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Erfahrungen mit der Riffsystem Keramik aus Bayern


Riffsystem - die optimale Keramik für sangokai Riffaquarien

Erfahrungen mit der Riffsystem Keramik aus Bayern

Riffsystem
Mirjam Berghammer
Roßharter Str. 6
83533 Edling
Fon: +49(0)8071-922 9744
www.riffkeramik.de
info@riffkeramik.de

sangokai
Inh. Dipl. Biol. Jörg Kokott
Marktplatz 12
27711 Osterholz-Scharmbeck
Fon: +49(0)4791-98 59 151
www.sangokai.de
info@sangokai.de


Ein Aquariensystem ist immer nur so gut, wie alle Komponenten miteinander agieren und funktionieren. Aus diesem Grund spricht sich die Marke sangokai auch für die Verwendung hochwertiger Produkte anderer namhafter Hersteller aus, um Riffaquarianern das Ziel des optimalen Riffaquariums näher zu bringen. Das Portrait des sangokai Riffaquariums von Dennis Wendt (s.u.) zeigt eindrucksvoll, wie effektiv und erfolgreich die sinnvolle Kombination von Qualitätsprodukten sein kann.
Mit diesem Artikel möchten wir die Keramik der Firma Riffsystem, ansässig im oberbayrischen Edling, vorstellen und die generelle Funktionsweise dieses Dekorationsmaterials, v.a. auch im Zusammenhang mit dem sangokai System, erörtern.

Über den Rahmen der Produktvorstellung und der funktionalen Verknüpfung zwischen der Riffsystem Keramik und dem sangokai System hinaus, liefert dieser Artikel wie gewohnt v.a. auch wertvolle fachliche Informationen, die zu einer effektiveren Planung und Realisierung des eigenen Riffaquariums verhelfen soll. Die Aquarieneinrichtung und -gestaltung ist für den nachhaltigen Betrieb des Riffaquariums, wie es im weiteren Verlauf zur Sprache kommen wird, sehr bedeutsam. Daher wird dieses aquaristische Kapitel auch ganz intensiv und in Anlehnung an moderne Einrichtungsmaterialien wie der Riffsystem Keramik erörtert und diskutiert.

1. Das Material
Die Riffsystem Keramik hat eine besondere und einzigartige Struktur und Porösität, die im Vergleich mit Lebendgestein eine beinahe perfekte Annäherung an natürliche Oberflächen im Korallenriff schafft. Dabei ist nicht nur das vielseitige Spektrum unterschiedlich großer und formenreicher Poren zu nennen, sondern v.a. die starke Verwebung und Vernetzung, die einen hervorragenden Wasser- und Materialaustausch ermöglicht (siehe Foto).
Durch diese offenporige Struktur ist die Riffsystem Keramik ein hervorragendes Siedlungssubstrat für marine Mikroben und sessile Kleinstlebewesen.

Die Riffsystem Keramik weist eine sehr schnelle Biofilmentwicklung auf, eine Eigenschaft, die insbesondere bei der Beckenneueinrichtung eine ungemein wichtige Rolle spielt. Durch die Porösität und der gleichzeitig ungleichmäßigen Verteilung unterschiedlicher Porenformen und -größen,  kann sich eine sehr große Artenvielfalt entwickeln. Hier sind die Anforderungen erfüllt, die das sangokai System an das Dekorationsmaterial stellt, nämlich die durch die sangokai Grundnährstoffversorgung steigende mikrobielle Artenvielfalt zu beherbergen.
Viele Dekorationsmaterialien, z.B. das früher populäre "jugoslawische Lochgestein", aber auch extrem stark verdichtetes Riffgestein, weisen auf ihrer Außenseite oft eine dichte versiegelte Oberfläche auf, was auf dem Material eine schlechte mikrobielle Aktivität erzeugt. Solche Oberflächen entwickeln oft dominante, monotypische Biofilme, v.a. wenn gelöste organische Kohlenstoffquellen zum Einsatz kommen, und fördern langfristig eine starke Detritusbildung auf dem Material. Mit der Riffsystem Keramik und der porösen Oberflächenstruktur wird das verhindert.
Je komplexer die Oberflächenstruktur z.B. einer Keramik ist, desto mehr Nischen entstehen für unterschiedliche Einzeller und mikroskopisch kleine Organismen, die in ihrer Gesamtheit das Aquariensystem und die darin ablaufenden Stoffwechselprozesse stabilisieren. So werden z.B. nitrifizierende Bakterien nicht so schnell von anderen, dominanteren Bakterien verdrängt, weil diese wiederum selbst im allgemeinen Konkurrenzkampf um Siedlungssubstrat keine übermäßig starke Dominanzrolle einnehmen können.
Eine sukzessive Verarmung in der mikrobiellen Artenvielfalt wird durch die Riffsystem Keramik vermieden, sofern eine optimale Ernährungsgrundlage, wie sie im sangokai System gegeben ist, besteht.
Unabhängig von optischen oder künstlerischen Gesichtspunkten, die natürlich auch eine wichtige Rolle in der subjektiven Betrachtung des Aquariums spielen, ergibt sich aus der hier vorliegenden Erörterung eine starke Synergie zwischen der sangokai Nährstoffversorgung und der Riffsystem Keramik als die Lebensraum schaffende Komponente.



2. Die Form und Gestalt
Dass der optische Eindruck eines Aquariums grundsätzlich zählt, und dieser insbesondere für den Laien wichtiger ist, als die Art und Weise, wie das Riffaquarium betrieben wird, steht außer Frage.

Nichts desto trotz erzeugen die Form und die Gestalt des eingesetzten Dekorationsmaterials nicht nur eine individuelle emotionale Wirkung im Betrachter. Vielmehr bestimmen sie auch direkt den praktischen Betrieb des Riffaquariums. Hierbei geht es v.a. um die Parameter Gesamtdekorationsoberfläche, spezifische Expositionsfläche, und Raumstruktur. Diese drei Parameter sollen im Folgenden erklärt und diskutiert werden.

2.1 Gesamtdekorationsoberfläche
Wenn in einem künstlichen Ökosystem wie einem Riffaquarium ein Hartsubstrat als Siedlungsraum angeboten wird, entwickelt sich dort eine ganz spezifische Organismengemeinschaft. Diese Entwicklung ist abhängig von den jeweils vorherrschenden physikalisch-chemischen Umweltbedingungen, dem Ausmaß an Veränderungen in diesen Bedingungen (Dynamik), und der Zeit.

Man darf davon ausgehen, dass der Anteil an im Wasser verfügbaren gelösten Nährstoffen bei dem begrenzten Wasservolumen im Aquarium ein wachstumslimitierender Faktor ist. Viele Organismen haben eine Vorliebe für einen ganz bestimmten Nährstoff, so dass die Verteilung verschiedener Nährstoffformen im Aquarium die Organismengemeinschaft unterschiedlich anspricht. Manche Organismen werden in ihrem Wachstum gefördert, gleichzeitig andere behindert, wenn sie mit den verfügbaren Nährstoffen weniger gut umgehen können. Der Nährstoffhaushalt ist also aus Sicht der Organismengemeinschaft eine relative, und keine absolute Größe im Aquarium, und determiniert die Entwicklung der Hartsubstratorganismen dynamisch über die Zeit. Dadurch bringt jedes Aquarium eine ganz individuelle Organismenstruktur hervor, was jedes einzelne Aquarium (selbst in einem Gesamtkreislauf) einzigartig macht.

Die Gesamtdekorationsoberfläche schließt grundsätzlich alle Biotope im Ökosystem ein, also neben den Hartsubstraten v.a. auch den Bodengrund, der Lebensraum für eine ganz eigene Organismenwelt ist, und je nach Material, Körnung und Struktur ganz unterschiedliche Umweltbedingungen schafft. Hierauf soll. bzw. kann aufgrund der Komplexität dieses Themas leider nicht weiter eingegangen werden. Relevant ist an dieser Stelle nur die Tatsache, dass alle Oberflächen im Aquarium mit dem Wasser interagieren. Diese Interaktionen sind ganz allgemein der Gas- und Stoffaustausch zwischen Dekorationsmaterial und Wasser, sowie zwischen den Organismen auf dem Dekorationsmaterial und dem Wasser. Typisch für keramische Materialien ist z.B. die Abgabe von Mineralien an das Wasser, v.a . Calcium- und Magnesiumminerale, aber auch Silikat. Je nach Art und Qualität der verwendeten Rohstoffe, und in Abhängigkeit von der Verarbeitungsweise und dem Brennvorgang, kann die spätere Rücklösung von Stoffen ins Meerwasser seitens des Herstellers beeinflusst und kontrolliert werden. Dennoch wird man nach der Gestaltung meist schnell eine Veränderung der Meerwasserzusammensetzung konstatieren, und wird entsprechend auch praktisch korrigierend eingreifen müssen (v.a. Stabilisierung der Karbonathärte bei steigendem Calciumgehalt).
Je größer die Gesamtdekorationsoberfläche im Aquarium ist, desto stärker ist auch das Ausmaß der Rücklösung von Inhaltsstoffen ins Meerwasser, bzw. der Entfernung von Meerwasserinhaltsstoffen aus dem Meerwasser, wenn das Dekorationsmaterial adsorptive und/oder absorptive Eigenschaften aufweist.

Vor allem, und das ist an dieser Stelle wichtig zu bemerken, verschiebt sich bei steigendem Ausmaß in der Verwendung von Dekorationsmaterial das Verhältnis zum Wasservolumen in Richtung der Oberfläche, was für den langfristigen Aquarienbetrieb nicht folgenlos bleibt. Steigt nämlich die Siedlungsoberfläche im Vergleich zum Wasservolumen relativ an, so nimmt auch der angesprochene wachstumslimitierende Einfluss des Nährstoffhaushalts auf die Organismenpopulationen zu. Korallen und andere gewünschte Pfleglinge stehen in unmittelbarer Konkurrenz zu allen Bakterien und Mikroben, die im gleichen Wasser auf der Dekoration siedeln.


