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Zucht & Züchtigung (2)


 

Zucht und Züchtigung (2)

 

I

 

Ich stehe auf den Golanhöhen und blicke gen Osten. Nicht weit von hier tobt ein Krieg, der bisher 100 000 Zivilisten das Leben gekostet hat. Über sechs Millionen syrische Bürger, darunter viele Frauen und Kinder, sind auf der Flucht – und die Weltgemeinschaft schaut wieder einmal zu und tut nichts. Wie damals beim Völkermord in Ruanda oder beim Bosnienkrieg Mitte der 1990er-Jahre. 

 

Die Ambivalenz meiner Gefühle verschärft sich angesichts des Elends in den palästinensischen Siedlungen, die ich auf meiner Fahrt nach Bethlehem sehe. Was hat sich der Staat Israel nur dabei gedacht, drumherum Sperranlagen zu errichten? Auf der anderen Seite verstehe ich aber auch das Sicherheitsbedürfnis der israelischen Bürger. Die furchtbaren Attentate, die viele Menschenleben gekostet haben, rechtfertigen zweifelsohne drastische Maßnahmen. Aber mit dem Bau einer Mauer, so wie einst in Berlin, zementiert man einen Zustand, der keinen dauerhaften Frieden bringen kann.

 

*

 

Ähnlich verfahrene Situationen finden sich an vielen Orten der Welt. Wen wundert es, dass wir einen solchen Notstand auch in unserem Metier, der Meerwasseraquaristik, vorfinden! Immer noch sterben innerhalb der Handelskette bis zu 90 Prozent aller Fische, bevor sie ihren Bestimmungsort erreichen. Der Einsatz von Zyanid und die katastrophalen Hälterungsbedingungen auf Booten und bei Middlemen dezimieren die Ausbeute in signifikanter Weise. Erst in der Exportstation können die gebeutelten Kreaturen „aufatmen“, bevor es in tiefer Dunkelheit weitergeht auf der Reise ans andere Ende der Welt. 

 

Bei uns werden sie aus ihren Plastiktüten befreit. Am pH-Wert kann man schnell erkennen, wie lange die Tiere unterwegs waren. Bei manchen kommt dann allerdings jede Hilfe zu spät. Vergiftet von ihren eigenen Exkrementen, dümpeln die Kadaver in einer stinkenden Brühe. Manchmal auch gekocht von der Hitze oder gefrostet wie Fischstäbchen.1

 

Das alles klingt nicht schön. Kein Händler erzählt Ihnen diese kleinen Hintergrundgeschichten, während Sie vor dem Verkaufsbecken stehen und auf das Objekt Ihrer Begierde zeigen. Ein aufgeklärter Hobbyaquarianer fragt gegebenenfalls nach, ob das Tier aus einer Nachzucht stammt. In den allermeisten Fällen schüttelt der Verkäufer den Kopf. Ob als ehrliche Antwort oder aus Unverständnis, ist meist nicht auszumachen.


 1 Wenn zum Beispiel der Frachtraum nicht klimatisiert ist oder die Tiere am Flughafen im Freien auf ihre Weiterreise warten.


 *

 

Aber es gibt Lichtblicke. Im Meerwasseraquaristik-Fachmagazin KORALLE mit dem Titelthema Nachzucht schreibt der Herausgeber im Editorial: „Mehr und mehr Tiere in der Meeresaquaristik kommen aus Nachzuchten – eine positive Entwicklung, denn das reduziert den Druck auf natürliche Lebensräume.“2 

 

Ja endlich, möchte man meinen. Was in der Süßwasseraquaristik schon lange geht, sollte doch auch bei marinen Tieren möglich sein, oder? Gerade in Zeiten, wo Politiker laut über Importverbote für Wildtiere nachdenken. 

 

Aber die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Auch wenn sagenhafte Anstrengungen in den Laboratorien einiger Forschungsinstitute unternommen wurden, klappt es zum Beispiel nicht, die Larven von Doktorfischen am Leben zu erhalten. Zu schwierig ist der Lebenszyklus hochkomplexer mariner Organismen wie Acanthurus coeruleus, Paracanthurus hepatus und Zebrasoma flavescens, wie auch Dr. Matthew L. Wittenrich in seinem Artikel zugibt. Sein Resümee: „Bisher gelingt es also noch nicht, auf den Philippinen und in Indonesien die Doktorfisch-Naturentnahmen durch Nachzuchten zu reduzieren, doch ich wüsste gern, wie sich die Dinge entwickeln, wenn es uns routinemäßig gelingt, diese Fische in Menschenobhut zu vermehren.“3

 

Es ist absehbar, wie sich die Dinge entwickeln werden. Als Disney seinen Film „Finding Nemo“ (dt. „Findet Nemo“) in die Kinos brachte, bescherte das dem Meerwasserhandel eine gigantische Nachfrage nach Clownfischen. Millionen Tiere wurden von kleinen und großen Zuschauern regelrecht zu Tode geliebt, was natürlich Tierschützer auf den Plan rief. Eine der damals gerne benutzten Rechtfertigungen der Händler war der Hinweis, dass die meisten Amphiprion ocellaris aus Nachzuchten stammen. 

 

Sind nachgezüchtete Lebewesen weniger wert? Scheinbar ja. Wäre das womöglich die Antwort auf die Frage, weshalb es immer noch Wildentnahmen gibt, obwohl Clownfische in ausreichender Zahl gezüchtet werden können? Und was wird aus Dory, wenn im Sommer 2016 „Finding Dory“ das Publikum verzaubern wird? Paletten-Doktorfische würden einen vergleichbaren Ansturm menschlicher Zuneigung noch weniger verkraften – weil nämlich 100 Prozent der Tiere aus der Natur kämen!4


2 KORALLE, Ausgabe 84 (Dezember 2013/Januar 2014), S. 3.

3 Wittenrich, Matthew L. (2013): Doktorspiele – Nachzucht – von Palettendoktorfisch & Co. In: Ebd., S. 20–24. 

4 In Ländern, wo es Fangquoten gibt, sind diese nach Erscheinen des Films „Finding Nemo“ erhöht worden, um die Nachfrage an Clownfischen befriedigen zu können. Vgl. www.faz.net/aktuell/gesellschaft/film-nemo-loest-ansturm-auf-tropenfische-aus-198941.html.


*

 

Seit 2009 weist SAIA/ESAIA e. V. regelmäßig auf Gefahren hin, die der Meeresaquaristik blühen, wenn Tierschutzorganisationen Sturm laufen und wir nichts entgegnen können. Mit „wir“ meine ich alle, die davon profitieren, Hobbyaquarianer eingeschlossen. Die Zurückhaltung vieler Händler und Zoofachmärkte bei der Offenlegung von Zahlen, Fakten und Informationen, ist nicht nachvollziehbar.5  Die Folgen dieser Geheimniskrämerei zeichnen sich gerade ab, und natürlich würden auch Hersteller von Lampen/Leuchten, Pumpen, Aquarien, Futtermitteln und Salzen die Auswirkungen eines europaweiten Wildtierimportverbots zu spüren bekommen. Ihre Untätigkeit in Sachen Umweltschutz und Fair Trade wiegt aus meiner Sicht genauso schwer.

