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eine Arbeitsgundlage zur Identifizierung von Krustenanemonen


Eine Arbeitsgundlage zur Identifizierung von Krustenanemonen.


Einleitung:
Krustenanemonen (Zoantharia), sind eine weltweit verbreitete Ordnung der Blumentiere (Anthozoa).  Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den Steinkorallen fehlt jegliches Skelett.  Die meisten Arten erreichen dabei eine Größe von nur wenigen Zentimetern. Es sind selten solitär lebende und in der Vielzahl  auch koloniebildende Arten. Da Krustenanemonen nur wenige eindeutige feststehende Merkmale und hohe Variabilität innerhalb der Arten aufweisen,  ist die genaue Bestimmung oft schwierig. Daher wurden Krustenanemeonen lange Zeit von der Wissenschaft nur ungenügend bearbeitet. In den letzten Jahren wurde intensiv an der genaueren Identifizierung von Krustenanemonen durch morphologische Merkmale und genetische Analysen gearbeitet. Besonders die Arbeitsgruppe von Dr. James Reimer, Assistent Professor an der Universität von Ryukyus, Japan ist sehr produktiv.
Einige Arten  verfügen über ein Gift mit Namen Palytoxin, es ist eines der stärksten natürlichen Gifte. Es gibt dabei keine Inkubationszeit, das Gift wirkt also sofort, sowohl als Kontaktgift als auch über Aerosole! Es ist bisher noch nicht genau geklärt welche Arten wie stark giftig sind, weshalb man bei der Pflege im Aquarium besondere Vorsicht walten lassen sollte. Ein Handschutz und Mundschutz beim Umgang sind daher unbedingt zu beachten.  
Durch eine persönliche Nachricht von Markus Weidemann von Korallenzucht Karlsruhe kann man durchaus festhalten, dass größere Arten wie z.B. die Palythoa grandis auch mehr Gift in sich tragen als kleinere Arten, besonders merkt er das nach dem Import und dem auspacken der importierten Krustenanemone.  In der Regel geht aber bei der Pflege im Aquarium bei den meisten Arten keine konkrete Gefahr aus.
Es gibt allerdings eine konkrete Art, die nicht im Meerwasseraquarium gehalten werden sollte.  Wir erinnern uns in dem Zusammenhang an den Video Beitrag bei Akte 05  in SAT 1 aus dem Jahr 2005. Der Video ist leider nicht mehr zugänglich wurde aber in einem Artikel auf Korallenriff.de behandelt. Den Link dazu findet ihr am Ende.

Siglinde Müller, Klaus Schatz, Robert vom Meerwasser-Lexikon sowie Marcus Weidemann von Korallenzucht Karlsruhe haben sich die Mühe gemacht und einiges an Wissenswertem zur ID von Krustenanemonen zusammenzufassen.
Dieser Fassung soll daher kein fachlicher -  in Stein gemeißelter -  Artikel sein, sondern dient dazu Wissen zu sammeln, darüber zu diskutieren und Wissen zu erweitern.

Denn gerade bei den Krustenanemonen finden wir kaum geeignete Nachschlagewerke, oder gut zugängliche Veröffentlichungen zur Identifizierung von Krustenanemonen. Die eindeutige Identifizierung gelingt oft nur über eine Kombination morphologischer  und genetischer Methoden. Die Arbeitsgruppe von Dr. James Reimer arbeitet zur Zeit an Schlüsseln für die Bestimmung von Krustenanemonen durch einfache visuelle Merkmale. Genaue Kenntnisse zur Herkunft der Tiere sind daher aber unabdingbar. Was bei Steinkorallen durch Seiten wie AIMS oder den Werken von Carles Veron zur ID hilfreich ist, oder bei Fischen durch die Seite Fishbase  gelingt uns das bei den Krusten kaum. Viele Arten werden auch von bekannten Verkaufsseiten als Zoa/Paly oder Protopalythoa bezeichnet. Wie wir jetzt wissen ist das meist nicht wirklich so auch richtig. Protopalythoa wird zur Zeit zwar noch als gültige Gattung geführt, die Abgrenzung zu Palythoa ist aber nicht eindeutig und es ist unwahscheinlich dass die Gattung in Zukunft weiterhin als gültig angesehen wird (persönliche Mitteilung J. Reimer).  Erschwerend kommt hinzu dass vielfach und das weltweit leider nur mit Phantasienamen gearbeitet wird. Vieles wird falsch von dem ersten übernommen. Na ja , so schlimmer erachten wir das nicht, wenn eine Zoanthus als Palythoa bezeichnet wird. Aber auch wir hätten es gerne so genau wie möglich. Bei den im Handel oft als People Eater Palys bezeichneten Krustenanemonen, handelt es sich um Zoanthus gigantus (Pazifik) oder Z. solanderi (Atlantik).