Im Folgenden werden wir nun ein Szenario im Zusammenhang mit der Gesamtdekorationsoberfläche und dem Nährstoffhaushalt diskutieren, dass deutlich machen soll, wie sich die Gestaltung eines Riffaquariums auch auf den praktischen Betrieb des Riffaquariums direkt auswirkt:

Eine hohe Gesamtdekorationsoberfläche erzeugt im sauerstoffhaltigen (oxischen) Milieu eine starke Nitrifikationsaktivität, wenn ausreichend Ammonium als Ausgangsstoff für diesen bakteriellen Stoffwechselweg zur Verfügung steht. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis von reduziertem Ammonium-Stickstoff (NH4-N) hin zu oxidiertem Nitrat-Stickstoff (NO3-N), der in der Verwertung energetisch ungünstiger ist, weil der Nitrat-Stickstoff in der lebenden Zelle zuerst wieder energieaufwändig enzymatisch reduziert werden muss, damit er z.B. in Proteine eingebaut werden kann. In diesem Zusammenhang muss auch die Bedeutung einer Spurenmetallversorgung angesprochen werden, denn die an der Reduktion von NO3-N zu NH4-N beteiligten Enzyme (Nitratreduktase, Nitritreduktase) in den lebenden Zellen enthalten die Metalle Eisen und Molybdän, sodass ein Mangel in diesen Spurenmetallen theoretisch die Verwertung von Nitrat behindern kann. Je höher also die Nitrifikationsaktivität im Aquarium ist, desto höher ist auch der theoretische Bedarf an verfügbarem Eisen und Molybdän, der zur rückwirkenden Stickstoffreduktion benötigt wird. Da in diesem Szenario die Nitrifikationsaktivität proportional zur oxischen Dekorationsoberfläche steigt, nimmt auch der Eisen- und Molybdän-bedarf im Riffaquarium zu, was der Aquarianer in seinen Pflegemaßnahmen berücksichtigen sollte.

Wenn also im Umkehrschluss das Wasservolumen in der Relation seiner Wirkung größer ist als die Gesamtdekorationsoberfläche, (wenn also wenig Dekorationsmaterial zur Gestaltung verwendet wird), dann bleibt der wirksame reduzierte Stickstoff aus organischen Stickstoffverbindungen (z.B. Aminosäuren oder Aminozucker) oder aus anorganischem Ammonium länger stabil und steht den Organismen damit auch länger zur Verfügung. Wir können weiterführend argumentieren, dass auch der Bedarf an Eisen und Molybdän theoretisch niedriger ist, wenn ein Riffaquarium eine geringe oxische Siedlungsfläche, also eine sparsamere Dekoration, aufweist. Leider werden viele Diskussionen über die allgemeine Notwendigkeit der Dosierung von Spurenmetalllösungen geführt, ohne das solche wichtigen theoretischen Überlegungen und Ansätze Einlass in die Argumentation erhalten. Die allgemein verkündete Hypothese, es würden mit dem Wasserwechsel ausreichend viele Spurenelemente ins Aquariensystem nachdosiert, sollte an dieser Stelle in Anlehnung an die hier vorliegende Erörterung als wenig brauchbare, praxisferne Meinung eingeschätzt werden.

Unabhängig von der Wirkung auf die Organismen, ist im gleichen Zusammenhang auch eine Ableitung auf die Filtertechnik zu besprechen. So kann die Effizienz des Eiweißabschäumers bei hoher Gesamtdekorationsoberfläche mitunter deutlich verringert sein, weil viele potentiell abschäumbare Substanzen von Bakterien und Mikroben auf der Dekorationsoberfläche abgebaut (mineralisiert) werden und schnell in die Nitrifikationskette gelangen. Vergleichbar mit den früheren Rieselfilteranlagen, die vor dem Abschäumer positioniert wurden, ist eine Nitratanreicherung im Wasser möglich, obwohl ein qualitativ gutes Eiweißabschäumermodell in Betrieb ist. Auch Zeolithfilter, die vor allem auf die frühzeitige Ammoniumbindung abzielen, werden in ihrer Wirkung stark eingeschränkt, wenn die Nitrifikationsaktivität im Aquarium aufgrund einer üppigen Gesamtdekorationsoberfläche zu hoch ist. Wenn also Zeolithfilter und Eiweißabschäumer keine zufriedenstellende Wirkung zeigen, dann ist die Überprüfung der Gesamtdekorationsoberfläche im Rahmen der Ursachenfindung und Problemdiagnose ein äußerst sinnvoller Ansatz.
Allerdings muss betont werden, dass die genannten Effekte v.a. in solchen Riffaquarien auftreten, die ein sehr enges Nährstoffspektrum aufweisen. Die sangokai Grundnährstoffversorgung bewirkt, dass die verfügbare Siedlungsfläche auch von sehr unterschiedlichen Mikroben besiedelt wird, die durch ihre individuelle Konkurrenzfähigkeit untereinander verhindern, dass z.B. die Populationsgröße der nitrifizierenden Bakterien zu sehr ansteigt. Vielmehr nimmt durch die gesteigerte Artenvielfalt auf den Siedlungsflächen auch die Nährstoffumsatzrate zu. Das bedeutet, dass verschiedene Nährstoffformen in komplexen Stoffwechselkreisläufen breit verteilt bleiben, und es nicht zu einer einseitigen Akkumulation von nur einer Nährstoffform wie Nitrat kommt, die letztlich nur ein schmales Band an Organismen anspricht, die mit dieser Nährstoffform umgehen können.

Die Riffsystem Keramik hat in Bezug auf den Parameter Gesamtdekorationsoberfläche im Vergleich zu anderen Materialien den ungemein nützlichen Vorteil, dass sie sehr offen und durchlässig gebaut ist (worauf wir noch detailliert in Punkt 2.3 zu sprechen kommen). Dadurch wird eine effektive Siedlungsfläche für die Gestaltung geschaffen, gleichzeitig geht jedoch nicht unnötig viel Wasservolumen als Folge einer sehr massiven und stämmigen Bauform verloren.

Mit Ausnahme der Wandmodule und Wandverkleidungen wird also mit der Riffsystem Keramik nur dort Siedlungsfläche geschaffen, wo sie der Präsentation dienlich im gestalterischen Sinne gebraucht wird (spezifische Expositionsfläche, siehe 2.2). Bei teil- oder vollverkleideten Aquarien gilt jedoch auch der bereits diskutierte Anspruch an den Aquarianer, die geschaffene Siedlungsfläche so mit Nährstoffen zu versorgen, dass die Organismenvielfalt und damit auch die Produktivität des Aquariensystems langfristig gefördert und stabilisiert wird.

Es gilt abschließend zu konstatieren, dass die Gesamtdekorationsoberfläche im Riffaquarium einen relevanten Aspekt in der langfristigen Aquarienpflege darstellt, und nicht nur eine Frage der Optik ist. Insbesondere sollte in Relation zum Wasservolumen nicht willkürlich viel Siedlungsfläche geschaffen werden. Wenn also das Aquarium z.B. der Optik halber mit Wandmodulen komplett verkleidet werden soll, dann muss der Pfleger auch dafür Sorge tragen, dass ein gleichbleibend hohes qualitatives und quantitatives Nährstoffniveau besteht. Denn nur dadurch kann verhindert werden, dass sich die erörterten Effekte wie die Verminderung in der Verfügbarkeit wertvoller reduzierter Nährstoffformen nicht negativ auf das Gesamtökosystem auswirken. Die Bereitstellung von wichtigen Grundnährstoffen, wie z.B. über das sangokai System, ist also besonders für solche Aquarien wichtig, die eine sehr hohe Dekorationsoberfläche aufweisen.

2.2 Spezifische Expositionsfläche
Die Gestaltung eines Riffaquariums ist v.a. dann keine leichte Aufgabe, wenn man keinen Bezug zu dem findet, was man im Aquarium eigentlich präsentieren möchte. Prinzipiell gibt es eigentlich nur zwei sinnvolle und zielorientierte Ansätze, wie man eine Gestaltung plant und realisiert: den organismenspezifischen Ansatz, und den architektonischen Ansatz, wobei sich beide nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen müssen.
Die spezifische Expositionsfläche ist die Fläche, die gestalterisch notwendig ist, um das im Aquarium zu präsentieren, was im Sinne und im Auge des Betrachters liegen soll. Demgegenüber ist die unspezifische Expositionsfläche der Anteil an der Gesamtdekorationsoberfläche, der nicht von ausgewählten Pfleglingen besiedelt wird, bzw. werden kann, und damit auch keinen primären präsentativen Sinn hat (typischerweise z.B. vertikale Flächen, an denen man nur sehr schlecht Korallen anbringen kann. Bei der Betrachtung der Expositionsoberflächen geht es nicht um stoffwechselaktive Oberflächen, wie in 2.1 besprochen wurde, sondern ausschließlich darum, was an Material notwendig ist, um das gestalterische Ziel zu erreichen.

