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Verbotsforderungen in Hawaii - Der Kampf geht weiter


 

Vorbemerkung

 

Der vorliegende Text entstand im Zuge eines Aufrufs, der am 27.01.2013 auf Korallenriff.de gestartet wurde.[a] Ein bekanntes Meerwassermagazin aus UK veröffentlichte „Turf War in Hawaii“ zwei Monate später. Im Dezember desselben Jahres unterzeichnete Gouverneur Neil Abercrombie die West Hawaii Regional Fishery Management Area Rules

 

Durch eine aktuelle Zuspitzung in dem seit mittlerweile Jahrzehnten schwelenden Konflikt sehe ich mich veranlasst, meinen Artikel hierzulande in einer überarbeiteten Fassung vorzustellen, um allen deutsprachigen Meerwasseraquarianern die Möglichkeit zu geben, sich ein Bild von den Geschehnissen in Hawaii zu machen. 


In Zeiten des Internets sind Aufrufe und Petitionen wirkungsvolle Instrumente. Sie ungenutzt zu lassen, spielt anderen in die Hände. In unserem Fall mächtigen Gegnern, die nicht aufgeben werden. 


Einleitung

 

1. Mach´s gut … und danke für den Fisch!

 

Der Demokrat Danny Coffman gehörte seit 2009 dem Repräsentantenhaus von Hawaii an. Bei seiner Verabschiedung im Dezember 2013 ließ es sich Governor Neil Abercrombie nicht nehmen, ihm nach der Unterzeichnung der West Hawaii Fishing Rules für seinen großartigen Einsatz zu danken. Er hätte es sich nie einfach gemacht, aber aufgrund seiner Kompetenz und Neutralität wäre besonders in diesem Fall ein großartiges Gesetz auf den Weg gebracht worden. Um die Bedeutung seiner Worte zu unterstreichen, überreichte der Governor dem scheidenden State Representative Danny Coffman sein Schreibgerät als symbolischer Geste. 

 

2. Trauerspiel

Die Hoffnung, dass Ruhe einkehrt, hat sich leider nicht bewahrheitet; zu groß ist der Hass der Tierschützer auf vermeintliche Wilddiebe und Hehler von Zierfischen. Schon wenige Minuten nach der höchstrichterlichen Entscheidung gingen Gegner und Befürworter im Internet aufeinander los. Robert Wintner, besser bekannt als Snorkel Bob, fuhr in einem Blog das schwerste Geschütz auf, indem er Fischer mit der Gestapo gleichsetzte. Auf meinen Hinweis, dass ein derartiger Vergleich unangebracht sei, erklärte er mir, dass er als Jude wisse, wovon er spreche, und ich für meinen Teil kein Recht hätte, darüber zu befinden. 

 

Es existieren viele Geschichten über Snorkel Bob und seine Geschäftspraktiken. Manche sind wahr, manche unwahrscheinlich. Ein Körnchen Wahrheit steckt fraglos in der, die man sich auf Maui erzählt: Vor langer Zeit, als das Verleumden noch geholfen hat, lebte einmal ein Mann, der einen kleinen Tauchshop besaß. Aber die Geschäfte liefen schlecht, und so grübelte er, warum sich kaum Touristen blicken ließen. Da ihm keine rechte Antwort einfallen wollte, ging er vor die Tür und stellte sich einem Fischersmann in den Weg. „Hey Du, wir kennen uns. Sag mir, was ich falsch mache. Während Du von Deiner Arbeit leben kannst, komme ich kaum über die Runden!“ Der Fischer blieb stehen und erwiderte in nüchternem Ton: „Es könnte an Deinen Manieren liegen.“ Der Tauchshopbesitzer musterte sein Gegenüber und presste hervor: „Wie meinst Du das? Ungerührt antwortete der Fischer: „So wie ich es gesagt habe, und jetzt lass mich vorbei!“ 

 

Aber Snorkel Bob war nicht bereit, Platz zu machen. Es kam schnell zu einem Gerangel, in dessen Verlauf Snorkel Bob Zeter und Mordio rief. Als er sah, wie die Menschen von allen Seiten herbeigelaufen kamen, fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen. Das Elend würde ein Ende haben.

