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Quo vadis, Meeresaquaristik?


Quo vadis, Meeresaquaristik?  

Ein Gespräch zwischen 

Dr. Dieter Brockmann und Christiane Schmidt 

 

Christiane Schmidt: Herr Dr. Brockmann, auf der diesjährigen „Fisch & Reptil“ in Sindelfingen haben Sie ein Interview gegeben.1 Sie sagten, dass es mittlerweile Technologien gebe, die „weltweit genutzt werden, um Korallenriffe aufzuforsten“. Weiter konstatierten Sie, dass die Aquaristik etwas für die Umwelt tue, und wiesen unter anderem auf Zuchterfolge bei Fischen hin. Von welchen Technologien sprechen Sie und wo werden diese angewandt?

 

Dr. Dieter Brockmann: Primär geht es um die von Aquarianern entwickelte Fragmentationstechnologie für Steinkorallen. Diese Technik wird unter anderem im Baa-Atoll auf den Malediven2, in Eilat am Roten Meer3 und in der Karibik4 eingesetzt. Eine umfassende Internet- und Literaturrecherche ergibt zahlreiche weitere Beispiele. Ferner gehören dazu auch die vom Aquarianer und Meeresbiologen Martin Moe5 durchgeführten fortgeschrittenen Nachzuchtversuche des Diademseeigels (Diadema antillarum), der in der Karibik durch Krankheit bedroht ist.

 

Christiane Schmidt: Nach meiner Einschätzung spielen Aquarianer in den von Ihnen genannten Projekten so gut wie keine Rolle. Die Fragmentationstechnologie ist größtenteils durch Wissenschaft und Forschung vorangetrieben worden, erst danach wurde sie von Aquarianern aufgegriffen. Was tut die Meerwasseraquaristik im Einzelnen für die Umwelt? Können Sie Beispiele nennen?

 

Dr. Dieter Brockmann: Ein Prototyp ist sicherlich der Banggai-Kardinalbarsch, der mittlerweile in so großen Mengen – Freiland und Aquarium – nachgezogen wird, dass eine Wildentnahme deutlich reduziert werden kann. 

 

Allerdings sollte man hier zwei übergeordnete Ebenen betrachten: Die erste Ebene ist, dass der Riffschutz Arbeitsplätze vor Ort schafft und erhält. Dadurch können nicht nachhaltige Methoden des Fischfangs zu Speisezwecken (zum Beispiel durch Dynamit) zwar nicht vollständig verhindert, jedoch vermindert werden. Gibt es hier ein nachhaltiges Fangkonzept, ist allen geholfen: den Fischern als notwendiger Lebenserwerb, der Meerwasseraquaristikindustrie und letztendlich auch dem Aquarianer, der gesunde Tiere erhält. Zudem werden die Fischer früher oder später daran interessiert sein, den Zustand der Riffe zu verbessern, damit sie ausreichend Tiere für die Aquaristik fangen können. Dies wird den Aufbau von MPAs und FRAs nach sich ziehen und damit die Bestände nachhaltig sichern. Hawaii ist hier sicherlich ein gutes Beispiel. 

 

Die zweite Ebene ist die Erziehung von uns Menschen. Ein afrikanischer Philosoph hat einmal sinngemäß gesagt: „Nur was wir Menschen kennen, können wir schätzen und lieben und sind es zu schützen bereit.“ Die Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen für die Natur ist eine ganz entscheidende Aufgabe, die Tiergärten nicht alleine erfüllen können. Ich kann immer wieder beobachten, dass Kinder vor meinem Aquarium stehen und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Noch Wochen später wird über diesen oder jenen Fisch gesprochen oder danach gefragt, wie es dem Seestern geht. Dieses intensive Befassen mit der Natur führt dann dazu – so meine Hoffnung –, dass wir die wirklichen Bedrohungen der Meere wie Ansäuerung der Ozeane und Erderwärmung in den Griff bekommen.