Vorweg, und als kleiner Exkurs in die geschichtliche Entwicklung der Riffaquaristik, ist es bedeutsam zu verstehen, dass wir heute in der modernen Riffaquaristik nicht mehr von einer primär filteraktiven Bedeutung des Dekorationsmaterials ausgehen sollten, wie es z.B. das Berliner System Ende des vergangenen Jahrhunderts tat, und es damit schaffen sollte, die einschlägige Fachliteratur bis zum heutigen Tage zu prägen. Natürlich spielt, wie bis hierhin ausführlich besprochen, die Form und Struktur der Dekorationsmaterialien immer auch eine praktische Rolle im Bereich der Aquarienbiologie. Aber, vielmehr gilt es, ganz gezielt die Organismenvielfalt und die daran gekoppelten Stoffwechselkreisläufe und Nährstoffumsatzprozesse als Funktionsprinzip in der Riffaquaristik in den Vordergrund zu stellen. Dieses Prinzip definiert die Notwendigkeit einer konstanten, effektiven und breit gefächerten Nährstoffversorgung als primäre Aufgabe, und sieht die optimale Struktur von Dekorationsmaterialien nur als vorauszusetzenden Faktor. Das sangokai System nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und verfolgt damit einen hochmodernen Ansatz. Das heißt, dass nur die Nährstoffversorgung langfristig garantiert, dass die Produktivität des Ökosystems steigt und auf einem hohen Niveau erhalten bleibt. Im Berliner System war ein hohes Funktionsniveau des Gesamtökosystem nur in der Anfangszeit des Riffaquariums vorhanden. Die lebenden Steine büßten ungemein schnell an Qualität ein, weil sie zum einen auch für den abgeschatteten und mangelhaft beströmten Unterbau eingesetzt wurden, und zum anderen v.a. auch, weil die komplexe Organimsmengemeinschaft durch eine schlechte Nährstoffversorgung nicht aufrechterhalten werden konnte.
Wenn wir also die Gestaltung zunächst als zielorientiertes Vorhaben betrachten, um die Basis für eine Präsentation zu schaffen, dann sind die im Folgenden erläuterten Ansätze sinnvoll und effektiv.

2.2.1 Organismenspezifischer Ansatz
Wenn man sich der Pflege ganz bestimmter Organismen annimmt, seien es besondere Korallengruppen, oder z.B. auch ein ganz bestimmter Fischbesatz, dann muss die Gestaltung des Aquariums so gewählt sein, dass die zu präsentierenden Tiere für sie optimale Umgebungsbedingungen (v.a. Licht und Strömung) vorfinden.

Darüber hinaus soll die Platzierung dafür sorgen, dass die Organismen dem Betrachter schnell ins Auge fallen. Aber, und hier liegt die Schwierigkeit, soll dieser "Hingucker" gleichermaßen dazu anregen, diesen Platz im Aquarium weiter nach anderen Lebewesen zu erkunden. Keineswegs eine leichte Aufgabe, aber dennoch eine, derer man sich annehmen sollte, und die man auch mit der Zeit erlernen kann. Die Riffsystem Keramik schafft durch ihre sehr breite und horizontal ausgerichtete Bauweise optimale Ausgangsbedingungen dafür, dass wir für einen ganz bestimmten Tier- und Algenbesatz ohne große Mühe eine optimale Platzierung im Riffaquarium finden. Es gibt durchaus viele Dekorationsmaterialien, die an sich und für sich gestalterisch exzellent wirken (wobei diese Aussage den individuellen Geschmack unberücksichtigt lässt), die jedoch für die Platzierung der Organismen keine optimale Form und Gestalt aufweisen. Dadurch wird der Aquarianer v.a. in pflegerischer Hinsicht eingeschränkt, weil sich die Positionierung nicht wie erörtert an den optimalen Umgebungsbedingungen orientiert, sondern daran, wo überhaupt eine Befestigungsmöglichkeit besteht. Dadurch nimmt der Anteil an unspezifischer Expositionsfläche zu, was unweigerlich zur Folge hat, dass der Aquarianer es in Kauf nehmen muss, dass sich an diesen Flächen unerwünschte Organismen (wie z.B. "Fadenalgen") ansiedeln, die auf den Pflegebesatz und damit auf die spezifische Expositionsfläche einen hohen Konkurrenzdruck aufbauen (z.B. durch die Abgabe von wuchshemmenden Stoffen, Abschattung, oder Störung durch Berührung).

Die stufenförmige, plateauartige "Wuchsform" der Riffsystem Keramik schafft innerhalb der Gestaltung auch eine geeignete Nachbarschaft, wobei der Blick des Betrachter nicht an einem über aller Maßen prominenten Blickfänger haften bleibt, sondern wie schon erwähnt dazu einlädt, den Blick in die nähere Umgebung schweifen zu lassen. Der Betrieb eines Privataquariums hat abseits der pflegerischen Komponente immer einen dekorativen Hintergrund, der v.a. für den Laien im Vordergrund steht.

2.2.2 Architektonischer Ansatz
Taucher tauchen aus unterschiedlichen Motiven, manchmal nur um des Tauchens Willen, meistens aber, um einen fremden Lebensraum zu erkunden. Und so wie sich der Biologe für das Lebendige interessiert und daher die Natur aufsucht, so zieht es den Geologen hinaus in die Natur, um nach dem zu suchen, was unserem Planeten die Gestalt gibt. Auch unter Wasser ist die Gestalt des Lebensraums oft beeindruckend und weckt den Gedanken, eine gesichtete Form oder geologische Struktur im Aquarium zu rekonstruieren. Dabei spielt es im Ansatz zunächst keine vorrangige Rolle, welche Organismen hier wachsen, oder warum sie genau hier wachsen. Vielmehr hat ausschließlich die Form und Gestalt, also die Architektur, Priorität, und folglich kommt der Auswahl eines geeigneten Dekorationsmaterials große Bedeutung zu. Die Riffsystem Keramik ist sehr gut dafür geeignet, verschieden geformte Strukturen nachzubilden, sei es für sich alleine, wenn die Gestalt sehr locker und offen sein soll, oder auch in Kombination mit anderen Materialien, wie z.B. lebenden Steinen. Mit einer architektonisch geprägten Zielsetzung in der Aquarienpflege sind vor allem Sonderanfertigungen sinnvoll, die dem definierten Projekt dienlicher sind als Standardformen. Natürlich wird jeder Lebensraum von den dort lebenden Organismen geprägt und auch langfristig durch deren Wuchs weiter geformt, so dass der architektonisch motivierte Riffaquarianer gefordert ist, in geschulter und pflegekonformer Art und Weise den für seine Gestaltung passenden Tier- und Algenbesatz auswählen. Wichtig ist in diesem Fall die richtige Positionierung der Korallen, damit die Gestaltung bzw. Architektur nicht verunglimpft wird. Eine hoch wachsende Bäumchenweichkoralle (z.B. Lithophytum) reißt immer die Aufmerksamkeit des Betrachters an sich, und verhindert damit den Blick auf die darunter liegende Gestalt des Aufbaus. Soll die Aufmerksamkeit also der Gestaltung selbst gelten, dann fiele die richtige Korallenwahl auf eine krustenförmig wachsende Koralle, z.B. Krustenanemonen (Zoanthus sociatus), oder auf eine krustenförmig wachsende Steinkoralle (z.B. Montipora hoffmeisteri). Der architektonische Gestaltungsansatz ist im Vergleich zum organismenspezifischen Ansatz deutlich schwieriger, weil die Wahl der passenden Tiere und die Kenntnis über deren Wuchsform und Wachstumsgeschwindigkeit immer aus gestalterischer Sicht getroffen werden muss, was Spontankäufe oft ausschließt.

2.3 Raumstruktur
Als dritter relevanter Parameter bei der Betrachtung der Form- und Gestalt einer Aquariendekoration, spielt die Struktur des gestalteten Raumes im Sinne der Aquarienpflege eine wichtige Rolle. Überraschenderweise wird oft die technische Konzeption, z.B. hinsichtlich der Beleuchtung und der Beströmung eines Riffaquariums, schon getroffen, bevor überhaupt die individuelle Aquariengestaltung thematisiert wird. Zunächst erscheint diese Vorgehensweise durchaus nachvollziehbar, weil sich darüber doch ein Großteil des Kostenapparates kalkulieren lässt. Vermutlich liegt die Vorgehensweise aber auch darin begründet, dass es schlichtweg einfacher ist, eine Technikkomponente aus einem Warensortiment oder einem Produktkatalog auszuwählen, als sich mit der doch für viele Aquarianer mühevollen und schwierigen Aufgabe der Gestaltung vorweg zu beschäftigen. Dazu kommt auch die Hingabe zu prestigeträchtiger und extrem hochwertiger Aquarientechnik, die insbesondere dem Technikbegeisterten oft wichtiger ist, als die Gestaltung selbst. Auf jeden Fall erzeugt diese Planungsrichtung langfristig das Problem, dass Technik und Gestaltung nicht unbedingt optimal zueinander passen, und hier ist v.a. Dingen das Thema Strömung zu diskutieren.


Die Gestaltung des Aquariums beeinflusst die Verteilung von Wasser im Aquarium ungemein stark. Je mehr Dekorationsmaterial zum Einsatz kommt, und je komplexer und verwinkelter die Gestaltung ausfällt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Stellen im Riffaquarium schlecht mit Wasser versorgt werden. Wird man also, wie es nicht selten in der Aquarienpraxis Anwendung findet, die Auswahl der Strömungspumpen nur auf das relative Umwälzvolumen pro Stunde basieren, dann beströmt man das Aquarium oftmals nicht optimal. Die Praxis zeigt aber, dass so viele Strömungspumpen einzusetzen sind, wie es die Gestaltung verlangt, damit überall im Aquarium Wassermassen strömen, also unabhängig davon, wie hoch das relative Umwälzvolumen pro Zeiteinheit ist. Strömendes Wasser sucht sich stets den widerstandsärmsten Weg, zirkuliert daher gut im offenen, dekorationsfreien Raum, dringt aber nicht gut in die gestalteten Bereiche ein.

Die Raumstruktur nimmt also großen Einfluss auf den langfristigen Aquarienbetrieb. Auch die Beleuchtung muss dahingehend ausgerichtet sein, damit es dort, wo spezifische Expositionsflächen sind, auch ausreichend hell ist. Natürlich kann man als einfachsten Ansatz die gesamte Aquariumfläche komplett ausleuchten. Meistens ist aber je nach Reflektionsvermögen des Sediments auch eine minder deckende Ausleuchtung ausreichend, wenn manche Platzierungen keine hohe Strahlungsintensität benötigen.