 

3. Anfang vom Ende

 

Gezielte Verleumdungen dienen dazu, sich Vorteile zu verschaffen. Oft mit Erfolg, wie man in Snorkel Bobs Fall sehen kann. Neben Maui, sind Snorkel Bob Shops auch auf Kauai, Ohau und Big Island zu finden. Seine Methoden, sich geschäftlich Geltung zu verschaffen, sind besonders auf Hawaii gefürchtet, und seitdem er in den Vorstand der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd aufgerückt ist, schreckt er auch nicht vor drastischeren Maßnahmen zurück. Ob dabei Menschen zu Schaden kommen, scheint ihm egal zu sein. Vor kurzem tauchte ein Video auf, das Snorkel Bobs engste Vertraute (Rene Umberger) zeigt, wie sie gerade Filmaufnahmen in einer Tiefe von 20 Metern macht - als plötzlich, ohne ersichtlichen Grund, ein Fischer auf sie zustürmt und ihr den Atemregler aus dem Mund reißt. Dieser als Mordversuch gedeutete Angriff wurde von großen amerikanischen Fernsehsendern kolportiert, während die Hintergründe im Dunkeln blieben.[b] 


Ich will hier nichts schönreden. Die Tat ist zu verurteilen, der Fischer hätte sich in Griff haben müssen und nicht auf die Provokationen reagieren dürfen. 


 


Revierkampf auf Hawaii

 

von C. Schmidt (veröff. in UltraMarine Magazine, Mar/Apr 2013) 

Aus dem Englischen von K. Mattes; Überarbeitung K. Furthmann  

 

 

Nach den jüngsten öffentlichen Anhörungen zu vorgeschlagenen Regulierungen der Aquarienfischerei auf Hawaii am 5. Dezember 2012 und am 29. Januar 2013 ist die Zeit reif für einen Rückblick und eine Zusammenfassung der Entwicklungen. 

Ausgangspunkt war das Bestreben, die marinen Ressourcen Hawaiis zu schützen und zu managen. Dafür wurde eine Kampagne gestartet, die sich vor allem an die Zierfischindustrie richtete. Es gab Versuche, die Aquarienfischerei ganz zu verbieten, um die gefährdeten marinen Ressourcen zu erhalten. Mit der Zeit aber offenbarte die Kampagne ihr wahres Gesicht: Letztlich handelt es sich um einen Revierkampf zwischen verschiedenen Gruppen, die über die Ressourcen verfügen wollen. Die Protagonisten dieses Streits sind auf der einen Seite der Meeres- und Tauchtourismus, angeführt von Robert Wintner (besser bekannt als Snorkel-Bob), Aktivisten wie Rene Umberger, die Humane Society of the United States (HSUS) und die hawaiianische Urbevölkerung. Ihnen gegenüber stehen die Zierfischindustrie, das Department of Land and Natural Resources (DLNR) mit der zuständigen Division of Aquatic Resources (DAR) als Verwaltungsbehörde sowie der West Hawai’i Fisheries Council (WHCF), der als Verhandlungsplattform agiert und Kompromisse und Lösungen für alle Beteiligten finden möchte.

Betont werden muss, dass die Ansichten aller Beteiligten stichhaltig sind. Man kann nie genug Bedenken gegenüber der Nutzung von natürlichen Ressourcen haben – gerade wenn es solch schutzbedürftige Ressourcen betrifft wie Korallenriffe. Nicht nur die Zierfischindustrie, sondern alle oben genannten Gruppen müssen permanent zum verantwortungsvollen und nachhaltigen Handeln bewegt werden. Allerdings lehnen nun gerade die Kritiker der unkontrollierten Aquarienfischerei auch die Regulierungs- und Managementvorschläge ab und stellen zudem die Arbeitsweise der Ressourcenmanager infrage.

