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Wenn MACNA ruft, kommen die Leute in Scharen. Dieses Treffen lässt sich ohne Weiteres mit Sindelfingen vergleichen. Nur ist in den USA immer alles ein bisschen größer, lauter und spektakulärer. Die zahlreichen Videos auf YouTube geben einen guten Einblick: Man huldigt einem Hobby, das immer mehr Anhänger findet. 

 

Die einseitige Berichterstattung täuscht aber nicht darüber hinweg, dass es auch kritische Stimmen gibt. Eine davon ist Ret Talbot, ein bekannter Journalist und Fotograf. Schon auf der MACNA-Konferenz im vergangenen Jahr sorgte er mit seinem Vortrag „Devil’s in the Data – How Data Can Reform the Marine Aquarium Trade“ für Wirbel. Nun erregt er erneut Aufsehen mit einem Artikel im Magazin National Geographic.1 Darin verkündet er die erste erfolgreiche Nachzucht von Palettendoktorfischen.2 Biologen der Universität von Florida (Tropical Aquaculture Lab) sei der Durchbruch gelungen. Das Ganze wurde von der Rising Tide Conservation, einer nationalen Organisation von Hobbyaquarianern, Wissenschaftlern und Industriemitgliedern, finanziell unterstützt. Ihre Vorsitzende Dr. Judy St Ledger erklärt, dass sich die Mühe bezahlt mache, wenn stark nachgefragte Fischarten in ausreichender Zahl nachgezogen und Habitate geschont werden könnten.

‚Dory’ bred in Captivity for First Time (July 19, 2016): http://news.nationalgeographic.com/2016/07/wildlife-blue-tang-aquarium-trade.

2  Ob es tatsächlich der erste Zuchterfolg ist, ist fraglich. Auf der 9th Indo-Pacific Conference in Okinawa, Japan (2013) wurde ein Paper präsentiert: Chen, C.-H., P.-J. Meng, K. S. Tew & M-Y. Leu. 2013. Natural spawning and early life history of palette surgeonfish, Paracanturus hepatus (Linnaeus, 1766) in captivity. Daraus geht hervor, dass sich der allererste Zuchterfolg in Hongkong ereignete.


 

Was sich Frau St Ledger erhofft, ist leider noch in weiter Ferne. Seit der Nachricht über die sensationelle Nachzucht von Zebrasoma flavescens im letzten Jahr3 ist nicht viel passiert. Nur ein ausgewählter Personenkreis durfte ein paar Tiere in Empfang nehmen. Bis heute hat es kein einziger Gelber Segelflossendoktor aus Nachzuchten in den europäischen Einzelhandel geschafft. Es steht zu befürchten, dass es bei den Nachzuchten der Palettendoktorfische ähnlich sein wird. Warten wir’s ab.

 

In der Zwischenzeit erinnert uns Ret Talbots Artikel daran, wie wichtig es ist, Daten zu erfassen und auszuwerten. Sie sind die Grundlage, um Wildbestände effektiv zu schützen. Leider fehlt es an den nötigen finanziellen Mitteln, um die nötigen Zählungen durchzuführen. So können selbst große Organisationen wie IUCN nur spekulieren, wie es um einzelne Tierarten bestellt ist.

 

Dass Datenerhebungen von entscheidender Bedeutung sind, wissen auch radikale Tierschützer. Ein aktuelles Beispiel zeigt, wie sehr man Handel und Hobby so in die Enge treiben kann: Die Behauptung, über 50 Prozent aller in den USA erhältlichen marinen Zierfische seien mittels Gift gefangen worden, hat das Center for Biological Diversity im Auftrag der Tierschutzorganisation For the Fishes aufgestellt.4 Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile und war Wasser auf die Mühlen derer, die ein Verbot des Handels mit Meereszierfischen fordern. Die derzeitige Legislative in den USA ist diesem Wunsch nicht abgeneigt, sollten nicht bald plausible Gegenargumente gefunden werden. Was dieser Worst Case für den europäischen Markt bedeuten würde, muss nicht weiter erklärt werden.