 

In schöner Regelmäßigkeit gibt es von allen möglichen Seiten Verbotsforderungen – und die Stimmen werden lauter! Wir erinnern uns an den Kampf, der bis vor Kurzem in Hawaii ausgetragen wurde. Ein Exportverbot von Doktorfischen und ihren Artgenossen konnte bis auf Weiteres abgewendet werden. Dies gelang nur, weil verifizierte Daten auf dem Tisch lagen, an denen sich die politischen Entscheidungsträger orientieren konnten. Vor allem durch die Arbeit der Hawaii Division of Aquatic Resources (DAR) unter Leitung von Dr. William Walsh konnten Behauptungen, wie sie auch bei uns zu hören sind6, entkräftet werden. Das führte zu der Unterzeichnung der West Hawaii Fishing Rules. Neben Australien besitzt nun auch Hawaii ein Fischei-Management, das sowohl zum Schutz der Habitate als auch zum Schutz von Arbeitsplätzen dient. 

 

Freilich geben sich amerikanische Tierschutzgruppen mit moderaten Regelungen nicht zufrieden. Augenblicklich fordern sie, dass Korallenimporte generell verboten gehören. Derzeit wird durch die zuständigen Behörden geklärt, ob 66 Korallenarten als bedroht eingestuft werden müssen.7  Eine Listung nach dem Endangered Species Act verbietet den Export, Import und alle kommerziellen Aktivitäten. Was das für die US-Aquaristikszene bedeuten könnte, kann sich jeder selbst ausmalen …

 

Glaubt man einigen Händlern und Organisationen, nehmen aber auch bei uns die Forderungen der Tierschützer bedrohliche Ausmaße an. Als in den Medien Verbotsforderungen in den Koalitionsvereinbarungen von SPD und CDU auftauchten, war die Entrüstung gewaltig. Dass von politischer Seite lediglich über ein „grundsätzliches“ Verbot nachgedacht wurde, interessiert indes kaum jemanden. Die Panik war geschürt. Überall regte sich Widerstand in Form von Appellen, die nur eines zum Ziel hatten: auf sich aufmerksam zu machen.8  Über Probleme, die es zweifellos im Wildtierhandel gibt, schwieg man hingegen eisern (um nicht noch mehr Wasser auf die Mühlen der Gegner zu gießen). Eine Rechnung, die nie und nimmer aufgeht.9


5 An unserer Umfrage zum Onlinehandel (2013) beteiligten sich lediglich zehn Prozent der von uns angeschriebenen Onlinehändler. 

6 Zum Beispiel die Aussage, dass 90 Prozent aller Tiere das erste Jahr ihrer Gefangenschaft nicht überleben.

7 Vgl. www.nmfs.noaa.gov/pr/species/invertebrates/corals.htm.

8 Eine herausragende Stellung schien der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e. V. (BNA) einnehmen zu wollen. Seinem Anspruch, für alle Bereiche des Wildtierhandels zu sprechen, wurde der Verein jedoch nicht gerecht. 

9 Große Umwelt- bzw. Tierschutzgruppen agieren global, ihr politischer Einfluss ist enorm. Die Meerwasseraquaristik hingegen besitzt keinen einzigen ernst zu nehmenden Interessenverband, weder national noch international. 


 *

 

Wir brauchen Zahlen und Fakten, um unser Hobby zu schützen: vertrauenswürdige, nachvollziehbare Zahlen, unumstößliche Fakten und ungeschönte Statistiken. Nur so können wir den Bedrohungen wirkungsvoll begegnen. In den letzten Jahren gab es von unserer Seite aus zwei Versuche, etwas über die angeblichen Zuchterfolge im deutschsprachigen Raum herauszufinden. 2011 startete SAIA seine Aquakultur-Umfrage. Obwohl darüber viel diskutiert wurde und es auch zahlreiche Rückfragen an uns gab, konnte sich kaum ein Händler, Züchter oder Hobbyaquarianer entschließen mitzumachen. Ein immer wieder bemühtes Argument waren allgemeine „Bedenken“, die „es aus den unterschiedlichsten Gründen“ gebe. Welche, wurde von den Betreffenden allerdings nie gesagt.10 

 

In einem erneuten Anlauf ein Jahr später versuchte Dr. Sabine Keuter von der Universität Hamburg die Leute zum Mitmachen zu bewegen. Auch hier waren die Resultate ernüchternd. In ihrer Abschlussmail an alle, die sich beteiligt hatten, schrieb sie: „Leider habe ich nur von sehr wenigen Daten bekommen, sodass es zu keinen repräsentativen Ergebnissen kommen konnte.“ Trotzdem hatte sie sich noch die Mühe gemacht, alles in einer Excel-Tabelle aufzulisten.

 

*

 

Wo sind sie, die viel gepriesenen marinen Nachzuchten? Abermals gibt das Magazin KORALLE darüber Auskunft. Den Recherchen von Verena Klein zufolge gibt es durchaus ambitionierte Aquarianer, „doch selten züchten diese Personen regelmäßig oder in größeren Mengen“. Auch der Bezug über heimische Zuchtbetriebe führe oftmals in eine Sackgasse. Letzten Endes seien nur „Nachzuchttiere von speziellen Farmen und Großhändlern aus dem Ausland“ erhältlich.11

 

Eine große Ausnahme in Deutschland war bis vor Kurzem Wolfgang Mai. Zu den Hintergründen, seine Profession an den Nagel zu hängen, äußerte er sich in einer E-Mail wie folgt: 

 

„Ja, wir haben die Zucht von Meerwasserfischen ganz eingestellt. Der Grund sind die nur noch gering erzielbaren Preise und die steigenden Unkosten für Energie und Futter. Es war nie meine Absicht, mit der Zucht das große Geld zu verdienen. Aber die Betriebskosten sollten doch schon wieder hereinkommen und ein kleiner Überschuss (hauptsächlich wieder in neue Zuchtversuche investiert) sollte es schon sein. Fast alle Händler drücken die Preise in der letzten Zeit doch sehr. Kommerzielle Züchter und Hobbyzüchter werden, was die Preise angeht, gegeneinander ausgespielt. Das Märchen, dass Nachzuchten teurer sind (sein müssen), glauben wohl nur die Endverbraucher. Händler zahlen in der Regel höchstens Wildfangpreise. Die wenigen Händler, die noch bereit sind, moderate Preise zu zahlen, konnten natürlich nicht alle meine Nachzuchten unterbringen. Ich hatte im Jahr 2013 mehrere Tausend Fische in der Zuchtanlage schwimmen, die ich unter dem Selbstkostenpreis verkaufen musste. Wir haben 23 Arten nachgezogen und hatten immer zwischen 6 und 10 Arten zum Verkauf vorrätig.