Schauen wir einmal, wie es um die Nachhaltigkeit der Aquarienfischerei in Korallenriffen allgemein steht. Inwiefern ist ein effektives Management hier möglich? Jegliche Nutzung von Ressourcen durch den Menschen, die Aquarienfischerei eingeschlossen, wirkt sich auf das Ökosystem, den Lebensraum und die Flora und Fauna aus – es wäre naiv, dies zu leugnen. Hält das jedoch Menschen davon ab, die entsprechenden Ressourcen zu nutzen? Nein! Von intelligenten Wesen können wir aber erwarten, dass sie die Ressourcen mit Bedacht nutzen, damit sie auch für die zukünftigen Generationen erhalten bleiben. Dies sicherzustellen, ist Aufgabe des Fischereimanagements.

 

Der Großteil der Rifffischerei findet in Entwicklungsländern statt, es gibt dort kein oder nur unzureichendes Ressourcenmanagement. Demgegenüber ist Hawaii (wie auch Australien) in der glücklichen Lage, sowohl Forschungs- als auch Verwaltungseinrichtungen zu haben, die kontinuierlich die Auswirkungen des Fischereimanagements messen und beobachten.

Der Bericht „Long-Term Monitoring of Coral Reefs of the Main Hawaiian Islands“ („Langzeit-Überwachung von Korallenriffen der hawaiianischen Hauptinseln“) der DAR (2010) macht das deutlich:

„Die Fish Replenishment Areas (FRA) waren ‚effektiv‘ (verglichen wurde die Vermehrung in FRA mit der in Langzeit-Meeresschutzzonen (= Marine Protected Area; MPA)) bei acht von den zehn am häufigsten gefangenen Arten; drei davon waren statistisch gesehen relevant. Mit nur einer Ausnahme ließ sich dank der FRA sehr erfolgreich der Bestand an Gelben Segelflossendoktorfischen entlang der hawaiianischen Küste erhöhen.“ 

FRA, ein gängiges Werkzeug des Fischereimanagements, sind Schutzgebiete, in denen sich Fischbestände wieder erholen können. In festgelegten Gebieten wird eine bestimmte Fischerei, in diesem Fall die Aquarienfischerei, eingeschränkt oder untersagt, aber keine andere Nutzungseinschränkung auferlegt. FRA, zusammen mit bereits bestehenden Zonen, in denen u.a. Aquarienfischerei untersagt ist, bilden ein Netzwerk von Schutzgebieten, das insgesamt 35,2 Prozent der westhawaiianischen Küstenlinie ausmacht.  

 

Genügt das? Ökosysteme, Lebensräume und deren Populationen verändern sich mit der Zeit – einerseits durch natürliche Schwankungen, andererseits aber auch durch veränderte Ressourcennutzung. Ein gutes Management muss deshalb flexibel auf Veränderungen reagieren können.  

Die DAR schreibt in der Studie ferner: 

„Gemessen an einem Vergleich zwischen dem Fang und dem geschätzten Bestand in 30 bis 60 Zoll [entspricht 0,75 bis 1,50 Meter] Tiefe wirkt sich die Aquarienfischerei am stärksten auf den Achilles-Doktorfisch und den Gelben Segelflossendoktorfisch aus. Der Achilles-Doktorfisch wies während der letzten zehn Jahre niedrige Nachwuchsquoten auf, und eine erhebliche Anzahl von älteren Fischen (also den Brütern) wird für den menschlichen Verzehr gefangen. Der Gelbe Segelflossendoktorfisch hat sich allgemein zwar beständig vermehrt, aber die Entnahme für den Aquarienhandel ist dramatisch auf ein Niveau angestiegen, welches nicht nachhaltig ist.“ [1]


Das heißt konkret, daß Achillesdoktoren sich nicht in ausreichender Anzahl fortpflanzen können und deshalb der Bestand abnimmt, während der Gelbe Doktor sich ausreichend fortpflanzt, aber zu viele Tiere entnommen werden und deshalb der Bestand abnimmt.


