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Besuch im Atlantis Marine World, Long Island, USA


Nachdem ich im Frühjahr ein Video von einem unglaublich guten und riesigen Riffbecken gesehen hatte, wollte ich unbedingt das Becken mal im Original sehen. Wie es fast immer so ist, man nimmt sich mehr vor als man schafft, und so wurde der Besuch immer wieder verschoben. An einem Wochenende in September war ich in New York und klar wurde mir, daß das wohl die letzte Chance in diesem Jahr sein wird.


Also habe ich den Sonntag zum Aquarientag erklaert und nach einer wunderschönen Fahrt über den Long Island Expressway (auf der einen Seite der East River und die Mutter aller Skylines, auf der anderen dicht bewaldete Hügel) kamen wir nach ca. 2 Std. Fahrt in Riverhead, einem kleinen verschlafenen Städtchen, an. Das Aquarium ist direkt auf der Hauptstraße und gut ausgeschildert, Parkplaetze gab es auch genug, was in den USA aussergewöhnlich ist.

432 East Main Street
Riverhead, NY 11901
Tel: 001-631-208-9200
www.atlantismarineworld.com

Das Aquarium ist in einer alten Fischfabrik untergebracht, die Rückseite schaut auf einen kleinen Fluss und Salzwiesen. Von außen ist das Gebäude komplett mit Walen und Fischen bemalt, dazu kommt aus Lautsprechern in ziemlicher Lautstärke irgendeine Kindermusik in der es um Fische und andere Meerestiere geht ….naja, man ist halt in einem anderen Kulturkreis. Wenigstens kann man das Aquarium auf diese Weise nicht verpassen.

Nachdem der Eintritt bezahlt war kommt man an Streichelbecken mit Rochen und kleinen Haien. Die Haie lagen allerdings ausserhalb der Reichweite der Besucher, die Rochen hingegen kamen an der Seitenwand aus dem Wasser hoch und liessen sich bereitwillig streicheln und anfassen. Die geringe Scheu lag wohl auch daran, dass man für 2$ kleine Pappschalen mit Stinten kaufen und damit die Rochen füttern konnte.  Das eigentliche Aquarium erreichte man über eine Brücke, die über einen Teich mit Fischen des Long Island Sound führte. Sehr gut beschriftet, alle Arten waren mit kleinen Beschreibungen und wirklich guten Zeichnungen oder Fotos vertreten. Dazu noch ein paar kleine Schautafeln über die Probleme des Long Island Sound und der Küste im allgemeinen. Im hinteren Teil des Gebäudes gab es noch eine ganze Abteilung über Küstenschutz und Umweltprobleme.

Dort wurde natürlich besonders auf Delfine, Robben und Schildkröten eingegangen (diese Tiere haben nunmal einen hohen Nettigkeitsfaktor) aber auch auf die Probleme durch ausgesetzte Aquarienfische. Vor Florida und wahrscheinlich auch noch wesentlich weiter nördlich gibt es inzwischen stabile Populationen vom Strahlenfeuerfisch, der normalerweise im Indopazifik und im Roten Meer vorkommt. In einem kleinen Becken schwammen 10 Mini Feuerfische von 3 bis ca. 8 cm, diese wurden alle vor Long Island gefangen. Überhaupt fiel es sehr positiv auf, dass die Beschriftungen in den meisten Fällen vollständig und sogar richtig waren. Davon könnte sich so manches große Aquarium mal eine Scheibe abschneiden.

Das erste “richtige” Aquarium war ein ca. 2x2x2 m grossen Becken mit Anemonen und diversen Arten Clownfischen. Eine grosse Anemone sieht klasse aus, aber ein mehrere Quadratmeter grosser Teppich davon noch viel besser. Dazu waren in dem Becken noch diverse sehr grosse Heteractis magnifica und Teppichanemonen in verschiedenen Farben. In verschiedenen Bereichen des Beckens standen jeweils Gruppen von Clownfischen (frenatus, perideraion, ocellaris).


Die Fische und Korallen machten alle einen gesunden und aktiven Eindruck, nicht nur in diesem, sondern in allen Becken. Die weiteren Becken in dieser Gallerie waren dann zwar alle gut gepflegt aber nichts besonderes, künstliches Plastikwrack mit ein paar bunten Fischen, Malawi, Atlantik Felsenküste.


Der Rundgang führt dann nach Unten in einen dunklen Gang, der dann am unausweichlichen Haibecken endet. Obwohl mich Haie nicht wirklich interessieren hat mich das Becken wirklich beeindruckt, ca. 500.000 L, einige grosse Sandtigerhaie und diverse Schwarzspitzen, dazu noch Ammenhaie und große Zackenbarsche. Leider sind gerade die Sandtigerhaie in öffentlichen Aquarien häufig viel zu fett, da man halt so häufig wie möglich eine Haifütterung zeigen will. Diese Haie waren zwar nicht schlank, aber wenigstens sah es nicht aus als hätten sie einen Rettungsring um die Hüfte.


