
Beitrag vom 12.01.2018 - 14:50 

gregorluenen2009
Dabei seit:12.02.2009
Kommentare 
Korallenriff:36
Lexikon:0

ja ich glaube auch das viel zu wenig von den leuten rumexperentieren in sachen futter - cyclops, weiße mücken, banane usw . . . bei mir gibt es eigentlich so ziemlich alles was gefressen wird - und das ist ziemlich viel . . . zudem stell ich auch immer die strömung ab beim füttern - die fische mögen sich anfangs erschrecken aber sie gewöhnen sich da recht schnell dran, und das ganze läuft für viele insassen viel entspannter ab . . . lg, gregor
Beitrag vom 10.01.2018 - 20:58 

20elias03
Dabei seit:16.07.2009
Kommentare 
Korallenriff:6
Lexikon:0

Hallo,
ich halte diesen Artikel für äußerst wichtig.Als Pfleger und Endkunde steht man oft hilflos den sogenannten Futterverweigeren gegenüber.Die Industrie liefert selten Neues oder Innovatives, um gerade schwierige Tiere zum Fressen zu motivieren.
Ich bin seit längerem dazu übergegangen,gerade schwierige Kanditaten möglichst naturnah zu ernähren.Ich hänge täglich verschiedene aufgetaute Muscheln an Klammern ins Becken.Durch die Nähe zu Frankreich ist es kein Problem,ganzjährig die unterschiedlichsten atlantischen Muschelsorten zu erhalten.Ergänzt durch Algenbätter, Frostfutter,etc. gelingt es auch schwierige Fische ans Futter zu bekommen und sie auch zu beschäftigen (z.B.bei Drückern wichtig).
Beitrag vom 10.01.2018 - 18:17 

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