Deshalb schlug die DAR neue Regelungen vor, die die bestehenden ergänzen sollten:

„Bedenken an der kontinuierlichen Ausdehnung der Aquarienfischerei und seinen Konsequenzen für die öffentlichen Gebiete haben die DAR und den WHCF dazu veranlasst, eine Positivliste mit 40 Fischarten zu erstellen, die für den Aquarienhandel gefangen werden dürfen. Der Fang aller anderen Arten ist untersagt.“ 

Für den Achilles-Doktorfisch und den Goldring-Borstenzahndoktorfisch wurde zusätzlich ein Größenlimit festgelegt. Begrenzt wurde außerdem die Fischmenge, die von einem Fischer am Tag gefangen werden darf (auch für den Gelben Segelflossendoktorfisch). Der Fang von Achilles-Doktorfischen für das private Barbecue unterliegt übrigens keinerlei Regulierung und kann sich daher weiterhin signifikant auf die Vermehrung und die Populationsgröße dieser Fische auswirken. 

Zusätzlich zu der erforderlichen Aquarienfischerei-Lizenz und der Geschäftsgenehmigung (kommerzieller Vertrieb mariner Produkte) brauchen sowohl Hobby- als auch Berufsfischer eine Aquarienfischerei-Lizenz speziell für Westhawaii, um Aquarienfische im West Hawai’i Regional Fishery Management Area (WHRFMA) legal zu fangen. All diese Lizenzen und Genehmigungen, die jeder erwerben kann, unterliegen keiner Beschränkung in Anzahl. Die DAR hofft: 

„Diese Zulassung (WHRFMA) wird helfen, Aquarienfischer über die Regulierungen zur Aquarienfischerei in Westhawaii aufzuklären, aber auch Fehlverhalten zu ahnden. Die Fischer können dann nicht mehr behaupten, die Regelungen seien ihnen nicht bekannt. Es steht zu hoffen, dass die Zulassung schon bald die Basis für eine zahlenmässige Begrenzung der Aquarienfischer in Westhawaii sein wird.“

Meist ist es nicht eine einzige Nutzungsart, die eine Ressource gefährdet. Das gilt auch für Hawaii. Verschmutzungen und Abwässer aus Siedlungen und dem Hotel- und Tourismusgewerbe (besonders in Kona), Tauchtourismus, kommerzieller Fischfang, Fischfang zur Selbstversorgung und Aquarienfischerei gefährden Korallenriffe auf Hawaii gleichermaßen. Dazu kommen die globalen Bedrohungen wie die Klimaerwärmung und die Übersäuerung der Meere. Um die Ressource nachhaltig zu bewirtschaften, muss man deshalb alle Nutzergruppen einbeziehen. Insofern ist es bemerkenswert, dass sich Widerspruch gegen diese neuen Regelungen in erster Linie auf das Verbot der Harpunenfischerei bezieht.

Die Begründung der DAR lautete: 

„Die Harpunenfischerei ist in den meisten Regionen des Pazifik verboten, weil diese Art der Fischerei ein sehr hohes Ausbeutungspotenzial besitzt, vor allem nachts, wenn die Fische besonders angreifbar sind. Es gab zahlreiche Beispiele (etwa auf Amerikanisch-Samoa), wo relativ wenige Fischer mit dieser Methode zu rapide sinkenden Beständen von wirtschaftlich, kulturell und ökologisch wertvollen Arten (wie dem Papageifisch) beitrugen.“ 

 

Es gibt deutlichen Widerstand der hawaiianischen Urbevölkerung, die in die Diskussion mit hineingezogen wurde und ein komplettes Verbot der Aquarienfischerei unterstützt. Das traditionelle polynesische Gesetz regelt den Zugang zu Ressourcen und garantiert die Fischerei zur Selbstversorgung. Allerdings fischen hier nicht nur die Ur-Einwohner, und die Bevölkerungszahl in Hawaii ist, wie in vielen Regionen der Welt, stark gestiegen.[2]