Die Meerwasseraquaristik wird aber wohl nie ohne Wildfänge auskommen. Ich denke zum Beispiel an die große Gruppe der Doktorfische, die ja fast jeder in wenigstens einer Art im Aquarium schwimmen hat. Bei dieser Gruppe, wie auch bei vielen anderen, sind wir von einer erfolgreichen Nachzucht noch weit entfernt. Versuche in dieser Richtung kosten enorm viel Zeit (wäre nicht weiter schlimm) und auch einiges an Geld.“12

 

Um kommerziell zu züchten, sind große finanzielle Anstrengungen, ein langer Atem und persönliche Entbehrungen nötig. Das habe ich auch bei unserem SAIA-Gründungsmitglied Lautan Production aus Frankreich beobachten können. Über Jahre hinweg wurde die Züchtung von Fischen vorangetrieben, großartige Erfolge wurden erzielt. Am Ende aber reichte es nicht aus. Das lag in erster Linie an der Größe der Anlage und an den Produktionskosten; Händler wollen Tiere in großer Anzahl, in gängiger Verkaufsgröße und zu einem Preis, der mit dem für Wildfänge konkurrieren kann. Transshipping und Onlinehandel setzen das Preisgefüge zusätzlich unter Druck. Abgesehen davon sind diese Geschäftspraktiken, wenn es um lebende Materie geht, alles andere als koscher …


10 Lediglich eine Person schrieb als Begründung, er sehe „keine fundierte wissenschaftliche Grundlage zur Beantwortung Ihrer Fragen. Bei den gestellten Fragen lässt sich m. E. kein deterministisches Ergebnis ableiten.“

11 Klein, Verena (2013): Marine Nachzuchten im „Outsourcing“ – Modell für die Zukunft? In: KORALLE, Ausgabe 84 (Dezember 2013/Januar 2014), S. 37–41; hier: S. 38 

12 E-Mail vom 12. Februar 2014, abgedruckt mit Marcel Bohnekamps freundlicher Genehmigung.


 II 

 

Die Firma Captive Bred aus Israel möchte in wenigen Jahren zu den Großen der Branche gehören. Dies ist das erklärte Ziel der beiden Inhaber, die ich Anfang 2014 in ihrer Anlage in der Nähe von Nentanya besuchen durfte. Nimrod Lazarus und Kfir Gayer lassen da keine Zweifel aufkommen. In ihrem Business muss man schlicht und ergreifend wachsen, wenn man über die Runden kommen will. Ohne Investitionen im sechsstelligen Bereich geht da ihrer Meinung nach überhaupt nichts. In meinen Augen liegen sie damit völlig richtig, um a) die lange Vorlaufzeit überbrücken und b) in befriedigender Stückzahl liefern zu können. Alles andere macht im kommerziellen Bereich keinen Sinn. Ein gutes Beispiel für den geschäftlichen Erfolg mit Züchterware ist die Firma Sustainable Aquatics, der ich im Oktober 2012 einen Besuch abstattete. Ausgerechnet im US-amerikanischen Tennessee hatte man weder Kosten noch Mühe gescheut. Warum, erklärte mir der Chef John Carberry so: „Letzten Endes ist es egal, wo man züchtet. Hauptsache, die Infrastruktur stimmt. Think big!“ 

 

Eine Notwendigkeit, näher ans Meer zu ziehen, sahen weder Nimrod noch Kfir. Für ihre Zuchtanlage waren andere Dinge von Vorteil. Zum einen existierte hier schon eine Aquakultur, zum anderen spielte die Nähe zu anderen Fischfarmen und zum Flughafen eine wichtige Rolle. Um effizienter auf Bestellungen eingehen zu können, teilen sie sich die Frachtkosten mit Exporteuren von Süßwasserfischen. Die Geschäfte liefen nicht schlecht, erklärt Nimrod. Es gebe aber noch viel Luft nach oben. Er führt mich in ein angrenzendes Gebäude. In den Bassins tummeln sich Abertausende Segelflosser (Pterophyllum scalare).

 

 

„Diese Anlage werden wir in Kürze übernehmen, dann haben wir 170 000 Liter zusätzlich. Alles in allem 300 000 Liter. Das sollte ausreichend sein.“

 

„Wie viele Tiere strebt ihr an?“, frage ich. 

 

„Derzeit verkaufen wir ungefähr 5 000 Tiere im Monat. Unser Ziel bis 2016 sind 20 000 Stück.“

 

Wir sind mittlerweile im Büro angelangt, wo Kfir frische Datteln und vegetarische Pastetchen serviert. „Hauptsächlich Clownfische, wie ich gesehen habe.“

 

Amphiprion ocellaris und Amphiprion percula sind ohne Frage das Rückgrat unseres Geschäfts. Wir setzen dabei besonders auf Designertiere ...“ 

 

Um ehrlich zu sein, ich habe so meine Probleme mit „künstlichen“ Tieren. Zum einen frage ich mich, ob etwas, das in Freiheit nicht überlebensfähig wäre, in unseren Aquarien herumschwimmen muss.13  Zum anderen fehlt in meinen Augen der viel beschworene Beitrag zum Artenschutz. Warum werden stattdessen keine Anstrengungen unternommen, bedrohte bzw. seltene Spezies nachzuzüchten, Banggai-Kardinals zum Beispiel?

 

„Die lohnen sich einfach nicht“, gesteht Nimrod. „Jedenfalls nicht bei uns. In Indonesien oder Thailand sieht es hingegen anders aus. Dort sind die Produktionskosten mehr als überschaubar.“

 

„Was habt ihr neben Zwergbarschen und Neongobies noch anzubieten?“

 

„Wir haben Monodactylus sebae13 , einen Brackwasserfisch, der meiner Ansicht nach ein großes Potenzial in der Meeresaquaristik besitzt. Alles in allem sind bei uns 14 Arten ständig verfügbar.“

 

„Sind Seepferdchen darunter?“, frage ich nicht ohne Hintergedanken. 