Die Riffsystem Keramik ist durch die offene Bauweise und vor allem durch den gesockelten Basalbereich mit hoher Bodenfreiheit hervorragend geeignet, um Wassermassen im Aquarium strömen zu lassen. Als Konsequenz reichen meist auch leistungsärmere Pumpen, oder eine geringere Pumpenzahl, um das Aquarium optimal zu beströmen. Nicht vergessen werden darf das Wachstum der Korallen und Algen, die ihrerseits mit der Zeit immer Einfluss auf die Strömungsverteilung nehmen. Eine wiederkehrende Kontrolle des Strömungskonzepts ist für den nachhaltigen Betrieb eines Riffaquariums sehr wichtig. Dies zeigen zahlreiche Beispiele aus der Praxis, in denen durch einen bestehenden Strömungsmangel Symptome an Korallen auftreten, die einen Nährstoffmangel implizieren. Ein solcher wird jedoch seitens des Pflegers schnell ausgeschlossen, weil Nährstoffe wie Nitrat und/oder Phosphat gut und reproduzierbar nachweisbar sind. In der Tat ist aber die Verteilung der Wassermassen der Grund dafür, dass sich bei unzureichendem Wasseraustausch in einer gewachsenen Korallenkolonie sowohl an die Umgebung abgegebene Stoffwechselendprodukte anreichern, als auch durch die Aufnahme von Nährstoffen der lokale Nährstoffgehalt kritisch abnimmt. An dieser Stelle muss ebenfalls bedacht werden, dass gewachsene Korallenkolonien proportional zur entstandenen Biomasse einen gestiegenen Nährstoffbedarf aufweisen, d.h., dass die Beströmung der Kolonie langfristig grundsätzlich an Bedeutung zunimmt und der Aquarianer dies durch Modulation des Strömungskonzepts berücksichtigen muss. Insbesondere regelbare Pumpenmodelle sind hier für den Aquarienbetrieb von großem Vorteil. Auch wenn das Wasser in den nicht gestalteten, freien Wassermassen im Aquarium sichtbar strömt, kann man nicht grundsätzlich davon ausgehen, dass dies auch in den gestalteten und zugewachsenen Bereichen der Fall ist. Je kompakter und massiver eine Riffgestaltung ist, desto höher ist der Anspruch an eine ausreichende und druckvolle Beströmung. Die Riffsystem Keramik bietet hier wie bereits erwähnt auch langfristig den Vorteil, dass Wasser von unten und von vielen anderen Seiten in die Gestaltung ein- und wieder ausströmen kann. Dadurch bleibt auch die Wirkungsweise der sangokai Nährstoffe auf einem hohen Niveau erhalten.

3. Abschließende Bemerkungen zur Riffsystem Keramik
Die Keramik von Riffsystem bietet jedem Aquarianer die Möglichkeit einer gezielten und sinnvollen Gestaltung, ohne dass im Besonderen auf aquarienbiologische Dinge geachtet werden muss. Vor allem dem Einsteiger, der verständlicherweise noch wenig fundierte Kenntnisse über biochemische Zusammenhänge, wie sie hier erörtert werden, besitzt, und auch die Aquarienpraxis noch nicht so gut beherrscht, bietet das Material daher eine sehr gute und solide Erfolgsgrundlage. Wie hier diskutiert wurde, ist die Gestaltung des Aquariums, und damit auch die Planung des gesamten Aquariums, eine tragende Säule für den nachhaltigen Erfolg. Da die Riffsystem Keramik optimale Voraussetzungen für das sangokai System schafft, bietet sich eine kombinierte Anwendung daher an.
Gerne steht das Team von Riffsystem, als auch sangokai für alle Fragen rund um das Thema zur Verfügung.


Dipl. Biologe Jörg Kokott




Dieser Artikel ist am 07.06.2013 erschienen

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Kommentare

Riffsystem-Bayern
Dabei seit:11.06.2013
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Korallenriff:2
Lexikon:0

Hallo zusammen,

es ist ja eine rege Diskussion entstanden 

Zum Thema Nachhaltigkeit möchte ich gerne das ein oder andere hinzufügen. Ich denke wie Lebendgestein abgebaut und per Flugzeug transportiert wird ist jedem klar, auch was das für die Natur bedeutet.
Unsere Keramik wird selbstverständlich auch ausschließlich aus Naturstoffen hergestellt. Abgesehen vom keramischen Grundmaterial verwenden wir ausschließlich nachwachsende und wiederverwertete Rohstoffe welche ausschließlich aus Deutschland stammen. Sogar unser Verpackungsmaterial ist wiederverwertet. Energie wird beim Herstellungsprozess verbraucht - aber auch diese nutzen wir mehrfach wie zum Beispiel Abwärme etc. Weiter wird die Herstellung permanent effektiver überarbeitet.
(Und ich denke den relativ geringen Co2 Anteil den wir beim Brand produzieren ist nicht zu vergleichen mit einem Flugtransport)

Ich möchte damit aber in keiner Weise Lebendgestein verdammen, beides hat sein Für und Wieder welches jeder Aquarianer für sich entscheiden sollte. Sicher ist auch jedem klar, dass ein absoluter Naturschutz in diesem Bereich wohl nur ohne Aquarienpflege möglich ist. Aber was spricht dagegen, einen neuen Ansatz zu haben und vielleicht auch nur ein klein wenig dazu beizutragen, dass unser Hobby nachhaltiger wird….

Gruß
Mirjam
Beitrag vom 22.06.2013 - 08:46 

reefanalytics
Dabei seit:10.05.2012
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Korallenriff:16
Lexikon:0

@ Harald

Quote:// dass zu 90% die Aquarien durch mangelhafte Sorgfalt ins Straucheln geraten.

Da stimmt ja auch "irgendwie". Mittlerweile konnte ich ja auch viele Aquarienwässer untersuchen und es sind sehr sehr viele Becken dabei, die schon nach 2-3 Jahren neu gestartet werden, weil nichts mehr läuft.

Da werden Mitelchen über Mitelchen ins Becken geschüttet, die dieses "Phänomen" zeitlich nach vorne schieben.

Ich selber habe mich bei meinem ersten Becken auch ständig verleiten lassen, Sachen zu kaufen, die eigentlich unnötig sind.

Lasst uns das Thema einfach weiter verfolgen und etwas daraus lernen.

Gruß,
Peter
Beitrag vom 16.06.2013 - 13:20 

Joerg Kokott
Dabei seit:26.10.2004
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Korallenriff:19
Lexikon:9

Hallo Harald

wieso behauptest Du, ich würde schreiben, dass die Keramik nur mit dem sangokai System funktioniert?

Ich würde Dich bitten, das hier durchaus an Zitaten oder Absätzen zu kommentieren, weil ich mir sehr viel Mühe gegeben habe, auf absolut sachliche und fachliche Art und Weise das Funktionsprinzip meines sangokai Systems in Abhängigkeit von einem Dekorationsmaterial zu erläutern. Hätte ich hiermit Werbeslogans gearbeitet, würde ich Deinen Kommentar diesbezgl. akzeptieren. Meine Auffassung dahingehend ist aber eine andere, daher die Bitte, dass Du mir erklärtst, wo ich mich zu einer Aussage habe hinreißen lassen, die zu Deiner Schlußfolgerung führt.

Mit dem energetischen Aspekt hast Du sicherlich recht, das man hier anhand von Fakten zeigen müsste, wo mehr Ressourcen und Energie umgesetzt wird. Wobei die Herstellung des Materials eben nicht ohne Nutzen ist, sondern wir dadurch ein sehr gutes Material (ich meine die Riffsystem Keramik) erzeugen können.

Zum old-tank Syndrome: den Begriff habe ich nicht benutzt!
Ich versuche den jedenfalls nicht aktiv zu gebrauchen, weil er für mich ehrlich gesagt gar nicht existiert. Das old-tank Syndrome scheint mir mehr einer Abfindung gleichzukommen, weil ein Problem das aufgrund einer Fülle möglicher Begleichtzustände nicht mehr auf eine Ursache beschränkt erörtert werden kann. Ein Syndrom eben.

Wobei sukzessive Ablagerungen von Detritus oder chemischen Niederschlägen welcher Natur auch immer in Abhängigkeit von der Strömungsversteilung und auch der Dekoration zu langfristigen Problemen führen können. Wenn Du das old-tank syndrome also als das Resultat einer "mangelhaften Sorgfalt" beschreibst, dann soll mir das recht sein. Dieser Begriff zeugt von Willkür und fasst vermutlich ganz unterschiedliche praktische Probleme unter einem Dach zusammen, dass man ihn auch gleich wieder aus dem Vokabular streichen kann.

@Peter: nachträglich, klar, Daten sind letztlich immmer gut, wenn sie denn vergleichbar sind, und vielleicht ist es ein Ansatz. Allerdings befürchte ich, dass solche Daten bzw. die Schlußfolgerungen aus den Daten wieder mißbraucht werden, um von den eigentlichen Aufgaben des Aquarianers und auch des beratenden Händlers abzulenken. Das macht es dem Händler letztlich wieder einfacher, dem Kunden ohne viel Zeit und Anstrengung irgend etwas zu verkaufen. Und solche Richtwerte und Faustregeln haben wir schon genug. Aus rein akademischer Sicht gebe ich Dir aber Recht, es ist ein Ansatz, den man verfolgen kann und sollte.

Liebe Grüße
Jörg
Beitrag vom 13.06.2013 - 22:01 

Maternus
Dabei seit:06.11.2007
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Korallenriff:18
Lexikon:0

Hallo zusammen

Nun mit der jetzt neuartigen porösen Riffkeramik könnte es in der Tat eine Möglichkeit geben auf viel weniger Lebendgestein zurück zu greifen. Ob das wirklich dann so sein wird, die Zeit wird es zeigen. Allerdings muss ich schreiben bei allen Arten der Riffkeramik werden Naturstoffe verwendet, und es wird immens viel Energie verbraucht. Wärme ohne Nutzen wird in die Luft geblasen, Stichwort Treibhauseffekt/Klimawandel. Auf jeden Fall ist es in beiden Fällen (LS oder Keramik Herstellung) Raubbau an der Natur. Aber das soll ja nicht das Thema sein.