 

Nicht alle Hawaiianer halten sich an das traditionelle polynesische Recht. Die Folgen für einige begehrte Arten (zum Beispiel den Papageifisch, den Achilles-Doktorfisch und die Meerbarbe) können dramatisch sein. Unumgänglich ist ein adäquates Management, genauso wie die Aquarienfischerei gemanagt und reguliert werden muss. Für die Population macht es keinen Unterschied, ob ein Fisch getötet und gegessen wird oder ob er in einem Aquarium weiterlebt oder dort ggf. stirbt. Der Fisch wird seiner natürlichen Umgebung entnommen, und wenn zu viele Fische entnommen werden, wird der Bestand unvermeidlich sinken. Gegner der Aquarienfischerei, die sich um die Fischbestände und um Korallenriffe sorgen, sollten also alle der vorgeschlagenen Managementregeln unterstützen.

Jedoch hat sich der Ton seit 2010 verändert. Es wird nicht mehr nur über die Nachhaltigkeit von Fischfang diskutiert, sondern über den gesamten Handel und das Hobby an sich – das Wohl der Tiere und die Ethik des Wildtierhandels werden infrage gestellt. Mit Sicherheit ist das eine wichtige Frage, jedoch hat sie nichts mit der Aquarienfischerei zu tun, sondern vielmehr mit Tierrechten und Tierschutzregulierungen. Eine verbesserte Tierschutzregulierung – auch in Bezug auf Meeresfische – ist zu unterstützen, nicht jedoch das Verbot einer Ressourcennutzung, die problemlos gemanagt werden könnte.


Zum besseren Verständnis: In einer Gesellschaft, die nicht nur aus Polynesiern besteht, haben sich Traditionen weitgehend überlebt und können im Hinblick einer ständig steigenden Bevölkerungszahl keine Berücksichtigung mehr finden.


Was wären die Folgen eines Verbots der Aquarienfischerei auf Hawaii? 

Würde die Aquarienfischerei auf Hawaii verboten, müssten sich Hobbyaquarianer (auch in Europa!) von dem Gelben Segelflossendoktorfisch, dem Feuer-Korallenwächter, dem Achilles-Doktorfisch und dem Goldring-Borstenzahndoktorfisch verabschieden, ebenso von Potters Zwergkaiserfisch und vielen anderen in Hawaii beheimateten Fischen (über 20 Prozent der hawaiianischen Rifffische sind endemisch). Wegfallen würde wahrscheinlich ebenfalls die Hauptquelle von Flammen-Zwergkaiserfischen, die zwar auf Kiribati gefangen, aber über Honolulu in alle Länder der Welt exportiert werden (für Hawaiianische Exporteure ein Zubrot, aber kein ausreichendes Einkommen).

An Länder, wo Riff- und vor allem Aquarienfischerei weitgehend nicht reguliert sind, mag das unter Umständen eine falsche Botschaft übermitteln: nämlich dass die Verwaltung solcher Ressourcen ihren Aufwand nicht wert ist. Dr. William Walsh von der DAR  sagt:

„Diese Petitionen sind im Grunde nichts anderes als Schwarzmalerei und potenziell zerstörerisch. Denn sie unterfüttern nur die These, dass die Fischerei auf Hawaii nicht nachhaltig gemanagt werden kann.“

Und das ist natürlich eindeutig die falsche Botschaft.

 

Wie wahrscheinlich ist ein Ende der Aquarienfischerei?

Bei einer öffentlichen Anhörung mit Zeugenprozess 2011 in Kona wie auch während eines Meinungsaustauschs erlebte ich hitzige Debatten zwischen den beteiligten Ressourcennutzern, vor allem seitens der Gegner. Außer von Vertretern der DAR kamen jedoch nicht viele stichhaltige Fakten auf den Tisch.