 

„Nicht mehr, zu meinem Bedauern. Leider sind uns die äußeren Umstände zu viel geworden, sodass wir von der Zucht und dem Verkauf Abstand genommen haben.“

 

Das Problem ist bekannt. Durch ihre CITES-Listung14  unterliegen Seepferdchen einer besonderen Regulierung. Dadurch wird der Erwerb von Zuchtpärchen in erheblichem Maße erschwert. Auch die Weitergabe des Nachwuchses bedarf einer speziellen Dokumentation, die sich für den Züchter in den wenigsten Fällen bezahlt macht.15

  

*

 

Sowohl Nimrod und Kfir als auch ihre vier Angestellten verfügen über einen Universitätsabschluss in Meeresbiologie. Alle vereint, wie sie betonen, die Liebe zum Meer. Es gibt nichts Schöneres, wenn sich Leidenschaft bezahlt macht. Aber es gibt auch Schattenseiten. Darauf angesprochen, sagt Kfir, dass Abstriche im Familienleben das größte Problem darstellten. Zum Glück seien jetzt Kollegen da, die ihm zur Hand gingen und auf die er sich verlassen könne. Vor ein paar Jahren seien für ihn selbst kleinste Auszeiten undenkbar gewesen.

 

Das kann nicht jeder. Dafür muss man geboren sein. Der Aufwand, der betrieben wird, rechnet sich in der Regel nicht. Aber trotzdem versuchen es ein paar unverbesserliche Optimisten immer wieder. Die Macher von Captive Bred sind genau solche. Ich hege größte Sympathien und wünsche ihnen alles Gute für die Zukunft!


13 www.meerwasser-lexikon.de/tiere/5197_Monodactylus_sebae.htm.

14 Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES), auch Washingtoner Artenschutzübereinkommen.

15 Die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und die Kompliziertheit der Fütterung machen die Seepferdchenzucht zusätzlich zu einem finanziell unkalkulierbaren Risiko.


III

 

Einer Leidenschaft folgend, beginnt die Züchterei. In den seltensten Fällen werden daraus Erfolgsgeschichten. Matthew Carberry (Präsident und Meeresbiologe bei Sustainable Aquatics) hatte Glück, weil sein Vater ihn mit einem Kapitaleinsatz in Millionenhöhe unterstützte. Heute gehört das US-Unternehmen zu den wenigen kommerziellen Züchtern, die es geschafft haben, profitabel zu arbeiten.

 

Alain Duday, Gründer der Firma Lautan Production, hatte hingegen Pech. Seine Geldgeber waren weniger geduldig und machten die Schotten dicht, bevor es richtig losgehen konnte. Mit mehr Unterstützung seitens der europäischen Abnehmer hätte man der Konkurrenz aus Übersee etwas entgegnen können. Dies wäre zumindest gut fürs eigene Image gewesen. 

 

Es gibt aber auch andere Mittel und Wege, wie Oceans, Reef & Aquariums (ORA) beweist. Diese Unternehmung entstand auf dem Campus des Harbor Branch Oceanographic Institute, das der Florida Atlantic University angegliedert ist, und gehört heute zur Nummer 1 in Sachen marine Nachzucht. Durch die Nähe zu wissenschaftlichen Einrichtungen werden Forschungsergebnisse leichter in die Praxis umgesetzt. Mittlerweile hat ORA über zehn Millionen Fische weltweit verkauft.

 

 *

 

„Alle anderen sind Krauter“, spricht der Kritiker. 

 

Auch wenn es der eine oder andere nicht wahrhaben will: Die Hoffnung, dass sich der Druck auf natürliche Lebensräume durch heimische Nachzuchten reduziert, wird sich nicht so bald erfüllen – weil die Voraussetzungen dafür fehlen. Selbst wenn „Korallenfischzucht im Wohnzimmer“16  eine immer größere Rolle spielt, außer einer Handvoll Tiere, die gelegentlich an befreundete Hobbyaquarianer weitergegeben werden, gibt es diesbezüglich keinen nennenswerten Fortschritt. Im Gegenteil, die Situation dürfte sich in Zukunft noch verschärfen, denn wie bei jedem anderen Produkt setzt auch die Meerwasserindustrie auf wachsende Absatzmärkte.

 

Eine weitere Komponente kommt noch hinzu: Für viele wird der Umstand entmutigend sein, aber wieso sollten die Regierungen in den Herkunftsländern uns noch länger bei Versuchen, endemische Fische und Korallen nachzuzüchten, zuschauen? Der Begriff der Biopiraterie17 ist längst in aller Munde und er wird früher oder später auch unser Interessengebiet tangieren. Brasilien zum Beispiel, ein Schwellenland mit stetig wachsendem Selbstbewusstsein, sieht dem Raub seiner natürlichen Ressourcen nicht mehr tatenlos zu. In der Haustierbranche wird dieses Thema bereits heiß diskutiert. Eine finanzielle Beteiligung der Länder, auf dessen Hoheitsgebiet sich biologische Einzigartigkeiten finden lassen, halte ich persönlich für überfällig. 

 

*

 

Angesichts der unüberwindbaren Hürden also wäre es besser, sich einzugestehen, dass wir noch lange auf Wildentnahmen angewiesen sind und deshalb mehr für die Nachhaltigkeit unseres Hobbys tun müssen – sei es im Kampf gegen den Einsatz von Zyanid und Dynamit, im Kampf um bessere Hälterungs- und Transportmethoden oder für mehr Aufklärung an der heimischen Aquarianerfront … Die Liste ist lang. Und sie wird länger, wenn wir auch die Armut derjenigen berücksichtigen, die uns mit zum Teil lebensgefährlichen Tauchgängen zu unserem Glück verhelfen. Ein Thema, das gerne unter den Tisch fällt, wenn es um sogenannte Schnäppchen geht. Den eigentlichen Preis bezahlen Menschen wie Made Sudira, ein Fischer aus Bali, der uns 2011 ein bewegendes Interview gab.18 

 

*

 

Hier schließt sich der Kreis. Menschen werden an vielen Stellen der Welt und auf verschiedenartige Weise ausgebeutet. Ein Armutszeugnis für die angeblich am höchsten stehende Lebensform. Sie ist programmiert, alles zu unterwerfen. Sogar ein Teil ihrer selbst ist, wenn ich nur an die für die internationale Textilbranche schuftenden Näherinnen in Bangladesch denke, nicht sicher vor Unterdrückung und Ausbeutung. Krieg und Zerstörung sind des Menschen Rüstzeug seit Jahrtausenden. Da wundert es fast, ihn auch mal beim Innehalten, beim Betrachten von Sonnenuntergängen oder von Korallenfischen anzutreffen.


16 Schmidt, Torsten (2013): Korallenfischzucht im Wohnzimmer. In: KORALLE, Ausgabe 84 (Dezember 2013/Januar 2014), S. 26–36.

17 Laut dem American Heritage Dictionary ist Biopiraterie „die kommerzielle Weiterentwicklung natürlich vorkommender biologischer Materialien, wie zum Beispiel pflanzliche Substanzen oder genetische Zelllinien, durch ein technologisch fortgeschrittenes Land oder eine Organisation ohne eine faire Entschädigung der Länder bzw. Völker, auf deren Territorium diese Materialien ursprünglich entdeckt wurden.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Biopiraterie)

18 www.saia-online.eu/images/downloads/de/serangan-artikel_de.pdf.