Zitat: Mit diesem Artikel möchten wir die Keramik der Firma Riffsystem, ansässig im oberbayrischen Edling, vorstellen und die generelle Funktionsweise dieses Dekorationsmaterials, v.a. auch im Zusammenhang mit dem sangokai System, erörtern.

@Jörg
Obwohl dein Artikel auch wirklich gut geschrieben ist, und ich denke auch für die meisten verständlich, so stört mich das ohne jetzt andere Zitat einzustellen, das diese Riffkeramik nur mit Sangokai funktioniert.

Die Ausführungen zum Old-Tank-Syndrom kann ich nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach sind ganz andere Ursachen dafür verantwortlich, als ein Verstopfen der Kanäle in diversen Gesteinen. Ich bin kein Wissenschaftler, aber in zwanzig Jahren Meerwasseraquaristik habe ich gelernt, dass zu 90% die Aquarien durch mangelhafte Sorgfalt ins Straucheln geraten. Das soll keine Kritik am Meerwasseraquarianer sein, sondern lediglich ein Hinweis, dass sich ein großer Teil kaum mit Hintergründen beschäftigt.

Grüße Harald
Beitrag vom 13.06.2013 - 21:25 

reefanalytics
Dabei seit:10.05.2012
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Korallenriff:16
Lexikon:0

Hallo Jörg,
das mit den BET-Isothermen bzw. Oberflächenbestimmung ist ja nur ein Ansatz, der deine theoretischen und praktischen Erfahrungen unterstützen soll.

Das im späteren Verlauf eines Aquarienlebens die Oberfläche mit der Zeit "dicht" wird, ist mir auch klar. Dann sollte künstliches Riffgestein nach z.B. 2-4 Jahren gegen neues ausgetauscht werden.

Nur, wie schnell eine Oberfläche "dicht" wird, ist ja das interessante und wie stark ist es abhängig von der Porösität bzw. eingesetztem künstlichem Riffgestein oder Additiven, die dem Becken zugegeben werden..

So könnte man später sagen, wenn deine favorisierte Keramik z.B. A ist und andere Wettbewerber z.B. B und C sind:

Gegenüber A benötigt man für den gleichen "Effekt" z.B. 1,5 x B oder 5 x C

Das gilt natürlich nur für die Einfahrphase und eventuell dem ersten Jahr, weil nie gesagt werden kann, wie und womit sich die Mikro- und Makroporen später zusetzen werden und den nützlichem Bakterien den wertvollen Lebensraum nehmen.

Was die Porösität angeht, stelle ich mal die Behauptung auf, dass die Fick'schen Diffusionsgesetze (Grenzflächenphänomene)auch für die Aquaristik gelten.

Will sagen:
In den Mikro und Makroporen finden aufgrund von Konzentrationsunterschieden (osmotische Effekte) andere chemische Reaktionen z.B. Ausfällungen von Schwermetallen, statt, die im "normalen" Beckenwasser chemisch unmöglich sind, weil das Löslichkeitsprodukt nicht erreicht wird.

Mit der Zeit häufen sich diese Ausfällungen und verschließen langsam die Poren. Die Oberfläche wird "dicht" und man nähert sich dem "Old Tank Syndrom".

Bakterien haben dann nicht mehr den optimalem Besiedlungsraum. Weiterhin erzeugen die Bakterien organsiche Säuren, die die Ausfällungen explosionsartig wieder in Lösung gehen lassen können oder zum Bakteriensterben wegen Konzentrationsüberschuss von Schwermetallen führen.

Das sind jetzt nur Ansätze von mir im Zusammenhang mit der großen Porösiät und dem "wilden" Gebrauch von z.B. Spurenelementlösungen bzw. günstigen Salzmischeungen für WW, um das Old-Tank-Syndrom besser verstehen zu können.

Vielleicht schließt sich ja irgendwann der Kreis und man kann u.a. mit u.a. deinem Ansatz einiges besser erklären.

Gruß,
Peter



Beitrag vom 12.06.2013 - 04:33 

robertbaur
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Hallo Jörg Hallo Ben

ja das mit Ende des Jahres kommt, ihr seit ja beide (hoffentlich) in Sindelfingen Ihr werdet euch mögen da bin ich sicher.

Auf jeden Fall macht es Spaß Eure Diskussion mit zu verfolgen.

Gruß Robert


Beitrag vom 11.06.2013 - 18:47 

Joerg Kokott
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Hallo Herr Funk,

herzlichen Dank, Ihrem Kommentar kann ich nicht viel mehr produktives hinzufügen, außer ihre Aussage betätigen, dass wir hier von einer anderen "Riffkermaik" sprechen. Der Begriff bzw. der Produktname ist hier vielleicht verwirrden, das ist aber nicht meine Angelegenheit.

Wie ich bereits schrieb, geht es bei einer Gestaltung auch darum, das Lebendgestein entsprechend so zu platzieren, dass es dem Licht und der Strömung exponiert ist. Früher habe ich dazu mit der Korallenwelt Riffkeramik gearbeitet, um ein statisch brauchbares Grundgerüst zu schaffen. Daraus ist auch der Name "Riffstativ" hervorgegangen.

Wie sie sehen, gehens wir mit unseren Auffassungen hier in vielen Belangen konform. Ich kann Sie aufgrund ihrer regen Anteilnahme an dieser Diskussion nur dazu ermutigen, die Riffsystem Riffkeramik selbst zu testen, dann würde man das Diskussionsniveau nochmal auf eine andere Ebene bringen. Ich habe mittlerweile einige (sangokai) Becken mit der Riffsystem Keramik eingerichtet, was mich dazu ermutigt hat, dieses Material in der hier vorliegenden Art und Weise vorzustellen und zu diskutieren.

Ich würde mich freuen, wenn wir uns dann ggf. spätestens gegen Ende des Jahres persönlich kennenlernen.

Beste Grüße
Jörg Kokott
Beitrag vom 11.06.2013 - 15:13 

knuf
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Sehr geehrter Herr Kokott,

zunächst möchte ich Ihnen für Ihre ausführliche Stellungsnahme danken.

Der Einsatz von Riffkeramik in Verbindung mit lebenden Steinen ist selbstverständlich sinnvoller und bei diesem Gedanken bekomme ich auch kein ungutes Gefühl in der Magengegend. In diesem Fall wird ja die angesprochene Artenvielfalt in das System importiert. Hier sehe ich die Riffkeramik aber in erster Linie als Aufbauhilfe, die eine gute Durchströmung und Platzierung des Lebendgesteins begünstigt und erleichtert. Die alleinige Verwendung von Riffkeramik hingegen sehe ich weiterhin kritisch. Ich habe in meiner Zeit als Aquarianer schon etliche Schaubecken bei Händlern, mit einem ausschließlich aus Riffkeramik bestehenden Aufbau, gesehen und diese Becken sind genauso schnell wieder verschwunden wie sie aufgetaucht sind, da sie nach einiger Zeit massiv mit Problemen zu kämpfen hatten. Selbstverständlich kann es hier an dem Unwissen der Händler, über den idealen Start und Erhalt solch eines Beckens, gelegen haben. Somit macht es den Aufbau eines funktionierenden Systems mit Riffkeramik aber auch schwer für einen Anfänger. An dieser Stelle muss ich fairerweise betonen, dass keins der von mir angesprochenen Becken mit der hier vorgestellten Riffkeramik aufgebaut wurde. Jeder Produzent hat seine eigene Mischung und erzielt eine unterschiedliche Porosität, sprich er erzeugt ein Material mit unterschiedlich guten Leistungsparametern.Unabhängige Erfahrungsberichte wären hier wünschenswert.

Mit ein paar, von Ihnen diskutierten, Punkten gehe ich allerdings nicht 100% konform und ich möchte Ihnen auch auf Ihre Gegenfragen antworten.

Ich habe über die Vorzüge der Verwendung von gutem, echtem Riffgestein gesprochen. Hier ist das Wort gut entscheidend. Meine Intention war es nicht jeden “lebenden“ Stein als hervorragend zu bezeichnen. Daher müssen wir uns auch nicht darüber streiten, dass es drastische Qualitätsunterschiede bei Steinen aus verschiedenen Regionen gibt. Ich bin Ihnen dankbar, dass sie dem Laien dies noch einmal verdeutlichten. Die von Ihnen titulierte Makroalgenschleuder sehe ich allerdings nicht als Problem an, ist es doch im Sinne eines besonders artenreichen Systems doch stets unsere Bemühung, Schnecken, Seeigel und Einsiedlerkrebse zu pflegen, die solche Algen als Delikatesse ansehen und teils auch als Lebensgrundlage benötigen. Zudem regulieren sich Makroalgenprobleme von selbst in einem gut funktionierenden System. Einen alleinigen Aufbau aus lebendem Gestein würde ich auch nicht befürworten. Das wäre wie Perlen vor die Säue. Hier habe ich mich in meinem letzten Kommentar wohl ungünstig ausgedrückt. Trotzdem sehe ich die Riffkeramik nur als Kompromiss zu gutem “lebend“ oder “tot“ Gestein.

Bei der Verwendung von “totem“ Riffgestein ist selbstverständlich auch die Qualität entscheidend. Auch die Struktur von totem Gestein spielt, wie beim lebenden Gestein, eine wichtige Rolle. Schwere Klumpen mit wenig Volumen sind völlig ungeeignet! Die Qualität des erworbenen Gesteins kann jeder maßgeblich verbessern, in dem er dieses gründlich reinigt. Hierzu zählt neben der reinen Beseitigung von sichtbaren Verunreinigungen auch ein mehrwöchiges Bad in H2O2 und eine anschließende Lagerung in destilliertem Wasser. Mit dieser Aufbereitung ist es auch möglich gebrauchte Steine zu recyceln und somit Naturentnahmen zu reduzieren. Einziger Nachteil ist hier der Reinigungsaufwand. Es ist immer besser seine Dekoration vor Ort beim Händler auszusuchen. Hier können geeignete Steine zusammengestellt werden, aus denen sich mit Leichtigkeit ein solider und luftiger Aufbau realisieren lässt (ein bisschen Werkzeug und Geschick vorausgesetzt). Solch ein Aufbau wird mit seinem natürlichen Erscheinungsbild bestechen und kann ebenfalls später mit lebendem Gestein aufgewertet werden.