Für 155$ plus MwSt. kann man in einem Haikäfig mit den ach so bösen Haien tauchen, das wird wohl häufiger von irgendwelchen Fernsehshows und Motivationstrainern genutzt, Donald Trump mit seiner Apprentice Show war auch schon da. Nach dem Haibecken geht es dann wieder nach Oben und nachdem man ein eher langweiliges Amazonasbecken (ist OK, aber halt nichts besonderes) passiert hat kommt man endlich zum Riffbecken.

Wenn das Video schon beeindruckend war, das Original ist nicht mehr zu schlagen. 80.000 L echtes Riffbecken, d.h. alles lebende Korallen, kein Plastik. Das Becken steht seit 3 oder 4 Jahren und die Korallen hatten Zeit, im Becken zu wachsen und sich teilweise auch zu überwachsen. Die Acropora Stöcke haben z.T. über einen Meter Durchmesser, manche werden an einer Seite von anderen Korallen vernesselt, aber das passiert in der Natur ja auch.

Die Korallen haben zwar nicht die besten Farben, da gibt es kleinere Wohnzimmerbecken die bunter sind, trotzdem wäre wohl 80 % aller Heimaquarienbesitzer froh wenn sie so bunte Korallen hätten. Die Größe, Qualität und Vielfalt der Korallen wird von den Fischen aber noch getoppt. Keine Ahnung wie viele Fische in dem Becken sind, aber es sind SEHR viele. Neben riesigen Schwärmen von Anthias schwimmen da noch bestimmt wirklich grosse 20 Palettendocs, dazu Nasos, Segelflossendocs, und die unvermeidlichen 50 gelben Docs. Doch es sind nicht nur grosse Fische im Becken, überall entdeckt man kleine Arten im Schatten der Korallen, diverse Zwergkaiser, Korallenwächter, Lippfische, Kardinalbarsche und so weiter. Das ist schon ziemlich bemerkenswert wenn man bedenkt, das bestimmt 90 % aller Besucher diese kleinen Fische niemals wahrnehmen und halt doch nur nach den grossen Fischen im Freiwasser schauen. Was mich am meisten faszinierte waren zwei Sachen: Alle Fische waren als Paar oder Gruppe im Becken, inclusive solcher Arten wie Weißkehl Doktor, Imperator und Blaukopf Kaiser. Ausserdem war das Becken gross genug um reine Korallenfresser zu halten, ich habe mindestens 3 Paare vom gepunkteten Feilenfisch und mehrere Paare Falterfische (incl. Ch. ornatissimus) gesehen. Das Becken war so tief, dass der hintere Meter des Beckens nicht beleuchtet war und dort auch keine Korallen standen.

Die Fische konnten also nach hinten einfach ins Dunkle abtauchen. Ausserdem ist dieser Bereich für die Servicetaucher gut, sie können sich dort hinstellen und vor dort aus arbeiten ohne die Korallen zu berühren. In diesem dunklen Bereich sind auch die wichtigsten Auslässe der Pumpen, die Rohre haben etwa 30 cm Durchmesser, und wenn man sieht wie ein ausgewachsener Imperator einen halben Meter weggepustet wird dann scheint da ganz schön viel Wasser rauszukommen.

Nach etwa einer Stunde konnte mein Freund mich von der Scheibe wegzerren und wir schauten uns noch den Rest an.


Ein Becken mit kleinen Flundern, die eine Hälfte mit dunklem, die andere mit hellem Sand, damit die Tiere die Farbe wechseln, wenn rüberschwimmen, dann noch ein paar Sepien, ein grosser Pazifischer Oktopus, ein paar Seepferdchen, etc. aber alles eher unspektakulär.


Im Aussenbereich gab es noch Seelöwen, inclusive der Seelöwenshow, noch ein Rochen-Streichelbecken und ein Kinderbecken mit grossen Einsiedlern und Pfeilschwanzkrebsen. Natürlich gibt es noch ein Restaurant und einen Souvenirshop.Alles in Allem ist das Aquarium einen Besuch wert, alleine schon wegen des Riffbeckens. Dem Naturschutz und der Aufklärung der Besucher wird sehr viel Platz und Aufwand gewidmet, trotzdem ist alles sehr unterhaltsam aufgemacht. Die Pflege der Tiere ist absolut makellos, auch wenn manche Becken nicht mein Geschmack waren, sie Tiere waren in exzellentem Zustand.

Wer in New York ist und einen halben Tag Zeit hat, der sollte sich einen Mietwagen nehmen und nach Riverhead fahren.

 

Bitte beachten Sie die Galerie, dort finden sie viele weitere Fotos vom Besuch.

 Mit salzigen Grüßen aus den USA
Jens und Frank

 


Dieser Artikel ist am 01.08.2007 erschienen

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