 +

 

Nützliche Links und Artikel zum Thema:

 

 

Captive Bred: http://www.captivebred-marine.com/index.php/about-us 

Sustainable Aquatics: http://www.sustainableaquatics.com/

Oceans, Reefs and Aquariums (ORA): http://www.orafarm.com/

Lautan Production: http://www.abrisousroche.com/EauMer/Articles/Visite_Lautan/Elevage-poissons-marin.html

Hawaii Division of Aquatic Resources (DAR): http://state.hi.us/dlnr/dar/

 

Ade, gelber Doktor – Machtkampf in Hawaii 

Zierfischhandel“ - Heute und Morgen 

 Ist ein nachhaltiger Meerwasserhandel in Indonesien möglich?   

 

+ +

 

Für alle, die sich fragen, wo Teil 1 abgeblieben ist. 

 

Der gleichnamige Artikel entstand, als bekannt wurde, dass der letzte kommerzielle Züchter mariner Zierfische in Europa (Lautan Production) Pleite ging. Ich finde es im Rückblick bezeichnend, wie viel Energie verwendet wird, um der Brisanz des Themas keinerlei Beachtung zu schenken. Im Gegenzug hört und liest man immer wieder von den Erfolgen der Korallenfischzucht. Dabei hat sich im Großen und Ganzen kaum etwas getan. Lediglich 12 Arten sind „ständig und auch in Europa als Nachzuchten erhältlich“.1  Bei 1472 Fischarten, die laut einer Studie von 2012 weltweit gehandelt werden2, nichts, worüber man in Verzückung geraten möchte. 

 

+ + + 

 

Zucht & Züchtigung - Kritische Anmerkungen 

zur KORALLE-Ausgabe 76 (August/September 2012), 

Titelthema Korallenfischzucht

 

Es geht heiß her. Nicht nur weil Sommer ist. Wir haben unser Video "Fischfangmethoden auf den Philippinen" auf Korallenriff.de vorgestellt und innerhalb einer Woche mehr als 2.500 Klicks erhalten.3  Die parallel verlaufende Diskussion zeigt, wie sehr ein Umdenken in der Meerwasseraquaristik angebracht wäre. Was genau sich ändern muß, steht für viele außer Frage: Mehr Nachzuchten sollten im heimischen Becken schwimmen! Wie schwer das zu bewerkstelligen ist, zeigt die aktuelle Ausgabe des Hochglanzmagazins KORALLE. Die Liste der Korallenfische, die als Nachzuchten erhältlich sind, kommt bei genauerem Hinsehen ziemlich opportunistisch daher. Wer verfügt schon über Becken mit zig tausend Litern, um Großkaiser zu halten? Wirklich aufregend wird es erst, wenn Chefredakteur Daniel Knop berichtet, was sich in den Labors einiger Institute tut. Ob aber Nachzuchten eines Centropyge spp. jemals im Verkaufsbecken deutscher Einzelhändler gelangen, wage ich persönlich zu bezweifeln. "Schöne neue Züchterwelt, möchte man meinen", kommentierte eine Frau Kirchner das neuen Heft. Und ein anderer gibt zu bedenken: "...warum werden hier ausschließlich Fische gezüchtet/vorgestellt, die nun mittlerweile für unser meerwasseraquaristisches Hobby (jedenfalls für die grosse Masse) absolut irrelevant sein sollten." Ich stimme beiden zu. Wir stehen noch am Anfang; in unserem Hobby geht es leider nicht ohne Wildfänge. Die Art und Weise, wie der Fisch aus dem Wasser geholt und zu uns nach Hause gebracht wird, muß sich deshalb radikal ändern. Es kann nicht sein, dass arme Fischer mit Gift losziehen und ganze Riffe langfristig zerstören. In meinen Artikeln   habe ich die Welt der Fischer in Indonesien und auf den Philippinen beschrieben. Wer den Reibach in diesem Geschäft macht, kann sich jeder denken.

 

Im Mittelpunkt steht das Geschäft. Warum sollten ausgerechnet Züchter nicht davon leben können? Inzwischen gibt es in Europa keinen einzigen erstzunehmenden kommerziellen Züchter im Meeresbereich mehr! Der Grund dafür: Zuchttiere sind zu teuer für den Einzelhandel. Immer noch werden Schnäppchen, sprich Tiere aus der Wildnis vom Käufer bevorzugt. Ein paar Euro machen den Unterschied... Um zu erfahren, was sich beim Thema Nachzuchten wirklich getan hat, wurde letztes Jahr eine Aquakulturumfrage ins Leben gerufen. Sowohl Hobbyaquarianer als auch Händler konnten sich zu Zucht und Zuchterfolgen äußern. Ich hoffe, die Ergebnisse noch in diesem Jahres bekannt zu geben. So wie es aber jetzt aussieht, sind alle bisher gemachten Angaben aufgrund der niedrigen Beteiligung statistisch nicht verwertbar. Vor diesem Hintergrund darf deshalb an den Behauptungen, es hätte sich in der Zwischenzeit „viel“ getan, gezweifelt werden. Die meisten Züchter halten sich mit konkreten Auskünften bedeckt und üben sich in Ausflüchten. Wir fragen uns warum. Was ist dran an den Zuchterfolgen, die gehütet werden wie Staatsgeheimnisse? Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir ohne brauchbares Zahlenmaterial weiterhin den Vorwürfen der Gegner ausgesetzt sind. Tierschützer und Politiker werden sich unsere Passivität eines Tages zu Nutze machen, wenn "Plastik im Meer" nicht mehr trendy genug ist, und ein Totalverbot fordern. (26.08.2012)


1 39 000 Clicks weltweit - Stand 01.03.2014 

2 KORALLE, Ausgabe 76 (August/September 2012), S. 53.

3 Vgl. Rhyne AL, Tlusty MF, Schofield PJ, Kaufman L, Morris JA Jr, et al. (2012) Revealing the Appetite of the Marine Aquarium Fish Trade: The Volume and Biodiversity of Fish Imported into the United States. PLoS ONE 7(5): e35808. doi:10.1371/journal.pone.0035808 (2012)


14.03.2014   

 


 


Ein Artikel von Christiane Schmidt im April 2014

 

 

 

 


Dieser Artikel ist am 04.04.2014 erschienen

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Kommentare

CS
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Korrektur: Das Klein-klein kritisieren Sie ... bekomme von Ihnen aber nur kleinliche Bemerkungen zu lesen. Ihre Spitzfindigkeiten in allen Ehren, aber so werden wir keine Sparringspartner.

Übrigens, ich habe Sie nicht mit Klarnamen angesprochen

Beitrag vom 17.04.2014 - 21:17 

CS
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Das Klein-klein kritisiert Sie ... bekomme von Ihnen aber nur kleinliche Bemerkungen zu lesen. Ihre Spitzfindigkeiten in allen Ehren, aber so werden wir keine Sparringspartner.