Yellow tangs finally captive bred by the Oceanic Institute by Jake Adams on Reefbuilders (October 20, 2015):

https://reefbuilders.com/2015/10/20/yellow-tangs-finally-captive-bred-oceanic-institute/

4  Poisoned Waters – How Cyanide Fishing and the Aquarium Trade Are Devastating Coral Reefs and Tropical Fish, Center for Biological Diversity / For the Fishes (June 2016):

www.biologicaldiversity.org/campaigns/reef_fish_in_peril/pdfs/Poisoned_waters.pdf


Die Zeiten, wo keine Konsequenzen drohen, sind dank des Internets vorbei. Mächtige Großunternehmen geraten schon mal ins Straucheln, wenn sich ein sogenannter Shitstorm global Bahn bricht. Daher reagiert man lieber schnell und umsichtig, auch wenn vieles nur Aktionismus und Augenwischerei bedeutet. Im Vorfeld der deutschen Premiere von „Finding Dory“ am 29. September 2016 ließ uns der Kinobetreiber CINEMAXX zum Beispiel Folgendes wissen: „... das Auslegen von Flyern in unseren Häusern ist leider nicht möglich, da wir bestrebt sind, unsere Foyers möglichst papierfrei zu halten und auch nicht über weitere Auslageflächen verfügen.“ 

 

Wer sich auch gemeldet hat – mit einem Flyer! – ist die deutsche Dependance des Disneykonzerns. Ob der Flyer den Weg in die Kinos findet, konnte uns in der Münchner Zentrale niemand sagen.

 


Nützliche Informationen: 

 

MACNA 2016 --> Link

Rising Tide Conservation --> Link

Ret Talbots Blog The Good Catch --> Link

Forschungsstudie Paracanthurus hepatus --> Link

 


  Christiane Schmidt, ESAIA e.V. 


Dieser Artikel ist am 14.09.2016 erschienen

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Claude
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HI

Ja an den befischten Orten werden diese wie viele andere Fische zur Zeit rar. Das hat aber weniger mit dem Befang zu tun als grade in Indonesien der El Ninio zugeschlagen hat, Die Larven die ständig in die Riffe einwanders stehen aktuell woanders und die kommen jetzt dann langsam wieder rein.

Aber !!!!! Grundsätzlich hab ich überhaupt nichts gegen bessere Regelungen, kontrollierte Abgabe, Lizenzierung, das weiss du da bin ich ganz bei dir und fordere das auch entsprechend. Ich hab ja schon vor Jahren meine Konsequenzen aus der Geschichte gezogen. Mein Problem besteht darin das der Hype an sich erst durch diesen Druck fabriziert wird und er letztlich nur Wasser auf die Mühlen der grossen Gegner dieses Hobbys sind. Als Massnahme wird dann nur das Verbot bleiben und damit auch der Einfluss schwinden den wir als Europäer noch haben. Dem Fischer ist es nachher egal an wen er verkauft , die Nachfrage ist da nur das du in China keinen findest der Wert drauf legt Nachzuchten zu erhalten. Ich hab am WE einige Läden besucht und die Petco in Kali hatten Info Banner und Flyer ausliegen
Beitrag vom 23.09.2016 - 14:01 

CS
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Ja und Nein.

Ja, Du kennst Dich aus, bist ein Urgestein in der Aquaristikszene. Ich schätze Deine Kompetenz, und deshalb verstehe ich Deine Argumentation nicht. Ja, im Vordergrund steht Dory - aber es geht doch hier um viel mehr, und zwar um einen Handel, der vorwiegend auf natürliche Ressourcen zurückgreift. Die Angst vor einem - wie Du es nennst - Hype ist deshalb selbstverständlich gerechtfertigt. Auch wenn Du über andere Informationen verfügst, Palettendoktorfische z.B. machen sich zurzeit rar in der Wildnis. Ich habe mich davon an viel Orten in Indonesien überzeugen können. Auch nur der kleinste Anstieg in der Nachfrage könnte für diese Spezies fatale Folgen haben.

Nein, ich kann nicht bestätigen, dass sich Petco sonderlich ins Zeug legt, um seine Konsumenten aufzuklären. Ich bin jedes Jahr in den USA und besuche Petco-Stores. Ich kann Dir in Bezug auf Dory ein paar aktuelle Fotos aus Portland zukommen lassen. Abgesehen davon, die großen Ketten können es sich leisten, auf sich aufmerksam zu machen, den kleinen Geschäften laufen inzwischen die Kundschaft davon (vom Onlinehandel möchte ich erst gar nicht anfangen zu sprechen).
Beitrag vom 22.09.2016 - 14:41 

Claude
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HI

Nein Christiane tu ich nicht. Die Kritiker überbewerten den Film massiv. Ich bin seit 84 in der Branche und arbeite an der Front. Du kannst es mir glauben das ich sofort weiss wenn wo eine höhere Nachfrage nach bestimmten Arten aufkommt. Die einzigen die in den USA damals defenitiv mehr Tiere benötigt hatten waren die Petcos Supermärkte an den Fachgeschäften ging der Trend vorbei. Heute gibt selbst Petco mit grossen Postern und Aufklärungsheften den Kunden zu verstehen was ein Palleti bräuchte und was er kostet und raten zu Süsswasser.