 1 www.korallenriff.de/artikel/1651_Fisch_und_Reptil:_Interview_mit_Dr._Dieter_Brockmann.html

 2 www.bbc.com/travel/story/20131231-an-underwater-eden-in-the-maldives

 www.dailymotion.com/video/x36rtt8

 http://blog.madurodive.com/index.php/divers-involvement-and-bonaires-coral-restoration-foundation

 5 Ebd.


Christiane Schmidt: Ich habe zu Ihren Aussagen mehrere Einwände: Zunächst eine Anmerkung zu den Nachzuchten des Banggai-Kardinalbarschs: Diese Nachzuchtanstrengungen und die Akzeptanz des höheren Preises seitens der Endkunden gab es ja erst, als die endemische Art mittels einer CITES-Listung vor Überfischung durch die Aquarienfischerei geschützt werden sollte. Also war die Nachzucht eher eine Reaktion als aktiver Artenschutz.

 

Dr. Dieter Brockmann: Und wenn es so ist, wie Sie sagen, ist das in meinen Augen auch o. k. Es gibt viele unterschiedliche Motivationen, warum die Nachzucht von Meerestieren vorangetrieben wurde und wird. Entscheidend ist doch die Tatsache, dass man unter anderem den Banggai-Kardinalbarsch jetzt nachziehen kann und damit die natürlichen Ressourcen schont. Ein weiteres Beispiel, das in die gleiche Kategorie, aber nicht unter die von Ihnen genannten Artenschutzbemühungen fällt, ist der Gelbe Segelflosser (Zebrasoma flavescens), der nun auch nachgezogen werden kann und damit sicherlich auf Dauer die natürlichen Bestände entlastet. Die Nachzucht dieses Doktorfisches ist in meinen Augen ein Meilenstein der meeresbiologisch orientierten Wissenschaft und der Meerwasseraquaristik.

 

Christiane Schmidt: Zu Ihrer genannten Ebene 1: Meine langjährigen Erfahrungen in der Arbeit mit Fischereien in Südostasien, aber auch wissenschaftliche Studien6 zeigen, dass kaum ein Fischer ausschließlich vom Aquarienfischfang lebt. Ich reise seit mehr als 15 Jahren regelmäßig in besagte Herkunftsländer, habe unter anderem als Certifications Director für die Organisation MAC gearbeitet und behaupte zu wissen, wie Fischer leben und arbeiten. Ich kann Ihnen versichern, dass – sollte es in Deutschland tatsächlich zu einem Verbot dieses Handels kommen – nicht ein einziger Fischer seinen Arbeitsplatz verlieren wird. Denn: Indonesische und philippinische Fischer besitzen keinen sogenannten Arbeitsplatz. Die Mehrheit der Fischer bestreitet ihren Lebensunterhalt auf vielfältige Weise, etwa mit der Nelkenernte, mit dem Züchten von Kampfhähnen, mit dem Einsammeln von Seegurken. Ganz plakativ gesagt: Alles, was Geld einbringt, wird gemacht. Für viele Fischer sind Zierfische nützliche Beifänge, aber mitnichten ihre Haupteinnahmequelle. Um einen Anreiz für Riffschutz zu haben, muss der Fischer erst einmal gerecht entlohnt werden, sonst wechselt er einfach die Sparte. Und selbst in Hawaii, wo ein Aquarienfischer in der Tat von dieser Tätigkeit allein leben kann, wurde nur wegen des massiven Drucks durch Tauchindustrie und Bewohner ein adäquates Management für die Aquarienfischerei entwickelt und durchgesetzt. Es liegt also auch und gerade in der Hand der Aquarianer, solche Regulierungen zu verlangen, um die geliebten Tiere in ihrem natürlichen Umfeld zu schützen. Allerdings gibt es ja sofort einen massiven Aufschrei seitens Hobby und Handel, wenn Regulierungen auch nur erwähnt werden.

 

Zu Ebene 2: In der Tat werden Erziehung und Aufklärung oft als Rechtfertigung für das Hobby Meeresaquaristik bemüht. Doch kann dies zurzeit wohl nur von Zoos und Großaquarien geleistet werden. Die private Aquaristik trägt nur wenig zu Erziehung und Aufklärung bei – auch wenn sie in Vereinen organisiert ist, deren Mitgliederzahlen freilich immer weiter sinken. Die örtliche Hundeschule ist da wesentlich öffentlichkeitswirksamer. Ich denke, hier liegt großes Potenzial für Verbände wie den ZZF, den VDA oder den BNA – gerade wenn Filme wie „Findet Nemo“ und jetzt „Findet Dory“ anlaufen oder ähnliche Ereignisse stattfinden, an die man wunderbar anknüpfen kann.