Übrigens, ich habe Sie nicht mit Klarnamen angesprochen.
Beitrag vom 17.04.2014 - 21:05 

radolf1969
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Mit freundlichen Gruessen
Beitrag vom 17.04.2014 - 20:41 

radolf1969
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Hallo Frau Schmidt,
Was mich viel mehr interessiert ist: Welche Konsequenz ziehen Sie aus Ihrem Artikel?
Sollen wir jetzt alle Hybride bei Captive Bred kaufen?
Was sind denn die konkreten Ansätze von SAIA die Nachzucht von Meerwasserfischen zu fördern?
Werden Sie die ambitionierten Einzelkämpfer, oder "Krauter," wie Sie es zu bezeichnen pflegen in irgendeiner Form unterstützen?
Wie wäre es wenn z.B. die Firmen, die Ihren Verein unterstützen eine Abnahmegarantie für Nachzuchten geben würden?

Ich denke dieser Klein-Klein-Krieg interessiert die meisten die hier mitlesen nicht. Ich habe meine Meinung zu Ihrer Glaubwürdigkeit gesagt. Wenn Sie aus E-Mails einer Umfrage zitieren, die anonym und vertraulich war, sagt das mehr über Ihre Glaubwürdigkeit aus, als über mich.

Was ich auch interessant finde ist, dass die Umfrage damals von ESAIA war und jetzt schreiben Sie von "meiner Umfrage". Sind Sie Christiane Schmidt ESAIA persönlich?

Beitrag vom 17.04.2014 - 20:40 

CS
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Lieber randolf1969,

ich möchte auch Ihnen ein Angebot unterbreiten und alle Ihre Fragen beantworten, wenn Sie mir sagen, wo genau ich unsauber recherchiert haben soll.

Sie meinten außerdem, ich hätte im Zuge meiner Umfrage zum Onlinehandel Ihre "Verbesserungsvorschläge aus dem Zusammenhang gerissen und umgemünzt, um das Bild eines naiven Konsumenten zu zeichnen..." Außer dem Wunsch, ich möge mir die Konfigurierung des SAIA FishSelector noch einmal überdenken, habe ich in Ihrer Mail vom 23.01.13 keine weiteren Verbesserungsvorschläge gefunden.

Mit freundl. Grüßen,

CS
Beitrag vom 16.04.2014 - 10:18 

radolf1969
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Der Diskussionswert eines Beitrags hängt ab von der Seriosität des Autors. Ich will nicht auf alten Kamellen herumhacken, aber wie mein unten genanntes Beispiel belegen sollte, biegt Frau Schmidt die Sachen ein bischen hin. Das schadet Ihrer Glaubwürdigkeit.
Neues Beispiel: '„Alle anderen sind Krauter“, spricht der Kritiker.' Ich verstehe, dass Nimrod das gesagt hat. Ist dem so?
Captive Bred ist in englisch. Es gibt im englischen kein direktes Wort für Krauter. Jedenfalls nicht wenn man es bei Pons oder Leo.org eingibt! Was hat Nimrod also wirklich gesagt? Ist er der Kritiker?

Dieser Artikel ist wirklich super darin den Stand der Dinge zusammenzufassen. Im Wesentlichen deckt er sich mit dem, was mir andere Leute erzählt haben.
Hinterfragt man aber ein bischen, entdeckt man die Widersprüche.
Zugegeben das oben war gemein von mir und ich bin vielleicht vom Betreuen von Studenten sensibilisert. Aber sind uns die Kritiker der Meerwasseraquaristik wohlgesonnen?

Der geneigte Leser möge sich selber ein Bild machen. Mir jedenfalls ist der Artikel von Frau Schmidt zu "fundi." Das hält uns davon ab voranzukommen.
Beitrag vom 14.04.2014 - 22:39 

robertbaur
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Lexikon:106

Hallo ihr beiden Vorschreiber,

erst mal danke ich fürs melden, denn nur damit gibt es ein Feedback. Und nur bei Feedback kann man überhaupt anfangen zu diskutieren.

Ich denke wir werden es als Plattformbetreiber nie allen zu 100% Recht machen können, das sieht man ja gut an Euren beiden Kommentaren. Zu unterschiedlich sind auch die Wahrnehmungen. Ich finde das man nicht immer jedes Thema so ernst nehmen muss, man kann es aber auch wenn man möchte. Nur der "Ton" sollte halt schon immer passen. Ich versuche auf darauf zu achten.

Viele Grüße Robert
Beitrag vom 13.04.2014 - 13:26 

frapo
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Hallo an alle,
ich muß sagen, CS imponiert mir. Auch ich bin nicht mit allem einverstanden, aber der Artikel ist klar formuliert und zeigt auf, worum es geht. Dass sich davon einige gekiekst fühlen, wundert mich nicht. Ich wüßte z.B gern, wo CS unsauber recherchiert hat (alles ist vom Autor belegt). Ich wüßte ebenso gern, was es mit diesem ominösen Frank Ficke auf sich hat?
An den Betreiber dieser Seite meine Hochachtung. Ohne Beiträge wie dieser würde es langweilig werden (Produktinformationen sind auf Dauer langweilig).
Gruß, Schmidt

Beitrag vom 12.04.2014 - 22:21 

radolf1969
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wenn Krauterer als "bewundernswerter idealistischer Einzelkämpfer" zu verstehen ist, dann hätte Thorsten Schmidt sich geschmeichelt fühlen können (Bill Gates und ein Steve Jobs waren das auch mal). Andererseits Frau CS aber zieht Dinge an den Haaren herbei mit der Absicht reisserisch Aufmerksamkeit zu erregen.

An der Umfrage zum Online-Handel habe ich auch teilgenommen. Verbesserungsvorschläge meinerseits zu SAIA wurden aus dem Zusammenhang herausgerissen und umgemünzt um das Bild eines "naiven Konsumenten" zu zeichnen. Das hat mich persönlich getroffen.

Beiträge wie der obige schaden unserem Hobby weil sie reisserisch, unsauber recherchiert und unterschwellig bösartig sind. Menschen werden hier nicht zitiert sondern vorgeführt. Ich bin daher der Meinung dass dieser Beitrag eigentlich gesperrt werden müsste.

Vor allen Dingen: "Wir sind noch nicht fertig miteinander." Das ist ein Niveau, wie ich es nicht lesenswert finde.
@Robert was kann man tun damit wir in Zukunft davon verschont werden? Gibt's Hier irgendwo ein "Melden"-Button?

Beitrag vom 12.04.2014 - 20:37 

CS
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Korrektur: Norbert FeuerFrei und Norbert Zajac sind nicht ein und dieselbe Person.

Für dieses Versehen möchte ich mich bei beiden Herren entschuldigen.