Es gab im Jahr 2012 zum Beispiel die Meldung von 4 neuen Arten in den Gewässern um Florida durch Colin Foord (in Kollaboration mit Reimer). Es wurde dabei im Verlauf von mehreren Monaten eine größere Zahl an Zoanthus Arten gesammelt. Diese wurden dann in Ethanol an den Wissenschaftler Dr. James Reimer von der Uni Ryukyus in Okinawa, Japan geschickt. Die Ergebnisse wurden schließlich im „Journal of Marine Biology " veröffentlicht.
Nach der Untersuchung scheint es betätigt, dass es mehr Arten gibt als bisher bekannt, wobei natürlich auch viele davon Synonyme sind.  
Die häufigste Art von Zoanthus im tropischen Westatlantik die dabei gefunden wurden, ist Zoanthus sociatus. Bei den unter dem Namen  Vice Zoanthus im Handel geführten Krustenanemonen, handelt es sich um eine bisher unbeschriebene Art (Z. Aff. Pulchellus).Eines der deutlichen Merkmale bei den Vice Zoanthus ist, dass die Polypen sehr dicht zusammen stehen, fast wie eine Matte.
Wie bereits erwähnt, arbeitet die Arbeitsgruppe von Dr. James Reimer zur Zeit unter anderem an einem Schlüssel der die Bestimmung der pazifischen und atlantischen Arten vereinfachen soll. Dazu werden unter anderem Tiere aus Brasilien, Panama, Costa Rica, Hawaii, dem Dongsha Atoll, Japan, Principe und Sao Tomé, Santa Helena und Südafrika untersucht.

Das Team vom Meerwasser-Lexikon hat versucht mal das bisherige Wissen zusammenzufassen. Es soll als weitere Arbeitsgrundlage dienen, um damit etwas besser eine Identifizierung  vorzunehmen. Denkt daran, auch wir sind nur Hobbyaquarianer und Wissen nicht alles.



Die Identifizierung Zoanthus, Palythoa und Protopalythoa

Die Krustenanemonen sind bei Aquarianern sehr beliebt. Sie werden häufig aus dem Meer gesammelt, aber auch in Aquakultur gezüchtet.

Allgemein Krustenanemonen :

Krustenanemonen haben verschiedene Wuchsformen, manchmal in der gleichen Kolonie. Die Kolonien können durch Stolonen (Bindegewebe oder Ausläufer zwischen den Polypen) oder aus einem Coenenchym herauswachsen.

Das Coenenchym ist ein Gewebe, das sowohl die Basis bildet, um die Kolonie auf dem Boden zu halten, bildet aber auch manchmal den Stiel für die Polypen.
Es besteht aus einem Bindegewebe genannt Mesoglea. Dieses Gewebe gibt  dem Coenenchym seine Form. Es ist gleichzeitig steif und gallertartig. (Es erinnert an abgestandene Gelatine).

Wenn Polypen im Coenenchym ohne Stiel eingebettet sind, wird die Kolonie als  massiv bezeichnet (Beispiel: Palythoa caribaeorum). Wenn die Polypen am Fuss des Stiels entweder mit  einem Stolon oder einem Coenenchym untereinander verbunden sind, wird die Kolonie als "verbunden" betrachtet (Beispiel: Protopalythoa  sp. oder Zoanthus sp.). Das Stolon kann sich bei Zoanthus sp. auch auflösen, so dass dann unter den Polypen keine Verbindung mehr besteht. So können sich neue Kolonien bilden.