 

Dr. Dieter Brockmann: Hier sprechen Sie in meinen Augen zwei wichtige Themenbereiche an: 1. die gerechte Entlohnung der Fischer – dies ist sicherlich ein Knackpunkt, an dem gearbeitet werden muss – und 2. ein mögliches Verbot in Deutschland. Ein solches Verbot mag vielleicht – und ich betone vielleicht – Vorbildfunktion haben, global bringt dies für die Korallenriffe nichts. Solange der Handel nicht weltweit sinnvoll kontrolliert wird, vielleicht durch ein dem CITES vergleichbaren Verfahren, wäre ein solches Verbot nur ein sehr kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Und ich möchte an dieser Stelle nochmals betonen, dass wir uns vielmehr Sorgen machen müssen um die Bedrohung der Riffe durch die globale Erwärmung und die Ansäuerung der Meere als durch den Fang und das Sammeln der Tiere für die Meerwasseraquaristik. Solange Unternehmen in „Schutzgebieten“ im großen Maßstab zum Beispiel Erdöl gewinnen dürfen, solange Schleppnetze für den Fischfang eingesetzt werden dürfen, ist es ja fast schon pervers, die Riffe durch ein Handelsverbot von Rifftieren schützen zu wollen. Ich möchte an dieser Stelle nur an die „Deepwater Horizon“-Katastrophe erinnern. 


 www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/08920753.2012.694801


Christiane Schmidt: Ich habe noch eine andere Frage, Herr Dr. Brockmann: Die Zuchterfolge bei Meerwasserzierfischen haben laut einem Artikel der amerikanischen „KORALLE“ nur geringe Auswirkungen auf den Hobbybereich.7 Eine kommerzielle Nutzung von Nachzuchten wird es in den nächsten Jahren nicht geben. Diese Einschätzung teilen viele namhafte Personen, unter anderem der bekannte amerikanische Züchter und „CORAL“ Senior Editor Matt Pederson in einem am 21. Oktober 2015 erschienenen, viel beachteten Artikel.8 Ähnlich äußert sich der namhafte „KORALLE“-Autor Ret Talbot in einer seiner letzten Veröffentlichungen.9 Nicht zuletzt möchte ich auch auf die Korallenriff-Veröffentlichung „Zucht und Züchtigung“10 hinweisen, die sich ausführlich mit der Machbarkeit von Aquakulturen in der Meeresaquaristik befasst. In diesem Zusammenhang stellt sich mir insbesondere die Frage, ob es die Hobbyaquarianer sind, die letztendlich Technologien entwickeln, die zur Erhaltung von Ökosystemen eingesetzt werden. Meiner Information nach sind sowohl Korallenvermehrungstechnologien und Riffaufforstung als auch die Nachzucht des Gelben Segelbaders die Produkte der Wissenschaft und nicht des Hobbys.

 

Dr. Dieter Brockmann: Mit dem Beispiel des Zebrasoma flavescens haben Sie Recht. Demgegenüber stehen aber auch zahlreiche Beispiele von Nachzuchten durch Hobbyaquarianer. Hierzu zählen sehr viele Anemonenfische (ich meine jetzt nicht die zahlreichen Mutanten, die seit den letzten Jahren auf den Markt drängen) oder auch Zwergbarsche wie P. fridmani oder P. springeri. Ich bin auch nicht der Meinung, dass kommerzielle Nachzuchten in naher Zukunft nur geringe Auswirkungen haben werden. Gutes Gegenbeispiel ist meines Erachtens das Kulturunternehmen Bali Aquarich. Die Nachzuchten von zum Beispiel Holacanthus clarionensis sind heiß begehrt. Im Übrigen ist es doch im Prinzip egal, ob Hobbyaquarianer oder professionelle Züchter die Nachzuchttechnologien entwickeln (dies geht wahrscheinlich sowieso Hand in Hand). Hauptsache ist doch, jemand kümmert sich darum.