Dennoch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Die große Zahl der Gesetzentwürfe (18 allein im Jahr 2012) und öffentlichen Anhörungen lässt vermuten, dass die Gegner womöglich auf diese Strategie setzen. Wenn die Behörden der Diskussionen müde sind, könnte dieser Weg eines Tages tatsächlich zum Ziel führen. Zu beachten ist auch, dass nicht nur Westhawaii, sondern alle Verwaltungsbezirke auf Hawaii betroffen sind. Gemeinsame Anstrengungen der verschiedenen Bezirke könnten mit der Zeit eine Gesetzesänderung bewirken. 

Mit dem Start der neuen Legislaturperiode am 16. Januar 2013 wurden zwölf neue Gesetzentwürfe zum Thema Aquarienfischerei auf Hawaii vorgestellt. Zwei von ihnen waren für eine öffentliche Anhörung am 29. Januar vorgesehen (s. unten).

 

Was also ist zu tun? 

Zunächst müssen wir uns bewusst machen, dass die Debatte alles andere als weit weg ist und Folgen für den Meerwasseraquaristikhandel und das Aquarianerhobby weltweit nach sich ziehen wird. Es ist wichtig, die hawaiianische Fischereibranche zu unterstützen – jeder, auch nichtamerikanische Bürger, kann Statements per E-Mail abgeben. 

Wir Hobbyaquarianer müssen mehr über Tierschutz und Ethik nachdenken und unsere Praktiken verbesseren. Es schadet uns nicht, wenn wir zur öffentlichen Aufklärung und zum Wissen im Bereich Korallenriffe und deren Fauna beitragen! Aufklärungsarbeit scheint allein Aufgabe der öffentlichen Aquarien zu sein, dabei besitzen viele Hobbyaquarianer ebenfalls ein umfangreiches Wissen über Meerestiere. Wir müssen dieses Wissen stärker mit der Öffentlichkeit, der Wissenschaft und anderen Akteuren teilen. Auch um ein positives öffentliches Image der Meeresaquaristik zu nähren.

Es wird der Aquarienfischerei weltweit helfen, wenn wir uns nicht nur um unsere eigenen Angelegenheiten kümmern, sondern auch aktiv die Korallenriffe als natürliche Ressource schützen. Fordern und unterstützen müssen wir einen nachhaltigen Aquarienhandel, in dem nicht allein der Preis unser Kaufverhalten steuert. So können wir alle frei bestimmen, wofür unser Hobby stehen soll. 

 

Chronologie (Zusammenfassung)* 

Die nachfolgende Chronik enthält zahlreiche Links, über die Sie sich im Detail zu den Gesetzentwürfen, den existierenden Managementmethoden und den Meinungen der Gegner informieren können. 