Umweltrelevante Faktoren sind selbstverständlich beliebt um ein Produkt hervorzuheben. In Bezug auf die Natur sind wir Meerwasseraquarianer fast immer als schwarze Schafe anzusehen (z.B. Naturentnahmen von Korallen und Fischen, sowie Energieverschwendung). Sie haben selbstverständlich Recht, dass die Entnahme von Riffgestein eine weitere Belastung für das Ökosystem Korallenriff darstellt. Wenn wir es aber ganz genau sehen, dann hat die Riffkeramik auch keine “Weiße Weste“. Das Fertigungsmaterial wird auch aus der Natur gewonnen und dessen Abbau schadet ebenfalls der Ökologie im Abbaugebiet. Das Material wird bei über 1000°C gebacken. Wie viel Energie muss man dafür aufwenden? Wird das Produkt dann noch exportiert, wird es auch um den halben Globus chauffiert.

Abschließend möchte ich sagen, dass der verantwortungsbewusste Umgang mit den Ressourcen “lebend“ oder “tot“ Gestein sehr wichtig ist. Gut gepflegtes Gestein kann wieder verwendet werden. Es macht nicht immer Sinn frisch importiertes Gestein in rauen Mengen zu verwenden. Ein Blick in die Kleinanzeigen reicht um second Hand Steine zu finden. Mit ein bisschen Übung kann man sich dort die Perlen raussuchen. Dies spart Umweltzerstörung und Kosten ein. Sollte Riffkeramik eine “echte“ Alternative für lebend Gestein werden, dann gerne, her damit, aber vorher will ich unabhängige Erfahrungsberichte sehen die mich überzeugen.

Mit freundlichen Grüßen

Benedikt Funk
Beitrag vom 11.06.2013 - 14:52 

Joerg Kokott
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Hallo,

danke für all die Beiträge, ich freue mich darüber, dass hier so viel geschrieben wird und darüber viele Punkte auf den Tisch gebracht werden, die man hervorragend diskutieren kann. Ich gehe hier mal punktuell vor:

1) Ehrlich gesagt arbeite ich persönlich nicht zu 100% mit keramischen Materialien, sondern kombiniere die Grundgestaltung z.B. mit der Riffsystem Keramik mit lebenden Steinen. Dazu verwende ich frische Lebendgesteinplatten, und auch möglichst kleine, weil man diese sehr gut auf den horizontalen Auflageflächen platzieren kann. Darüber habe ich dann auch die Artenvielfalt, die man mit dem sangokai System fördern kann.

2) Wie hier auch schon im letzten Bsp. bezgl. der Glasrosen gesagt wurde, verlangen sehr viele Kunden nach einer sterilen keramischen Dekoration, um möglichen Plagen von Glasrosen angefangen über lästige Makroalgen wie z.B. Dictota vorzubeugen. Ich selbst arbeite wie gesagt immer mit lebenden Steinen, aber wer das eben nicht möchte, muss eben dafür Sorgen, dass man möglichst schnell Korallen einbringt. Das, was z.B. an Importkorallen an Biofilmen auf den Substratsteinen ist, reicht für eine Animpfung absolut aus, und ich persönlich sehe darin auch ein ähnlich großes Potential wie bei lebenden Steinen, nur, dass ich hier in der Regel nich so massive Makroalgen vorfinde, die sich schnell ausbreiten.

3) Das tote Riffgestein wurde schon angesprochen, hier bekommt man beim Kauf wenig Informationen darüber, wo diese Steine herkommen und was sie an partikulären Nährstoffen gespeichert haben. Seitens der Hersteller wird der sofortige Phosphatadsorbereinatz empfohlen, um sich rücklösende Phosphatmengen gleich abzuziehen. Ich selbst bin da zwar eher dagegen und empfehle auch hier einen möglichst schnellen Korallenbesatz, damit der Stein durch die platzierten Korallen abgeschattet wird und eine Nährstoffkonkurrenz entsteht. Ich stelle also die Frage, warum totes Riffgestein besser geeignet sein soll, als eine Keramik, die nicht signifikante Mengen an Nährstoffen enthält und zudem auch noch eine Form besitzt, die vorteilhafter ist als ein ggf. klobiger Riffstein mit vielen naturgemäß abgerunden Kanten, die einen stabilen Aufbau nicht unbedingt ermöglichen?

3) Wir sollten bei dieser Diskussion auch nicht die Naturentnahmen von lebenden Steinen und auch von totem Riffgestein vergessen. Die Aussage, dasstotes Riffgestein billiger ist, dann frage ich auch hier, wie es billiger und v.a. ökologisch sinnvoller sein kann, Steine quer über den Globus zu fliegen. Das ein in Deutschland in Handarbeit gefertigtes Keramikmaterial teurer ist als totes Riffgestein, das in Indonesien u.a. mit einer absolut nicht vergleichbaren Lohnstruktur abgebaut wird, bedeutet nicht, dass das Material dadurch wirklich billiger ist. Nur der Handelspreis ist billiger, aber bezogen auf die Arbeit und v.a. die ökologischen Auswirkungen ist es teurer. Das sollten wir an dieser Stelle nicht vergessen.

4) Nur mit lebenden Steinen zu arbeiten erachte ich aus eben genannten Gründen für falsch. Ich platziere lebende Steine immer nur exponiert im Licht und in der Strömung. Dadurch kann ich die Steine auch lange in einer entsprechenden Qualität erhalten. Einen kostbaren lebenden Stein im Unterbau zu verwenden, wo er durch Licht- und Strömungsmangel abstirbt, ist nicht nur Verschwendung, sondern birgt auch den Nachteil, dass hier gleich durch die absterbende Biomasse in und auf den Steinen Nährstoffdepots entstehen, die das System langfristig belasten. Lebendegestein muss sinnvoll eingesetzt werden!

5) Lebendgestein ist zudem auch nicht immer gleich. Das Lebendgestein grundsätzlich hochporös ist, wie es hier beschrieben wird, ist nicht gan richtig. Je evolutiv älter ein lebender Stein ist, desto stärker ist er verdichtet, und erfüllt alles andere als die Gegebenheiten, wie Ben sie beschreibt. Das merkt man auch dann an der Masse bezogen auf das Volumen eines Steins. Es gibt hochverdichtete Platten, die kaum mehr porös sind. Demgegenüber sind z.B. Lebende Steinen aus Heliopora Massiven zu porös, d.h. die Porengröße erlaubt im Inneren kein konstantes Sauerstoffgefälle, das an einer bestimmten Stelle dann eine saubere Denitrifikation ermöglicht. Durch die großen Poren neigen diese Steine schnell zur Entwicklung von Nitrit, als Zwischenprodukt in der Denitrifikation, dadurch, dass sich Schwankungen im Sauerstoffgehalt ergeben. Solche Steine sind empfindlich gegenüber der Entstehung von Bryopsis. Aus diesem Grund verwende ich Lebendgestein aus Heliopora nie. Die schön mit Makroalgen bewachsenen Riffplatten aus Indonesien sind zwar leicht und formschön, und auch ideal porös. Aber sie sind eben echte Makroalgen Schleudern, und hier hat man schnell das Problem, dass sich diese Makroalgen stark vermehren. Für die Stabilität im Riffaquarium ist das zunächst gut, allerdings verschiebt sich dabei die Dominanz hin zu den Algen. Was ich schon ansprach, war die Bedeutung des schnellen Korallenbesatzes als Initiator dafür, dass eine korallenfreundliche Umgebung entsteht. Bei solchen makroalgenlastigen Steinen entsteht aber schnell eine Umgebung, die stark von den Algen geprägt ist, und insbesondere empfindliche Steinkorallen ín ihrem Wachstum bzw. in ihrer Etablierung im Aquariensystem hemmt.

Wie jedes Material hat auch Lebendgestein Vor- und Nachteile, die man kritisch diskutieren muss. In diesem Fall ist die Porösität wie Ben Sie beschreibt keine absolute Größe, sondern in Lebendgestein extrem variabel. Demgegenüber kann sie im keramischen Material mehr oder weniger gut bestimmt und festgelegt werden (wobei ich hier als Nicht-Hersteller keine Fakten und Daten dazu kenne). Die von mir genannten optimale Annäherung der Riffsystem Keramik an die Struktur von lebenden Steinen bezieht sich auf ein Lebendgestein, dass ich persönlich als "Mustergestein" ansehe. Nicht jeder lebende Stein ist gut geeignet, wie ich es schon beschrieben habe, und ich arbeite nicht mit jedem x-beliebigen Riffgestein (bsp. Helioporasteine).

6) Abschliessend möchte ich noch einmal betonen, dass dieser Artikel eine sehr gut geeignete Keramik vorstellt und anhand dieser wichtige gestaltungsrelevante Parameter erörtert. Der Leser sollte auch beachten, dass ich an keiner Stelle in irgend einer Weise vorgebe, wie jemand sein Aquarium zu gestalten hat. In keiner Weise schließe ich die Verwendung von lebenden Steinen aus, im Gegenteil, die Kombination mit lebenden Steinen wird auch im Artikel erwähnt.

7) Was die Dosierangaben angeht: ein Hersteller muss grundsätzlich eine Dosierangabe machen, und natürlich kennt er beim Verkauf des Produktes nicht den Endkunden oder sein Becken. Aber, und darauf lege ich viel Wert, stelle ich mich als Hersteller zur Verfügung, um z.B. mit Hilfe meines Anamnesebogens ein Kundenbecken auszuwerten und zu optimieren. Bei Pflanzendüngern steht auch eine Dosierangabe, und der Anwender muss erkennen, ab wann er seine Pflanze ggf. auch überdüngt hat. Das ist in der Aquaristik nicht anders. Als Hersteller stehe ich als Ansprechpartner grundsätzlich zur Verfügung, und das kann die Lücke zwischen fixer Dosierangabe und dem individuellen Bedarfsfall schliessen.