 

Christiane Schmidt: Aber selbst wenn Zuchterfolge durch Wissenschaft und Hobby erzielt werden, tragen diese doch nicht oder nur marginal zur Deckung des Bedarfs bei. Sogar Clownfische werden weiterhin der Wildnis entnommen – obwohl die vom Markt geforderten Stückzahlen gezüchtet werden können. 

 

Der unbestrittene Erfolg von Bali Aquarich setzt den Fokus auf hochpreisige Arten, die durch Hobbyaquarianer nur in geringer Stückzahl nachgefragt werden. Die sogenannten Brot-und Butter-Tiere, wie Grünes Schwalbenschwänzchen (Chromis viridis), aber auch viele Grundeln sind nur in äußerst begrenzter Stückzahl aus Nachzucht erhältlich. 

 

Dr. Dieter Brockmann: Hier sprechen Sie das Problem der Akzeptanz durch den Aquarianer an. Dies ist in meinen Augen nach wie vor ein großes Problem, auf das ich schon seit Jahren hinweise und an dessen Lösung alle Seiten – Züchter, Fachhandel und Aquarianer – arbeiten müssen. Es sollte eigentlich mittlerweile jedem klar sein, dass Nachzuchten teurer sein müssen als Wildfänge. Aber leider akzeptiert die Mehrheit dies nicht, obwohl Nachzuchten nachweislich weniger Probleme in der Aquarienpflege bereiten.

 

Zu Ihrem Einwand bezüglich Bali Aquarich: Dies ist ein generelles Problem der Wirtschaftlichkeit und der Mischkalkulation. Nachzuchtfirmen müssen eine Vielzahl unterschiedlicher Arten in unterschiedlichen Preisklassen anbieten, um überleben zu können. Das macht Bali Aquarich in meinen Augen sehr gut. Der sehr schöne und haltbare Dreipunkt-Kaiserfisch Apolemichthys trimaculatus wird unter anderem auch von dieser Firma nachgezogen. Er zählt sicherlich nicht zum Hochpreissegment und ist stark nachgefragt. Und wenn Sie auf die Website der Firma11 gehen, finden Sie hier zahlreiche Arten, die in der Meerwasseraquaristik in die untere Preisklasse fallen.


 7 „CORAL Magazine’s Captive Bred Marine Fish Species List for 2015“: www.reef2rainforest.com/2015/01/05/captive-bred-marine-fishes-state-of-the-art-2015 

 „Dory and the Tang Dilemma“ von M. Pederson: www.reef2rainforest.com/2015/10/21/dory-and-the-tang-dilemma

 9  https://rettalbot.wordpress.com/page/2

10 „Zucht und Züchtigung“ von C. Schmidt: www.korallenriff.de/artikel/1420_Zucht_amp_Zuechtigung__2_.html

11 Die Liste der verfügbaren Nachzuchten von Bali Aquarich spricht für sich (Feb. 2016): Link


 

Christiane Schmidt: Sie gingen in Ihrem Interview auch auf die Koalitionsvereinbarungen zwischen der SPD und der CDU ein und sagten, dass „man Wildtiere völlig verbieten will“. Wo genau steht in den Koalitionsvereinbarungen, dass der Wildtierhandel völlig verboten werden soll?

 

Dr. Dieter Brockmann: Auf Seite 84 im Koalitionsvertrag heißt es: „Handel mit und private Haltung von exotischen und Wildtieren wird bundeseinheitlich geregelt. Importe von Wildfängen in die EU sollen grundsätzlich verboten (werden).“

 

Christiane Schmidt: Ich kenne den betreffenden Abschnitt und möchte anmerken, dass „grundsätzlich“ kein Totalverbot bedeutet. In Texten wie dem Koalitionsvertrag müssen Formulierungen formaljuristisch abgesichert sein. Die Bedeutung des Wortes „grundsätzlich“ ist daher anders als in der Umgangssprache zu verstehen, nämlich in der Bedeutung von im Prinzip, in der Regel – Ausnahmen sind möglich. Ute Vogt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, hat auf einem Treffen mit dem BNA klargestellt, „dass im Vertrag ganz bewusst von einem ‚grundsätzlichen Verbot‘ die Rede war, um Ausnahmen zu ermöglichen“.