Christiane Schmidt


Beitrag vom 07.04.2014 - 12:46 

CS
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Hallo Herr Schmidt,

 Sie haben herausgefunden, wer CS ist. Nach Ihrem Artikel in der KORALLE beeindrucken Sie mich ein weiteres Mal.

Ich stehe in Kontakt mit vielen und wüsste nicht, wie ich mich Ihnen persönlicher hätte annähern können. Meine Anfragen zur Aquakulturumfrage sind mit viel Tamtam herumgegangen und auch diskutiert worden. Leider ohne greifbares Ergebnis. Vom IFMN und ZML sind mir nur Ablehnungen bekannt. 

Zu Ihren weiteren Ausführungen möchte ich folgendes sagen: Ihr Engagement in Sachen Nachzuchten ehrt Sie. Ich habe allergrößten Respekt vor den Herausforderungen, denen Sie sich stellen. Allerdings sei mir der Einwand erlaubt, dass die Hobbyzüchterei keine geeignete Maßnahme ist, den Druck auf marine Ökosysteme zu reduzieren. Die Gründe dürften bekannt sein.

Sollten Sie Interesse haben, diesen Gedankenaustausch auszuweiten, dann bitte ich Sie, mir persönlich zu schreiben. 

LG, Christiane Schmidt 
Beitrag vom 07.04.2014 - 08:49 

robertbaur
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Hallo Torsten,

vielen Dank für den guten Beitrag.

Für die Sache mit dem Zusatz des Autors kann Frau Schmitt nichts. Sie selber sieht ihren Artikel als (von CS) das sehen aber dritte nicht, sondern nur der verfassende Autor.
So entsteht schnell der Eindruck dass andere das wissen, dem ist aber nicht der Fall. Das ist daher eher unserem Content zu schulden, dass es nicht angezeigt wurde. Ich werde in Zukunft darauf achten.

Beste Grüße
Robert Baur
Beitrag vom 07.04.2014 - 08:47 

Torsten81

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Hallo Frau Schmidt

Zunächst einmal finde ich es schade, dass sie sich offensichtlich nicht im Stande sehen mit ihrem Namen zu ihrem Artikel zu stehen. Erst auf Anfrage meinerseits bei Robert Baur wurde ihr Name als Autorin für jeden ersichtlich angegeben.

Die geringe Beteiligung ihrer Umfragen haben sie wohl auch selbst zu verantworten. So kann ich mich lediglich an eine unpersönliche Aufforderung zur Teilnahme an einer ähnlichen Umfrage erinnern, die im Forum der IFMN im Januar 2013 auftauchte.
Hierbei ging es allerdings um den Onlinehandel, bzgl. der Zucht sind mir als Hobbyaquarianer mit großer Begeisterung für die Zucht, keine Umfragen untergekommen. Weder in den diversen allgemeinen Aquaristikforen, noch in den beiden deutschen Zuchtforen, der ZML und der IFMN.
Wo also wurden diese Umfragen gestartet und wie hat man versucht die Zielgruppen effektiv zu erreichen?


Nennenswerte Fortschritte in der Hobbyzucht wird es erst geben wenn auch der Handel bereit ist auf die Bedürfnisse der Züchter einzugehen. Langsam ist zwar ein Wandel bemerkbar was die Verfügbarkeit diverser Plankter zur Zucht angeht, aber solange wirklich effektive Anreicherungsmittel nur zu horrenden Preisen in nicht vertretbaren Großpackungen angeboten werden, wird sich in diesem Bereich nicht viel tun.
Die "Korallenfischzucht im Wohnzimmer" ist möglich, es muß nur in die Köpfe der Aquarianer gebracht werden und genau dies waren auch meine Beweggründe zu diesem Artikel. Nicht theoretisch daher geschrieben, sondern direkt aus meiner alltäglichen Praxis.
Auch an diesem Punkt muß der Handel ansetzen, private Nachzuchten sollten zu fairen Preisen abgenommen werden anstatt sich immer hinter der Ausrede zu verstecken das man ja auch selbst noch die Kosten für die Hälterungsanlagen mit einrechen müße etc. und daher nicht viel für die Nachzuchten zahlen könne.
Auch ich als Hobbyzüchter habe die Kosten für Strom, Wasser und Salz zu tragen. Allerdings kommen hier noch weitere Kosten dazu, die der Händler nicht hat. Planktonkulturen sind unerläßlich, diese benötigen zusätzlich Strom, Wasser, Salz und Dünger, bzw. geeignetes Futter. Larven benötigen hochwertiges Futter und je nach Art, man schaue gerade mal auf die Seepferdchen, sind diese Mengen nicht zu unterschätzen.
Den zeitlichen Aufwand will ich gar nicht einrechnen aber eines möchte ich zu Bedenken geben, Nachzuchten die in den Handel gehen sind üblicherweise an Frostfutter oder gar an Flocken-, bzw. Granulatfutter gewöhnt.
Bis eine Nachzucht abgabebereit ist, vergehen einige Monate, beim Händler sitzen die Nachzuchten höchstens ein paar Wochen.
Findet dieses Umdenken beim Fachhandel nicht statt, wird es auch in ferner Zukunft nichts mit heimischen Nachzuchten für "jedermann".

Es gibt also noch viel zu tun, packen sie es an!
Auch die SAIA kann sich für Nachzuchten einsetzen und zwar in den Herkunftsländern unserer Pfleglinge direkt. Warum bringt man den Fischern anstatt den Fang der begehrten Ware, nicht auch die verschiedenen Zuchttechniken bei?
Gerade dort ist die Chance der kommerziellen Zierfischzucht am besten, das benötigte Plankton wäre wesentlich einfacher zu bekommen als es dem Hobbyaquarianer möglich ist.

Hier ist auch der große Unterschied zu den kommerziellen Zuchten in den USA und der Zucht in Europa bzw. Deutschland zu finden. Während die amerikanischen Züchter das Plankton praktisch vor der Haustür haben und bei Bedarf direkt aus dem Ozean diverse Plankter zur gezielten Kultivierung separieren können, sind wir als Hobbyzüchter darauf angewiesen was der Markt gerade bietet.


Beste Grüße,
Torsten Schmidt


Beitrag vom 06.04.2014 - 21:33 

CS
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Ja nee is klar, und grüßen Sie mir Frank Fricke (riff-imports.ch)!!

Wir sind noch nicht fertig miteinander.

CS
Beitrag vom 06.04.2014 - 19:58 

FeuerFrei
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Hallo CS,

Warum sollte ich einen Deal eingehen ??

Sie haben Ihre Zahlen und wir haben unsere!

Irgendwie ist es schon komisch wenn auch in ihren Publikationen wie zB. Ein Exporteur gibt Auskunft vom Betreiber der Exportststion von 98% gesunder ankommenden Fischen auf den Fangbooten berichtet.