8) Thomas schreibt, dass er aus meinem Bespiel bzgl. des Spurenelementbedarfs in Anlehnung an die Nitrifikation schließt, dass bei einem bestehenden Nitratabbau kein Defizit an Eisen und Molybdän besteht. Zum einen ist die Nitrifikation nicht die Denitrifikation, also kein Nitratabbau. Mein Beispiel bezieht sich auf die Oxidation von Ammonium zu Nitrit und Nitrat. Das nur zur Klarstellung. Zum anderen ist der allgemeine Nährstoffhaushalt um Weiten komplexer als hier angenommen wird. Ich habe nur an einem einzigen Beispiel, nämlich der Nitrifikation, erörtert, dass dieser Stoffwechselweg Spurenelement-abhängig ist. Es gibt unzählige andere Stoffwechselprozesse, wie die Denitrifikation, Ammonifikation, Polyphosphatakkumulierung, Schwefelreduktion, etc. Wir können also nicht sagen, dass ein Ökosystem ausreichend mit Spurnelementen versorgt ist, nur weil wir Nitrat im Wasser haben und wiederum daraus schliessen, dass die Nitrifikation funktioniert. Im sangokai System geht es nicht um Nitrat und Phosphat, sonden um möglichst alle Stoffwechselwege und Nährstoffkreisläufe, die potentiell im Aquarium ablaufen können.

Ich hoffe, dass ich alle Punkte soweit diskutiert habe und freue mich auf viele weitere Beiträge!

Beste Grüße
Jörg
Beitrag vom 11.06.2013 - 10:02 

Riffsystem-Bayern
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Guten Morgen zusammen,

vorab möchten wir uns bei Jörg bedanken für den ausführlichen und fachlichen Bericht.

Eine Berechnung der Oberflächengröße ist sicherlich für die Zukunft ein sinnvoller Punkt. Da wir uns derzeit aber noch im Fertigungsausbau aufgrund der hohen Nachfrage befinden, bitten wir hier um etwas Geduld.

In den kommenden Wochen werden wir auf unserer Homepage eine Dokumentation eines Beckens (130x70x70cm) zeigen, welches gänzlich mit Keramik eingerichtet wurde und mit den Sangokai Produkten eingefahren wird. Derzeit läuft das Becken seit ca. 3 Wochen und ist bereits mit ersten LPS und Ocellaris besetzt. Es zeigen sich bereits viele Kleinstlebewesen obwohl kein Gramm Lebendgestein verwendet wurde. Genaue Parameter folgen in unserer Dokumentation.

In Kürze wird ein weiteres Becken dokumentiert (600x200x180cm)welches direkt in unserer Fertigung entsteht und einen noch detaillierteren Einblick ermöglicht.

Wir hoffen hierdurch viele Fragen beantworten zu können und etwas mehr "Vertrauen" zur Keramikeinrichtung zu schaffen. Uns ist einerseits die Nachhaltigkeit durch einen keramischen Aufbau wichtig sowie ein biologisch einwandfrei funktionierendes Becken mit kaum Gestaltungsgrenzen.

Selbstverständlich ist ein "unbesiedeltes" Material in der Anfangsphase eine größere Herausforderung als Lebendgestein. Hierfür ist die richtige Behandlung wichtig, dies beschreibt aber Jörg in seiner Produktpalette im Einzelnen. Wir als Hersteller können nur Besiedelungsgrundlagen für eine ausgewogene Vielfalt an Bakterien schaffen - diese dauerhaft zu Pflegen liegt in der Aufgabe des Aquarianers.

Liebe Grüße
Mirjam
Beitrag vom 11.06.2013 - 09:20 

PulpRider

Dabei seit:31.07.2008
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Moin moin,

als "unbedarfter" Aquarianer kann ich hier weder etwas für oder gegen eines der existierenden Keramiksysteme sagen.

Ich kann mich nur auf Aussagen der Hersteller, bzw. Aquarianer mit entsprechenden Erfahrungen verlassen, um meine individuelle Entscheidung zu treffen.

Stören tun mich Aussagen wie "... gut gereinigtes Totgestein ...". Was heißt das? Kaum irgendwo liest man eine entsprechende Vorgehensweise, geschweige denn, dass jeder entsprechende Kapazitäten (Kärcher, Chemie, entsprechende Behältnisse...) hat.

Der Aufwand der Reinigung erscheint mir derart aufwendig, und das ohne Garantie alles richtig gemacht zu haben, dass im Zusammenhang mit noch benötigten Hilfsmitteln der Kostenfaktor kein derartiges Argument sein sollte, wie es stellenweise dargestellt wird.

Anfänger können sich damit ihre Becken schnell abschiessen, wenn sie sich voller Begeisterung auf diese "Geiz ist geil"-Option verlassen.

Für meine Begriffe wird ein bei mir notwendiger Umbau höchstwahrscheinlich nur mit Keramik realisiert, da ich nach 2 heftigen Glasrosenplagen dieses Risiko nicht mehr eingehen will.
Beitrag vom 11.06.2013 - 06:07 

Thomas Engels
Dabei seit:01.03.2006
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Hallo Ben ,

angehend silikat , der hersteller garantiert hier :
Link

das dies kein problem ist bei seinem produkt sei

ansonsten finde ich , das die vorwiegende verwendung von künstlichem gestein (mal abgesehen von gestaltungstechnischen vorteilen) in ziemlich krassem wiederspruch zu den biologischen versprechungen vom sangokai system steht - wenn die produktreihe auch nur die hälfte von dem hält , was sie verspricht , würde ich doch hier soviel wie möglich/sinnvoll lebende steine und damit artenvielfalt und diversität einbringen ,(was mit totem material doch unmöglich ist),um die vorteile
wirklich nutzen zu können ...
... tolle sps becken bekommt man auch mit guter technick,plastdeko und "traditionellen" spurisystemen hin.

Interessant finde ich die ausführungen von Jörg angehend zusammenhänge
siedlungsfläche/wasservolumen/spurenelente , demnach sollte man folgern können, das man keinen
mangel an elemten wie eisen und molybdän hat , solange der nitratabbau funkioniert ?

gruss

thomas

gruss
thomas

gruss

thomas
Beitrag vom 10.06.2013 - 23:51 

knuf
Dabei seit:29.09.2005
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Sehr geehrter Herr Kokott,

vielen Dank für die Verfassung dieses interessanten Berichtes und die Beschreibung eines guten Riffaufbaus.

Bei der von Ihnen vorgestellten Riffkeramik werden mir die Vorteile gegenüber "totem" oder "lebendem" Gestein jedoch nicht klar. Wie Sie selber sicherlich wissen zeichnet gutes, echtes Riffgestein, neben der extremen Porosität, auch eine auffällig abwechslungsreiche Struktur aus. Vor allem bohrende Tiere durchzogen ihrer Zeit das Material mit unzähligen Kanälen, Spalten und Löchern. Ähnlich den Adern im menschlichen Körper wird über diese Kanäle ein Stoffaustausch begünstigt. Erst an zweiter Stelle wird hierdurch die Oberfläche vergrößert. Die Keramik hingegen tritt mit einer überwiegend planen Oberfläche in Erscheinung, die erst im Laufe der Zeit durch eingebrachte Organismen aufgewertet werden kann. Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass der Mensch, trotz aufwendiger Herstellungsprozesse und durch ausgefeilte Materialmischungen, ein Substrat fertigen kann, das besser von Organismen besiedelt werden kann, als natürliches Material.

Selbstverständlich haben Sie Recht in Bezug auf eine vereinfachte Realisierung eines "luftigen" Riffaufbaus. Hier stellt sich mir jedoch die Frage zu welchem Preis. Mit "totem" Gestein kann solch ein Aufbau wesentlich günstiger realisiert und zudem nach den eigenen Vorstellungen gestaltet werden. Der selbstgefertigte Aufbau aus natürlichem Material wird schon aufgrund des verwendeten Materials natürlicher in Erscheinung treten als sein künstliches Pendant. Wird solch ein Aufbau zudem noch aus "lebendem" Gestein gefertigt, kann die nachträgliche Besiedelung mit allerlei Organismen ausgespart werden. Die eingebrachte Biodiversität wird sich selbstverständlich auf lange Sicht nicht erhalten lassen. Durch den Selektionsdruck im Ökosystem Riffaquarium wird sich im Idealfall jedoch eine Organismengemeinschaft zusammenfinden, die sich stabilisierend auf das System auswirkt. Zudem bin ich der Überzeugung, dass durch die Verwendung von frischem, lebenden Gestein eine größere Artenvielfalt im Aquarium entstehen wird, als durch das Einbringen von kleinen Ablegersteinen. Dann macht es auch weitaus mehr Sinn die mikrobielle Artenvielfalt mit Ihren Produkten zu erhalten.

Des Weiteren wurde beschrieben, dass die Keramik Stoffe wie Calcium, Magnesium und Silikat an das Aquarienwasser abgibt. Daher werden zum Erhalt guter Wasserparameter Korrekturmaßnahmen notwendig, die sich wiederrum destabilisierend auf das entwickelnde System auswirken und zudem unnötige Kosten verursachen. Gerade die Abgabe von Silikat wird wohl den aufmerksamen Aquaristen begeistern. Wollen wir dies doch als begünstigenden Faktor für eine Kieselalgenplage unbedingt haben. Gut gereinigtes "Tot"-Gestein kann hier selbstverständlich nicht mithalten. Bitte verzeihen Sie mir den Sarkasmus.