Einige Zoanthidae Krusten verwenden Sedimentstücke, Sand, Schalenstücke und Korallenbruch zur Verstärkung  ihres Coenenchyms, sowie zusätzlich darüber eine Schucht aus Schleim und Schlamm. Andere verwenden Sedimente in ihrem Gewebe. Das ist vor allem bei Protpalythoa bekannt. Erschwerend kommt hinzu, dass verschiedene Arten und Farbvariationen von Zoanthus, Palythoass und Protopalythoass Seite an Seite oder sogar vermischt wachsen.

Oft werden auch verschiedene Namen für  ein und dieselbe Kruste verwendet, was zu Irritationen führen kann.


Wie kann man den Unterschied zwischen den drei großen Gruppen  Zoanthus, Palythoa und Protopalythoa erkennen ?

 

1. Zoanthus

Generell sind Zoanthus kleiner, haben  buntere Polypen und weisen intensivere Farben u.a. in orange, blau, grün, türkis, rot u.s.w. auf.

Es sind häufig kontrastierenden Farben zwischen den Tentakeln und der Mundscheibe zu erkennen.

Sie haben einen deutlichen Schließmuskel um ihre Mundöffnung (Schließmuskel = ein Ringmuskel der die Mundöffnung umgibt und den Mund dadurch einengt). Den anderen Krustenanemonen (Palythoa und Protopalythoa) fehlt dieses Merkmal !

Die Mundöffnung der Zoanthus wird deshalb als „runder“Mund beschrieben.

Zoanthus weisen nie Sedimente im Coenenchyme oder in ihrem Polypengewebe auf.

Ihr Gewebe ist dünner als bei den Palythoas und Protopalythoas.

Grundsatz : runder Mund und nie mit Sediment im Gewebe und mattenartiger Wuchs, kleiner als Palythoa und Protopalythoa, oft leuchtende Farben!

Beispielbilder (alle aus dem Meerwasser-Lexikon) Bitte groß klicken.

 

2. Palythoa

Palythoas sind in der Regel  größer als Zoanthus Krusten .Die Polypen haben gedecktere Farben.

Palythoas haben meist eine größere Mundscheibe als Zoas, dafür aber oft kürzere Tentakeln als Prothopalythoa.

Der Mundscheibe fehlt immer der Schließmuskel, der die Mundöffnung bei den Zoanthus umgibt. Die Mundöffnung ist deshalb  „Schlitzartig“(Unterschied Zoanthus  runde Mundöffnung).

Palythoa Polypen sind im Gewebe eingebettet oder wachsen mit ihren Polypen aus dem Coenenchym heraus ( wie Zoas mit ihren Polypen eingebettet).

Allerdings verwenden Palythoa Sedimente zur Verstärkung ihres Gewebes (Sand, Schalenstücke  oder Korallenbruch im Gewebe). Bei in Aquakultur gezüchtet Palythoas und Protopalythoas ist diese Sedimentation meist viel geringer als in der Natur und nicht mehr so offensichtlich.

Das Coenenchym ist dicker als bei den Zoanthus. Außerdem fühlt sich das Gewebe viel rauer durch die eingebauten Sedimente an.

Häufig fassen sich die Palythoa durch eine viel dickere Schleimschicht viel schleimiger als Zoas an.
 
Palythoas neigen dazu in kuppelförmigen Kolonien zu wachsen, Zoanthus wachsen in flachen, mattenförmigen Kolonien.
 
Grundsatz : Größerer Wuchs als Zoanthus, kuppelförmige Kolonien, gedecktere Farbe, Einlagerung Sediment, raue Konsistenz, schleimigere Oberfläche, Schlitzmund

Anmerkung von Klaus: Palythoas sind einfach zu unterscheiden. Ihre Polypen sind, je nach Art, entweder fest ins Körpergewebe eingebettet, so dass nur der geöffnete Tentakelring herausragt. Oder die Polypen sind zu mehreren bis knapp unter den Polypenkopf zusammengewachsen. In geschlossenem Zustand können die meisten leicht mit festen Schwämmen verwechselt werden

Palythoa vermehren sich durch Abtrennung des Körpergewebes mit mehreren Polypen.