 

Dr. Dieter Brockmann: Hier wird man abwarten müssen, wie sich die Sachlage in Zukunft und insbesondere vor der nächsten Wahl entwickelt. Ich sehe dies bei Weitem nicht so entspannt wie Sie, und auch viele Beispiele aus der Vergangenheit lehren dies. Dann stellt sich noch die spannende Frage, wer die Ausnahmen in welchem Umfang definiert und welche weiteren Hürden aufgebaut werden, um den Erhalt von Ausnahmegenehmigungen zu erschweren. Wer kontrolliert und – vor allem – wer bezahlt dies alles? Noch ein Punkt: Wird sich eine solche Gesetzgebung europaweit durchsetzen lassen?

 

Christiane Schmidt: Zu den Transportbedingungen mariner Zierorganismen haben Sie angemerkt, dass „die Ausfälle marginal sind“ und „dass solche Fälle wie 80 Prozent Ausfälle absolut ins Fabelreich gehören“. Ich möchte darauf hinweisen, dass es einen erheblichen Unterschied macht und unbedingt unterschieden werden muss zwischen Fang und Transport im Herkunftsland und Transport (vom Exporteur) in alle Welt!

 

Dr. Dieter Brockmann: Ja, das stimmt. Aber ich sprach von den Transportbedingungen, die sich deutlich verbessert haben (und nicht davon, was nach dem direkten Fang und der Hälterung vor Ort passiert). Ich bin seit über 30 Jahren in diesem Hobby und weiß gar nicht mehr, wie viele Importe ich begleitet habe. Was man hier beobachtet, ist, dass in der Regel die Verlustraten sehr niedrig sind. Klar, kann es immer wieder mal zu Problemen kommen, zum Beispiel bedingt durch das Wetter und durch Verspätung von Flügen, und natürlich gibt es auch schwarze Schafe in diesem Metier. Wer so etwas verneint, ist realitätsfremd. Aber der Großteil der Importe, das müssen Sie zugeben, ist o. k. 

 

Christiane Schmidt: Welche wissenschaftlichen Zahlen stützen Ihre Behauptung, dass sich die Verlustraten beim Transport deutlich verbessert haben?

 

Dr. Brockmann: Nun, das sind halt meine über 30 Jahre Erfahrung in Deutschland, den Niederlanden und den USA.

 

Christiane Schmidt: Bei diesem Thema sind Aussagen ganz offensichtlich missinterpretiert worden. Während sich die 80 Prozent Ausfallraten auf die Gesamtverluste ab Fang bis ins heimische Aquarium beziehen, wird in Ihrer Antwort nur die Ausfallrate beim Import bedacht. Meiner Erfahrung nach war das aber immer die geringste Sorge. Massive Verluste sind eher beim Transport vom Fanggebiet zum Zwischenhändler und von dort zum Export zu verzeichnen. Dort muss noch viel getan werden. Wie sehen Sie die Chance, dass auch vor Ort Verbesserungen erzielt werden? Wie könnten sich unter anderem auch Hobbyaquarianer einbringen?

 

Dr. Dieter Brockmann: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich sehe hier für den „Normalaquarianer“ nur sehr wenige Möglichkeiten. Dies ist an allererster Stelle Aufgabe der Kontrolle vor Ort, der Importeure und des Handels. Die Verleihung von Fanglizenzen mit einer regelmäßigen Kontrolle seitens einer unabhängigen Agentur, eine Qualitätskontrolle der Unternehmen und der Transportwege und gegebenenfalls ein Boykott von Fängern/Importeuren, die diese Mindeststandards nicht erfüllen, könnten eine Lösung sein. Will man dies, muss man sich über Finanzierungswege für solche Agenturen Gedanken machen. Eine Option könnte hier sein, dass alle Glieder der Handelskette – vom Fänger bis zum Aquarianer – an der Finanzierung beteiligt werden. 

 

Christiane Schmidt: Robert Baur hat in seinem Interview Ihnen gegenüber angemerkt, dass das KORALLE-Magazin doch auch mal über diese Art von Themen berichten könnte, denn „ihr (seid) an der Macht letzten Endes, zumindest was uns Verbraucher angeht!“. Dieser Anregung möchte ich mich anschließen und danke Ihnen gleichzeitig für das offene Gespräch. 

 

 

Dieser Artikel ist am 29.02.2016 erschienen

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