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ZZF-Symposium 2014 zur Aquaristik: Stress vermeiden heißt Krankheiten vorbeugen


ZZF-Symposium 2014 zur Aquaristik: Stress vermeiden heißt Krankheiten vorbeugen

Mehr als 100 Teilnehmer auf dem ZZF-Symposium 2014 / Aquarianern ist Gesundheit wichtiger als Preis / Mehr spezialisierte Tierärzte gefordert

Wiesbaden, 12. November 2014 - Unter dem Motto „Gesund wie ein Fisch im Wasser? – Auch Zierfische können krank werden!" stand das 19. Symposium vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe e.V. (ZZF), das vom 8. bis 9. November in Niedernhausen stattfand. Über 100 Tierärzte, Zoofachhändler und andere Branchenbeteiligte begrüßte der ZZF-Präsident Norbert Holthenrich zu der Tagung, die der ZZF gemeinsam mit dem Arbeitskreis 8 der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT) und dem Bundesverband der beamteten Tierärzte (BbT) veranstaltete.

In einer Umfrage des Veranstalters bewerteten die Teilnehmer die Veranstaltung als gut (Note: 1,5) und lobten vor allem die Organisation, die Themenauswahl, die fachlich versierten Vorträge und die Möglichkeit des Austausches zwischen Tierärzten und Vertretern der Heimtierbranche. Es nahmen zu rund 35 Prozent Zoofachhändler teil, 33 Prozent waren Tierärzte, 30 Prozent waren weitere Branchenteilnehmer.

Zierfische sind beliebte Heimtiere

In seiner Begrüßung bezeichnete Norbert Holthenrich Zierfische als beliebte Heimtiere. In Deutschland werden sie in 2 Millionen Aquarien und 1,7 Millionen Gartenteichen gehalten. Zoofachhändler stünden den Aquarianern  zwar stets zur Seite, dennoch seien Krankheiten nicht immer zu vermeiden – „dann sind die Tierärzte gefragt", so Holthenrich. Der  TVT-Vorsitzende Prof. Dr. Thomas Blaha freute sich in seinem Grußwort über die gute Beteiligung an dem Symposium und erinnerte an die ethische Verpflichtung, die daraus folgt, dass die Tiere, also auch Zierfische, aus der „Kiste der Sachen" herausgeholt worden seien und als empfindende Wesen angesehen würden.

Über den aktuellen Stand der Forschung, was im Falle einer Erkrankung bei Zierfischen zu tun ist und wie Leiden bei Zierfischen vermieden werden können, referierten und diskutierten Tierärzte, Großhändler und Wissenschaftler auf dem Fachsymposium.

Zur Einführung erläuterte Dr. Markus  Biffar von Aquarium Glaser die Ursachen und Symptome bei Zierfischkrankheiten. Er zeigte auf, woran man erkennt, ob ein Zierfisch krank ist und betonte, dass man für eine Diagnose das Normalverhalten kennen müsse und „den Fisch regelmäßig anschauen sollte". Er sieht einen hohen Forschungsbedarf insbesondere bei bakteriellen Infektionen.

Was sich aktuell in der Forschung über Zierfischkrankheiten tut, erläuterte Dr. Verena Jung-Schroers von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Auch Jung-Schroers bekräftigte, wie wichtig die Forschung über bakterielle Infektionen sei und bestätigte die nach wie vor gute Wirksamkeit von Antibiotika bei unterschiedlichen Kalt- und Warmwasserzierfischen.

Mit dem Thema  Schmerzen und Leiden bei Fischen beschäftigte sich Dr. Johanna Moritz vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Auch wenn es in der aktuellen Diskussion über die Schmerzempfindlichkeit von Fischen keine Einigkeit und weiteren Forschungsbedarf gebe, sei die Leidensfähigkeit von Fischen unbestritten. Vor allem Stress sei die Hauptursache für Leiden der Fische. Dr. Moritz appellierte an alle Handelsstufen,  „alles dafür zu tun, um bei der Zierfischhälterung Schmerzen und Leiden zu vermeiden".

Auf die neuesten Erkenntnisse zum Koi-Herpesvirus ging Prof. Dr. Dieter Steinhagen von der Tierärztlichen Hochschule Hannover ein: „Karpfen aus unterschiedlichen genetischen Herkünften weisen eine unterschiedliche Empfänglichkeit für das Virus auf. Da bisher jedoch nicht bekannt ist, auf welcher Grundlage die Krankheitsresistenz beruht, konnten noch keine gezielten Zuchtprogramme aufgelegt werden." Weiterer Forschungsbedarf besteht aus seiner Sicht bei der Entwicklung wirksamer Impfstoffe.

Aquarianern ist Gesundheit wichtiger als Preis

Aus dem Alltag einer Zierfischpraxis berichtete Tierarzt Jan Wolter. Seine Erfahrung zeige, wie wichtig den Aquarianern die Gesundheit ihrer Fische sei und dass Behandlungskosten für sie keine große Rolle spielten. „Die emotionale Bindung ist bei vielen inzwischen so hoch wie bei Hund und Katze".

Peter Merz (Zierfischgroßhandel Merz) stellte zu Beginn seines Vortrages heraus: „Fische sind ständig Krankheitserregern ausgesetzt. Eine richtige Haltung unterstützt das Immunsystem der Fische". Er betonte, wie wichtig ein regelmäßiger Wasserwechsel, Sauerstoff und die Temperatur für das Wohlbefinden der Fische sind. Merz favorisiert für bestimmte Fischarten strukturierte Becken mit Bodengrund und Dekomaterial sowie die Einzelfilterung. Zudem stehe für ihn die Stressvermeidung beim Transport und bei der Entnahme im Vordergrund.

Über die Diagnose und Therapie von Zierfischkrankheiten durch tiermedizinische Laien sprach Dieter Untergasser (sera GmbH). Er hob hervor, dass es zu wenige spezialisierte Tierärzte gebe, insgesamt existieren etwa 25 Fischuntersuchungsstellen in Deutschland. Er plädierte dafür, dass Kleintierärzte ihr Angebot um Zierfische erweiterten, was durch Weiterbildungen möglich sei.  Wie wichtig die Vermittlung von Wissen – auch an den Laien – sei, betonte der Facharzt für Fische, Dr. Henner Neuhaus: „Wissen schützt die Fische." Für die dauerhafte Gesundheit sowie die Diagnose und Behandlung von kranken Fischen stellten die Haltungsbedingungen einen entscheidenden Faktor dar. Es sei wichtig für eine Behandlung, dass die Krankheitsursache eindeutig festgestellt worden sei.

In der anschließenden Podiumsdiskussion  mit  Referenten und Teilnehmern ging es um die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen Tierärzten, Amtstierärzten und Zoofachhändlern.

Die Beteiligten waren sich einig, dass sich  mehr Tierärzte auf Zierfische spezialisierten sollten, um auch den Zoofachhandel betreuen zu können. Weiterhin wurde deutlich, welche wichtige Rolle den Zoofachhändlern als erste Ansprechpartner für die Aquarianer zukommt.


Dieser Artikel ist am 25.11.2014 erschienen

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