Vorkommen: Karibik und Indischer Ozean

Farbe: versch. Braun- und Beigetöne, Grün

Auch hier gibt es Vergleichsbilder, wie sie sehen sind wir uns selber nicht immer ganz sicher.

.....

 

3. Protopalythoa

Bei den Protopalythoas haben die Polypen meist mehr Tentakel als bei Zoanthus und Palythoa. Die Polypen wachsen nicht aus einer dicken Matte. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Außerdem können sich in einer Kolonie Mundscheiben unterschiedlicher Größe befinden.

Protopalythoas haben manchmal eine raue Oberfläche.

Die Polypen sind an ihrer Basis durch das Coenenchyme oder sogar durch Ausläufer verbunden, die Sediment im Gewebe enthalten wie bei den Palythoas. Das  Coenenchyme fühlt sich daher ähnlich dem der Palythoas an. Protopalythoas können aber auch nur durch ein Stolon verbunden sein, das sich auch wieder auflösen kann.

Protopalythoas findet man auch häufig als Einzelexemplare.

Wenn man Palythoa und Protopalythoa nebeneinander sieht, ist zu erkennen, dass die Protopalythoa eine größere Mundscheibe und oft viel längere Tentakeln, sowie manchmal eine größere Anzahl von Tentakeln haben. Die orale Scheibe sitzt auf langen Stielen.

Die Mundscheiben können unter blauer aktinischer Beleuchtung ganz bunt aussehen und  auch fluoreszieren.Das Coenenchym bleibt dabei normalerweise auch unter dem blauen aktinischen Licht braun oder grün.

Grundsatz : Größerer Wuchs als die bereits großen Palythoa , noch größere Mundscheibe, längere Tenkeln, Einlagerung Sediment, raue Konsistenz,  leuchtende Farben unter aktinischen Licht – aber Coenenchyme trotzdem braun oder grün, Schlitzmund.

 

 

Die folgende Art hat bei einem Kunden von Michael Mrutzek in Bremen zu einer erheblichen Vergiftung mit Krankenhausaufenthalt geführt, und das ohne direkten Kontakt mit der Krustenanemone.

http://www.marinespecies.org/aphia.php?p=taxdetails&id=205785

 

Anmerkung von Klaus.

Die Zuordnung von Protopalythoa zu den Palythoa in WORMS halte ich für falsch. Mir sind noch keine wissenschaftlichen Arbeiten dazu bekannt. Zudem hat WORMS 4 Arten sowohl als Protopalythoa, als auch als Palythoa aufgeführt.

Die bisher als Palythoa bekannten Arten haben einen gänzlich anderen Aufbau und Aussehen.

 

Ich möchte mich abschließend bei Siglinde Müller (Kleines Meerwasseraquarium) Klaus Schatz und Marcus Weidemann von Korallenzucht Karlsruhe für den tollen Austausch und die Hilfe bei der Zusammenfassung ganz herzlich bedanken.

Ich freue mich über Eure Anregungen  und Meinung zu dem sicher nicht ganz einfachen Thema ID von Krustenanemonen.

salzige Grüße Robert

 

Weiterführende Links:

KRUSTENANEMONEN – AQUARIENPFLEGE UND VERMEHRUNG ein Artikel von Claude Schuhmacher

http://www.korallenriff.de/artikel/1590_KRUSTENANEMONEN__AQUARIENPFLEGE_UND_VERMEHRUNG_ein_Artikel_von_Claude_Schuhmacher.html

Über die Giftikgeit von Krustenanemonen, Akte 05 und Sat 1

http://www.korallenriff.de/artikel/353_%C3%9Cber_die_Giftigkeit_von_Krustenanemonen,_Akte_05_und_SAT_1.html


Dieser Artikel ist am 26.08.2016 erschienen

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