Ich weiss du hörst das nicht gern aber aktuell kreieren die Kritiker in den Medien den Hype selbst höher als er in Wahrheit ist. Der Film würde vor allem auchin Deutschland gar keinen so Einfluss haben. da wir diese Struktur wie in den USA nicht haben.

Ich hab bis heute nicht verstanden warum man alles nur an dem einen Fisch festmacht und dann auch noch so ein Film dafür hernimmt. Im Grunde genommen gehts um viele Arten die nicht in kleinen Becken gehören. Ora hat damals so zugelegt da erst mal auch die Mengen an Nachzuchten verfügbar waren und z.B. Petco nach allgemeiner Kritik auf Nachzuchten umgestellt hat. Auslöser war damals auch der Film nur eben in einer etwas anderen Art und Weise wie es für mich in den Medien dargestellt wird.
Beitrag vom 22.09.2016 - 12:00 

CS
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Claude, ich kann Dir nicht ganz folgen. Du schreibst vom Nemohype, der eigentlich keiner war? Es wurde nur mehr in Aufzuchten gesteckt?? Dass Kunden net bescheuert sind und der Tochter lieber einen Goldfisch kaufen, weil die Zusatzkosten zu hoch sind? Aufzuchten gut? Nachzuchten fordern gut? Hype draus machen, naja geben tuts den weder hier noch in den USA?? Was bedeutet das alles? Wer sind die kommenden Kritiker? Womit verdient die Front in einem Ladengeschäft ihr Geld? Mit mündigen, aufgeklärten Kunden? Wenn ich es nicht besser wüßte, ich könnte glatt glauben, Du polemisiert hier mit Absicht.

Fakt ist, es gab eine große Nachfrage nach Clownfischen, die Bestätigung findest Du u.a. beim Fischzüchter Oceans, Reefs & Aquariums (ORA) in: Prosek, James (2010): Beautiful Friendship.
Link.

Fakt ist auch, sollte es eine vermehrte Nachfrage nach Palettendoktorfischen geben, wird die sich ausschließlich über Wildfänge regeln (und Bestandsaufnahmen gibt es nicht). Wie also weiter? Kennst Du einen besseren Weg?
Beitrag vom 22.09.2016 - 09:38 

Mathias2010
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Hallo,
Ich finde auch mal sollte einen Kinderfilm nicht überbewerten.

mfg Mathias
Beitrag vom 22.09.2016 - 07:43 

Claude
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HI
Ich weiss ja nicht wieviele der nun kommenden Kritiker wirklich an der Front in einem Ladengeschäft gearbeitet haben oder es immer noch tun.
Als der Nemohype war hat jeder geschrien wow da geht was das geht ab es gibt bald keine Nemos mehr. Hmm als einem der führenden Fachgeschäfte in dieser Zeit ist das an uns vorbeigegangen. Die meisten Kunden waren absolut net so bescheuert wie man das hier immer darstellen will, Fakt ist der Hype war gar nicht da, es wurde nur mehr in Nachzuchten gesteckt. Heute ist es das gleiche. Selbst wenn mal einer kommt und meint meine Tochter hätte gern. geht das schon bei den Zusatzkosten los das dann die allermeisten abwinken und nen Goldfish kaufen. Drauf Aufmerksam machen gut. Nachzuchten fordern auch gut. Aber da so ein Hype draus machen naja geben tuts den nicht weder hier noch in den USA
Beitrag vom 21.09.2016 - 17:25 

CS
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Ja, ist mir bekannt. Aber mal ehrlich, wenn z.B. EDEKA Werbung für tropische Früchte macht, lasse ich mich doch nicht umstimmen und nehme stattdessen einheimisches Obst mit dem Hinweis, es wäre gesünder und umweltverträglicher!? Den Leute die Vorzüge der Süßwasseraquaristik mit Hilfe von Dory vorzugaukeln, ist absoluter Blödsinn.
Beitrag vom 19.09.2016 - 11:31 

robertbaur
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.. das sehe ich ähnlich. Es ist zwar ein Hinweis vorhanden, dass man besser Süsswasserfische nehmen sollte, aber ob der dann auch genutzt wird ist dann eher fraglich.


Beitrag vom 19.09.2016 - 08:51 

CS
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Nichts dazugelernt hat TETRA, Hauptsponsor von Findet Nemo (2003) und Findet Dorie (2016), s. Link

Auch schön, der Autohersteller Toyota: Link

Wer kennt noch andere Beispiele, wofür Dorie geradestehen muß?
Beitrag vom 18.09.2016 - 14:43 

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