  • Kommerzielle Fischer arbeiten seit mindestens 50 Jahren in hawaiianischen Gewässern. 1953 wurde mit der Verordnung 154 eine Zulassung für die Benutzung von kleinen Maschennetzen eingeführt. 
  • Die Aquarienfischerei war bereits 1973 eine kontroverse Angelegenheit und wurde vorübergehend gestoppt. Damals mussten die Fischer ihre monatlichen Fänge in ein spezielles Dokument eintragen. www.pacfish.org/wpapers/aquarium.html 
  • Seit etwa 1989 gibt es viele Konflikte zwischen Aquarienfischern und anderen Gruppen, wie zum Beispiel Hobby- und Selbstversorgungsfischern sowie der Meerestourismus- und Tauchbranche. 
  • 1998 legte LOST FISH dem Gesetzgeber eine Petition mit fast 4 000 Unterschriften für ein Verbot der Aquarienfischerei auf Westhawaii vor. Im darauffolgenden Jahr wurden vom westhawaiianischen Gesetzgeber zwei Gesetzentwürfe präsentiert – in einem wurde das Verbot der Aquarienfischerei von Kawaihae bis Miloli'i (also fast entlang der gesamten Küste) gefordert, im anderen die Gründung des West Hawai’i Regional Fishery Management Area (WHRFMA) entlang der gesamten Küste. http://www.ecotippingpoints.org/our-stories/indepth/usa-hawaii-fisheries-council-community-participation.html
  • 1998 verabschiedete der hawaiianische Gesetzgeber die Verordnung 306. Sie fordert die Gründung des WHRFMA, das 30 Prozent der gesamten Küstenlinie zu Schutzgebieten (Fish Replenishment Areas; FRA) macht, wo der Fischfang untersagt ist. Bei der Festlegung der FRA wurden die Interessen der verschiedenen Ressourcennutzer einbezogen. http://dlnr.hawaii.gov/dar/?attachment_id=2959
  • 1998 wurde der West Hawai’i Fisheries Council (WHCF) gegründet mit dem Ziel, Verhandlungen zwischen den Nutzergruppen sowie die Lösungsfindung zu erleichtern.
  • 29. Januar 2010, West Hawaii Today: Bericht über den Fund von 610 toten Gelben Segeldoktorfischen und Schmetterlingsfischen auf einer Müllhalde im Kleinboothafen von Honokohau. „Empörung über Wegwurf von Tropenfischen“ (von Carola Lucas). http://alohafromthebigisland.blogspot.de/
  • 16. Juni 2010: Zwei Gesetzentwürfe werden im Bezirk Maui bewilligt; Gesetzentwurf 1: Tierschutz im Zierfischhandel, Gesetzentwurf 2: Strengere Regulierungen für die Aquarienfischerei in Maui
  • Robert Wintner erläutert sein Bestreben, die Aquarienfischerei und das Aquarianerhobby zu verbieten: 
  • 23. September 2011, West Hawaii Today: „Ein Fischer ankert auf einem lebenden Korallenriff“ (von Erin Miller) http://kona.westhawaiitoday.com/sections/news/local-news/fish-collector-drops-anchorlive-coral-not-cited.html
  • 5. Oktober 2011: Öffentliche Anhörung in Kona und Hilo über res. 130-11, welche das Verbot des Zierfischhandelsfordert
  • 6. Oktober 2011: West Hawaii Today, „Fischereiverbot wird vom Rat bewilligt“ (res. 130-11) – mit einigen interessanten Kommentaren der verschiedenen Akteure.  http://kona.westhawaiitoday.com/sections/news/local-news/fish-collecting-ban-reso-passescouncil.Html
  • 11. Oktober 2011: Treffen zwischen der Stadtverwaltung Kona und Dr. Walsh (DAR): „Rene (Umberger) & seine Crew waren anwesend, verließen das Treffen jedoch kurz bevor ich meine Rede hielt. Vermutlich um ‚nicht von den Fakten durcheinandergebracht zu werden‘. Alles in allem lief das Treffen aber gut.“ www.hawaiilife.com/articles/2011/10/kona-town-meeting
  • April 2012: Senator Inouye entwirft ein Gesetz, demnach eine Lizenz für den Import und Export zu Aquarien- und anderen Zwecken erfordert ist („Coral Reef Wildlife International Trade and Conservation Act of 2012“). Der Entwurf war dem Kongress im Jahr 2012 noch nicht vorgestellt worden. 
  • 24. Oktober 2012: Bürger und Naturschutzgruppen leiten rechtliche Schritte ein. Sie verlangen vom Department of Land and Natural Resources (DLNR), Hawaiis Riffe und Küstenregionen vor unbegrenzter Aquarienfischerei zu schützen. Gefordert wird eine gerichtlichen Anordnung, die den Staat zur Einhaltung des Hawai’i Environmental Policy Act zwingen. Demnach müssten zuerst die Auswirkungen der Aquarienfischerei auf die Umwelt überprüft werden, bevor Fangzulassungen erteilt werden könnten. http://earthjustice.org/news/press/2012/citizens-and-conservation-groups-file-suit-to-protect-hawai-i-s-reef-ecosystems
  • 5. Dezember 2012: Öffentliche Anhörungen in Oahu und Hawaii über Vorschläge zur Regulierung der Aquarienfischerei:
  • 16. – 24. Januar 2013: Zwölf neue Gesetzentwürfe zur Aquarienfischerei werden für die neue Legislaturperiode vorgestellt. Mindestens fünf der nachfolgenden Gesetzentwürfe würden das Ende der Aquarienfischerei bedeuten – sei es durch ein komplettes Verbot oder durch so starke Einschränkungen, dass die Branche sie kaum erfüllen könnte. Zwei der zwölf eingeführten Gesetzentwürfe sind für öffentliche Anhörungen am 29. Januar 2013 vorgesehen: s. SB 26 & SB 27