Im Gegensatz zu der von Ihnen vorgestellten Riffkeramik, finde ich einen Teil Ihrer Produktpalette recht interessant und erkenne auch den praktischen Nutzen dahinter. In einem Ihrer Kommentare erwähnen Sie: "Ich versuche, mit meiner Beratung und auch mit Artikeln wie dem hier vorliegenden zu erreichen, dass man von dem "Faustformel" Gedanken weggeht." Diesen Punkt finde ebenfalls sehr gut, denn das sehe ich genauso. Nur würde ich es mir wünschen, wenn sie dies auch bei Ihren Produkten berücksichtigen und damit vielen Produzenten mit gutem Beispiel vorangehen würden. Denn auch bei der Dosierung von Wasseradditiven kann keine Faustformel greifen. Jedes Aquarium ist individuell aufgebaut (z.B. Verhältnis der Gesamtdekorationsoberfläche zum Wasservolumen) und besetzt (z.B. Tiere mit unterschiedlichen Anforderungen an die Wasserparameter). Hinzu kommt die individuelle Festigung der Kleinstlebewesen und Bakterien. Bekomme ich nun ein Produkt in die Hand mit der Angabe 10 ml auf 100 Liter Aquarienwasser, so kann zwischen einer Unter- und Überdosierung alles eintreten. Besonders die Möglichkeit einer Überdosierung bedeutet eine ernst zu nehmende Gefahr für die Aquarienbewohner. Daher wäre es wünschenswert für die Dosierung von Wasseradditiven mehr individuelle Parameter mit einzubeziehen, als nur das Wasservolumen. Zumindest sollte es aber eine Angabe geben, die vorgibt in welchem Volumen und Intervall ein Wasserwechsel stattfinden soll, um die Gefahr einer schleichenden Überdosierung zu verhindern.

Mit freundlichen Grüßen

Benedikt Funk
Beitrag vom 10.06.2013 - 21:18 

Joerg Kokott
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Hallo Gerd,

der Artikel ist fachlich gehalten, weil solche Hintergründe leider in keinen Büchern stehen. Wie man Steine aneinanderklebt, oder zu allgemeinen Themen bezgl. praktischer Methoden zur Aquariengestaltung, steht vieles in der Literatur oder in Internetforen. Darum soll es hier nicht gehen. Sondern nur darum, welche Kriterien eine Aquariengestaltung berücksichtigen muss und welche Auswirkungen die Gestaltung auf die Aquarienbiologie haben kann. Die Riffsystem Keramik ist für mich eben eine, die diese Kriterien sehr gut erfüllt.

Das Material ist wie jede andere Keramik auch tot und nicht vorgehältert. Wobei man solche Dinge ja auch mit einem Händler vor Ort vereinbaren kann, der vor dem Kauf das Material eine Woche in seine Anlage einbaut, sofern hierzu Kapazitäten vorhanden sind.

Bakterien und v.a. viele andere Mikroben kommen mit lebenden Steinen, Bakterienpräparaten, und vor allem mit den Korallen in das Becken. Das Material muss nicht eine komplett intakte Bakterienflora aufweisen, damit man in das Becken Korallen einstellen kann. Es ist sogar eher so, dass in meinem Riffaquarienkonzept der frühe Korallenbesatz diese Animfpung übernimmt. Einer Koralle ist es egal, ob im Aquarium die Nitrifikation funktioniert, v.a. weil sie selbst durch die Aufnahme von Ammonium in den Stickstoffhaushalt selbst einwirkt. Daher stellt sich hier gar kein Zusammenhang, wie Du ihn vermutlich annimmmst. Es gibt auch nicht die "eine" Bakteriengemeinschaft im Riffaquarium, schon gar nicht können wir Einfluß darauf nehmen, wo welches Bakterium wächst. Wir können nur durch eine sinnvolle und v.a. offene/lockere Gestaltung dafür sorgen, dass wir keine Flächen oder Orte im Aquarium erzeugen, in denen die Bakterien irgend etwas machen, was wir nicht wollen. Stichwort unspezifische Dekorationsoberfläche: hier haben wir je nach Gestaltung nicht die Möglichkeit der Besiedlung mit Korallen etc, sondern diese Flächen werden v.a. von bakteriellen Biofilmen dominiert und wir erzeugen z.B. eine hohe Nitrifikationstätigkeit. Wenn wir diese nicht wünschen, dann können wir nur durch eine entsprechend optimalere Gestaltung darauf Einfluß nehmen.

Ich persönlich bringe lieber einen Schwung Korallen ein und nutze ein paar wenige lebende Steine, die ich sinnvoll in die Dekoration integriere, als dass ich zu einer Falsche industriell gezogener Bakterien greife. Was man auch machen kann, aber dadurch wird letztlich keine ökologische Stabilität erlangt. Sondern die kommt erst dann, wenn die Korallen anfangen, durch ihre Stoffwechselaktivität und durch ihr einsetzendes Wachstum die Umgebung zu kontrollieren. Und das setzt eben den Aquarianer in die Pflicht, frühzeitig zu handeln. Das sangokai Grundnährstoffsystem ist genau darauf ausgerichtet und spezialisiert.

Grüße
Jörg
Beitrag vom 10.06.2013 - 18:33 

gelöscht
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Beitrag vom 10.06.2013 - 17:47 

Joerg Kokott
Dabei seit:26.10.2004
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Hallo Peter,

danke für Deinen konstruktiven Beitrag. Ich kann zu den BET Daten nichts sagen, da ich ja nicht der Hersteller bin. Ich habe aber diesen Beitrag an Riffsystem weitergeleitet.

Dennoch gehe ich sehr gerne auf das Thema ein, und bin Dir dankbar, dass Du das ansprichst. Ich versuche, mit meiner Beratung und auch mit Artikeln wie dem hier vorliegenden zu erreichen, dass man von dem "Faustformel" Gedanken weggeht. Und das möchte ich gerne an dieser Stelle nochmals detailliert erkären:

Wie ich es im Artikel auch erörtert habe, spielt zwar die Gesamtdekorationsoberfläche im Rahmen der potentiellen filterbiologischen Aktivität des Materials eine Rolle. Insbesondere, wenn die oxische und damit potentiell aerob arbeitende Oberfläche sehr groß ist.

Aber, dieser Parameter steht bezüglich der Aquariengestaltung nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist hier die meinerseits definierte Expositionsoberfläche, v.a. die spezifische, denn genau hier wird man Korallen oder andere sessile Invertebraten oder Algen platzieren, und darauf kommt es an. Es sollte idealerweise genau das an Dekorationsmaterial eingesetzt werden, was für eine optimale Gestaltung benötigt wird, nicht mehr und nicht weniger. Und dabei soll die filterbiologische Aktivität gar nicht in erster Linie berücksichtigt werden. In den letzten Jahren hat sich doch insbesondere durch den Rückzug der Riesel- oder Sprühfilter gezeigt, das wir gar keinen Bedarf an zusätzlicher Siedlungsfläche für Bakterien benötigt, wie man es vielleicht in Süßwasserbecken hat.

Die BET Oberfläche sagt ja auch wiederum nichts darüber aus, welches Porengrößenspektrum bestehen und wie die Größen im Material verteilt sind. Das ist das gleiche wie bei Aktivkohle, nur weil bei einer entsprechenden Aktivkohle die BET Oberfläche sehr hoch ist, heißt dass nicht, dass das auch im praktischen Betrieb genutzt werden könnte. Alle stark mikroporigen Oberflächen setzen sich mehr oder weniger schnell zu, d.h. der für den Anwender vermeintliche filterbiologische Vorteil bei einem gegebenen Material kann in der Praxis wenig umgesetzt werden. Zumindst kann man hier nicht über die Zeit von konstanten Bedingungen ausgehen, die man für ein bestimmtes Filtermaterial annehmen kann, wenn man dieses in regelmäßigen Abständen erneuert.

Ich argumentiere nun einmal recht scharf und behaupte, dass der Anwender mit Faustformeln grundsätzlich dazu verleitet wird, sich nicht im individuellen Falle 100%ig mit den absoluten Anforderungen zu beschäftigen. Zur generellen Preiskalkulation mag das okay sein, aber insbesondere die Aquariengestaltung ist nicht anhand von Eckdaten wie z.B. dieser dubiosen 10% Regel zu planen. Vielmehr sollten Parameter wie in diesem Artikel besprochen berücksichtigt werden.

Liebe Grüße
Jörg
Beitrag vom 10.06.2013 - 11:44 

robertbaur
Dabei seit:24.08.2004
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Lieber Jörg

hab dank für den tollen Bericht der mir persönlich sehr gutgefallen hat. Ich bin sowieso der Meinung das die Aquariendekoration eines der wichtigsten Dinge ist. Es steuert nicht nur das spätere Aussehen des Riffs,neben dem biologischen Aspekt ist ja noch die Deko ein wichtiges Instrument der Fischgesellschaft .
Beitrag vom 08.06.2013 - 07:50 

reefanalytics
Dabei seit:10.05.2012
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Hallo Jörg,
das ist mal wieder ein sehr interessanter Artikel von dir.

Was mir immer aus wissenschaftlicher Sicht bei allen künstlichen Dekorationen fehlt, sind die BET-Isothermen, mit der man ja die wirkliche Oberflächengröße (m2/g) von künstlichem Besiedlungssubstrat ermitteln kann.

Habt ihr mal vor, so etwas zu ermitteln, damit man auch mal Zahlenmaterial zur Verfügung hat?
Für meine Granulate musste ich das mal machen, damit man einen Vergleich zu den Wettbewerbern hatte.

Zur Zeit habe ich von einem bekannten Hersteller aus dem Ruhrgebiet eine Dekoration aus totem Riffgestein in meinem Versuchsbecken, mit der ich nach sieben Wochen Einfahrphase auch nicht unzufrieden bin. Wie sich das alles entwickelt kann ich noch nicht sagen.Demnächst kommen auch noch zwei kleine Becken aus dem "Norden" dazu.

Was ich mir für die Zukunft von den Herstellern wünschen würde:

Eine Art "optimale Angabe" (Faustformel) in "Gramm künstliches (totes) Riffgestein" je Liter Aquarienwasser.

Das ist mit BET-Isothermen möglich.

Gruß,
Peter
Beitrag vom 07.06.2013 - 07:22 

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