Wie kommen dann Ihre 90 % Ausfall zustande ?

Wie gesagt wir arbeiten mit ausgesuchten Export Stationen zusammen und können ihre Zahlen in keiner Weise bestätigen !

Um auf das Thema Nachzuchten zurückzukommen sind auch wir bemüht immer mehr Nachzuchten anzubieten egal ob im Fische oder Niederen Tiere Bereich.
Bei Korallen beträgt der Anteil bereits ca 90% Nachzuchten und im Lebendgestein sind wir bereits komplett auf kultiviertes Gestein schon seit Jahren umgestiegen.


Ich wünsche noch ein schönes Rest Wochenende

Gruß Norbert
PS. Für meinen Teil wäre das zu diesen Thema ENDE !
Beitrag vom 06.04.2014 - 18:52 

Camareno
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Ich würde auch gerne wissen zu welchen geschäft man sie zuordnen kann, denn bei max.1% ausfallquote würde ich meine Fische nurnoch bei ihnen kaufen.

Gruß Niels
Beitrag vom 05.04.2014 - 22:03 

CS
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Wissen Sie was, Sie sagen mir, wer Sie sind bzw. für welche Firma Sie arbeiten, und ich beantworte Ihnen alle weiteren Fragen? Deal?

CS
Beitrag vom 05.04.2014 - 19:24 

FeuerFrei
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Hallo CS,

Anscheinend waren sie bei einen sehr schlechten Exporteur in Indonesien Ich kann ihnen gerne bessere Adressen schicken Wenn sie bei diesen Exporteur solche Zahlen ermittelt haben muß ich mich wundern das dieser noch am Zierfischmarkt sein Geld verdienen kann.Bei uns wäre er spätestens nach der zweiten schlechten Lieferung aus unseren Adressbuch geflogen !!!



Haben Sie selbst ein Meerwasseraquarium ???

MFG Norbert
Beitrag vom 05.04.2014 - 18:02 

CS
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Lieber Norbert,

ich halte Sie für einen unverschämten Menschen. Trotzdem möchte ich Ihnen antworten: Ich habe für meine Master Thesis die Mortalität mariner Zierfische bei einem indonesischen Exporteur untersucht. Nachzulesen auf der SAIA-Webseite. Dort finden Sie auch weiterführende Literatur. Ansonsten bitte ich Sie, das Internet zu bemühen.

Dass Sie noch nicht einmal vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen gehört haben, ist bezeichnend. Offensichtlich haben Sie sich bisher wenig Gedanken über Nachhaltigkeit und Fair Trade im Meerwasserhandel gemacht. Sie haben ja noch nicht einmal die Intension meines Artikels verstanden...

Zum Glück denken nicht alle so wie Sie.

CS
Beitrag vom 05.04.2014 - 17:02 

FeuerFrei
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Hallo Herr CS,

Ich bin nicht Herr Zajac !

Bitte geben sie doch mal diese angeblich wissenschaftlich belegten Berichte frei zum lesen !

Es würde keinen Exporteur oder Händler mehr in Deutschland geben wenn diese Zahlen stimmen würden !
Denn dann wäre dieses Geschäft ein Draufzahlgeschäft !

Dann würde ein gelber Doktor keine 40-50 Euro kosten sondern 400-500 Euro !

Sie wollen ernsthaft behaupten das von 10 gefangenen gelben Doktoren nur einer lebend in Deutschland ankommt ???

Und anscheinend kennt ihr Experte auch nicht mal die Transportbedingungen !!
Keine Airline auf dieser Welt transportiert lebende Tiere in nicht Klimatisierten Frachträumen !


Außerdem wollen Sie mit so einen Bericht etwas für unser Hobby tun ???

Mit an denn Haaren herbei gezogenen Zahlen jemanden davon überzeugen das man nur noch Nachzuchten kaufen soll ?

Es klingt ja schon fast so als wenn sie dem Vorhaben der SPD beipflichten und auf generelles Wildtier-Importverbot bestehen !!!

Also liebe Meerwasseraquarienfreunde lasst Euch nicht beeinflußen von diesen angeblichen Experten die auf kosten anderer in der Welt umher reisen und von diesen Geschäft keinerlei Ahnung haben!
Beitrag vom 05.04.2014 - 15:52 

Camareno
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Hallo Herr Zajak,

also das mit ihren 1% kann ich wirklich kaum glauben da ich öfters mal bei ihnen im Ladengeschäft bin und ich z.B. beim letzten Besuch bei ihnen 18 tote Fische in ihren Becken gezählt habe.

Ist ja auch nichts ungewöhnliches aber wenn man mal davon ausgeht das bei der Ankunft alle Tiere noch am leben waren müssten sie 1800 Fische geliefert bekommen haben.

Gruß Niels
Beitrag vom 05.04.2014 - 14:24 

CS
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Hallo Herr Zajac,

die Zahlen sind wissenschaftlich belegt (u.a. im UNEP-Bericht) und vom Autor, der sich seit Jahren mit der Materie beschäftigt, bestätigt. Der Autor hat des Weiteren in den Herkunftsländern gelebt und mit Fischern und Exporteuren zusammengearbeitet.

Bis zu 90 Prozent sterben demnach in der gesamten Handelskette (vom Riff bis zum Hobbyaquarianer). Was dann mit den Tieren geschieht, ist leider nicht belegt. Tierschutzgruppen gehen davon aus, dass 99 Prozent aller gefangenen Tiere das erste Jahr nicht überleben.

PS: Der Hauptteil der Verluste sind in den Herkunftsländern (vom Fang/Transport bis zum Export) zu suchen.

Liebe Grüße,

der Autor
Beitrag vom 05.04.2014 - 14:09 

FeuerFrei
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Hallo,

Ich weiß ja nicht woher der Autor dieses Berichts seine Zahlen her hat aber 90 % der Fische sterben bevor sie ihren Bestimmungsort erreichen ??
Ich hab taglich geschäftlich in der Branche mit Meerwasserfischen und Korallen zu tun und ich habe selbst schon unsere eigenen Fische vom Fang bis zu unseren auspacken begleiten dürfen !!! Und dabei war noch nicht einmal ein Ausfall von 1% !!!

Also was soll das hier mit solchen Horrorzahlen ???

Ich beführworte natürlich auch solche Projekte im Nachzuchtberreich und wir versuchen auch diese vor Ort zu unterstützen.

Es wäre wünschenswert noch mehr Nachzuchten im Handel anzubieten und hoffe das sich das in der Zukunft auch noch verbessert.Aber wir werden die Nachfrage an Fischen nur mit Nachzuchten niemals erfüllen können und deshalb werden Wildfänge noch lange eine große Rolle spielen im Ziefischimport.

GrußNorbert
Beitrag vom 04.04.2014 - 21:35 

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