 

 

Meinungen der Gegner

  • www.humanesociety.org/news/news/2010/07/reef_trade_legislation_071310.html
  • www.humanesociety.org/news/magazines/2011/01-02/trouble_in_paradise.html#id=album-75&num=content-1459
  • www.humanesociety.org/news/news/2012/04/five_ways_you_can_protect_coral_reefs.html
  • www.forthefishes.org/Home_Page.html
  • http://earthjustice.org/slideshows/ourwork/species-targeted-by-the-aquarium-trade#/sites/default/files/aq-Kona-Collector-700.jpg
  • http://earthjustice.org/our_work/cases/2012/protecting-hawai-i-s-reef-ecosystems-from-the-aquarium-trade

 

 

Berichte der DAR über die Effizienz der Verwaltung und verwandte Studien


 *  erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit

 

 

Dieser Artikel ist am 18.10.2014 erschienen

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Kommentare

CS
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Neuigkeiten über Snorkel Bobs Strategien, den Export mit marinen Zierfischen in Hawaii zu unterbinden, findet Ihr hier: Link
Beitrag vom 02.12.2014 - 16:33 

CS
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Wenn diese Forderungen durchkommen, dann Goodbye ihr Fische aus Hawaii:

We have been advised by the House of Representative Cindy Evans that she will in January, introduce a legislative bill is going to ban aquarium fishing statewide, and asking the Department of Land and Natural Resources to buy back all aquarium fishing licenses.  We will have to fight this one fiercely.
  
Best regards,
Wayne

* Wayne ist einer der bekanntesten und erfahrensten Exporteur für marine Zierfische in Hawaii
Beitrag vom 29.10.2014 - 11:07 

CS
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Jeder hat es selbst in der Hand!

Mahalo for your testimony, it has now been made part of our record.

Ku'ulei N. Moses
Land Board Secretary
Office of the Chairperson
Department of Land and Natural Resources
Kalanimoku Building Room #130
1151 Punchbowl Street
Honolulu, HI 96813
Phone (808) 587-0404
Fax (808) 587-0390
Link
Beitrag vom 29.10.2014 - 10:56 

CS
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An alle, die es interessiert, was in Hawaii passiert (Mail von Matt Ross, Fischer):

The new regulations we've been working on for the Oahu aquarium fishery are scheduled to be heard at the Hawaii Board of Land & Natural Resources meeting this Friday (Oct. 24).  These regulations have been in the process for the past 3 years, and this is the final step before they go to the Governor's office and are signed into law.

Unfortunately, however, the usual group of anti-aquarium activists is doing their best to obstruct the rules package as much as possible.  The prospect of a well-managed, sustainable fishery in Hawaii runs counter to their ultimate goal of a complete ban on aquarium fishing in Hawaii, and they see it as a threat.  Since this is their last chance to block its progress, we can expect a lot of resistance.

So, any testimony in support of the rules package would be greatly appreciated!  We can use all the help we can get.

Written testimony can be sent to the following e-mail address:

kuulei.n.moses@hawaii.gov

Please make sure to state that your testimony is the October 24 Land Board Meeting, in support of agenda item F-2 (Oahu Aquarium Life Management).

Further instructions on testimony, including fax, can be found here:
Link

The proposed rules themselves can be found at the following link:
Link

Thanks, Matt
Beitrag vom 23.10.2014 - 08:03 

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